Pro-Demokratie-Demonstrierende vor dem Demokratiedenkmal in Bangkok verlangen demokratische Reformen, 18. Juli 2020. Die Bewegung wird von Studierenden der Aktivist*innengruppe Free Youth und der Student Union of Thailand (SUT, in etwa: Thailands Studentenwerk) organisiert. Foto und Bildunterschrift von Darika Bamrungchok/EngageMedia. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

Trotz der Richtlinien zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie und der Tatsache, dass mithilfe einer Notverordnung große Versammlungen verboten wurden, organisieren thailändische Aktivistinnen und Aktivisten weiterhin landesweite Massenproteste.

Mit dieser von Studierenden angeführten Demokratiebewegung wird das erste Mal in der modernen Geschichte Thailands die Monarchie öffentlich kritisiert. In Thailand gilt ein striktes Lèse-Majesté- oder auch Majestätsbeleidigungsgesetz, das entsprechende Straftaten mit bis zu fünfzehn Jahren Haft ahndet.

Die erste Protestwelle war im Februar 2020 durch die Zwangsauflösung einer Oppositionspartei ausgelöst worden, was die junge Bevölkerung erzürnte und sie zur Organisation prodemokratischer Aktionen bewegte. Auch der im März begonnene Lockdown konnte das „Youthquake“ (lit. Jugendbeben) nicht stoppen. Stattdessen verlagerten die thailändischen Aktivistinnen und Aktivisten ihren Aufstand ins Netz, wo sie sich zu politischen Themen äußerten, Netzwerke des Widerstands aufbauten und Online-Proteste ins Leben riefen.

Die zweite Protestwelle wurde mit der von Studierenden organisierten Demonstration am 18. Juli 2020 vor dem Demokratiedenkmal in Bangkok eingeleitet. Über 2.000 Demonstrierende versammelten sich und forderten dreierlei: dass das Parlament aufgelöst, die durch die Militärregierung erneuerte Verfassung wieder umgeschrieben und der Einschüchterung und den willkürlichen Verhaftungen von Regierungskritikern ein Ende bereitet werde.

Diese Forderungen der Studierenden sowie Aktivistinnen und Aktivisten der Jugendbewegung spiegeln sich auch in ihren zahlreichen kreativen Protestaktionen online sowie offline wider. So verwenden zum Beispiel einige den aus der beliebten US-amerikanischen Filmreihe Die Tribute von Panem bekannten Drei-Finger-Gruß als Symbol des Widerstands.

Am 16. August 2020 versammelten sich die Menschen erneut am Demokratiedenkmal im Zentrum Bangkoks und zählen diesmal über 20.000. Damit war es die größte Demonstration Thailands, seit das Militär 2014 die Macht übernommen hatte.

Seit diesen Ereignissen haben die Behörden dutzende Anführerinnen und Anführer der Studierenden, Künstlerinnen und Künstler sowie Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten vorgeladen und ihnen mit Gerichtsprozessen aufgrund von Majestätsbeleidigung zu drohen. Die Bewegung wird inzwischen aber dennoch landesweit unterstützt. So haben auch pro-demokratische Vertreterinnen und Vertreter aus den unterschiedlichsten Bereichen an mehreren von Studierenden organisierten Märschen teilgenommen.

Darüber hinaus haben sich auch Aktivistinnen und Aktivisten aus Hongkong und Taiwan solidarisch geäußert, was wiederum auf den steigenden Einfluss der #MilkTeaAlliance (lit. Milchtee-Allianz) hindeutet. Dabei handelt es sich um eine von Netizens organisierte Demokratiekampagne, die chinesischen Online-Trollen den Kampf ansagt.

Global Voices hat zwischen 2014 und 2017 auch näher über die Hintergründe der thailändischen Militärregierung berichtet.

Zusätzlich hat unser Kooperationspartner EngageMedia eine Erklärung zur Lage in Thailand verfasst.

Außerdem werden wir auch weiterhin die von unseren thailändischen Medienpartner Prachatai und The Isaan Record bereitgestellte Berichterstattungen auf Global Voices neu veröffentlichen.

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