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Die ‘Airpocalypse’: Peking erstickt im Smog

Beijing blankets in hazardous smoke of year’s worst record on November 30 of the UN climate change talk in Paris. Image from United Nation's official Weibo.

Peking von gefährlichem Smog eingehüllt. Am 30. November, dem Tag an dem auch die UN-Klimakonferenz in Paris begann, hatte Peking einen alarmierenden Höchstwert zu vermelden. Foto von der offiziellen Weibo-Seite der Vereinten Nationen.

„Peking heute…Smog. Die UN-Klimakonferenz wird sich heute versammeln. Was erwarten Sie sich davon?” so fragte man am 30. November auf der Twitter-ähnlichen chinesischen Weibo-Seite der UN. Es war derselbe Tag an dem auch der so ersehnte Gipfel in Paris seinen Auftakt hatte.

Ein chinesischer Internet-Nutzer antwortete: „Die Konferenz sollte in Peking stattfinden.” Dies war in Anspielung auf den kurzzeitigen blauen Himmel, den die Stadt genießen durfte, während hochkarätige Veranstaltungen, wie zum Beispiel die “Militärparade in Blau” oder die “APEC in Blau” stattfanden. Damals achtete die chinesische Regierung nämlich auf eine bessere Luftqualität, indem sie Fabriken einfach schließen ließ und die Fahrzeugbelastung der Straßen senkte.

Aber wieder ist Peking von gefährlichem Smog eingehüllt. Die Stadt registrierte am 30. November in manchen Gegenden einen Rekordwert von fast 1000 μg/㎥ Feinstaub, mit einer Kategorie von PM 2,5, hundertmal über dem Wert, den die Weltgesundheitsorganisation als unbedenklich eingestuft hat. Die chinesische Regierung ließ Alarm Orange ausrufen, was der dritten Stufe eines vier-stufigen Alarmsystems entspricht. Laut Pekings Notfallplan für starke Luftverschmutzung müssen hiernach die Einwohner angewiesen werden, ihre Außenaktivitäten und Bauarbeiten einzuschränken.

PM 2.5 steht für Feinstaub, dessen Durchmesser weniger als zwanzig Prozent eines einzigen Haares entspricht. Wegen seiner geringen Größe, kann er eingeatmet werden und erhöht somit das Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Zu diesen Erkrankungen zählen Lungenkrebs, Schlaganfälle und Asthma.

The building of Central Television in Beijing shrouded in thick smog. Photo from Weibo's user @Yaba

Eingehüllt von dickem Smog, das Central Television Gebäude. Foto von Weibo Nutzer @Yaba

Pekings städtisches Umweltschutzamt gibt hingegen an, dass es 55 Tage in der ersten Hälfte des Jahres 2015 gab, an denen die Belastung der Luftqualität innerhalb unbedenklicher Grenzwerte lag. Das sind acht Tage mehr im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Dichte von PM 2,5 sank um 15,2 Prozent, so das Amt. Laut dem Aktionsplan gegen Luftverschmutzung aus dem Jahr 2013, hat Pekings Bürgermeister Wang Anshun versprochen, dass die PM 2,5-Kontrolle bis zum Jahr 2017 einen Wert von 70 μg/cm² anstrebt.

Der chinesische Präsident Xi Jinping beschloss während des Klimagipfels in Paris “den Kohlenstoffdioxidausstoß zwischen 60-65 Prozent zum jeweiligen Bruttoinlandsprodukt, im Vergleich zum Jahr 2005 zu verringern und gleichzeitig die Energiemenge durch nicht-fossile Energieträger, bis zum Jahr 2030 um 20 Prozent zu erhöhen.”

‘Warum wurde Chai Jings Filmdokumentation so eifrig zensiert?’

Der gelblich-braun verfärbte Himmel erinnerte einige Leute an die unabhängige Reportage “Under the Dome.” Der Film wurde diesen Februar von der renommierten Journalistin und früheren Mitarbeiterin des staatlichen Fernsehsenders Chinese Central Television (CCTV),  Chai Jing, herausgegeben. Hierzu Anmerkungen eines Internet-Nutzers:

辛辛苦苦盖的那些大高楼和地标建筑一夜之间全部消失,颤颤巍巍的走到路口却看不到马路对面的红绿灯到底是什么颜色。我就想问问牛逼的官员,当年为什么封杀柴静的人那么负责任,这治理雾霾的人怎么就能这么不负责?

Riesige Wolkenkratzer und Denkmale verschwinden einfach über Nacht. Es ist mir unmöglich die Farben der Ampeln der gegenüberliegenden Straße zu erkennen. Eine Frage an die Funktionäre: Warum wurde Chai Jings Dokumentarfilm so heftig zensiert? Und wer es auch immer war, warum entschieden sie, dass das Thema Luftverschmutzung so unverantwortlich ist?

Chais Baby kam im Jahr 2013 mit einem gutartigen Tumor zur Welt. Zu Beginn ihrer Reportage erzählt sie von der Operation, die vorgenommen werden musste um den Tumor zu entfernen. Berührt von dem Leid, das ihr Kind zu ertragen hatte, regte sie eine Recherche an, die sie eigens finanzierte. Ihre Untersuchungen konzentrierten sich auf die Betriebe der Schwerindustrie und den jeweiligen Luftreinhaltungsverordnungen der Regierung. Überdies deckte sie auf, welche Eigeninteressen hinter Petroleum China and Sinopec stecken, den zwei unter Staatsmonopol betriebenen Energie-Riesen des Binnenmarktes. Sie besuchte auch mehrmals westliche Länder, wie Großbritannien und die USA, um bessere Verfahren zur Kontrolle der Luftreinhaltung zu erforschen.

Zum ersten Mal brachte eine chinesische Journalistin das Thema Luftverschmutzung in den Raum der öffentlichen Diskussion, obwohl der Film auch wegen einiger wissenschaftlicher Fehler und dem Mangel genauer Statistiken kritisiert wurde.

Aus Angst vor dem eventuellen öffentlichen Druck, den der Dokumentarfilm auslösen könnte, löschten die Zensoren den Film im chinesischen Internet. Das gleiche taten sie bei der Volkszeitung People’s Daily, dem Parteiorgan und Sprachrohr der Regierung, um somit eine heftige Online-Diskussion, noch bevor der nationalen Volkskongress begann, im Keim ersticken zu können.

Lokale Medienberichterstattungen sind nur sehr oberflächlich

Chais nachdenklich stimmende Dokumentation enthüllte die eigennützlichen Interessen der zwei chinesischen Energie-Barone und die lasche Durchsetzung der Höchstgrenzen der Luftverschmutzung seitens des Umweltschutzamtes für Betriebe der Schwerindustrie.

Chais Nachforschungen sind die Ausnahme, selten ist eine tiefgründige Berichterstattung über diese Riesenkonzerne zu sehen, denn diese haben nur Interesse daran den jetzigen Zustand der Umweltberichterstattung in den chinesischen Medien beizubehalten. Die Berichte befassen sich fast ausschließlich damit, was für persönliche Vorsichtsmaßnahmen ein jeder Bürger treffen kann, um seine Gesundheit zu schützen und welche Vorkehrungen die Regierung an sowieso schon versmogten Tagen trifft.

„Egal ob es um Berichte über Lufttrübungen oder andere Umweltprobleme geht, die internen Medien sollten sich verpflichtet fühlen Verantwortung zu übernehmen”, so betonte es letztes Jahr ein Artikel der Volkszeitung People’s Daily. „Schon alleine um für die Öffentlichkeit wissenschaftlich fundiertere und tiefer gehende Berichte bereitzustellen, auch mit dem Bemühen ein gutes Image des Landes abzugeben”, so berichtete das Blatt weiter.

Edward Wong, der Büroleiter der New York Times in Peking, schlug vor, die staatliche Xinhua News Agentur sollte sich ihre Stellung zu Nutze machen, um tiefgreifende Recherchen zu den Ursachen der Luftverschmutzung einzuholen:

Xinhua sollte Journalismus betreiben und ihre 内参 (internen Referenzen) nutzen, um öffentliche Berichte über eigennützige Interessen, die hinter dem Problem der Luftverschmutzung stecken, zu schreiben.

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