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Portugal: Wen interessiert der Staudamm von Foz Tua wirklich?

Der neue Staudamm des Tuas. im Bau. Foto: Captura de tela

Der neue Staudamm des Tuas in der Bauendphase. Foto: Captura de tela

Eine riesige 108 Meter hohe Betonmauer befindet sich in der Bauendphase. Die Mauer wird in Trás-os-Montes als Staudamm in der Flussmündung des Flusses Tua dienen. Der Damm befindet sich in der Nähe von Alto Douro Vinhateiro, eine Region die 2001 von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

2013 wurde von Umweltorganisationen eine Plattform kreiert, um das Tal Tua zu schützen. Die Umweltschützer weisen darauf hin, dass der Staudamm ein „Umweltdesaster herbeiführen wird, welches seltene Ökosysteme, Agrarland, circa 400 Hektar Olivenhaine, Rebflächen und geschützte Lebensräume durch Überschwemmungen zerstören wird.”

Die Douro Vinhateiro Region ist seit 1765 die älteste vom Weinbau geprägte Region der Welt. Die Gegend ist nicht nur Weltkulturerbe, sondern sie ist auch für die Herstellung von hochwertigen Weinen bekannt. Die Landwirte, junge Leute, die sich entschieden haben, in der Region zu bleiben und in die Weinproduktion zu investieren, sind mit der Situation unzufrieden: „Der Staudamm wird uns nichts bringen, nichts”, sagt der Weinbauer Pedro Almeida in einem von Jorge Pelicano für die Plattform “Rettet den Tua” gedrehten Dokumentarfilm:

Die EDP ist einer der größten Energiebetreiber, der auf der Iberischen Halbinsel agiert 

Rechts vom Flussufer des Douros, im sogenannten Gebiet Terra Quente im Nordosten von Transmontano, befindet sich der Fluss Tua, ein Nebenfluss des Douros. Diese fruchtbare Gegend, eine der wichtigsten Bergsportgebiete von Portugal, ist jetzt durch den Bau des Staudamms Foz Tua bedroht, dieser soll zur Energiegewinnung aus Wasserkraft dienen. Der Bau steht unter Aufsicht der Portugal-Energien (EDP), einer der größten Energiebetreiber der Iberischen Halbinsel, welcher auch zu den teuersten Energieproduzenten Europas gehört. Es handelt sich um eine Firma, die viele Jahre eine Monopolstellung inne hatte, berichtet die Abgeordnete Mariana Mortágua, welche die Situation verschärfe:

Em Portugal, a cada inverno, repete-se um excesso de mortalidade em resultado do frio. As casas são mal isoladas e a pobreza não deixa ligar o aquecimento. A austeridade e as rendas excessivas na energia matam mesmo. Temos das energias mais caras da Europa (preços antes de impostos), um negócio que dá à EDP lucros anuais em torno dos mil milhões de euros.

In Portugal erfrieren jeden Winter Menschen. Die Häuser sind schlecht isoliert und die Armut verhindert, dass die Heizungen angeschaltet werden. Die Sparmaßnahmen und die überhöhten Energiepreise töten die Leute. Wir haben die höchsten Energiepreise Europas (Preise ohne Steuern), ein Geschäft mit dem die EDP einen jährlichen Milliardengewinn (€) erzielt.

Die EDP ist ein Energieproduzent, der in den letzten Jahren einen sukzessiven Privatisierungsprozess erfuhr und der sich von einem staatliche Unternehmen in ein Unternehmen wandelte, welches durch ausländisches Kapital kontrolliert wird. 21,35% wurden 2011 an das chinesische Unternehmen Three Gorges verkauft. Ein Geschäft, in welchem laut vorausgehender Prüfung des Rechnungshofes ersichtlich wurde, dass der Staat während der Verhandlungen das nationale strategische Interesse nicht sicherstellen konnte. Ein sensibler Fall, sofern drei Jahre später das Unternehmen REN, welches für die Infrastruktur und für den Energietransport verantwortlich ist, auch privatisiert worden ist. Durch den Verkauf von mehr als 11 % des Firmenkapitals erhielt der Staat 157 Millionen. Ein Geschäft, bei dem die bereits erwähnte EDP den Konsumenten zur Geisel von Interessen und der gewinnorientierten Privatwirtschaft werden lässt.

Nun sind es diese zwei Firmen, die sich auf die Beendigung des Staudamms Foz Tua vorbereiten, ein nicht nur aus Umweltaspekten polemischer Bau. Auch aufgrund zahlreicher anderer Polemiken, wie Arbeitsbedingungen und den durch die Behörde für Arbeitsbedingungen (ACT) durchgeführten Inspektionen, die die Gefahr für die Bauarbeiter aufdeckten.

Der Bau stellt die Nachhaltigkeit der Gegend infrage, es erschüttert die Menschen die hier zum Beispiel als Weinproduzenten leben und arbeiten. Den Weinsektor betreffend, ist die Angelegenheit in Portugal so sensibel, dass die aus dem Alentejo stammende Marke Esporão zu einer der aktiven Stimmen der Aktion “Rettet den Tua, schützt den Douro” wurde. Der Bau wird auch eine der emblematischsten Eisenbahnstrecken des Landes, die in der Region viel zum Wachstum des Tourismus beigetragen hat, ein Ende setzen – die Linie Tua, die teilweise überschwemmt werden wird.

Die Energie, die der Staudamm produzieren wird, rechtfertigt die Auswirkungen auf die Umwelt nicht  

Die Frage, die sich stellt, ist somit: Wie ist der tatsächliche wirtschaftliche Einfluss auf das Land und wie kann garantiert werden, dass der Bau signifikante Verbesserungen für das Land bringt, ohne die Nachhaltigkeit der Gegend in Frage zu stellen?

Offensichtlich liegt der Vorteil bestenfalls im Nutzen der Wasserkraft (dieser Vorteil wird von der des Projekts innehabenden Firma EDP propagiert), die Produktion wird circa 6% der gesamten nationalen Wasserkraft ausmachen. Ein Wert der schon früh durch die Nationale Naturschutzorganisation in Übereinstimmung mit GEOTA, LPN und COAGRET widerlegt wurde. Ein Protest, der auf die Auswirkungen des neues Staudamms aufmerksam machte und den Nutzen der Energiegewinnung auf circa 0,5% der Gesamtenergie des Landes reduzierte, wobei Foz do Tua gerade 0,1% produzieren würde.

Desweiteren weist Quercus darauf hin, dass der Bau des Staudamms und das Projekt der Nationalen Staudämme den Steuerzahlern zwischen 16 und 20 Milliarden Euro kosten könnten. Ein Szenarium, das die durch Privatkapital gehaltene Firma so friedlich wie möglich zwischen den verschieden Aktionären behandelte, da der zu erwartende Gewinn genug zur Dividendenausschüttung übrig lassen würde, was im Einklang zu den zahlreichen getroffenen Vereinbarungen steht.

Quercus rechtfertigt, dass das Staudammprojekt, wenn es fertig sein wird, zu einem Verlust von Agrarflächen, Minderung der Wasserqualität, Verlust von Landschaften und des spezifischen Ökosystems der Region führen wird und fügt hinzu, dass:

Parar a barragem de Foz Tua agora é 30 (trinta) vezes mais barato do que deixá-la avançar e pagar a posteriori os custos de uma eletricidade inútil e caríssima. Sendo certo que a hidroeletricidade é uma parte importante do mix energético nacional, já temos hoje 67 grandes centrais hidroelétricas, 10 das quais equipadas com sistemas de bombagem; muitas barragens existentes estão a ser ou podem vir a ser reequipadas para maior produção; Não precisamos de barragens novas.

Den Bau des Staudamms jetzt zu stoppen, wäre 30 Mal preiswerter (dreißig) als ihn fortzuführen und nachträglich die Kosten für eine unnütze und teure Elektrizität zu zahlen. Es stimmt, dass die Wasserkraft ein wichtiger Bestandteil des nationalen Energiemixes ist, aber wir haben heute schon 67 große Wasserkraftanlagen, davon sind 10 mit Pumpanlagen ausgerüstet, viele existierende Staudämme werden zurzeit neu ausgestattet oder werden bereits für höhere Produktionen umgerüstet. Wir brauchen keine neuen Staudämme.

Auf der anderen Seite gibt es Leute, die das Projekt verteidigen, wie beispielsweise der Premierminister José Sócrates, der in Bezug auf den Baubeginn des Damms meinte:

O problema de Portugal foi não se construírem os empreendimentos polémicos. Esse foi o erro que cometemos durante demasiado tempo.

Das Problem von Portugal war, dass keine polemischen Projekte gebaut worden. Dies war ein Fehler, den wir lange Zeit begannen haben.

Ein wenig streitbares Argument, dass sich zum Beispiel auch auf die Investitionen beim Euro 2004 bezog, wo die Anzahl der im Zuge gebauten Strassen dazu führte, dass die heutige Infrastruktur weit über dem europäischem Mittelmaß liegt. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen anderen polemischeren Bauten.

Letztendlich steht die Willenskraft zahlreicher Organisationen und vieler Bürger im Gegensatz zum Weiterbau des Staudamms. In einem ersten Bericht entschied die UNESCO, dass „der Bau des Staudamms Foz Tua, die Klassifikation des Tales Alto Douro Vinhateiro als Weltkulturerbe nicht gefährdet.” Aber die Auswirkungen des Baus, könnten für viele Leute, die in der Gegend leben und die von der Erde abhängig sind, spürbar werden.

Für viele ist dieser Fall ein verlorener Posten. Für andere endet der Kampf erst an dem Tag, an dem die Erde unwiederbringlich überschwemmt wird. Gewiss kann man annehmen, dass dies nur der erste Kampf gegen das Nationale Staudamm-Programm ist, was für  António Mexia, President des Verwaltungsrates der EDP, erlaubt, „die prinzipiellen Fragen in Portugal” zu klären. Die Gründer der Plattform “Rettet den Tua” haben mit einer Petition an die UNESCO begonnen, diese kann auf der Webseite unterschrieben werden.

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