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“Warum ich mich nicht mit dem Feminismus identifiziere, auch mit dem intersektionalen nicht”

Detail eines Fotos. Aufgenommen von: Pixabay. Veröffentlicht unter der CC0 Creative Commons-Lizenz.

Der folgende Artikel ist eine überarbeitete Version der Stellungnahme, die von Ayomide Zuri verfasst und ursprünglich auf der Webseite Afroféminas veröffentlicht wurde. Der Artikel war Gegenstand mehrerer Diskussionen, in denen viele verschiedene Positionen zum Ausdruck kamen. Sie können in den Kommentaren unter dem ursprünglichen Text nachgelesen werden.

Wenn ich sage, dass ich keine Feministin bin, reagieren viele Frauen – insbesondere weiße Frauen, die sich selbst als intersektionale Feministinnen bezeichnen – mit Frust. Sie wundern sich, warum ich nicht Teil der Bewegung bin. Sie legen sogar gut durchdachte wissenschaftliche und gesellschaftliche Argumente vor mir aus, warum ich Feministin sein sollte und warum wir generell alle Feminist*innen sein sollten.

Zum Beispiel, dass Frauen heutzutage trotz gleicher Bildung immer noch weniger Geld verdienen als Männer. Dass Frauen immer noch unter strenger Beobachtung stehen, wenn es darum geht, was sie mit ihrem Körper machen dürfen. Dass Gewalt gegen Frauen eine globale Epidemie ist. Oder dass kulturelle und gesellschaftliche Normen immer noch dafür sorgen, dass Frauen früher oder später in diversen Bereichen des Lebens an eine gläserne Decke stoßen, und dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sich immer noch quer durch die vielen verschiedenen Länder und Glaubensrichtungen zieht.

All dies ist mir bewusst und bekannt. Ich bin davon überzeugt und ich leide doppelt und dreifach darunter. Ich bin eine schwarze Frau.

Und dennoch: Wenn ich auf Hautfarbe zu sprechen komme, auf Rassismus, auf schwarze Cis-Frauen, auf schwarze transidente Frauen, auf schwarze Frauen in der LGBTIQ-Gemeinde oder auf schwarze Frauen aus der Diaspora; wenn ich anspreche, wie wir schon immer unter Rassentrennung und Diskriminierung zu leiden hatten; wenn ich erwähne, auf welche Art wir körperlich, seelisch und verbal missbraucht worden sind, sowohl in als auch außerhalb der feministischen Bewegung, beschließen viele weiße Feministinnen und weiße intersektionale Feministinnen zu schweigen. Sind sich aber trotzdem alle einig darüber, dass Frauen – alle Frauen – zusammenkommen sollten, um “ihre Stimmen emporzuheben und ‘Kumbaya, mein Herr’ zu singen”, um die Gleichberechtigung (einiger) der Frauen zu erreichen.

Aber sie wollen nicht darüber reden, dass es zusätzlich zu sexualisierter Gewalt eine institutionalisierte Form rassistisch motivierter Gewalt gibt, der wir schwarze Frauen auf zweifache Art ausgesetzt sind. Oder darüber, dass schwarze Frauen und Frauen anderer Ethnien und Herkunftsorte weniger verdienen als weiße Männer und Frauen. Dass schwarze Mädchen und Mädchen mit Migrationshintergrund öfter der Schule verwiesen werden als weiße Mädchen, aufgrund offensichtlicher Integrationsprobleme. Oder dass Frauen in schwarzen Sphären und Frauen mit Migrationshintergrund einem höheren Risiko ausgesetzt sind, häusliche Gewalt und Gewalt in der Partnerschaft zu erleiden, als weiße Frauen.

Einerseits will ich, dass alle Frauen, alle Männer und überhaupt alle Menschen jedweder Hautfarbe die gleichen Rechte haben; andererseits kann ich mich als schwarze Frau nicht einer Bewegung anschließen, in deren Zentrum die weiße Frau steht, die sich weigert, Ungerechtigkeiten in ihrem Denken zu berücksichtigen, die sich sowohl auf das Geschlecht als auch auf die Hautfarbe einer Person beziehen. Ich bin erschöpft und werde nicht mehr um meine Zugehörigkeit in einer weiß-feministisch orientierten Sphäre kämpfen, die mich und unzählige andere schwarze Frauen immer und immer wieder abgelehnt hat. Sojourner beklagte 1851 in ihrer Rede: “Bin ich denn keine Frau?” Und auch ich weigere mich, eine Ideologie aufrechtzuerhalten, in der die schwarze Frau in historischer Hinsicht ein entmenschlichtes und marginalisiertes Wesen ist. Ich weigere mich, mich Gruppierungen anzuschließen, die zudem durch kulturelle Aneignung unsere Sitten und Bräuche absorbieren, um ihr egozentrisches Programm voranzutreiben.

Ich werde nicht mehr versuchen, weißen Frauen die Wichtigkeit der Überschneidung von Hautfarbe und Geschlecht nahezulegen. Denn einige von ihnen werden weiterhin die Bedeutung schwarzer Frauen für die feministische Bewegung totschweigen, egal wie viele schwarze Frauen versuchen, sie eines Besseren zu belehren. Obwohl der intersektionale Feminismus gegründet wurde, um Frauen unterschiedlicher Herkünfte ein Zuhause zu geben und sich vom weißen Feminismus abzugrenzen, steckt immer noch das Wort “Feminismus” in seinem Namen. Ich ziehe es vor, mich voll und ganz vom Feminismus loszulösen und mich der Bewegung des Womanismus anzuschließen, die für meine dunkle Haut und meinen Status als Frau ins Leben gerufen wurde, anstatt mich für ein weiß-feministisches Paradigma einzusetzen, das so hartnäckig ist, dass Intersektionalität als ein neuartiges Phänomen gefeiert wird.

Jetzt ist es wichtiger als je zuvor, dass wir schwarze Frauen uns nach unseren eigenen Vorstellungen definieren und uns in die Sphären begeben, die von uns für uns geschaffen werden. Clenora Hudson-Weems, die Autorin des Buches Africana womanism: Reclaiming ourselves (etwa: Afrika-Womanismus: Wie wir uns selbst zurückerobern) spricht davon, dass wir uns verteidigen können, indem wir uns auf unsere eigene Art definieren. Und nicht nur das – schwarze Frauen können auf diese Weise auch Räume schaffen, in denen sie vollkommen sicher sind und in denen die kulturellen, geistigen, seelischen, körperlichen und sogar die spirituellen Elemente verehrt werden können, die die schwarze Frau ausmachen.

Obgleich einige weiße und intersektionale Feministinnen sofort Separatismus und Ausgrenzung rufen werden, nachdem sie diese Zeilen gelesen haben, bitte ich Sie darum, sich über die Heuchelei und die Widersprüche der feministischen Bewegung zu informieren, von denen die schwarze Frau betroffen ist.

In einer womanistischen Umgebung kann ich schwarze Frauen und Frauen anderer Kulturen emporheben, denn in diesem Paradigma existiere ich. Ich werde aufgrund meiner dunklen Haut und aufgrund meines Daseins als Frau als Teil dieses Paradigmas anerkannt. Ich, eine schwarze Frau, kann in einem Umfeld erblühen, in der mein Leben weder übergangen, noch ignoriert, noch abgelehnt wird.

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