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Nepal: Erholung der Bestände und Einnahmen für Gemeinden dank „Geier-Restaurants“

Schneegeier im „Geier-Restaurant“, Nawalparasi, Nepal. Foto von Sagar Giri. Mit Erlaubnis verwendet.

Sie sind groß, hässlich und haben einen schlechten Ruf. Mit Geiern hat uns Menschen schon immer eine Hassliebe verbunden – sie gehören aber auch zu unseren natürlichen Verbündeten. Die Vögel ernähren sich hauptsächlich von Aas und sind somit ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems. Indem sie das Fleisch toter Tiere fressen, tragen Geier dazu bei, dass sich Bakterien und Krankheiten, die von den verwesenden Körpern ausgehen, weniger stark verbreiten. Obwohl sie somit eine äußerst wichtige gesundheitliche Rolle spielen, werden die großen Vögel trotzdem nach wie vor häufig eher als Plage denn als nützliche Tiere angesehen.

Aus einer Studie, die in Indien im Jahr 2007 durchgeführt wurde, geht hervor, dass die Population von Bengalgeiern (Gyps bengalensis) im Vergleich zu den frühen 1990er Jahren auf 0,1 % zurückgegangen war. Im westlichen Nepal war der Bestand dieser Tiere im Jahr 2009 im Vergleich zu 2002 um 25 % geschrumpft. Auch die Indiengeier- und Schmalschnabelegierpopulationen (Gyps indicus und Gyps tenuirostris) auf dem indischen Subkontinent haben sich dramatisch verkleinert. Leider ist dieser Trend nicht nur in Südasien zu beobachten, sondern die Geierbestände schrumpfen auf der ganzen Welt. Die Tiere finden z. B. weniger Nahrung, es kommt zu Problemen mit von Menschen geschaffenen Strukturen oder mit Substanzen, die für die Vögel giftig sind.

Um diesem Rückgang etwas entgegenzusetzen, greifen einige Länder auf ein innovatives Schutzkonzept zurück, durch das sich die Populationen wieder erholen sollen: so genannte „Jatayu-Restaurants“ oder „Restaurants für Geier“.

Örtliche Geier-Restaurants

Um Geier-Populationen zu erhalten, wurden in mehreren asiatischen Ländern Futterstationen errichtet, u. a. in Kambodscha, Indien, Pakistan und Nepal. In Nepal kümmern sich die umliegenden Gemeinden um diese Stationen, die auch Jatayu-Restaurants genannt werden, benannt nach einer mythologischen Figur des hinduistischen Epos Ramayana und dem sanskritischen Wort für Geier: Jatayu.

Wer in Nepal und naturbegeistert ist, sollte unbedingt ein Jatayu-Restaurant besuchen – ein einmaliges, faszinierendes Erlebnis. #conservation https://t.co/rENmDgrkkE

— Rebecca (@_Re_be_cca) August 3, 2017

Die Betreiber der Geier-Restaurants beziehen alte und unfruchtbare Rinder von Bauern und kümmern sich auf Gnadenhöfen um die Tiere, bis diese sterben. Die Menschen geben ihre alten und unfruchtbaren Tiere gerne an die Restaurants ab, da sie wissen, dass deren Betreiber sich bis zum Tod der Rinder gut um diese kümmern.

Impression aus einem Geier-Restaurant im westlichen Nepal. Tote Tiere werden dort an Geier verfüttert, nachdem sichergestellt wurde, dass sich in den Kadavern kein Diclofenac befindet. Aufgrund der Gabe dieses Medikaments an Nutztiere waren die Geier nach und nach verschwunden: Die Vögel waren nach dem Verzehr von Aas, in dem sich Rückstände von Diclofenac befanden, an Nierenversagen gestorben. Seit es in Nepals südlichen Ebenen Geier-Restaurants gibt, erholen sich die Bestände wieder. Und die Umweltschützer sind glücklich!

Nach ihrem Tod werden die Rinder an die Geier verfüttert – aber erst, nachdem sichergestellt wurde, dass sich in ihren Kadavern kein Diclofenac befindet.

Das Medikament, das für das Massensterben von Geiern verantwortlich ist: Diclofenac

Der Einsatz von Diclofenac zur Schmerzlinderung bei Nutzvieh war einer der Hauptgründe für das massenhafte Sterben von Geiern in Nepal, Indien und anderen südasiatischen Ländern. Selbst geringe Mengen dieses Medikaments können für Geier tödlich sein, da es bei ihnen Nierenversagen auslöst. Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren, sammelt sich Harnsäure im Blut der Vögel und kristallisiert um ihre inneren Organe.

Da Geier in großen Gruppen fressen, reicht ein einzelner Kadaver mit Diclofenac-Rückständen aus, um viele Tiere auf einmal zu töten.

Seit 2006 ist das Medikament in Indien, Nepal und Pakistan und seit 2010 in Bangladesch verboten. Dank dieses Verbots und der Schutzinitiativen mehrerer Organisationen, unter ihnen örtliche Gemeinden, erholt sich der Bestand dieser stark bedrohten Arten langsam wieder.

Außerdem sind Geier-Restaurants mittlerweile Attraktionen für in- und ausländische Touristen und sorgen so für ein zusätzliches Einkommen für die umliegenden Gemeinden. Diese haben auch begonnen, die Haut der Rinder für die Leder- und deren Knochen für die Düngerherstellung zu verkaufen.

Je beliebter die Jatayu-Restaurants und je größer die Einnahmen für die umliegenden Gemeinden werden, desto mehr sehen Menschen, die Geier bisher eher abstoßend fanden und sie gemieden haben, die Tiere mit anderen Augen. Langsam aber sicher wandelt sich die schlechte Meinung über die Aasfresser in ein besseres Verständnis der wichtigen Rolle, die sie im Kreislauf des Lebens spielen.

Wer die Tiere aus der Nähe betrachten möchte, kann eines der örtlich betriebenen Jatayu-Restaurants in den Distrikten Nawalparasi, Rupandehi, Dang, Kailali oder Kaski besuchen.

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