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Eine Postkarte der vietnamesischen Gemeinschaft in der Slowakei

Bratislava, the capital of Slovakia. Photo from Facebook page of Loa

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Foto von der Facebook-Seite von Loa.

Das Original dieses überabeiteten Beitrags von Nam-An Đinh wurde auf Loa veröffentlicht, einer unabhängigen Nachrichtenwebseite mit Podcasts, welche Geschichten über Vietnam verbreitet. Er wurde auf Global Voices als Teil eines Content-Sharing-Abkommens erneut veröffentlicht.

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei, ist weniger als eine ein­ein­halb­stün­dige Busfahrt von Wien, Österreich, entfernt. Es ist ein kleines, osteuropäisches Land mit fünfeinhalb Millionen Einwohnern, von denen nur ein Prozent im Ausland geboren wurden. Das Land selber ist das Zuhause von ungefähr 5.000 Vietnamesen, von denen die Meisten ihren Wohnsitz in der Hauptstadt haben.

Eine kurze Autofahrt durch Bratislava und man erreicht eine Gegend, in der viele Vietnamesen der Stadt wohnen. Dort gibt es ein Restaurant namens Hanoi Garden, das einige als das beste vietnamesische Restaurant in Bratislava erachten.

Hier treffen wir uns mit Nguyễn Kiên Trung. Trung kam im Alter von 10 Jahren in die Slowakei. Er und seine Mutter beteiligen sich sehr an der vietnamesischen Gemeinschaft, die viele Events veranstaltet und sehr aktiv an der Bewahrung vietnamesischer Traditionen beteiligt ist. Trung erklärt:

They do have activities, I think on quite on a regular basis. So whenever it is a big holiday, like Tet, or Christmas maybe. I think that it’s good for the community. I know that the community also in Košice, in the east of the country, they do have events on regular basis as well

Sie haben Aktivitäten, die, soweit ich weiß, ziemlich regelmässig stattfinden. Also immer, wenn es einen großen Feiertag gibt, wie zum Beispiel Tet oder vielleicht Weihnachten. Ich denke, das ist gut für die Gemeinschaft. Ich weiß, dass die Gemeinschaft in Kaschau, im Osten des Landes, auch regelmässig Events veranstaltet.

Bratislava, the capital of Slovakia. Photo from Facebook page of Loa

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Foto von der Facebook-Seite von Loa.

Hanoi Garden ist mit einem Gebäude verbunden, das sehr wichtig für die vietnamesische Gemeinschaft ist. Miroslava Hlinčíková ist eine Sozialforscherin an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften am Institut für Ethnologie. In ihren Nachforschungen über die vietnamesische Gemeinschaft fand sie heraus, dass die Geschichte des Gebäudes und der Gegend, welche man in Bratislava als “Dimitrovka” kennt, weit zurückreicht. Hlinčíková erklärt:

Dimitrovka is kind of [a] dormitory, where many Vietnamese families are living in rental housing. It’s a kind of district in Bratislava where the former chemical plant was during Communism, and many Vietnamese workers were coming there. But after the revolution, this chemical plant was shut down. But many Vietnamese stayed. And one of the Vietnamese entrepreneurs bought this dormitory housing. He re-furnished it, he renovated it, and now many families are staying in this district. There are storage rooms, there is a hairdresser, there is a travel agency. It’s kind of the center of the Vietnamese.

Dimitrovka ist eine Art Wohnheim, in dem viele vietnamesische Familien in Mietwohnungen leben. Es ist ein Stadtteil, in dem sich zu Zeiten des Kommunismus die ehemalige Chemiefabrik befand und viele vietnamesische Arbeiter kamen deswegen dorthin. Nach der Revolution wurde diese Fabrik geschlossen. Aber viele Vietnamesen blieben. Und einer der vietnamesischen Geschäftsmänner kaufte dieses Wohnheim. Er stattete es aus, renovierte es und nun wohnen viele Familien in diesem Bezirk. Es gibt hier Lagerräume, einen Friseur und ein Reisebüro. Es ist eine Art Zentrum der Vietnamesen.

Das Land selber is relativ jung. Die Slowakei gehörte zwischen 1948 und 1989 zur kommunistisch geprägten Tschechoslowakei, die wiederum Teil des sowjetischen Blocks war. Es ereignete sich zu jener Zeit, dass Austauschprogramme mit dem kommunistischen Vietnam eingerichtet wurden. Hlinčíková sagt:

Vietnamese were coming to Czechoslovakia approximately from 70s. There were intergovernmental agreements and there were some support for Vietnamese that were coming here. They were coming as students, mostly to the universities, but also to secondary education, and as workers to factories.

Vietnamesen kamen seit den 70er Jahren in die Tschechoslowakei. Es gab zwischenstaatliche Vereinbarungen und ein wenig Unterstützung für die Vietnamesen, die hierher zogen. Die einen kamen um hauptsächlich an Universitäten zu studieren oder auch eine Sekundärausbildung zu erhalten, andere kamen als Arbeiter für Fabriken.

Die gedeihende Gemeinschaft bestand größtenteils aus eingewanderten Arbeitern und Studenten, auf der Suche nach neuen Gelegenheiten, die sie in Vietnam nicht finden konnten. Trungs Eltern kamen in die Slowakei als sie noch Teil der Tschechoslowakei war und ihr Weg war nicht unähnlich dem vieler anderer. Trung sagte:

Most of the people here are economic migrants, or ex-students or ex-workers on exchange. My family came here, and then they help other family members from Vietnam to come here. It’s a better life here than in Vietnam.

Viele der Leute hier sind Wirtschaftsmigranten oder ehemalige Studenten oder ehemalige Austauscharbeiter. Meine Familie kam her und nun helfen sie anderen Familienmitgliedern dabei herzukommen, da das Leben hier besser ist als in Vietnam.

Bratislava, capital of Slovakia. Photo from the Facebook page of Loa

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Foto von der Facebook-Seite von Loa.

Die friedliche Samtene Revolution im Jahr 1989 führte zur Auflösung der kommunistischen Tschechoslowakei und sah die Ausrufung der heutigen Slowakei und der Tschechischen Republik. Die vietnamesischen Migranten, die während der Austauschprogramme zwischen den beiden kommunistischen Ländern nach Osteuropa gekommen waren, machten sich sesshaft und halfen anderen bei der Einwanderung. Hlinčíková bezeichnet dies als “Netzwerkmigration”.

Familienbande brachten vietnamesische Einwanderer in die Slowakei und doch ist es eben die enge Verbundenheit zu ihrer Heimat, welche diese Gemeinschaft zusammenhält. Trung sagt, dass sich die Gemeinschaft für verschiedene Probleme eingesetzt hat, zum Beispiel als China Anspruch auf die Spratly- und Paracel-Inseln erhob oder auch bei humanitären Krisen.

Two years ago when Chinese took the islands there was a protest here. That was probably the biggest political event in the whole history of Vietnamese community here. It was a big thing. It was initiated by Vietnamese embassies all around the world, for communities to go protest the Chinese Embassy. We still do have that bond with the home country. Every year we send money for victims of the flood. Every year we collect money. Everybody gives something.

Vor zwei Jahren, als die Chinesen die Inseln eingenommen haben, gab es hier einen Protest. Es war wahrschenlich das größte politische Ereignis in der ganzen Geschichte der vietnamesischen Gemeinschaft hier. Es war eine große Sache. Vietnamesische Botschaften auf der ganzen Welt riefen dazu auf, gegen die chinesische Botschaft zu protestieren. Wir haben immer noch eine enge Verbindung zu unserem Mutterland. Jedes Jahr senden wir den Opfern der Überschwemmungen Geld. Jedes Jahr sammeln wir Geld. Jeder gibt etwas.

Bratislava, capital of Slovakia. Photo from the Facebook page of Loa

Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Foto von der Facebook-Seite von Loa.

Trotz der Verbundenheit der vietnamesischen Gemeinde gibt es immer noch Herausforderungen zu überwinden. Ihre Repräsentation in der slowakischen Gesellschaft ist eingeschränkt und auch die Akzeptanz der Einwohner ist ein großes Problem.

Trotz der Tatsache, dass viele Vietnamesen in slowakischen Fabriken arbeiten oder eigene Geschäfte führen, haben sie Schwierigkeiten damit, die Anerkennung des slowakischen Staates zu erlangen. Es geht vor allem um legale und soziale Anerkennung, sowie um politische Repräsentation. Hlinčíková sagt, dass die vietnamesische Identität sichtbar und dennoch unsichtbar ist.

Ähnlich wie viele europäische Länder momentan mit dem anwachsenden Strom von Immigranten und Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten und Nordafrika zu kämpfen haben, genauso kämpft die Slowakei mit den Bedürfnissen ihrer kleinen Einwohnerzahl an Immigranten.

Sogar in Bratislava, wo die meisten der Vietnamesen wohnen, leben viele ohne großartig beachtet zu werden.

Even though in these neighborhoods, more Vietnamese are living, they are mostly not recognized by the municipality. They are not really asking them, what are your needs, and what could we do for you. Slovakia is not really multicultural in this sense. It is not really recognizing the needs of minorities, of migrants.

Obwohl in diesen Gegenden viele Vietnamesen leben, werden sie von der Gemeinde kaum anerkannt. Sie werden nicht gefragt, was ihre Bedürfnisse sind oder was man für sie tun könnte. So gesehen ist die Slowakei nicht wirklich multikulturell. Die Bedürfnisse der Minderheiten, der Migranten, werden nicht anerkannt.

A Vietnamese shop in Bratislava. Photo from the Facebook page of Loa

Ein vietnamesischer Laden in Bratislava. Foto von der Facebook-Seite von Loa.

Dennoch gibt es Hoffnung für die Zukunft. Mit der steigenden Organisation der Gemeinschaft, wächst auch der Druck für offizielle Anerkennung.

There are already three main official NGOs that are run by Vietnamese. There is the Slovak Vietnamese Chamber of Commerce, there is the Vietnamese Community in Slovakia, and there is the Union of Vietnamese Women. They already applied for some grants. Last year the Union of Vietnamese Women went through the process of participatory budgeting in Bratislava and was successful and got the money for a teaching course of Vietnamese and Slovak languages.

Es gibt jetzt schon drei große NGOs (Nicht-Regierungs-Organisationen), die von Vietnamesen geführt werden. Es gibt die Slowakisch-Vietnamesische Handelskammer, die Vietnamesische Gemeinde in der Slowakei und die Union der Vietnamesischen Frauen. Sie haben sich bereits für einige Zuschüße beworben. Letztes Jahr beantragte die Union der Vietnamesischen Frauen einen Anteil des Etats von Bratislava, war erfolgreich und bekam Geld für einen vietnamesischen und slowakischen Sprachkurs.

Fast 50 Jahre nachdem die ersten vietnamesischen Migraten in Osteuropa angekommen sind, bleibt Akzeptanz und Anerkennung für diese immer noch außer Reichweite. Aber für Tausende von Vietnamesen, die sich in der Slowakei niederließen, ist dies ihr Zuhause. In einem Land, das sich noch nicht an Ausländer gewöhnt hat, haben sie sich eine neue Existenz aufgebaut und sind durch die Liebe zu ihrem Heimatland, sowie der stetigen Bemühung ihre Gemeinde sichtbar zu machen, miteinander verbunden.

Hören Sie mehr über die Geschichten der Viets in der Slowakei:

Das Original dieses überabeiteten Beitrags von Nam-An Đinh wurde auf Loa veröffentlicht, einer unabhängigen Nachrichtenwebseite mit Podcasts, welche Geschichten über Vietnam verbreitet. Er wurde auf Global Voices als Teil eines Content-Sharing-Abkommens erneut veröffentlicht.

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