Die Darstellungen eines Digitalkünstlers zum Leben der thailändischen Bevölkerung und ihrem Kampf um Demokratie
Ein Interview mit Pssyppl über Protestkunst und die Zukunft der Demokratiebewegung
Mong Palatino Isabelle GoreBürgermedien
Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler haben die thailändische Jugendbewegung, die im Jahr 2020 demokratische Reformen forderte, bereits unterstützt. Einer dieser Künstler ist Pssyppl, der vom BK Magazine als ein „aufstrebender Künstler und Designer“ beschrieben wird, „der dunkle und größtenteils satirische digitale Gemälde erstellt, die die brennenden Themen unserer Zeit widerspiegeln.“
In einem Artikel im BK Magazine über ihn selbst und weitere Künstlerinnen und Künstler beschrieb Pssyppl seine schöpferische Vision folgendermaßen:
Meine digitale Kunst nimmt Ereignisse in den Fokus, die um mich herum geschehen – Ereignisse, die bei mir ein bestimmtes Gefühl im Kopf hinterlassen, welches dann in Form von sarkastischen, digitalen Gemälden geformt und visualisiert wird. Der Beweggrund dieser Kunstwerke ist Wut – die Wut darüber, dass ich nichts sagen oder tun kann, um mich diesem korrupten [in Thailand regierendem] System zu widersetzen. Die Kunst ist meine einzige Möglichkeit, diesem brodelnden Gefühl in meinem Kopf Ausdruck zu verleihen.
Tatsächlich scheint Wut eine treibende Kraft der digitalen Kunstwerke zu sein, die Pssyppl auf Instagram veröffentlicht. Eines davon zeigt, wie sich Thailands Widerstandsbewegung gegen eine Regierung aufbäumt, die mithilfe des unterdrückerischen Artikels 112 des Strafgesetzbuchs all diejenigen verhaftet, die es wagen die Monarchie zu kritisieren.
Das Bild wurde auch zusammen mit einer Beschreibung des Künstlers auf der Nachrichtenwebsite New Naratif veröffentlicht:
Wir, die Menschen, werden schon so lang ich mich erinnern kann von höheren Mächten unterdrückt, manipuliert und kontrolliert. Jetzt, da ihr Elfenbeinturm ins Wanken gekommen ist, wird es Zeit, dass wir uns für eine bessere Zukunft einsetzen, und das nicht nur für uns selbst, sondern auch für künftige Generationen.
Mit einem weiteren Bild kritisiert Pssyppl das Militär, das 2014 durch einen Putsch die Macht übernommen hat und seither die zivile Regierung, trotz der Wahlen im Jahr 2019, dominiert.
Bildtext: ICH WILL SIE
ZUM SCHWEIGEN BRINGEN
KÜMMERN SIE SICH UM IHREN KRAM
HIER IST ALLES IN ORDNUNG
Ich habe das verdorbene System Thailands symbolisch als die Figur eines Generals dargestellt. Das System brüllt Ihnen einen Befehl zu und Sie werden ihm Folge leisten. Das System, das Ihnen mit einem Plakat suggeriert, dass Sie bereits ein gutes Leben führen, keine Fragen stellen sollten, nicht versuchen sollten, die Dinge zu verändern. Das System, das die Körper all derjenigen versteckt, die es wagen für ihr Leben zu kämpfen, indem es die Geschichte verfälscht und die Menschen gegeneinander aufhetzt. Am Ende ist es nur ein Plakat. Sie entscheiden sich entweder, an das „System“ zu glauben, das Sie mithilfe von Kunst kontrollieren will, oder wir kämpfen gemeinsam gegen das System an und machen es dem Erdboden gleich.
„Befehle befolgen“
Digitale Farbe, 2020.
Ich habe Pssyppl über Twitter interviewt und ihn gefragt, welche Rolle die Kunst für den Erhalt der prodemokratischen Protestbewegung in Thailand spielt:
Ich denke, in einem Land, wo die Menschen nicht über Fakten reden und die Wahrheit verbreiten können, sind Kunst, Musik, Aufführungen und alle anderen Ausdrucksformen, die nicht nur auf Worten beruhen, ziemlich wichtig. Sie bieten den Menschen eine Alternative, ihre Gefühle auszudrücken und andere zum Zuhören zu bewegen.
„Revolution“
Digitale Farbe, 2020.
(Angelehnt an „Die Freiheit führt das Volk“
Ein Gemälde von Eugène Delacroix)
Ich habe ihn auch gefragt, wie er die Chancen der Demokratiekampagne im Jahr 2021 einschätzt:
Wir haben seit dem Putsch vor sieben Jahren schon einiges erreicht. Der Kampf wird lange andauern und könnte, meiner Meinung nach, noch über 2021 hinaus gehen. Ich kann schlecht sagen, was die Zukunft für uns bereithält, aber es ist ein Wandel im Gange und ein Hoffnungsschimmer kommt langsam zum Vorschein. Jetzt, da es Covid-19 gibt, tragen wir noch mehr Verantwortung als zuvor. Es wird also ein langsamer Prozess sein, aber ich bin mir sicher, dass wir Fortschritte machen.
„Erhebt euch“
Digitale Farbe, 2020.
Dies sind seine Worte an andere Künstlerinnen und Künstler:
Für mich ist es das Allerwichtigste, nie an sich selbst zu zweifeln. Es wird Werke geben, die Sie hassen, Sie werden müde und unsicher sein, ob Sie die richtige Wahl getroffen haben. Falls es aber das ist, was Sie lieben, hören Sie niemals damit auf, Kunst zu erschaffen. Wenn Ihnen etwas misslingt, versuchen Sie es nochmals und scheitern Sie erneut, bis Sie sich in Ihr Misslingen verlieben.
„Die Wahl“
Digitale Farbe, 2019.