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Der ertrunkene syrische Junge erinnert Peruaner an ihre eigenen erfrierenden Kinder

Ein Kind der Uro Gemeinde in Puno, Titicaca-See, Peru.  Photo von Jay Joslin auf Flickr. CC 2.0.

Der Bericht wurde im Original auf Globalizado von Juan Arellano veröffentlicht.

Das Bild von Alan Kurdi, dem syrischen Kind das ertrunken am türkischen Strand liegt, ging um die Welt, auch in Peru wurde das Foto in sozialen Medien geteilt. Vielleicht sorgte diese mediale “Überrepräsentation” dafür, dass eine satirische peruanische Website einen Artikel veröffentlichte, der sich spöttisch über die Menschen äußert, die sich bewegt zeigten über Tragödien von Menschen aus anderen Ländern (hier ist es ok), allerdings das Schreckliche, das Mitmenschen aus dem nähreren Umkreis erleben, ignorieren (da ist es nicht ok).

Sie publizieren Bilder von erfrorenen Kindern und niemanden interessiert es, weil sie aus Puno sind.

los niños de Huancavelica, Puno y la Amazonía […] Se tomaron fotos en sus peores condiciones y las mandaron a los diferentes medios de comunicación, destacados bloggers y demás idiotas con internet. Sin embargo, nadie los publicó ni en su muro de Facebook por lo que no llegaron ni a un Like, y no conforme con ello hasta los calificaron como resentidos sociales.

“Nos dijeron que somos socialistas, antidesarrollos y antidemocráticos y que de seguro nuestros padres eran terrucos. Además agregaron que nuestro reclamo detenía las inversiones y que no debíamos hacer eso porque los empresarios se pueden molestar”, señaló uno de los niños mientras moría de frío en Mazocruz, Puno.

Kinder in Huancavelica, Puno und dem Amazonas […] Fotos von den schrecklichsten Bedingungen wurden an verschiedene Medien, prominenten Bloggern und anderen Internet-Idioten geschickt. Aber niemand von ihnen hat sie veröffentlicht, nicht einmal auf ihren Facebook-Seiten und so erhielten diese Bilder nichtmals einen Like, und als wenn dies nicht gereicht hätte, wurden sie auch noch sozial ausgegrenzt. “Sie sagten wir wären Sozialisten, entwicklungsfeindlich, und undemokratisch und unsere Eltern wären nur ein Haufen von Terroristen. Was noch? Sie sagten, dass unser Aufruf zur Hilfe nur Investoren abschrecken würde und wir uns nicht beklagen sollten, denn es könnte Geschäftsleute verärgern, laut eine der “Kinder frieren zu Tote” Gruppe in Mazocruz, Puno.

Die tragische Seite des satirischen Berichtes ist, dass eine klimatische Situation in den Anden und Teilen des Amazonas besteht, eine Eis und Kälte Front (mit Temperaturen unter 20 Grad), die in der ersten Augustwoche das Leben von 129 Menschen kostete, die Mehrheit von ihnen Kinder und Ältere.

Der Journalist Raúl Castro beschrieb in einem Gastkommentar die Gleichgültigkeit mit der jedes Jahr zu dieser Zeit, wenn solche Nachrichten die peruanische Hauptstadt erreichen, reagiert wird: “für die Bewohner Limas […], scheint das Problem so fern zu sein wie die Mörder der Quechua- und Asháninka- Mitbürger während der Zeit des Terrorismus [Beginn 1980]. Wenn es Quechua oder Aymara sind, dann gibt es kein großes gemeinsames Nationalgefühl. Wenn sie Lamas oder Huitotos sind und die extreme Kälte sich in Teilen des Amazonas niederlässt, dann ist es ein anderes Peru – nicht meins.”

Viele Menschen drückten auf Twitter aus, dass ihnen diese Situation gefühlslos erscheint, und andere beschrieben es als Doppelmoral.

Nur zur Erinnerung, jährlich sterben 200 Kinder in Puno an Kälte, da braucht man nicht bis nach Syrien gehen um solidarisch zu sein.

Gut, dass Alan Kurdi ein Trendthema in Peru zu sein scheint. Ich frage mich nur, ob eines Tages die Hunderten von Kindern, die in Puno an Kälte sterben, ein Trendthema in Peru sein wird.

Aufnahme von syrische Flüchtlinge in Peru? Wirklich? Mit so vielen Kindern, die erfrieren, arbeiten und nichts zu essen haben?

Isabel Guerra, eine Journalistin und Global Voices Autorin, reflektiert über dieses Thema allerdings aus einer anderen Perspektive:

Ahora que veo a tantísimo europeo dispuesto a abrirle su casa a los desplazados sirios, no puedo evitar preguntarme por qué razón no hicieron lo mismo con los peruanos que en los 80s y 90s huían despavoridos del país en busca de un lugar donde no los matara o Sendero Luminoso, o MRTA, o el Grupo COLINA, o la hiperinflación, o el hambre por desempleo. A nosotros, que fuimos colonia de país europeo y que compartimos cultura con los españoles, los europeos nos plantaron la visa Schengen para impedirnos la entrada, y nos decìan que íbamos a vivir a costillas de su Estado del Bienestar y a quitarles el trabajo :S Nos llamaron SUDACAS…

Wenn ich nun sehe wie viele Europäer ihr Haus an die syrischen Flüchtlinge anieten, muss ich mich nach dem Grund fragen, warum hier nicht das Gleiche mit den Menschen aus Peru passierte, als in den 80er und 90er Jahren Menschen vor dem Terror flohen und auf der Suche waren nach einem Ort wo sie nicht durch Sendero Luminoso, die Revolutionsbewegung Túpac Amaru (MRTA) oder durch die Grupo Colina umgebracht wurden, oder durch die Hyperinflation, Arbeitslosigkeit oder Hunger starben. Wir, die wir eine europäische Kolonie waren und unsere Kultur mit Spanien teilen, werden mit dem europäischen Schengen Visa abgefertigt, damit eine Einreise verhindert wird. Uns wird gesagt, dass wir nur von ihrer Wohlfahrtsgesellschaft profitieren wollen und ihnen ihre Jobs stehlen würden.

Isabel gestaltete zudem eine Grafik, die das Originalfoto von Alan mit der Notlage der indigenen Bevölkerung Perus vergleicht und dadurch deutlich macht, dass es unsere Priorität sein sollte und die Situation von anderen nicht verharmlost werden dürfe:

Alan hat es nicht verdient zu ertrinken. Unsere Kinder verdienen es nicht zu erfrieren. Viele Kinder brauchen uns. Schau dich um.

Nicht, dass grundsätzlich nichts für die Kinder in Puno oder die anderen Opfer der Kälte getan würde, aber es muss mehr getan werden. Leider ist die Notlage der hohen andinischen Gemeinden groß und der Staat, warum auch immer, und trotz der guten Absichten der Behörden, hilft zu wenig.

Gesundheitsminister Velasquez hat die Ankunft von mehr Fachärzten zugesagt.

Unsere Brüder und Schwestern in Puno brauchen unsere Hilfe. Wir können die Kälte durch das Spenden von warmer Kleidung und Decken bekämpfen.

Zudem gibt es Bestrebungen von verschiedenen Gruppen und besorgten Menschen. Kleine rührende Kampagnen, wie beispielsweise die einer Gruppe von Kindern des Colegio Ricardo Bentín in Lima, die mit ihrer Lehrerin Schals strickten und diese in verschiedene Gemeinden in der Region von Ayacucho, brachten. Oder die finanziell besser finanzierte Hilfskampagne der Universität ESAN, die sich auf die Situation in Puno konzentriert. Auch gibt es Kampagnen, mit mehr internationaler Ausrichtung, wie die @JuntosPorElPeru:

Decken und Kleidung werden in der Av. Arequipa 3570 neben dem Stadtpalast eingesammelt.

Aber während einige sich entschieden haben etwas für die peruanischen Kinder zu tun und andere es weiterhin ignorieren, sterben Kinder in den Anden an Kälte.

15 Kinder starben bei Kälteeinbruch in Peru. Extreme Temperaturen in der südlichen Regien des Landes führten zu Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen.

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