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Medizinische Forschung in Afrika: Chancen und Missverständnisse

Ranjit Warrier 2016 in Sambia, Abbildung erfolgt mit seinem Einverständnis

Medizinische Forschung in Afrika wird in den Medien nur selten oder gar nicht erwähnt. Dabei handelt es sich um einen wachsenden Bereich, der einen der dringendsten Bedürfnisse des Kontinents adressiert.

Für den Bedarf an vor Ort durchgeführter medizinischer Forschung gibt es zwei Gründe: Zum einen fehlen im Angebot des globalen Gesundheitswesens viele Medikamente und Impfstoffe, die den speziellen medizinischen Bedarf auf dem afrikanischen Kontinent abdecken. Krankheiten wie AIDS, Tuberkulose und Malaria haben in den ärmsten Ländern Afrikas weit gravierendere Auswirkungen als anderswo, und fehlende Investitionen für die Erforschung dieser Krankheiten durch die Pharmafirmen sind ein großes Problem.

Zweitens hilft die Forschung, die von afrikanischen Wissenschaftlern selbst durchgeführt wird, beim Aufbau eigener Forschungskapazitäten in Afrika. Eine größere Rolle der Wissenschaft und Technologie kann für das wirtschaftliche Wachstum des Kontinents nur förderlich sein.

Dr. Ranjit Warrier ist Direktor des Zentrallabors am Zentrum für die Erforschung von Infektionskrankheiten in Sambia (Centre for Infectious Disease Research in Zambia, CIDRZ). Er wuchs in den 1990er-Jahren in Lusaka, Sambia auf, gerade als die AIDS-Epidemie erste gravierende Auswirkungen auf die nationale Gesundheit zeigte. Er verließ Sambia für ein Studium in den Vereinigten Staaten, zunächst in Louisiana, später in Indiana. Als Postdoc an der Universität von Pennsylvania forschte er selbst am HIV-Virus, bevor er sich dazu entschied, zurück nach Hause zu gehen, um das sambische Gesundheitssystem zu unterstützen.

Mit Global Voices diskutierte Dr. Warrier über die Zukunft der medizinischen Forschung in Sambia und über Missverständnisse der Medien über diese Forschung. (Disclaimer: Dr. Warrier spricht als Privatperson).

Global Voices (GV): Was ist Ihr Forschungsthema?

Ranjit Warrier RW: I'm doing a lot of implementation work currently, supporting the Zambian national ART programme with Laboratory testing. I am just starting a research programme in Molecular Diagnostics development for HIV, TB, and other pathogens of interest.

Ranjit Warrier RW: Im Moment liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit auf der Anwendung von Forschungsergebnissen. Dabei unterstütze ich das sambische nationale Programm für antiretrovirale Therapie (ART) mit Labortests. Außerdem starte ich gerade ein Forschungsprogramm für die Entwicklung von molekulardiagnostischen Tests für HIV, TB und andere relevante Krankheitserreger.

GV: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigen aktuellen Wissenschaftsthemen in Ihrem Land und allgemein in Afrika? Wie unterscheiden sie sich von denen in westlichen Ländern?

RW: There is no basic R&D. It's all implementation of solutions developed elsewhere. This has to change, otherwise we will always be receivers rather than makers. The received solutions are not usually ideal for our environment and making them work here correctly is sometimes impossible.

RW: Es gibt hier keine Grundlagenforschung. Wir setzen nur Lösungen um, die woanders entwickelt worden sind. Das muss sich ändern, ansonsten werden wir immer Empfänger bleiben, anstatt selber Macher zu sein. Die Lösungen, die wir bekommen, sind oft in unserer Umgebung nicht gut einsetzbar, und manchmal ist es sogar unmöglich, sie hier zu nutzen.

GV: Wo kommt die Finanzierung und Unterstützung her? Ist sie ausreichend? Wie einfach oder schwierig ist es, geeignete Wissenschaftler für die Projekte zu finden?

RW: US and Europe. Different projects have different levels of funding. It is difficult to recruit people to come back or to move here, as funding and growth opportunities are better in other countries.

RW: Aus den USA und Europa. Die Projekte werden unterschiedlich gut gefördert. Es ist schwierig, Leute zu finden, die zurückkommen oder hierher ziehen wollen, denn die Finanzierung und die Entwicklungschancen sind in anderen Ländern besser.

GV: Wie ist die Forschungs-Infrastruktur? Welche Hindernisse gibt es in Ihrer Routine-Forschungsarbeit, die Sie vorher nicht hatten?

RW: Basic infrastructure is not up to developed country standards and it costs a lot to get uninterrupted power, water, and Internet. Supplies are expensive and take months to be imported from other countries.

RW: Die grundlegende Infrastruktur entspricht nicht den Standards in entwickelten Ländern. Es kostet viel Geld, eine kontinuierliche Versorgung mit Strom, Wasser und Internet zu haben. Labormaterial ist teuer, und es dauert Monate, es aus anderen Ländern zu importieren.

GV: Wie ist die Meinung der Öffentlichkeit über Wissenschaft und Wissenschaftler in Afrika?

RW: There is interest, but an extremely limited understanding of the scientific method. I would suggest critical thinking and the scientific method be taught in school to improve the situation.

RW: Es gibt schon Interesse, aber nur ein sehr begrenztes Verständnis wissenschaftlicher Methoden. Ich würde vorschlagen, dass kritisches Denken und wissenschaftliche Methoden in den Schulen gelehrt werden sollten, um die Situation zu verbessern.

GV: Wie groß ist Ihrer Meinung nach das Potenzial der wissenschaftlichen Forschung in Afrika, worauf sollte sie sich konzentrieren, und wie können wir die Entwicklung unterstützen?

RW: There is amazing potential. I have seen incredible students of all ages. There is need for dedicated science education starting at all ages. Social sciences, computer sciences, big data, outer space exploration, healthcare (non-communicable and Infectious diseases), and traditional medicine efficacy will pay off big.

RW: Das Potenzial ist erstaunlich. Ich habe großartige Studenten aller Altersklassen gesehen. Es gibt Bedarf an spezieller wissenschaftlicher Ausbildung, beginnend in jedem Alter. Die Sozialwissenschaften, Computerwissenschaften, Big Data, Erforschung des Weltraums, das Gesundheitswesen (nicht übertragbare und ansteckende Krankheiten) und die Effizienz traditioneller Medizin werden davon sehr profitieren.

GV: Können Sie uns die Vor- und Nachteile des Lebens als Wissenschaftler in Afrika gegenüber westlichen Ländern beschreiben, basierend auf Ihrer Erfahrung?

RW: Mainly it is the speed of doing things and the access to expertise that are big challenges here. The system that journals have to put articles behind paywalls is also limiting the amount of information and the speed with which research can be done.

RW: Oft sind es die begrenzte Geschwindigkeit, Dinge zu tun, und der erschwerte Zugang zu wissenschaftlicher Expertise, die hier Herausforderungen darstellen. Das System, dass Zeitschriften Artikel nur gegen Bezahlung zugänglich machen (die sogenannte “Paywall”), begrenzt ebenfalls die Menge an verfügbarer Information und die Geschwindigkeit der Forschung.

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