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El Salvadors Frauen bekämpfen Gewalt mit gemeinnütziger Arbeit, Musik und individuellen Aktionen

Oscar Leiva

Ein Mitglied der Bande Barrio 18 im Cárcel de Mujeres (Frauengefängnis) in El Salvador. Der Fotograf Oscar Leiva, der dieses Foto aufgenommen hat, meint: „Manchmal sehen wir Bandenmitglieder als Damönen an und fragen uns überhaupt nicht, was diese Menschen dazu bewegt hat, Teil einer kriminellen Organisation zu werden. Viele rutschen auf der Suche nach einer Familie, Identität oder Zugehörigkeit nach und nach in eine der Banden ab.” Dieses Foto stammt von seinem Flickr-Konto (Oscar Leiva Marinero / Silverlight) und wird hier mit seiner Erlaubnis abgebildet.

Parallel zu den Friedensverhandlungen über die die Medien und Regierungsorganisationen berichten, haben auch viele private Initiativen und Frauengruppen der Gewalt durch Banden in El Salvador den Kampf angesagt. Die Arbeit mit jungen Frauen und ehemaligen Bandenmitgliedern – sowohl in Gefängnissen als auch außerhalb – ist Teil einer Bewegung, die sich aktiv am Friedensprozess, in dem Frauen bisher kaum eine Rolle spielten, beteiligen will. Außerdem geht es den Bewegungen darum, die sozialen Strukturen, die Gewalt gegen Frauen verstärken, zu verändern.

Las Dignas: Initiativen gegen Gewalt von Frauen für Frauen

Die Frauengruppe Las Dignas (Die würdevollen Frauen) wurde 1990 in El Salvador gegründet und ging aus einer der Organisationen hervor, die an der Entstehung des Friedensvertrags von Chapultepec  beteiligt waren. Der Vertrag beendete nach mehr als einem Jahrzehnt den Bürgerkrieg in El Salvador. Las Dignas haben in den letzten Jahren verschiedene Projekte durchgeführt, um Frauen, die in schwierigen Verhältnissen leben, zu unterstützen – vor allem Frauen in Banden. Dazu führt die Organisation Programme zur Prävention von Gewalt gegen Frauen in El Salvador durch und setzt sich für wirtschafliche Gerechtigkeit und politischen Schutz für Frauen ein.

Die Gruppe kämpft aber nicht nur gegen die von Banden ausgehende Gewalt gegen Frauen, sondern setzt sich auch mit dem Problem der strukturellen Gewalt auseinander. So haben Las Dignas sich das Ziel gesetzt, Frauen und alle Interessierten aufzuklären, welche Probleme aufgrund von gesellschaftlichen Konventionen entstehen, die die Geschlechter trennen. Eine andere Initiative, die Las Dignas auf ihrem YouTube-Kanal vorstellen, ist “Trink einen Kaffee mit uns” (Tómate un café con nosotras). Das Projekt wurde 2014 als Teil des Kampfes für die Entkriminalisierung von Abtreibungen ins Leben gerufen und soll ein Bewusstsein für die Lebenswirklichkeit von Frauen in El Salvador, einem der Länder mit dem strengsten Abtreibungsgesetzen der Welt, schaffen:

Demandamos respeto [para poder] decir “sí queremos” y “cuándo queremos” ser madres. Deseamos que la interrupción voluntaria del embarazo sea despenalizada. No queremos más mujeres presas o muertas. Tenemos derecho a vivir la vida que queremos. Sobre mi cuerpo y sobre mi vida decido yo.

Wir verlangen, dass wir diejenigen sind, die entscheiden ‘Ja, wir möchten [Mütter werden]’, wenn wir dazu bereit sind. Wir verlangen, dass freiwillige Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr unter Strafe gestellt werden. Wir wollen, dass Frauen dafür nicht mehr ins Gefängnis kommen oder daran sterben. Wir haben das Recht, unser Leben so zu führen, wie wir wollen. Mein Körper und mein Leben – meine Entscheidung.

Orchester als Verbindung zu ehemaligen Bandenmitgliedern

Ein anderes Projekt, das vielen jungen Frauen mit einer Bandenvergangenheit eine Chance bietet, ist das Frauenorchester des Instituts für ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (ISNA). Dieses Projekt begann während des Waffenstillstandsder 2012 zwischen den Banden Mara Salvatrucha und Barrio 18 vereinbart wurde den zwei mächtigsten Banden, deren Kämpfe über lange Zeit große Teile des Landes prägten. Zu Beginn gab es viele Probleme wie Karina, ein Mitglied des Orchesters, der AFP erzählt:

Lo más difícil fue saber que íbamos a estar junto a las de la otra mara, costó sentarnos a la par, pero luego ya cuando nos comenzaron a enseñar a tocar los instrumentos nos concentramos en eso para sacar adelante a la orquesta

Das schwierigste daran war, zu wissen, dass wir dort mit Frauen aus der anderen Bande zusammen sein würden. Es war schwierig, mit ihnen zusammen zu sitzen. Aber als wir anfingen, die Instrumente zu lernen, haben wir uns nur noch darauf konzentriert, um mit dem Orchester weiterzukommen.

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten trug das Projekt Früchte wie einige der Frauen, die im Orchester spielten, in einem u.a. auf dem YouTubeKanal der ISNA veröffentlichten Bericht bestätigten. In dem Bericht erzählen das Paar, das für das Projekt verantwortlich war und einige der Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen:

Ein Mädchen berichtet:

Cuando toco el violín me siento bien porque siento que […] puedo liberarme, porque mi cuerpo está encerrado, pero no mi mente. Por medio [de la música] puedo […] viajar a otro lugar.

Wenn ich Geige spiele, fühle ich mich gut, weil ich das Gefühl habe, dass ich […] frei sein kann. Mein Körper ist hier eingeschlossen, aber nicht mein Geist. Durch [die Musik] kann ich […] zu anderen Orten reisen.

Die Lehrerin betont, wie wichtig die Musik für die Rehabilitation der Teilnehmerinnen war:

La música es una forma en la que nos podemos comunicar con los demás. Eso es algo también que hacemos con ellas: proyectarles la paz, proyectarles la armonía… ¡Proyectar todo! De hecho, la música es eso: armonía.

Musik ermöglicht es uns, mit anderen zu kommunizieren. Das machen wir auch mit den Teilnehmerinnen: Ein Projekt für Frieden, ein Projekt für Harmonie… ein Projekt für alles! Darum geht es doch bei Musik: um Harmonie.

Ehemalige Bandenmitglieder werden aktiv

Andere Fälle zeigen, dass persönliche Entschlossenheit große Kräfte freisetzen kann. Susana ist so ein Beispiel. Sie hat sich entschlossen, gegen die soziale Ausgrenzung ehemaliger Bandenmitglieder zu kämpfen. Susana war selbst seit ihrer Jugend Mitglied der Mara Salvatrucha und musste einige schwierige Rituale über sich ergehen lassen, um sich den Respekt der anderen Mitglieder zu verdienen. Die Journalistin Dona Decesare berichtete 2012 für das Magazin VICE über Susanas Geschichte:

Las historias de violaciones y maltrato por parte de la MS13 o en el Barrio 18 abundan. [Sin embargo, Susana] tuvo un lugar digno, incluso temido, dentro de la MS. Pero cada vez crecían más los sentimientos encontrados. Por un lado, los lazos que formó a través de los años dentro de la pandilla seguían fuertes, como los de una familia, pero al mismo tiempo se decepcionaba al ver cómo la pandilla victimizaba a inocentes. Corría la década de los noventa cuando regresó a El Salvador y vio que aquel grupo de jóvenes que se unía para protegerse, se convirtió en el enemigo #1 del país. Todavía se sentían las repercusiones de más de 12 años de guerra civil.

Es gibt unzählige Geschichten über Vergewaltigung und Missbrauch in Banden wie MS13 oder Barrio 18. [Aber Susana] wurde in der Mara Salvatrucha respektiert oder gar gefürchtet. Susana begann umzudenken und sah die Bande nach und nach mit anderen Augen. Einerseits waren die über die Jahre entstandenen Bindungen innerhalb der Bande genauso stark wie in einer Familie. Andererseits war Susana enttäuscht darüber, wie die Bande unschuldige Menschen zu Opfern machte. Als sie nach Ende der 90er Jahre nach El Salvador zurückkehrte, sah sie, dass die Gruppe junger Leute, die sich ursprünglich zum Selbstschutz gebildet hatte, zum Staatsfeind Nummer 1 geworden war. Die Folgen des mehr als 12 Jahre langen Bürgerkriegs sind noch immer spürbar.

Während sie Mitglied der Bande war, war Susana selbst auch in Fälle extremer Gewalt verwickelt und bekam die Möglichkeit, die Bande zu verlassen – eine Chance, die nur wenige Mitglieder bekommen:

[Susana] se ganó su derecho. Cumplió sus compromisos dentro de la pandilla, fue herida de bala por una pandilla rival en Los Ángeles y estuvo presa en un penal de máxima seguridad en California. Ya podía caminar tranquila sin miedo a que la quisieran matar. Le dieron ‘el pase’, el cual antes se le otorgaba a los pandilleros que se hacían cristianos o después de cumplir sus compromisos se querían dedicar a sus familias –algo que sí existe en Estados Unidos, pero no es un proceso formal en Centroamérica–. ‘La mejor manera de compararlo sería cuando a un soldado le dan de baja honorable del ejercito’, anota.

Susana verdiente sich dieses Recht. Sie hatte alle Verpflichtungen gegenüber der Bande erfüllt, sie war von einer rivalisierenden Bande in Los Angeles angeschossen worden und hatte in einem Hochsicherheitsgefängnis in Kalifornien gesessen. Nun kann sie in Frieden leben und sich frei bewegen, ohne befürchten zu müssen, dass jemand sie töten will. Sie durfte die Bande verlassen, ein Recht das Mitgliedern zusteht, die religiös werden oder die ihre Verpflichtungen gegenüber der Bande erfüllt haben und sich ihrer Familie widmen wollen. Dieser Prozess ist in den USA weit verbreitet. In Zentralamerika wird er aber nicht offiziell anerkannt. ‘Man kann es am besten mit einem Soldaten vergleichen, der ehrenhaft aus der Armee entlassen wird’ erklärt sie.

Heute dreht sich ihr Leben darum, den Menschen zu helfen, die besonders gefährdet sind, in die Welt der Gewalt abzurutschen:

Ahora ella se dedica a abogar por niños y jóvenes indocumentados en Estados Unidos, a través de educación pública, de abogacía a nivel política pública, y provisión de servicios directos. Su trabajo consiste en evitar que otros chicos tengan su misma suerte e ingresen a las pandillas. La ‘vida loca’, explica, sólo tiene tres salidas: prisión, hospital o muerte. Ella previene que pase esto.

Sie unterstützt Kinder und junge illegale Einwanderer in den Vereinigten Staaten durch Bildung, Kampagnen in der Öffentlichkeit und mit politischen Vertretern sowie durch direkte Hilfe. Bei ihrer Arbeit dreht sich alles darum, zu verhindern, dass andere Kinder das gleiche Schicksal erleiden wie sie und sich Banden anschließen. Aus diesem Leben gibt es nur drei Auswege, erklärt sie: Gefängnis, Krankenhaus oder Tod. Dagegen kämpft sie.

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