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Wer wirklich wissen will, was jeder fünfte Muslim denkt, sollte nicht die englische Zeitung The Sun zu Rate ziehen

Screenshot: The UK's Independent Press Standards received 450 complaints about the front page of The Sun.

Screenshot: Der britische Presserat erhielt 450 Beschwerden wegen der Titelseite der Zeitung The Sun.

Zu einer Zeit in der die Islamfeindlichkeit in Großbritannien stetig wächst, veröffentlichte das britische Klatschblatt The Sun auf seiner Titelseite die fragwürdige Behauptung: „Jeder fünfte Muslim hat Verständnis für die Dschihadisten”. Nun muss das Blatt mit einer enormen Gegenbewegung rechnen. Bisher hat die Veröffentlichung zu einer Rekordzahl von 450 Beschwerden beim britischen Presserat, der Independent Press Standards Organisation, geführt. Auch ein beliebtes Hashtag namens #1in5Muslims verhöhnt die Islamfeindlichkeit der Zeitung The Sun.

64 Millionen Menschen leben in Großbritannien, ungefähr 5% davon sind Muslime. Das Blatt The Sun kam zu seiner ungemeinen Behauptung mittels einer Telefonumfrage durch die Firma Survation, an der 1.003 Muslime teilnahmen. Die Befragten wurden hierbei aufgefordert aus einer Liste von Stellungnahmen auszuwählen (die aber nicht das Wort Dschihadist enthielten, obwohl der Begriff in der Schlagzeile der Sun auftauchte).

Insgesamt gaben 71 Prozent an, dass sie „keinerlei Verständnis für die jungen Muslime haben, die Großbritannien verlassen, um sich den Kämpfern Syriens anzuschließen”, wobei 9 Prozent keine Meinung dazu hatten. 15 Prozent hingegen gaben an „Ich habe ein bisschen Verständnis für junge Muslime, die Großbritannien verlassen, um sich den Kämpfern in Syrien anzuschließen” und 5 Prozent gaben an „Ich habe vollstes Verständnis für junge Muslime, die Großbritannien verlassen, um sich den Kämpfern in Syrien anzuschließen”.

The Sun, die Zeitung mit der höchsten Tagesauflage in Großbritannien, hat diese beiden Gruppen als eine zusammengefasst und erreichte somit die 20 Prozent Marke, oder eben anders ausgedrückt „jeder fünfte” Muslim.

Aber viele Leute haben beanstandet, darunter Pressemitarbeiter und Muslimführer, dass der Ausdruck „Verständnis” zu unbestimmt ist. Außerdem ist unklar welche „Kämpfer Syriens” gemeint sind — diejenigen, die für ISIS kämpfen, auch unter der arabischen Abkürzung Daesh bekannt, oder diejenigen, die gegen ISIS kämpfen oder aber diejenigen, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad ankämpfen.

Die Firma Survation wurde auch für ihre Vorgehensweise bei der Befragung kritisiert. Denn es wurden nur Leute mit „muslimischen Nachnamen” angerufen und es gab keine Kontrollgruppe, um erkennen zu können, wie Leute anderen Glaubens auf dieselben Fragen geantwortet hätten. Laut der Tageszeitung The Guardian kontaktierte das Boulevardblatt [The Sun] zuerst ein anderes Meinungsforschungsinstitut, das es aber ablehnte die Umfrage durchzuführen, denn „es war sich nicht sicher, dass es die englisch-muslimische Bevölkerung innerhalb des vom Blatt festgesetzten Zeit- und Geldrahmens exakt repräsentieren könnte”.

Mit einer Prise Humor gegen die Islamfeindlichkeit

In Großbritannien ist die Islamfeindlichkeit immer stärker zu spüren. Den neuesten Zahlen zufolge sind islamfeindliche Hassverbrechen in der Woche nach den Terroranschlägen in Paris um ein Dreifaches angestiegen. Diese Zahlen wurden von der Tell Mama Helpline erhoben, einer Organisation die anti-muslimische Übergriffe, egal ob verbal oder körperlich, im ganzen Land erfasst. Laut dem Bericht, der für die Anti-Muslim-Hass Arbeitsgruppe der Regierung verfasst wurde:

Most victims of the UK hate crimes were Muslim girls and women aged from 14 to 45 in traditional Islamic dress. The perpetrators were mainly white males aged from 15 to 35 […] the reported attacks were in public places, including on buses and trains. Thirty-four victims were women wearing the hijab, while eight involved young children.

Die meisten Opfer der Hassverbrechen Großbritanniens, waren muslimische Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 45 Jahren, die traditionelle islamische Kleider trugen. Die Täter waren meist weiße Männer im Alter von 15 bis 35 Jahren, […] die gemeldeten Attacken fanden an öffentlichen Orten statt, einschließlich in Bussen und Zügen. Vierunddreißig Opfer waren Frauen, die den Hidschab (das islamische Kopftuch) trugen, wobei acht der Opfer Kinder waren.

In der Zwischenzeit begannen Twitter-Nutzer rund um den Globus damit, sich über die Schlagzeile und den dazugehörigen Artikel der Sun lustig zu machen. Unter dem Hashtag #1in5Muslims bieten sie ähnlich zweifelhafte, allerdings viel lustigere Behauptungen über Muslime an.

Jeder fünfte Muslim ist mit seiner Cousine verheiratet. Die restlichen vier geben sich größte Mühe dasselbe zu tun.

Jeder fünfte Muslim geht nur während des Ramadans zur Moschee. Um Leute zu treffen und für Gratis-Essen.

Jeder fünfte Muslim ist ein Franzose… wenn er ein Tor schießt. Wenn nicht, dann ist er Araber.

Jeder fünfte Muslim gewann den Nobelpreis, noch bevor er alt genug war mit dem College zu beginnen.

Jeder fünfte Muslim benutzt wahrscheinlich das hier bei der Arbeit. Besonders in Dubai.

Jeder fünfte Muslim geht fremd, trinkt Alkohol, raucht Marihuana, würde aber nie in die Nähe von Chips mit Schinkengeschmack gehen, weil es haram [im islamischen Recht verboten] ist, Bruder…

Jeder fünfte Muslim ist ein Lieblings-Schwarm deiner Tochter.

Jeder fünfte Muslim hat ein geheimes Haustier, das so aussieht:

Die Twitter-Nutzer scheinen die unbeschwerten Antworten zu schätzen:

Ich finde es einfach toll, wie die Twitter-Gemeinschaft angefangen hat, auf solche abwertenden Behauptungen zu reagieren. Viel besser als Beschimpfungen oder Provokation durch Trolle.

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