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Massenvergewaltigungen im kriegsgebeutelten Süd-Sudan: Wo bleibt der Aufschrei?

South Sudanese women dancing to celebrate their country's first independence anniversary on July 9, 2012. Copyright © Demotix.

Frauen aus dem Süd-Sudan tanzen zur Feier des 1. Unabhängigkeitstages ihres Landes am 9. Juli 2012 (Foto: Reporter#34145 – Copyright © Demotix).

Während der letzten Monate bestätigten zahlreiche Berichte die hohe Zahl an Massenvergewaltigungen im Süd-Sudan, Afrikas jüngster Nation.

Die Vereinten Nationen beschuldigen zum Beispiel die süd-sudanesische Armee der Gruppenvergewaltigungen und Folter, darunter auch das Verbrennen von Mädchen am lebendigen Leib.

Der Bericht der Afrikanischen Union über den Krieg im Süd-Sudan wurde letzten Monat veröffentlicht und enthält Details über die Gruppenvergewaltigung zweier Frauen unterschiedlichen Alters, die blutend und bewusstlos zurückgelassen wurden. Die Afrikanische Union rief zur Einrichtung eines Gerichtshofes auf, der die Verantwortlichen für diese schweren Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zieht.

Der Bürgerkrieg im Süd-Sudan wird zwischen den Regierungstruppen des Präsidenten Salva Kiir – der Dinka-Ethnie zugehörig – und Rebellen, die den ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar – ein Nuer – unterstützen, ausgefochten. Der Krieg begann am 15. Dezember 2013, nach der Kündigung Machars durch Präsident Kiir.

Die brutalen sexuellen Übergriffe geschehen nicht wahllos. Vergewaltigung ist eine Waffe im Bürgerkrieg des Landes. Regionale Führer und die internationale Gemeinde werden der Untätigkeit beschuldigt, während die Frauen weiter leiden.

Ein Verbrechen gegen die Menschheit

Die Vereinten Nationen bezeichnen Massenvergewaltigung als eine Menschenrechtsverletzung. 2008 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 1820, in der steht, dass “Vergewaltigung und andere Arten von sexueller Gewalt ein Kriegsverbrechen, ein Verbrechen gegen die Menschheit oder einen auf Genozid vorbereitenden Akt darstellen.“

Trotz dieser Resolution wurde nie ein Staat für den Einsatz von sexueller Gewalt als Kriegswaffe verantwortlich gemacht. Darunter bildet die Situation im Süd-Sudan keine Ausnahme. Im Angesicht des lauter werdenden Rufes nach humanitärer Intervention bleibt die internationale Gemeinschaft großteils stumm, was die Kriegsverbrechen sexueller Natur angeht.

Nach Angaben eines Berichtes der Organisation Amnesty International werden Frauenkörper zur Zielscheibe weltweiter Konflikte. Der Bericht besagt, dass Vergewaltigung und sexuelle Belästigung nicht nur ein Nebenprodukt von Krieg sind, sondern als absichtliche militärische Strategien eingesetzt werden.

Die selbständige Journalistin für Ost- und Zentralafrika, Hannah McNeish, diskutiert dieses Thema auf Twitter und fragt:

Warum hören wir nur so wenig über sexuelle Gewalt im #SüdSudan, wenn doch der Bericht der Vereinten Nationen sagt, dass es der schlimmste Zustand seit 30 Jahren ist, Vergewaltigungsopfer >2?

‘Warum hören wir nichts?’

Hal Dockins ist Strafverteidiger und merkt an:

Öl gibt es mehr als genug, aber trotzdem gehören Hunger, Vergewaltigung und Grausamkeit zur Alltagsrealität im Süd-Sudan. Politik und Gier.

“Mr Happiness” beschuldigt die Vereinten Nationen der Untätigkeit:

Schande über die Vereinten Nationen dafür, dass sie überall auf der Welt solche Leiden erlauben. Im Süd-Sudan finden Vergewaltigung und Genozid statt und die Vereinten Nationen sind machtlos.

In ihrer Antwort auf einen Tweet von David Milliband, Präsident und Vorstandsvorsitzender des Internationalen Rettungskommitees, fragt sich Hannah McNeish, warum die Ereignisse im Süd-Sudan nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie die Demokratische Republik Kongo bekommen:

Es gibt viele gemeinnützige Organisationen die Hilfe im #SüdSudan leisten, aber nur @theIRC (das Internationale Rettungskommitee) beschäftigt sich mit Vergewaltigungsfällen als Ganzes. Warum hört man so wenig, ganz anders als bei #DRC (der Demokratischen Republik Kongo)?

Doppelmoral in der Außenpolitik

Es gibt das Argument, dass solche Länder wie der Süd-Sudan ein großes Maß an Straflosigkeit genießen, wenn es um sexuelle Gewalt geht, weil ein Mangel an Geschlechtergleichheit in der Welt der Außenpolitik besteht:

Der beängstigende Mangel an Frauen in der Welt der Außenpolitik und Medien.

Der Großteil der Opfer dieser “Militarisierung von Vergewaltigungen” sind Frauen und Mädchen, aber die internationale Gemeinschaft übersieht die Gefahr, die Vergewaltigungen für die regionale Sicherheit darstellen. Die Trennung zwischen Sicherheitsproblematiken und Geschlechtergrenzen wird schon lange von den Staaten und der internationalen Gesetzgebung betrieben. Während Themen wie chemische und biologische Waffen oder Terrorattentate von der internationalen Gemeinschaft genau im Auge behalten werden, wird Vergewaltigung von Nicht-Regierungsorganisationen und Frauenhilfsgruppen kontrolliert.

Das zeigt die Notwendigkeit einer breiteren Diskussion dieses Themas durch die Entscheidungsträger der internationalen Gemeinschaft auf. Sollten die Vereinten Nationen und der Rest der Welt nicht die Rechte dieser Opfer, im Süd-Sudan und anderswo, anerkennen, wird diese Kultur der Straflosigkeit weiter aufrechterhalten.

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