Wir übersetzen die Beiträge von Global Voices in viele Sprachen, damit die Bürgermedien aus aller Welt für alle zugänglich werden.

Erfahre mehr zu Lingua-Übersetzungen  »

Warum so viele Eritreer ihr Leben auf der Flucht riskieren

Capture d'écran de manifestation des exilés suite au rapport de l'ONU sur les droits humains en Erythrée vidéo de africa news

Screenshot  aus einem Video von Africa News, das im Exil lebende Eritreer bei einer Demonstration nach dem UN-Bericht zur Menschenrechtslage in Eritrea zeigt.

Eritreer machten im Jahr 2014 die zweitgrößte Gruppe unter den Zugewanderten in Europa aus. Sie waren außerdem auch die drittgrößte Gruppe der Migranten, die im Sommer 2015 über das Mittelmeer nach Europa kamen. Betrachtet man, woher die Menschen kamen, die bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren, starben, so waren sogar mehr als die Hälfte der Toten aus Eritrea.

Am 8. Juni veröffentlichte die UN-Kommission zur Menschenrechtslage in Eritrea ihren neusten Bericht. Darin wird Eritrea als totalitärer Staat angeprangert, in dem in den letzten 25 Jahren systematisch und in großem Umfang Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurden.

In einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung des Berichts erklärte der Kommissionsvorsitzende Mike Smith:

Eritrea is an authoritarian State. There is no independent judiciary, no national assembly and there are no other democratic institutions in Eritrea. This has created a governance and rule of law vacuum, resulting in a climate of impunity for crimes against humanity to be perpetrated over a quarter of a century. These crimes are still occurring today

There is no genuine prospect of the Eritrean judicial system holding perpetrators to account in a fair and transparent manner.

Eritrea ist ein autoritärer Staat. Es gibt keine unabhängige Justiz, keine Nationalversammlung und keine anderen demokratischen Institutionen in Eritrea. Dies hat zur Entstehung eines rechtlichen Vakuums geführt und ein Klima der Straffreiheit geschaffen, in dem seit einem Vierteljahrhundert Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen werden. Diese Verbrechen werden bis zum heutigen Tag begangen.

Es besteht auch keine echte Aussicht darauf, dass die Justiz in Eritrea die Verantwortlichen auf faire und transparente Weise dafür zur Rechenschaft zieht.

Le service national a transformé l'Érythrée en une prison collective où les forces de sécurité peuvent tirer sur quiconque surpris entrain de s'échapper. Source diplomatie.gouv.fr

Eine Karte des französischen Außenministeriums. Rot markiert: Gebiete, für die eine offizielle Reisewarnung gilt. Orange markiert: Gebiete, in denen es Warnungen vor unnötigen Reisen gibt. Gelb markiert: Gebiete, in denen zu erhöhter Aufmerksamkeit geraten wird. Grün markiert: Gebiete, in denen zu normalen Vorsichtsmaßnahmen geraten wird. Das Militär hat Eritrea zu einem Gefängnis gemacht. Jeder, der versucht, aus dem Land zu fliehen, läuft Gefahr, erschossen zu werden. Quelle: Source diplomatie.gouv.fr- Public Domain

Der Bericht enthüllt in für die UN ungewohnt deutlichen Worten Verstöße gegen die Menschenrechte:

The crimes also include imprisonment, enforced disappearances, persecution, murder and other inhumane acts have been committed as part of a campaign to instill fear in, deter opposition from and ultimately to control the Eritrean civilian population since Eritrean authorities took control of Eritrean territory in 1991.

Zu den Verbrechen gehören Inhaftierung, erzwungenes Verschwinden, Verfolgung, Mord und weitere unmenschliche Taten, die seit der Übernahme der Kontrolle 1991 systematisch von der Regierung gegen die Zivilbevölkerung Eritreas begangen werden, um die Menschen in Angst zu versetzen, das Entstehen einer Opposition zu verhindern und die Bevölkerung zu kontrollieren.

Das französische Auslandsfernsehen France 24 English versucht in einem Bericht zu erklären, warum so viele Eritreer ihr Leben riskieren und aus dem Land fliehen:

Kubrom Dafla Hosabay, der ehemalige Leiter der Steuerverwaltung in Eritrea, der 2009 selbst aus dem Land floh, erklärt:

People are escaping because they are stifled. They are not free anymore… you know… without the freedom to work, the freedom to have a family, the freedom to travel, the freedom to go to education, what life do you have?

The young people see that they cannot do any activity as long as that national service obligation exists. It's endless. There's no legal way of going out of the national service.

Die Menschen fliehen, weil sie unterdrückt werden. Sie sind nicht mehr frei. Die Freiheit, zu arbeiten, eine Familie zu haben, zu reisen, Zugang zu Bildung zu haben – wenn es all diese Freiheiten nicht gibt, was für ein Leben ist das dann noch?

Die jungen Menschen sehen, dass sie nichts tun können, solange es den verpflichtenden Militärdienst gibt. Er ist unbegrenzt. Es gibt keine Möglichkeit, sich dem Militärdienst zu entziehen.

Im folgenden Video erklärt Denise Graf, die Flüchtlingskoordinatorin von Amnesty International die Lebensbedingungen in Eritrea, die unsichere Lage für Familien und die Probleme, in der Schweiz als Flüchtling anerkannt zu werden:

En 2014, ils ont été près de 7000 à demander l’asile en Suisse. Les Erythréens forment aujourd’hui le plus gros contingent de réfugiés en Suisse. A l’échelle européenne on totalise 46000 Erythréens demandeurs d’asile. D’après les chiffres de l’ONU, les départs se comptent en centaines de milliers. Une fuite massive qu’il est difficile d’évaluer, tant l’Erythrée est un pays mal connu. C’est un pays jeune qui a acquis son indépendance en 1993 après trente ans de guerre avec son grand voisin, l’Ethiopie. Mais le pouvoir en place depuis l’indépendance est considéré comme l’un des plus répressifs du monde. Les arrestations arbitraires se multiplient et les jeunes sont astreints à un service militaire parfois interminable.

2014 beantragten fast 7.000 Eritreer Asyl in der Schweiz. Sie stellen dort heute die größte Gruppe der Flüchtlinge dar. In ganz Europa haben insgesamt 46.000 Eritreer Asyl beantragt. Laut UN-Statistiken geht die Anzahl der Eritreer, die aus ihrem Land geflohen sind, in die Hundertausende. Eine genaue Einschätzung ist jedoch schwierig, weil so wenig über das Land bekannt ist. Eritrea ist ein junges Land, das erst 1993 nach 30 Jahren Krieg die Unabhängigkeit vom großen Nachbarstaat Äthiopien erlangte. Das aktuelle Regime gilt als eines der unterdrückerischsten der Welt. Die Zahl der illegalen Verhaftungen nimmt zu und junge Menschen werden zu einem manchmal unbefristeten Militärdienst gezwungen.

Weiterhin erklärte Amnesty International, wie das System des Militärdienstes die Bevölkerung belastet und in welcher Not die Kinder im Land leben:

Mandatory National Service continued to be extended indefinitely in a system that amounts to forced labour. A significant proportion of the population was in open-ended conscription, in some cases for up to 20 years. Conscripts were paid low wages that did not enable them to cover their families’ basic needs, and had limited and arbitrarily granted leave allowances which in many cases disrupted their family life. Conscripts served in the defence forces and were assigned to agriculture, construction, teaching, civil service and other roles. There was no provision for conscientious objection.

Children continued to be conscripted into military training under the requirement that all children undergo grade 12 of secondary school at the Sawa National Service training camp. There they faced harsh living conditions, military-style discipline and weapons training. Some children dropped out of school early to avoid this fate. Children were also conscripted into training in round-ups conducted by the military, in search of people evading National Service.

Der verpflichtende Militärdienst wurde unbefristet ausgedehnt und gleicht dem System der Zwangsarbeit. Ein bedeutender Teil der Bevölkerung befand sich in unbefristetem Wehrdienst, in einigen Fällen für bis zu 20 Jahre. Die Wehrpflichtigen erhielten nur einen geringen Lohn, der nicht ausreichte, um die grundlegenden Bedürfnisse ihrer Familien zu decken. Außerdem hatten sie nur begrenzten und willkürlich bewilligten Urlaub, was in vielen Fällen zu Störungen des Familienlebens führte. Die Wehrdienstleistenden dienten in der Armee, wurden aber auch in der Landwirtschaft, im Baugewerbe, als Lehrer, im öffentlichen Dienst sowie in anderen Bereichen eingesetzt. Es gab keine Möglichkeit, sich bewusst gegen den Militärdienst zu entscheiden.

Kinder wurden immer wieder zur militärischen Ausbildung eingezogen gemäß der Bestimmung, dass alle Kinder das zwölfte Schuljahr im Militärlager Sawa absolvieren müssen. Die Lebensbedingungen dort waren hart, ebenso die militärische Disziplin und die Ausbildung an den Waffen. Einige Kinder gingen deshalb früher von der Schule ab, um diesem Schicksal zu entgehen. Kinder wurden auch im Rahmen von Razzien, mit denen das Militär nach Personen suchte, die sich dem Militärdienst entziehen wollten, eingezogen.

In einem Artikel, der vom Italienischen ins Englische übersetzt und im September 2004 als Teil des Projekts Looking Beyond veröffentlicht wurde, beschreibt Stefania Summermatter die Erlebnisse von Mebrathon, einem Flüchtling aus Eritrea:

Mebrathon a été enrôlé dans l’armée à 16 ans. «Au début, j’étais de garde sur la frontière avec l’Ethiopie. Nous avions l’ordre de tirer sur quiconque tentait de passer. J’ai travaillé jour et nuit pour un salaire de 450 naktfa, soit environ 30 dollars». La première fois qu’il a cherché à s’échapper, il avait un peu plus de 30 ans. Mais les soldats l’ont pris, mis dans une cellule souterraine et torturé. Mebrathon allume une cigarette et l’on peut voir que ses poignets portent encore la marque des menottes.

Mebrathon wurde mit 16 Jahren von der Armee eingezogen. „Zuerst wurde ich zur Bewachung der Grenze zu Äthiopien eingesetzt. Wir hatten die Anweisung, jeden zu erschießen, der versuchte, die Grenze zu überqueren. Ich arbeitete Tag und Nacht für einen Lohn von 450 Naktfa. Das entspricht etwa $30 (27 Euro).”

Bei seinem ersten Fluchtversuch war er knapp über 30 Jahre alt. Er wurde von Soldaten verhaftet, in ein unterirdisches Verlies gesperrt und gefoltert.

Aber nicht nur normale Bürger und Soldaten riskieren bei dem Versuch, aus Eritrea zu fliehen, ihr Leben. In einem Beitrag, der 2014 auf amnesty.fr veröffentlicht wurde, erinnert sich Franck Gouéry:

Il y a deux ans, le coureur de fond et porte-drapeau érythréen Weynay Ghebreselasie prend la poudre d’escampette en plein Jeux olympiques à Londres. En 2012, le ministre de l’Information profite d’un voyage d’affaires en Allemagne pour fuir son pays. Cette même année, deux pilotes de l’Eritrean Defense Force font défection avec l’avion présidentiel qu’ils posent en Arabie saoudite.errestre

En 2007, 2009, 2011, 2012, 2013, ce sont des membres de l’équipe nationale de football qui se mettent hors-jeu à l’occasion de compétitions internationales, pour atteindre un tout autre but : l’asile politique. Ceux-là ont fui l’Érythrée dans des circonstances exceptionnelles. Mais tous les Érythréens n’ont pas la chance de partir si facilement.

Vor zwei Jahren setzte sich der Leichtathlet und Flaggenträger der eritreischen Mannschaft Weynay Ghebresilasie während der Olympischen Spiele in London ab und beantragte Asyl in Großbritannien. 2012 nutzte der Informationsminister eine Dienstreise nach Deutschland, um dort Asyl zu beantragen. Im selben Jahr setzten sich zwei Piloten der eritreischen Luftwaffe mit dem Flugzeug des Präsidenten nach Saudi Arabien ab. 2007, 2009, 2011, 2012 und 2013 nutzten mehrere Miglieder der eritreischen Fußballnationalmannschaft die Gelegenheit, anlässlich der Reisen zu internationalen Turnieren, in den jeweiligen Ländern politisches Asyl zu beantragen. Die Umstände ihrer Flucht waren in diesen Fällen außergewöhnlich. Nicht alle Eriteer schaffen es so einfach, das Land zu verlassen.

Eritrea befindet sich im permanenten Kriegszustand mit den beiden Nachbarstaaten Äthiopien und Dschibuti.

Unterhaltung beginnen

Für Autoren: Anmelden »

Richtlinien

  • Alle Kommentare werden moderiert. Sende nicht mehrmals den gleichen Kommentar, damit er nicht als Spam gelöscht wird.
  • Bitte geh respektvoll mit anderen um. Hass-Kommentare, Obszönes und persönliche Beleidigungen werden nicht freigeschaltet..