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Die Pflicht des Nicht-Vergessens: 30 Jahre nach Tiananmen

Installation der taiwanesischen Künstlerin Shake, inspiriert vom Foto des Mannes, der vor den Panzern stand, welches im Zentrum Taipeis ausgestellt ist. Foto von Filip Noubel. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

Es sind mittlerweile 30 Jahre vergangen seit dem Aufstieg und Fall der 1989'er chinesische Demokratiebewegung (八九民运), welche mit dem berüchtigten Tiananmen-Massaker am 04. Juni 1989 ihr Ende fand.

An diesem Tag wurde die von Studenten angeführte Demonstration, die eine demokratische Reform im Land forderte, brutal durch das chinesische Militär zerschlagen. Das chinesische Rote Kreuz schätzt, dass rund 2.700 Zivilisten getötet wurden. Andere Quellen jedoch gehen von einer viel höheren Opferzahl aus. Ein vertrauliches, im Jahr 2014 enthülltes Dokument berichtet von einer internen chinesischen Ermittlung, welche von 10.454 zivilistischen Opfern ausgeht.

Chinas Kommunistische Partei äußerte sich nie offiziell zu diesen Ereignissen oder hat selbige eingestanden und auch eine unabhängige Untersuchung wurde nie durchgeführt. In den Geschichtsbüchern wird die Demokratiebewegung von '89 mit keinem Wort erwähnt und die meisten chinesischen Universitätsstudenten haben niemals von dem Massaker gehört.

Global Voices berichtet seit mehr als einem Jahrzehnt über die Ereignisse. Dieses Jahr gedenken wird dem 30. Jahrestag dessen, was zum Massaker am 04. Juni führte und erfüllen unsere Pflicht, die Erinnerung an das, was passierte, am Leben zu halten, trotz anhaltender Bemühungen aus Peking alles Geschehe zu leugnen.

Pekings Entschlossenheit, jede Erwähnung und jeden versteckten Bezug zum 04. Juni zu zensieren, resultierte in einem nicht enden wollenden im Internet stattfindenden Katz-und-Maus-Spiel. Im April kursierte in chinesischen Sozialen Medien das Bild von Tank Man, dem Mann, der sich vor die Panzer stellte, nachdem eine ausländische Werbekampagne es verwendete. Nach kurzer Zeit wurde es jedoch wieder verdrängt. Ein weiterer unserer Berichte zeigt, wie chinesische Netzbürger mit der Zensur spielen und mit kreativen Ansätzen auf die Ereignisse hindeuten, ohne sie konkret beim Namen zu nennen. Sollten sie erwischt werden, drohen ihnen unmittelbare und schwere Strafen. All dies geschieht in einer Umgebung, in der die Recherche von nicht durch die Online-Zensur der Regierung gefilterten Informationen außerordentlich gefährlich und nahezu unmöglich ist.

Das Äußern von kritischen Tönen in sozialen Netzwerken außerhalb Chinas ist ebenfalls mit Risiko verbunden, wie dieser Beitrag verdeutlicht. Und alternative, nicht partei-konforme Ansichten, auch wenn sie im Marxismus verwurzelt sind, resultieren für gewöhnlich in Schikane und Verhaftung, wie wir hier beschrieben haben. Diese drakonische Zensur wird von Peking in andere Länder weltweit exportiert, eingenommen Hong Kong.

Und doch inspiriert die Pflicht des Sich-Erinnerns Menschen und Netzbürger überall auf der Welt. Augenzeugen kommen in emotionalen Interviews zu Wort während mutige Journalistinnen und Journalisten in Hong Kong ihre eigenen Geschichten des 04. Junis erzählen. In Hong Kong sind darüber hinaus an öffentlichen Plätzen Nachbildungen der symbolträchtigsten Figur der Bewegung zu sehen, der Göttin der Demokratie. Eine eindrückliche Kunstinstallation zollt im Herzen Taipehs, Taiwan, den Ereignissen von '89 Tribut. Weltweit nutzen Netzbürger, wie bspw. Reddit-Nutzer, außerdem Humor, Kunst und Memes, um die Erinnerung an die chinesische pro-demokratische Bewegung wachzuhalten.

Diese Seite wird weiter aktualisiert werden. Für weitere Informationen und Beiträge zum Thema (Beiträge überwiegend nicht in deutscher Sprache):

Taiwan: Aufblasbarer Mann stellt sich vor Jahrestag des Tiananmen-Massakers Panzer gegenüber

China arrests filmmaker for retweeting an image of a liquor bottle referencing Tiananmen Massacre

30 years after the Tiananmen Massacre: The troubled history of the Goddess of Democracy

Hong Kong multimedia project commemorates the 30th anniversary of June 4 massacre in Beijing

30 years after the Tiananmen Massacre: An interview with survivor Zhou Fengsuo

Leica's promo video referencing Tiananmen Square massacre went viral on Chinese social media. Then, it disappeared.

China's Censored Histories: Commemorating the 30th anniversary of the Tiananmen Square Massacre

Chinese authorities go after citizens for using VPNs, skirting online censorship

Political cartoonist Badiucao abruptly cancelled his Hong Kong exhibition — and then went silent

Users flood Reddit with China censorship memes, balk at $150 million investment from Tencent

 

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