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In Trinidad & Tobago ist Schluss mit der Kinderehe

Ein Hochzeitsring im Sand. Foto von Derek Gavey, CC BY 2.0.

Die Kinderehe ist in Trinidad und Tobago jetzt illegal. Am 9. Juni 2017 hat das Parlament des Landes einstimmig ein Gesetz beschlossen, welches diese Praxis verbieten soll, sodass das heiratsfähige Alter nun bei 18 liegt.

Vor dieser Änderung des Ehegesetzes hielten einige Mitglieder hinduistischer und muslimischer Religionsgemeinschaften an der Praxis fest, und im Mai 2016 kam es zu einem großen öffentlichen Aufschrei. Damals sagte Bruder Harrypersad Maharaj, der Führer der Interreligiösen Organisation (IRO), einer Gruppe, die Repräsentanten der verschiedenen religiösen Gruppen des Landes versammelt, dass der Staat sich nicht einmischen solle, da das ,,Alter nicht die Reife bestimme”.

Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass Trinidad und Tobago ein Vertragspartner der UN-Kinderrechtskonvention ist, die Minderjährige als ,,jeden Menschen unter 18 Jahren” definiert. Statistiken der UN für die Jahre 2002-2012 zeigen, dass der Anteil der Kinder, die mit 15 bereits verheiratet waren, in Trinidad und Tobago 2,8 Prozent betrug, und mit 18 waren es 8,1 Prozent. 2011 bestätigte das statistische Zentralamt des Landes, dass von 1997-2007 mehr als 8400 Mädchen und 1300 Jungen unter 19 verheiratet wurden.

Online-Petitionen und Social-Media-Bewegungen, die bestrebt waren, Gesetze zur Kinderehe abzuschaffen, folgten auf dem Fuße und erfreuten sich großer Unterstützung. Zweifellos halfen sie dabei, dieses Ergebnis herbeizuführen. Dennoch verlief nicht alles reibungslos. Ein Hindu-Führer z. B. hatte keinerlei Bedenken, den Kritikern der Kinderehe zu sagen, sie sollten ,,sich verdammt noch mal um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern”. Diese Art religiöse Opposition sorgte für Spannungen in dieser eigentlich unkomplizierten Sache, und irgendwann kamen Zweifel auf, ob die Opposition dem Gesetzesentwurf überhaupt zustimmen würde.

Doch Anfang 2017 wurde der Gesetzesentwurf gegen die Kinderehe beschlossen – trotz 4 Senatoren (darunter eine Frau) der Opposition und einem unabhängigen, die sich enthielten -, sodass er  im Repräsentantenhaus diskutiert werden konnte, wo schon eine einfache Mehrheit ihn zum Gesetz machen würde.

Nun muss nur noch der Präsident des Landes zustimmen und das Gesetz verkünden lassen.

Einer der Senatoren des Landes gab auf Facebook ein Status-Update, welches Leslie-Ann Boiselle auf Instagram erneut gepostet hat:

Es lautet wie folgt:

Senator The Honourable Clarence Rambharat: The Miscellaneous Provisions (Marriage) Bill, 2016 has been passed in the House of Representatives by a vote of 35 members in support and none against. Having been previously passed in the Senate, the Bill can now move towards becoming law.

Herr Senator Clarence Rambharat: Der Gesetzentwurf gegen die Kinderehe wurde im Repräsentantenhaus mit 35 Stimmen dafür und keiner einzigen dagegen beschlossen. Nachdem er zuvor im Senat beschlossen wurde, kann der Entwurf nun zum Gesetz werden.

Die Mehrheit der Social-Media-User war begeistert, weil die Gesetze zur Kinderehe endlich geändert worden waren. Facebook-Mitglied Lovell Francis, der ein Ministeramt im Bildungsministerium bekleidet, sagte:

It was overlong and full of pointless double talk but you know what child marriage is now illegal in Trinidad and Tobago and that is worth almost any price.

Es hat allzu viel Zeit und unnötiges Gerede gebraucht, das den Kern der Sache verschleiert hat, aber wisst ihr was? Die Kinderehe ist in Trinidad und Tobago jetzt illegal, und das ist beinahe jeden Preis wert.

Während Abel Jackson der Meinung war, es habe definitiv lang genug gedauert, um die Praxis abzuschaffen, war Lara Quentrall-Thomas überglücklich, dass der Tag endlich gekommen war:

Öffentliches Status-Update auf Facebook von Lara Quentrall- Thomas, welches besagt: ,,Hervorragende Neuigkeiten! Das Ehegesetz ist beschlossen worden. Mindestalter – 18, Stimmen – 35 dafür – 0 dagegen!!!!”

Folade Mutota, die dem Women's Institute for Alternative Development (WINAD) angehört, einer zivilgesellschaftlichen Gruppe, die recht offen darüber sprach, wie wichtig die Verabschiedung des Gesetzes sei, bemerkte:

The age of marriage in TnT, regardless of religion, is 18years old. The Bill to amend the marriage acts was passed today June 9, 2017.
There are 41 parliamentarians in the House of Representatives and 35 were present for the vote. All parliamentarians in attendance voted in favour of the Bill.
The laws of TnT no longer allow for child marriage.
It's been a long struggle […] #childmarriageischildabuse
With much thanks to all activists who led this struggle. Congratulations.
Thank you to our legislators.

Das heiratsfähige Alter in Trinidad und Tobago beträgt nun unabhängig von der Religionszugehörigkeit 18 Jahre. Der Entwurf zur Änderung des Ehegesetzes wurde heute, am 9. Juni 2017, beschlossen.
Im Repräsentantenhaus gibt es 41 Abgeordnete und davon waren 35 bei der Abstimmung anwesend.
Alle Abgeordneten, die zugegen waren, haben für das Gesetz gestimmt.
Die Kinderehe ist in Trinidad und Tobago gesetzlich nicht mehr erlaubt.
Es war ein langer Kampf (…) #childmarriageischildabuse.
Vielen Dank an alle Aktivisten, die ihn ausgefochten haben. Herzlichen Glückwunsch.
Ein Danke an unsere Abgeordneten.

Doch ein möglicher Haken kommt in der Gestalt von Sat Maharaj daher, dem Generalsekretär der Sanatan Dharma Maha Sabha, der bekanntesten Hindu-Organisation des Landes. Vor Monaten hat Maharaj seine Absicht verkündet, gerichtliche Schritte zu unternehmen, sollte das Gesetz verabschiedet werden, und er scheint sein Versprechen nun einzulösen. Während der Generalstaatsanwalt Paris Al Rawi, ein Verfechter des Gesetzes, meinte, es sei durchaus rechtmäßig, wenn Maharaj gegen das Gesetz vorgehen wolle, wünschten sich die meisten Social-Media-Nutzer, man würde die Debatte zu dem Thema anders angehen. Patricia Worrell schlug vor:

Dear Sat,
If, instead of framing the discussion broadly, and in a way guaranteed simply to generate panic and resentment, as ‘inviting the state into our bedrooms’, we talk about the specific issue of the state ‘protecting our girl children from any possibility of being abused by big, hard back, advantageous men’, would you be prepared to go on with that discussion?
Or do you think that's a non-issue?

Lieber Sat,

wenn wir, statt die Diskussion so allgemein zu halten, in einer Weise, die nur Panik und Unmut hervorrufen kann, wenn wir, statt von dem Problem zu reden, dass wir ,,den Staat in unsere Schlafzimmer einladen”, einfach gezielt darüber reden würden, dass der Staat ,,unsere Töchter davor schützt, dass sie möglicherweise von großen, hartgesottenen Männern, die ihnen gegenüber im Vorteil sind, missbraucht werden”, wären Sie dann bereit, die Diskussion weiterzuführen? Oder glauben Sie, dass es sich dabei nicht um ein Problem handelt?

Doch ob es nun zu einem gerichtlichen Vorgehen gegen das Gesetz kommt oder nicht, diese Gesetzgebung ist ein wichtiger Schritt – allerdings gibt es immer noch Orte auf der Welt, an denen die Kinderehe in verschiedenen Abstufungen legal oder weiterhin die Norm ist, obwohl es Gesetze gibt, die sie untersagen.

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