Die letzte Inkabrücke Q'iswachaka vereint weiterhin Gemeinden
Gabriela García Calderón Orbe Katharina JahnBürgermedien
Zu Zeiten des Inkareiches, das auch unter dem Namen Tawantinsuyu bekannt war, entwickelten die alten Peruaner ein weitreichendes Netzwerk von Wegen und Brücken, welches das große Gebiet des Imperiums miteinander verband. Von allen Hängebrücken, die in jener Zeit existierten, ist nur noch die Q'iswachaka oder Queshuachaca (wortwörtlich „Seilbrücke“ auf Quechua) übrig geblieben, welche über ein schmales Stück des Río Apurímac in der Canas-Provinz, Region Cusco, im Süden des Landes, führt.
Die Q'iswachaka wurde aus Ichu, einer Pflanzenfaser, die in der Hochebene der Anden reichlich vorkommt, hergestellt. Durch das Fortsetzen der Tradition konnte diese alte Technik zusammen mit ihren Ritualen und dem System gemeinschaftlicher Arbeit bis heute über 500 Jahre hinweg aufrechterhalten werden.
Jedes Jahr im Juni arbeiten die bäuerlichen Gemeinden Huinchiri, Chaupibanda, Choccayhua und Ccollana Quehue gemeinsam daran, die Brücke mit verschiedenen Rohstoffen und traditionellen Techniken, die aus der Zeit der Inka stammen, wieder instand zu setzen und halten dafür rituelle Zeremonien ab:
Die gemeinschaftliche Arbeit wird nicht nur als ein Mittel gesehen, um den guten Zustand eines Verkehrsweges zu wahren, sondern auch als eine Möglichkeit betrachtet, die sozialen Bindungen zwischen ihnen zu vertiefen. Die Brücke wird als heiliges Symbol für das Band zwischen den Gemeinden und der Natur, ihrer Geschichte und ihren Taditionen interpretiert […].
Die Erneuerung der Brücke und die Wiederbelebung einer Tradition
Das Ritual der Instandsetzung dauert drei Tage, jeder einzelne besitzt dabei genau vorgegebene Tätigkeiten.
Der erste Tag beginnt mit einer Opfergabe für den Berggott Apu. Das wichtigste Material, Ichu, wird bereits vorab gesammelt. Nachmittags teilen sich die Männer der Gemeinden in zwei Gruppen und versammeln sich oberhalb beider Brückenseiten. Von dort aus breiten sie die Seile zu beiden Enden hin aus, welche der chakaruhac (Inkaingenieur) flechtet, um damit den Hauptflechtzopf zu verstärken.
Am zweiten Tag werden die alten Seile von den Steinnägeln befreit, die später ebenfalls die neuen Zöpfe halten werden. Wenn die Seile geflochten und die Taue festgebunden sind, werden die vier dicken Seile, die als Basis dienen, und die zwei Geländer bzw. Handläufe angebracht.
Am letzten Tag werden die Handläufe und die Oberfläche der Brücke, die bei der Überquerung behilflich sind, verstärkt. Eingeweiht wird die Brücke mit dem Klang von Musik und typischem Tanz der Region.
Ein Nutzer veröffentlichte auf Twitter ein Video, das zeigt, wie die Brücke jedes Jahr geflochten wird:
2013 wurden die Kenntnisse, Techniken und Rituale die mit der jährlichen Instandsetzung der Brücke Q'iswachaka verbunden sind in die repräsentative Liste der inmateriellen Kulturgüter der Menschheit von der UNESCO aufgenommen.
Auch auf Instagram gibt es Fotos von Personen, die die Brücke überquert haben:
#cuzco #Q’eswachaka im Bau.
#cuzco #Q’eswachaka… jetzt heißt es sie zu überqueren.