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“Die Menschen steigen in diese Boote, weil sie leben wollen”

Capture d'écran d'une action de sauvetage du projet SOS méditerranée via YouTube

Screenshot einer Rettungsaktion von SOS Méditerranée, geteilt über YouTube.

Aufgrund des zerstörerischen Konfliktes und der wachsenden Unsicherheit in Nord- und Westafrika, sowie durch den anhaltenden Bürgerkrieg in Syrien, gibt es weiterhin unzählige Menschen, die in improvisierten Booten auf dem Mittelmeer ihr Leben riskieren, um in Europa Schutz zu suchen.

Die Anzahl der Menschenleben, die diese Überfahrt einfordert, ist dramatisch hoch. Es wird geschätzt, dass im Jahr 2015 mehr als eine Million Menschen über den Seeweg in die Europäische Union gekommen sind, fünf mal mehr als im Jahr zuvor. Für 2016 beträgt die Zahl bislang mehr als 240.000. Informationen der UN Außenstelle für Flüchtlinge zufolge sind seit 2014 rund 3.500 Personen auf der versuchten Einreise nach Europa ums Leben gekommen oder im Mittelmeer verschwunden. 2015 stieg diese Zahl auf 3.771. Dieses Jahr wurden bereits mehr als 2.944 Menschenleben verzeichnet.

An dieser Stelle greift SOS Méditerranée ein. Das Ziel der Organisation ist es, allen Personen in Seenot zu helfen, seien es Männer, Frauen oder Kinder, Migranten oder Flüchtlinge, die ihr Leib und Leben auf der Mittelmeerdurchkreuzung in Gefahr bringen. Das Projekt wird durch private Spendeneinnahmen und öffentliche Zuschüsse finanziert. Die Geldmittel werden für das Mieten der Boote und für die täglichen Wartungs- und Einsatzkosten verwendet.

Le bateau Aquarius en 2012 à Cuxhaven CC BY-SA 3.0

Die MS Aquarius in Cuxhaven, 2012. CC BY-SA 3.0.

Das Rettungsschiff heißt Aquarius. Gegründet wurde SOS Mediterranée von dem Deutschen Klaus Vogel, einem ehemaligen Kapitän der Handelsmarine, und von Sophie Beau aus Frankreich, die Erfahrungen mit humanitären Hilfseinsätzen hat. Das Projekt wurde am Ende der so genannten Operation Mare Nostrum ins Leben gerufen, einem Einsatz der italienischen Marine, die ebenfalls versuchte, Migranten vor den Gefahren des Mittelmeeres zu bewahren.

Der Blog von SOS Mediterranée enthält mehrere Erzählungen von Menschen, die die gefährliche Meeresüberquerung gewagt haben. Hier sind einige ihrer Geschichten:

Kebba ist ein 22-jähriger Soldat aus Gambia. Wegen der derzeitigen Diktatur und dem Fehlen von Arbeitsplätzen ist er geflohen:

La seule façon d’avancer est de devenir soldat, et je n’ai pas voulu faire ça. J’ai perdu mon père et il fallait que je soutienne ma mère et mes jeunes soeurs, alors je suis parti chercher du travail ailleurs. En Libye, j’ai été kidnappé. J’ai été détenu dans un camp pendant deux mois. Il n’y avait presque pas de nourriture, pas d’eau, pas d’endroit pour dormir. Ils ont tué six personnes que je connaissais dans les camps. Ils disent ‘donne-nous ton argent ou on te tue’, et ils tiennent parole. J’ai voulu rentrer chez nous mais je n’avais aucun moyen de m’y rendre. Alors j’ai décidé de prendre ce risque de partir en Europe. Les trafiquants nous ont gardé dans un autre camp, pendant deux ou trois semaines. Le jour venu, ils nous ont entassés dans le bateau en caoutchouc. Il n’y avait pas de capitaine, seulement la volonté de Dieu. J’ai deux rêves— de devenir soudeur en mer et d’écrire un livre sur ce voyage. Mais si la vie ne m’accorde rien d’autre, j’espère au moins pouvoir vivre en paix

Die einzige Möglichkeit um vorwärts zu kommen ist Soldat zu werden und das wollte ich nicht. Als ich meinen Vater verloren habe, musste ich meine Mutter und jüngeren Schwestern versorgen, und habe mich also aufgemacht, woanders Arbeit zu suchen. In Lybien wurde ich entführt und zwei Monate in einem Gefangenenlager festgehalten. Es gab fast nichts zu essen, kein Wasser und keinen Schlafplatz. Sechs Leute, die ich kenne, wurden getötet. Sie sagten: “Gib mir dein Geld oder ich töte dich” und haben genau das getan, was sie gesagt haben. Ich wollte nach Hause zurückkehren, aber hatte keine Möglichkeit, dorthin zu kommen. Also habe ich entschieden, alles zu riskieren und nach Europa zu gehen. Die Schmuggler haben uns in einem anderen Lager für zwei oder drei Wochen untergebracht. Als es soweit war, haben sie uns in ein Gummiboot gesetzt. Es gab keinen Kapitän, nur den Willen Gottes. Ich habe zwei Träume: Seemann zu werden und ein Buch über diese Überfahrt zu schreiben. Aber wenn das Leben nichts mehr für mich übrig hat, will ich zumindest in Frieden leben.

Capture d'écran de la vidéo du projet sur YouTube

Screenshot eines Videos von einer Rettungsaktion auf dem YouTube-Kanal der Operation.

Cyrill ist ein kamerunischer Militäroffizier, der vor der Brutalität der Militärorganisation Boko Haram im Norden des Landes geflohen ist. Er sprach von Folterstätten, Diebstahl und Gewalt, die er in Lybien, Ausgangspunkt für viele Flüchtlingsschiffe auf ihrem Weg nach Europa, gesehen hat:

 La Libye est un pays hors du monde, qui a perdu tout sens moral. Un monde revenu à la condition de la chair animale. Ces enfants qui s’entraînent à tirer sur les noirs dans la rue, les rackettent en leur mettant une lame sur la gorge ou apprennent à torturer les migrants sous le regard de leurs parents. Ils parlent du viol systématique des femmes sur la route, de ces passeurs ou geôliers impitoyables qui les battent et leur crachent dessus en leur répétant qu’ils ne valent pas le pain qu’on leur donne.

Lybien ist ein Land einer anderen Welt — ein Land, das jeglichen Sinn für Moral verloren hat. Eine Welt, die in einen animalischen Zustand zurückgekehrt ist. Es gibt Kinder, die dafür trainiert werden, auf der Straße auf Schwarze zu schießen, sie mit einem Messer an der Gurgel auszurauben oder Migranten zu foltern, während die Eltern zusehen. Sie sprechen von systematischen Vergewaltigungen von Frauen mitten auf der Straße, von Schmugglern und gewissenlosen Sicherheitskräften, die sie schlagen und bespucken und ihnen sagen, dass sie nicht mal das Brot wert sind, das sie zu essen bekommen.

Gode Mosle ist ein 22-jähriger Syrer aus Damaskus. Nun ist er in Schweden, aber immer noch durch die Erinnerungen an seine Flucht traumatisiert:

J'ai dit à mes amis en Syrie de ne pas prendre ces bateaux. Il faut qu'ils viennent par la Turquie et la Grèce, même si c'est beaucoup plus cher. On était environ 700 dans le bateau mais il n'y avait en fait de la place que pour la moitié .Ces passeurs sont des animaux. Ils crient sur les gens, les volent et les frappent quand ils embarquent. C'était une sorte de torture psychologique qui a commencé avant même le bateau. Deux Africains sont morts dans la cale.  Ils ont été asphyxiés, ils ne pouvaient pas respirer à cause des émanations du moteur. C'était bancal, on ne pouvait pas se mettre debout ou bouger. Dès que quelqu'un le faisait le bateau menaçait de chavirer .Il y avait beaucoup de hurlements. Je ne referais pas ce voyage. Je ne peux pas oublier ce que j'ai vu. Les gens veulent vivre, c'est pour ça qu'ils embarquent sur ces bateaux.

Ich habe meinen Freunden gesagt, sie sollen nicht diese Boote nehmen. Sie sollten über die Türkei oder Griechenland fliehen, auch wenn das viel teurer war. Wir waren fast 700 auf dem Boot, aber es hatte nicht mal für die Hälfte Platz. Die Schmuggler sind Tiere. Sie schreien die Leute an, rauben sie aus und schlagen sie, wenn sie ins Boot steigen. Es war von Anfang an eine psychologische Folter. Zwei Afrikaner sind im Keller gestorben. Sie sind erstickt, da sie wegen der Abgase des Motors nicht atmen konnten. Es war so heruntergekommen, wir konnten weder stehen noch uns bewegen. Sobald sich einer bewegte, hat das Boot schon mit Schiffsbruch gedroht. Es gab viele Schreie. Ich würde diese Reise nicht nochmal auf mich nehmen. Ich kann nicht vergessen, was ich gesehen habe. Die Menschen steigen in dese Boote, weil sie leben wollen.

Mehr über das Thema erfahren Sie in dieser französischen Dokumentation von Jean Paul Mari, die von den täglichen Gefahren berichtet, denen sich die SOS Méditerranée während einem ihrer Einsätze stellt:

https://www.youtube.com/watch?v=LdD0oOlhmeY

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