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Ausdruck „schlechter Ministerpräsident“ in Text der Aufnahmeprüfungen in Griechenland zensiert

Bildungsministerium, Bildquelle: Wikimedia Common

Ein weiterer Fehltritt der SYRIZA-Regierung hat kurz vor Beginn der Sommerferien Reaktionen ausgelöst.

Im Juni finden die schriftlichen Aufnahmeprüfungen für die Universität statt, die griechenlandweit durchgeführt werden. Dieses Jahr haben die Schüler der berufsbildenden Gymnasien (gr. EΠΑΛ) am 6. Juni eine veränderte Version eines Textes von Giorgos Theotokas im Fach Neugriechisch vorgelegt bekommen.

Theotokas gehörte der Gruppe „Generation der 30er Jahre“ an, einer Gruppe bestehend aus bekannten Schriftstellern, Dichtern und Philosophen, die große Veränderungen in der griechischen Literatur herbeiführten.

Die Schüler sollten eine Frage zu einem veränderten Zitat beantworten. Das Zitat im Original aus Theotokas‘ „Gedanken und Thesen“ (1956) lautet wie folgt:

«Ένας άξιος μαραγκός που κατέχει καλά τη δουλειά του και πιστεύει σε αυτή είναι πολύ πιο ολοκληρωμένος και αξιοσέβαστος άνθρωπος από έναν κούφο πρύτανη ή έναν κακό πρωθυπουργό».

„Ein fähiger Schreiner, der sein Handwerk beherrscht und daran glaubt, ist ein vollendeterer und respektablerer Mensch als ein einfältiger Dekan oder ein schlechter Ministerpräsident.“

Im Prüfungstext aber, wurde das Zitat „als ein einfältiger Dekan oder ein schlechter Ministerpräsident“ durch „ein schlechter Wissenschaftler“ ersetzt. Die Kandidaten müssen die Prüfungen bestehen, um an einer Universität aufgenommen zu werden.

Die „Zentrale Prüfungskommission“ nahm wie folgt dazu Stellung: „Gemäß den geltenden Rechtsvorschriften über die Abiturprüfungen dürfen für die Zwecke der Prüfung im Fach Neugriechisch die ausgewählten Texte abgeändert werden, was nicht selten vorkommt“. Außerdem werden die Texte dem Niveau der Schüler angepasst. Darüber hinaus wies man am Ende des Zitats darauf hin, dass es sich um eine Bearbeitung des Ausgangstextes von Giorgos Theotokas handelte.

Sowohl die „Zentrale Prüfungskommission“ als auch die „Nationale Prüfungsorganisation“, die die Prüfungsfragen auswählen, unterstehen dem Bildungsministerium und unterliegen daher der Kontrolle der Regierung.

Wieso wurde das Zitat abgeändert?

Es verwundert nicht, dass man es als angemessen erachtete, diesen provokanten Ausdruck abzuändern, da Alexis Tsipras wesentlich an Beliebtheit eingebüßt hat. Eine andere Begründung ist, dass die linken Ideologen versuchen, den Schreiner absichtlich über den Wissenschaftler im Namen des Klassenkampfes zu stellen.

Hier ein typischer Kommentar auf Twitter:

Wenn das linke Bildungsministerium einen Text von Theotokas zensiert, weil es ihm nicht gefällt, kann man mit Sicherheit von einem faschistischen Ministerium sprechen  #panellinies2017

Die bekannte Journalistin und Schriftstellerin Elena Akrita schrieb auf Facebook:

Mir gefällt die „Argo“ von Theotokas nicht, ich werde sie neu schreiben.

Zensurversuche

Das ist nicht das erste Mal, dass die Regierung mit der Zensur liebäugelt. Im Jahre 2016 hat die Regierungskoalition, die aus der „Linksradikalen SYRIZA-Partei“ und der Rechtskonservativen ANEL besteht, versucht, ein Gesetz zu erlassen, mit dem in Griechenland nur vier Fernsehsender eine Lizenz zum Ausstrahlen erhalten – in einem Land, das 10 Millionen Einwohner zählt. Dieses Gesetz wurde vom Staatsrat abgelehnt.

Nach dem gescheiterten Versuch, das Fernsehen zu kontrollieren, hat SYRIZA einen Kreuzzug gegen die Fernsehprogrammveranstalter begonnen. Die Regierung scheint eine Vereinbarung mit den Eigentümern von MEGA, einem der größten Fernsehsender Griechenlands, und mit dem Koloss „Lambrakis Press Group“ getroffen zu haben, wobei sie die finanziellen Probleme der beiden Medien ausnutzten. Die Zeitungen und Zeitschriften der „Lambrakis Press Group“ üben jetzt schon keine harte Kritik mehr an SYRIZA aus. Ferner kann davon ausgegangen werden, dass der Fernsehsender MEGA, wenn er wieder ausstrahlt, positiver gegenüber der Partei von Alexis Tsipras eingestellt sein wird.

Die Änderung des Zitats von Theotokas kann reiner Zufall gewesen sein oder,aber auch ein weiterer Versuch von SYRIZA, ihr schlechtes Image zu verbessern und ihre Macht weiter auszubauen.

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