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Warum der News Frame wichtig ist (Teil 1 von 2)

„Eingerahmt“ von Flickr-Nutzerin Amanda Tipton. Foto aufgenommen im November 2013 (CC-BY-NC-ND-2.0)

Auch wenn das NewsFrames-Team von Global Voices schon seit einer Weile sehr aktiv ist, haben wir noch nicht viel über das Framing [in gedankliche Deutungsrahmen fassen] selbst gesprochen. Angesichts der Tatsache, dass dieses Konzept für unsere Initiative von zentraler Bedeutung ist, wollen wir dies hiermit tun.

Frames [gedankliche Deutungsrahmen] können sowohl sehr leicht als auch schwer zu verstehen sein. Wer jemals ein Foto gemacht hat, kennt ein wenig von dem, was Framing mit sich bringt: Von all dem, was im Sichtbereich gerade vor sich geht, gibt es einen bestimmten Teil, von dem man denkt, er sei es wert festgehalten zu werden. Wie lenkt man die Aufmerksamkeit auf diesen Bereich? Man setzt Parameter für das Bild, indem man das Blickfeld einengt und ein bestimmtes Objekt oder einen bestimmten Punkt mit dem Sucher fokussiert. Hat man Glück – oder ist man sehr geübt – dann vermittelt das entstandene Bild etwas mehr als die Summe seiner Farben, Formen oder Details.

Den Sichtbereich einzugrenzen, einen Gegenstand zu fokussieren sowie technische Kunstfertigkeit sind Aspekte des Framings, die sich ebenso gut auf den Bereich der Nachrichtenberichterstattung übertragen lassen. Auf den Kontext der Nachrichten angewandt bedeutet dies, den Kontext zu definieren, den Gegenstand zu entwickeln und den Bericht tatsächlich zu schreiben. Genauso wie die visuellen Komponenten eines Bildes eine bestimmte Perspektive auf einen Gegenstand darstellen, leiten die Entscheidungen, die man beim Schaffen eines Nachrichtenbeitrags trifft, die Art und Weise, auf die dieser Beitrag interpretiert wird.

Doch dies ist nur der Anfang von dem, was Frames sind und wie sie wirken könnten, insbesondere bei Nachrichten.

Framing ist ein Konzept, das mehrere Disziplinen überbrückt, einschließlich der Soziologie, der Wirtschaftswissenschaft, der Psychologie, der kognitiven Linguistik und der Politikwissenschaft. Um den Frame zu erkennen oder die Verbindung davon, wie Informationen präsentiert und von uns interpretiert werden, sollte man versuchen, diese klassische Fragestellung durchzuarbeiten: Angenommen, es gibt den Ausbruch einer Seuche, von der vorausgesagt wird, das sie 600 Menschen töten wird und es stehen zwei Optionen zur Verfügung, darauf zu reagieren:

[Wir bennen dies als Frame 1.]

  • Option A: 200 Menschen werden gerettet.
  • Option B: Mit einem Drittel Wahrscheinlichkeit werden 600 Menschen gerettet, aber mit zwei Dritteln Wahrscheinlichkeit wird niemand gerettet.

Welches ist der bessere Ausgang? Schauen wir uns einen anderen Wortlaut von A und B an:

[Frame 2]

  • Option A: 400 Menschen werden sterben.
  • Option B: Mit einem Drittel Wahrscheinlichkeit wird niemand sterben und mit zwei Dritteln Wahrscheinlichkeit werden 600 sterben.

Es mag einen Moment dauern, aber wenn man nachrechnet, entdeckt man, dass A und B bei den beiden Pärchen jeweils gleich bleiben. Sie sind jedoch verschieden formuliert [framed] hinsichtlich Leben und Tod und hinsichtlich dessen, ein Risiko einzugehen oder eines zu vermeiden. Wie eine Studie aus den 1980ern des Nobelpreisträgers Daniel Kahneman und Amos Tversky zeigte (aus der dieses Beispiel entnommen wurde), macht dieser Unterschied viel aus: werden ihnen die Optionen mit dem ersten Framing vorgestellt, wählen 72 % der Befragten Option A, mit dem zweiten wählen stattdessen 78 % die Option B. [1]

"Filter Comparison Effect" by Flickr user BlueRidgeKitties, April 2012 (CC BY-NC-SA 2.0)

A, B oder in diesem Fall C? Selbst wenn Gegenstand und Tageszeit gleich bleiben, können verschiedene Effekte unter Verwendung anderer Mittel erzeugt werden, ob in Bildern oder Nachrichten. „Filter-Vergleich-Effekt“ von Flickr-Nutzer BlueRidgeKitties, April 2012 (CC BY-NC-SA 2.0)

Diese Studie ist bemerkenswert, da sie eindringlich zeigt, dass der zugrunde liegende Frame der Bedeutung oder der Interpretation – in diesem Fall hinsichtlich des Risikos – signifikant genug ist, diametrisch gegensätzliche Resultate hervorzubringen. Die Problemstellung ist klar und die Moral der Wahl scheint einfach (Leben ist gut, Tod ist schlecht). Ob oder ob nicht eine Option besser als die andere erscheint, hängt aber offensichtlich stark davon ab, wie sie beide präsentiert werden.

Anzuerkennen, dass Framing existiert, bedeutet nicht zu behaupten, dass Menschen manipuliert werden oder das Themen ständig tendenziös dargestellt werden. Die Welt ist kompliziert und Framing ist eine Möglichkeit, zu erkennen, was wichtig ist und warum Dinge bedeutungsvoll erscheinen. Diese Vielfalt der Ansätze wie wir Informationen einschließlich der Nachrichten darstellen, spiegelt unsere menschliche Vielfalt wieder.

Wenn Problemstellungen, Moral und Lösungsansätze Stoff für Frames liefern, dann bedeutet das Fragen nach dem Framing in Bezug auf Nachrichten, größere Fragen nach der eigentlichen Zielsetzung von Nachrichten zu stellen. In einer Demokratie tragen Nachrichten einen wichtigen Teil dazu bei, Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, ihre eigenen Entscheidungen hinsichtlich Governance und anderer Belange zu treffen. Wenn aber Nachrichten gelegentlich die Interpretation von Themen oder Personen verzerren, und da Nachrichtenbeiträge stets von Personen mit ihren jeweiligen Perspektiven geschrieben werden, dienen damit letztlich Nachrichten der Agenda von Autorinnen und Autoren bzw. Herausgeberinnen und Herausgebern?

Daher ist es wichtig, Framing zu verstehen, auch wenn es schwierig ist. Selbst nachdem man diesen Beitrag gelesen hat, fragt man sich vielleicht immer noch selbst: „Was war jetzt noch einmal ein Frame?“ Expertinnen und Experten sind sich nicht einig hinsichtlich der Annahmen, Ansätze und Definitionen. Zunächst gehen wir aber von Folgendem aus: Framing beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie Informationen dargestellt werden, um ihnen Bedeutung zu verleihen oder, um von Leserinnen und Lesern verstanden zu werden. Damit ein Gespür für das Framing entwickelt werden kann, sollte man versuchen, sich diese vier Fragen in Bezug auf einen Nachrichtenbeitrag zu stellen:

  • Wie definiert der Beitrag das Problem (oder „bestimmt, was ein Verursacher tut zu welchen Kosten und mit welchen Vorteilen, in der Regel gemessen in Bezug auf gemeinsame kulturelle Werte“)
  • Wie stellt der Beitrag die Ursache fest (welches sind die „Kräfte, die das Problem schaffen“)
  • Wie fällt der Beitrag moralische Urteile (wie werden Verursacher und ihre Einwirkungen bewertet)
  • Wie schlägt der Beitrag Abhilfe vor (wie rechtfertigt der Artikel Problembehandlungen und/oder sagt wahrscheinliche Ergebnisse hervor) [2]

Wir werden in einem Folgebeitrag anhand weiterer Ansätze und Beispiele Frames erkunden. Hoffentlich konnten Sie durch diesen Beitrag bereits ein Gefühl dafür entwickelt, welche komplexen Herausforderungen es rund um Definitionen gibt. Aber auch dafür, warum der Frame wichtig ist, was auch der Grund dafür ist, dass sich Global Voices auf verschiedenen Wegen mittels der NewsFrame-Initiative weiterhin mit diesem Problem befassen wird.

Hier der Folgebeitrag: Spotting the News Frame (Part 2 of 2) [auf Englisch]

[1] Kahneman, Daniel und Amos Tversky. „Choices, Values, and Frames.“ American Psychologist 39, Nr. 4 (April 1984): 341. doi:10.1037/0003-066X.39.4.341.
[2] Diese diagnostischen Fragestellungen sind der frühen Beschreibung wie Frames funktionieren von Robert Entman entnommen; siehe Entman, Robert M. “Framing: Toward Clarification of a Fractured Paradigm.“ Journal of Communication 43, Nr. 4 (1. Dezember 1993): 51–58. doi:10.1111/j.1460-2466.1993.tb01304.x. Um zu verstehen, wie Wissenschaftler sich hinsichtlich des Framings unterscheiden oder sich überschneidende Bedeutungen verwenden, siehe beispielsweise Scheufele, Dietram A. und David Tewksbury. „Framing, Agenda Setting, and Priming: The Evolution of Three Media Effects Models.“ Journal of Communication 57, Nr. 1 (1. März 2007): 9–20. doi:10.1111/j.0021-9916.2007.00326.x.

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