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Indiens LGBT-Gemeinschaft wirft Premierminister Scheinheiligkeit vor, nachdem er “Gedanken und Gebete” an die Opfer Orlandos sendet

Bengaluru Queer Pride Parade 2009 Image from Flickr by Vinayak Das. CC BY 2.0

Die Bengaluru Queer Pride Parade im Jahr 2009. Bild von Flickr von Vinayak Das. CC BY 2.0

Beim Massaker in einem homosexuellen Club in der US-amerikanischen Stadt Orlando am 12. Juni 2016 wurden 49 Menschen getötet und 53 verletzt. In Indien veranstalteten eine Vielzahl von Organisationen Friedensmärsche, um ihre Solidarität mit den Opfern des in den USA tödlichsten Gewaltaktes gegen lesbische, schwule, trans- und queere Menschen (LGBTQ) zu zeigen.

Indiens Premierminister Narendra Modi sprach ebenfalls sein Beileid aus und verurteilte die Schießerei in einem Tweet, womit er die LGBTQ-Gemeinschaft überraschte, die ihn als nicht wirklich als Ally [Definition durch RainbowProject: Menschen, die sich selbst nicht als LGBT identifizieren, aber die Gleichberechtigung von LGBT-Personen unterstützen] ansehen.

Viele Aktivisten wiesen jedoch mit Recht darauf hin, dass Modi es unterließ, den Term LGBTQ in seinem Tweet zu verwenden:

Schockiert vom Angriff in Orlando, USA. Meine Gedanken und Gebete sind mit den hinterbliebenen Familien und den Verletzten.

In Indien ist Gewalt gegen Menschen, die aufgrund ihrer Sexualität und/oder ihres Geschlechts einer Minderheit angehören und soziale Marginalisierung sowie Todesdrohungen und Attacken durchstehen müssen, ein schwerwiegendes Problem. Im Jahr 2009 wurde durch das oberste Gericht Delhis, den Delhi High Court, ein bahnbrechendes Urteil gefällt, welches einvernehmliche sexuelle gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Erwachsenen entkriminalisiert. Hierdurch wurde Absatz 377 des indischen Strafgesetzbuches als ungültig erklärt, der durch das Britische Empire 1861 in die indische Verfassung aufgenommen wurde. Homosexueller Sex wurde als “unnatürlich” und “gegen die Ordnung der Natur gehend” angesehen.

Infolgedessen wurden mehrere Einsprüche beim obersten indischen Gericht eingelegt, die die Entscheidung des Delhi High Court anfechten. Das oberste Gericht hob das Urteil des Delhi High Courts vom 11. Dezember 2013 auf und entschied, dass das Urteil nicht rechtsmäßig sei. Die Angelegenheit ist noch immer aufgeschoben und hängt zwischen Gericht und Parlament fest. Die rechtsorientierte Regierung der indischen Volkspartei Bharatiya Janata Party, die derzeit an der Macht ist, weigert sich, das Gesetz zu ändern.

‘Ihr glaubt, LGBT-Menschen seien sicher in Indien?’

Nutzer sozialer Medien hatten es auf Modi abgesehen, nachdem er sich weigerte, anzuerkennen, dass der Anschlag in Orlando gegen die LGBTQ-Gemeinschaft gerichtet war.

Sir, es war ein homosexueller Nachtclub.

Rachita wandt ein, Modis Tweets seien nicht aufrichtig gewesen.

Du tust das, obwohl du kein Recht hast, deine Solidarität mit der Gemeinschaft in Orlando zu bekunden.
Wenn du auf Worte keine Taten folgen lässt, ist es sinnlos, den Familien der LGBTQ-Gemeinschaft in Orlando “Gedanken und Gebete” zu senden.

Manche verurteilten Modis fehlendes Mitgefühl gegenüber der LGBTQ-Gemeinschaft:

Kein Gebet wird funktionieren, wenn du 377 nicht abschaffst oder 2002 mal betest. Guten Tag😃
Aber nicht schockiert, dass hierzulande Homosexuelle noch immer als Kriminelle gebrandmarkt sind.
Sehr geehrter Herr PM, glauben Sie, LGBT Menschen seien sicher in Indien? Und auch unter IHRER Regierung?

Andere nannten ihn einen Heuchler.

Die in #Orlando gestorbenen homosexuellen Mitglieder der Gemeinschaft, wären nach geltendem indischen Recht kriminelle. Catch-22 für Modi.

‘Noch nie habe ich mich so betrogen gefühlt’

Sakshan Bhatnagar beschrieb auf Facebook, wie verletzend Modis Tweet seiner Meinung nach war:

Narendra Modi, you murder the victims of the Orlando shooting a second time by refusing to acknowledge that they were killed because they were LGBT. Would it have reduced your shock or sorrow to speak of the root cause of shooting, the homophobia we in india still call our culture?

Narendra Modi, du ermordest die Opfer des Massakers von Orlando ein zweites Mal, indem du dich weigerst, anzuerkennen, dass sie umgebracht wurden, weil sie LGBT waren. Hätte es deinen Schock oder deine Trauer geschmälert, hättest du den Grund des Massakers genannt? Die Homophobie, die wir in Indien noch immer unsere Kultur nennen?

Filmemacher und Drehbuchautor Apurva Asrani, dessen letzter Film Aligarh sich mit dem Homosexualität auseinandersetzt, schrieb einen offenen Brief an Modi. Er fragte:

While your words seemed kind and compassionate, I would like you to know, sir, that they shook me up. I have never felt more betrayed. Your 110 character tweet was missing five important characters. Five characters that would reveal a truth that your government is refusing to acknowledge-LGBTQ’!

The Orlando shooting took place in a gay club. Those that perished were all members of the LGBTQ community. You surely know sir, that LGBTQ stands for Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender and Queer people. It is an umbrella term for a people with an alternative sexual orientation. We exist not just in the United States and the rest of the world, but in India too.

Während Ihre Worte gütig und anteilnehmend gewesen zu sein schienen, möchte ich, dass Sie wissen, dass Ihre Worte mich wachrüttelten. Noch nie habe ich mich so betrogen gefühlt. In Ihrem 110 Zeichen langen Tweet fehlten fünf wichtige Buchstaben. Fünf Buchstaben, die die Wahrheit aufgedeckt hätten, die Ihre Regierung sich weigert, anzuerkennen – LGBTQ!

Das Massaker in Orlando fand in einem homosexuellen Nachtclub statt. Die umgekommenen Menschen waren alle Mitglieder der LGBTQ-Gemeinschaft. Sie, mein Herr, wissen sicherlich, dass LGBTQ für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender und Queer [Anm. d. Ü.: zu Deutsch Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und queere Menschen] steht. Es ist ein Sammelbegriff für Menschen mit alternativer sexueller Orientierung. Uns gibt es nicht nur in den Vereinigten Staaten und dem Rest der Welt, sondern auch in Indien.

Im Gespräch mit der Nachrichtenseite First Post konfrontierte die Aktivistin für Transgender-Rechte Laxmi Narayan Tripathi die indische Regierung und sagte: “Ich fordere Narendra Modi, abermals, dazu auf, auf Grundlage der gesamten Demokratie zu handeln, auf der Indien erbaut ist und unsere eigenen Menschen unseres Landes anzuerkennen und ihnen Sicherheit zu geben.”

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