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Bildung gegen alle Widerstände: Wie eine junge Mutter aus Afghanistan die sozialen Medien im Sturm eroberte

Das Foto wurde vom Dozenten Yahya Erfan aufgenommen und auf Facebook gepostet. Es wurde in sozialen Medien auf der ganzen Welt vielfach geteilt.

Es ist ein Bild voller Liebe und Entschlossenheit.

Mitte März sitzt eine in einen blauen Schleier gehüllte Studentin in einer Provinz in Afghanistan in einem Klassenzimmer unter freiem Himmel auf dem Boden und schreibt eine Prüfung. Auf ihrem Schoß liegt ein Baby.

Yahya Erfan, ein Dozent der Universität, an der die Prüfung stattfand, machte ein Foto davon und postete es auf seiner Facebook-Seite.

Das Foto verbreitete sich sofort wie ein Lauffeuer.

Die Frau auf dem Bild ist die 25-jährige Jahantab Ahmadi. Sie sitzt im Schneidersitz über die Prüfungsunterlagen gebeugt, das Gesicht konzentriert, während ihr zwei Monate altes Baby auf ihrem Schoß wegen Ohrenschmerzen weint.

Jahantab ist Mutter von drei Kindern und kommt aus Hoshto, einem abgelegenen Ort in der Region Miramar in der Provinz Daikundi.

Um überhaupt an der Prüfung in der Provinzhauptstadt Nilli teilnehmen zu können, musste Jahantab zwei Stunden zu Fuß über felsige Wege durch die Berge laufen. Danach folgten weitere neun Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln über schlechte Straßen voller Schlaglöcher.

Das Foto wurde zu einer Quelle der Inspiration für viele Nutzer sozialer Medien in einem Land, in dem viel zu oft Nachrichten über blutige Anschläge die Schlagzeilen dominieren.

Ein beeindruckendes Bild aus den sozialen Medien: Diese Mutter schreibt die Aufnahmeprüfung an einer Universität in der Provinz Daikundi und passt gleichzeitig auf ihr Kind auf. Afghanische Frauen lassen sich durch nichts aufhalten.

In zwanzig Jahren wird sich dieses Kind das Bild in einem besseren Afghanistan ansehen (… wo Kriege und Leid Vergangenheit sind und Fotos wie dieses eine Erinnerung an die Stärke all derer sind, die trotz allem nicht aufgegeben haben).

Obwohl sie aus einer konservativen Gesellschaft kommt, in der viele Männer gegen Bildung für Frauen sind, hat Jahantab das Glück, dass ihre Familie sie unterstützt und bewundert.

Ihr Mann, Musa Mohammadi, kommt aus einer armen Familie und ist für sie eine wichtige Stütze.

Kurz nachdem das Foto in den sozialen Medien veröffentlicht wurde, hatte das Paar Grund zum Feiern. Jahantab hatte die Kankor, die landesweite Aufnahmeprüfung für die Universität, mit 152 von 360 Punkten bestanden.

Die GoFundMe-Kampagne

Jahantabs Geschichte führte dazu, dass ihr sowohl aus dem eigenen Land als auch aus der ganzen Welt finanzielle Unterstützung angeboten wurde.

Die Afghan Youth Association, eine Hilfsorganisation mit Sitz in Großbritannien, startete eine Online-Kampagne auf GoFundMe, um Geld für Jahantabs Studiengebühren zu sammeln.

Bisher wurden so bereits mehr als 14.000 US-Dollar gesammelt – in einem Land, in dem etwa 39 % der Bevölkerung in Armut leben, ein Vermögen.

Dank dieser und anderer Kampagnen ist Jahantab nun an einer privaten Universität in Kabul eingeschrieben, wo sie im Hauptfach Wirtschaft studiert.

Die afghanische Aktivistin Zahara Yagana war eine der Schlüsselfiguren, die auf Jahantabs Ziel aufmerksam machte und Hilfe für sie organisierte. Sie veröffentlicht auch jetzt immer wieder Neuigkeiten über die Fortschritte der jungen Studentin.

Bemühungen um Bildung für Frauen „geraten ins Stocken“

Obwohl von überall auf der Welt Milliarden Dollar für Bildung gespendet wurden, ist Analphabetismus – vor allem unter Frauen – auch nach dem Sturz des Taliban-Regimes noch weitverbreitet.

Eine Studie des afghanischen Statistikamts von 2017 zeigt, dass 84 % aller Frauen in Afghanistan Analphabetinnen sind und nur 2 % der Frauen Zugang zu höherer Bildung haben. Wenn man die größten Städte des Landes dabei nicht berücksichtigt, geht diese Zahl nahezu gegen Null.

Ein 2017 veröffentlichter Bericht von Human Rights Watch zeigt den Einbruch der Bildung für Mädchen im Land und schätzt, dass „etwa zwei Drittel der Mädchen nicht zur Schule gehen“.

Human Rights Watch beklagt auch, dass im Zuge der abnehmenden strategischen und militärischen Bedeutung des Landes für den Westen auch die Entwicklungsbemühungen der afghanischen Regierung und ihrer internationalen Partner in den letzten Jahren „beträchtlich ins Stocken geraten“ sind.

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