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Umida Ahmedova über die Last der Zensur und darüber, eine weibliche Künstlerin in Usbekistan zu sein

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Viele sehen ihren Film „Die Last der Jungfräulichkeit” als leuchtendes Beispiel für die Probleme von Frauen auf der ganzen Welt, nicht nur im zentralasischen Staat Usbekistan, wo er gedreht wurde.

Umida Ahmedova, eine Regisseurin und Fotografin, zieht es vor, sich selbst nicht als Dissidentin zu bezeichnen, die in einem der unterdrückerischten Staaten der Region lebt, sondern als Künstlerin, die mehr als 20 Jahre künstlerischen Erfolgs vorweisen kann.

Umida ist eine von wenigen Frauen, die im heutigen Usbekistan, einem Binnenstaat mit 30 Millionen Einwohnern, der seit 1991 seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion erlangt hat, im Dokumentarfilmgeschäft und in der Fotografie tätig ist.

Sie machte 1986 ihren Abschluss am Institut für Filmkunst in Russland, was den Beginn einer langen, aber stetig wachsenden künstlerlischen Karriere markiert hat.

Photo by Umida Ahmedova. Used with permission.

Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

Umidas Probleme mit dem usbekischen Staat begannen in der Folge zweier Dokumentarfilme und der Veröffentlichung eines Buches mit Fotografien im Jahre 2007, welche die Grundlage für eine strafrechtliche Verfolgung gegen sie gebildet haben.

Anfang 2010 ist sie mit den Anklagen der Defamation und Beleidigung, Artikel 139 und 140 des uskbekischen Strafgesetzes, belegt worden. Eine Expertenkommission hat im Anschluss daran bestimmt, sie und ihr Ehemann und Mitschaffender Oleg Karpov hätten die Traditionen und Werte des usbekischen Volkes verletzt, indem sie “negative Informationen, die die Moral und den psychologischen Stand der Jugend negativ beeinflussen könnten”, verbreitet hätten.

Die Kommission klagte Umida der Diffamation und der Missachtung nationaler Traditionen an.

Am 11. Februar 2010 wurde Umida schuldig gesprochen und erhielt eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten oder zwei bis drei Jahre in einem Arbeitslager. Proteste gegen den Schuldspruch waren unmittelbar danach in Moskau und Paris ausgebrochen.

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Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

Ihr wurde im späten August am usbekischen Unabhängigkeitstag Gnade erteilt, aber das Leben für Umida ist noch weit davon entfernt, einfach zu sein. Erst vor kurzem wurde ihr Ehemann von seinem Posten als Direktor des Kinomuseums von Usbekistan entbunden, weil er eine Petition zur Unterstützung der Maidanprotestbewegung in der Ukraine im letzten Jahr unterschrieben hatte.

Global Voices hat mit Umida über ihre andauernden künstlerischen und persönlichen Anstrengungen gesprochen, allesamt erlebt durch das Prisma des tief konservativen Usbekistans.

Global Voices (GV): Wie ist die Idee zu „Die Last der Jungfräulichkeit” entstanden und was war deine Erfahrung während der Dreharbeiten?

Идея создания фильма о том как в мусульманских странах проверяют на девственность, была у меня давно.
Даже не столько проверка столько жертвы. В то время , почти 10 лет назад люди не боялись говорить свое мнение, сьемки шли спокойно. Но режиссер Олег Карпов тогда не хотел писать фамилии людей кто говрил в фильме. Потом мы поняли, что он сделал правильно.

Umida Akhmedova (UA): Ich hatte schon seit längerer Zeit die Idee, einen Film darüber zu machen, wie in muslimischen Ländern die [weibliche] Jungfräulichkeit überprüft wird.

Es ist kein Film über die Untersuchung an sich, sondern über die Menschen, die dem Ritual zum Opfer fallen. Zu Beginn der Dreharbeiten, vor fast 10 Jahren, hatten die Leute keine Angst, ihre Meinung zu sagen und der Filmdreh fand in aller Ruhe statt.

Aber Oleg wollte nicht, dass die Namen der Personen, die im Film zur Sprache kommen, erscheinen. [Anmerkung des Autors: Im zweiten Teil des Films sprechen die Filmemacher mit Individuen, die anonym bleiben, über Probleme, die sich mit sozialer Ungerechtigkeit und Konservatismus beschäftigen].

Später haben wir begriffen, dass er Recht hatte.

GV: Was denkst du wäre mit diesen Leuten passiert, wenn sie nicht anonym geblieben wären?

В любом случае, это хорошо, что было анонимно.

UA: Es war gut, dass sie anonym waren.

Photo by Umida Ahmedova. Used with permission.

Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

GV: In welchen Gegenden habt ihr gefilmt? Können wir über eure Reisen in die ländlichen Gegenden Usbekistans sprechen?

UA: Я всегда много снимаю народные обряды и ритуалы. В фильме использованы эпизоды из свадеб, которые снимались в основном Ташкентской области в регионе, где я родилась. Свадьбы здесь больше как фон и не имеют отношения к реальным героям. Кроме того как в начале фильма история
рассказывает реальный человек-женщина, мать девушки, которая подвергалась проверке и потом ее выгнали.Есть интересный эпизод, где я наблюдала в Андижане за купающимся детьми, где одна девочка долго не может прыгнуть с моста на воду. Это получилось как образ. Женщины, которые продают головные уборы, это снято в Самарканде. Поверка на девственность не факт, что это происходить только в деревнях. В фильме есть две простые женщины, которые говорят об этом, одна из них, живет в отдаленном регионе в одной из южных областей Узбекистана, она говорить, что такого обычая проверять на
девтсвенность у них нет. На самом деле, в ряде кишлаков нет такого обычая. Так что, проверка это не факт, что именно в кишлаках.Люди могут сделать вполне цивилизованную свадьбу, очень похожую на европейскую и при этом обязательно устроить проверку на девственность.

UA: Ich habe schon immer volkstümliche Riten fotografiert. Im Film sind Ausschnitte von Hochzeiten zu sehen, die meist in der Region um Taschkent, wo ich geboren bin, aufgenommen worden sind.

Hochzeiten sind meist im Hintergrund zu sehen und es besteht keine Verbindung zu den Charakteren [im Film]. Zu Beginn hören wir die wahre Geschichte eines Mädchens, das sich der Untersuchung unterziehen musste und danach von den Verwandten des Bräutigams verstoßen wurde.

Es gab einen interessanten Moment, als wir in der Region von Andijan Kindern beim Baden zusahen. Ein Mädchen wollte nicht von einer Brücke ins Wasser springen. Wir haben dieses Bild als Metapher verwendet.

Die Überprüfung der Jungfräulichkeit findet nicht nur in den Dörfern statt. Im Film sprechen zwei normale Frauen darüber. Eine davon lebt im Süden Usbekistans und behauptet, dass der Brauch der Jungfräulichkeitsprüfung nicht existiert.

Und in der Tat, in manchen kishlatsi (Dörfern) gibt es einen solchen Brauch nicht. Also findet die Prüfung nicht nur in den kishlatsi statt. Die Leute können eine vollkommen zivile Hochzeit, ganz ähnlich einer europäischen Hochzeit, haben und gleichzeitig können sie die Untersuchung der Jungfräulichkeit organisieren.

Photo by Umida Ahmedova. Used with permission.

Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

GV: Eine Expertenkommission hat entschieden, dass dein Werk Usbekistan in einem negativen Licht darstellt und seine spirituellen Werte untergräbt. Was denkst du, war es, was der Kommission nicht gefallen hat?

Так называемая “экспертная комиссия” ничего не делает самостоятельно. Есть группа людей, которые “выполняют” “заказ” . Официально у нас нет цензуры, но когда если что-то не нравится есть такие “комиссия” и
УЗАСИ(Узбекское агентство информации) агентство это “получает” “заказ”
и проводить мониторинг. “Эксперты” эти “карманные”, когда нужно их
“вытаскивают”. Уголовное дело-не они возбуждают.

UA: Die sogenannte “Expertenkommission” macht nichts von sich aus. Das ist eine Gruppe von Leuten, die “Befehle ausführen”.

Wir haben offiziell keine Zensur, aber wenn hier irgendetwas nicht genehmigt ist, bekommen “Kommissionen” und die UZASI (die usbekische Nachrichtenagentur) einen “Befehl” und fangen an, zu überwachen.

Diese “Taschenexperten” werden abgezwackt, wann immer sie gebraucht werden. Das Strafverfahren wird nicht von ihnen initiiert.

Umida Akhmedova. Personal archive. Used with permission.

Umida Ahmedova. Persönliches Archiv. Mit Genehmigung verwendet.

GV: Was erleichtert dir und deinem Mann die täglichen Probleme? Habt ihr das Gefühl, in eurem Alltag unter Überwachung und Kontrolle zu stehen?

К сожалению, мы сейчас мало делаем фильмы, у моего мужа отобрали его киноклуб “Музей кино”, мешали, когда он проводил фестивали видеоарта за свои же деньги. Какой еще контроль, когда у моего мужа отобрали все! Особенно после узбекского “майдана”, когда мы, группа людей пришли в посольство Украины в Ташкенте с петицией. Потом фотографировались у памятника Тараса Шевченко в Ташкенте. Мой муж подписал петицию, но не был у посольства. Были я и мой сын. Но “там” решили, что нужно наказать моего мужа, отобрали у него последнее…Мы не можем здесь показывать свое творчество, куда еще хуже.

Leider machen wir inszwischen nicht mehr viele Filme. Sie haben den “Kinomuseum”-Club meines Mannes entfernt. Sie haben ihn schikaniert, als er Videokunstfestivals, mit eigenem Geld finanziert, abgehalten hat. Von welch noch größerer Kontrolle mann man sprechen, wenn sie meinem Mann schon alles genommen haben?

Vor allem nach dem “Usbekischen Maidan”, als wir, eine Gruppe von Personen, mit einer Petition [zur Unterstützung der ukrainischen Protestanten] zur ukrainischen Botschaft in Taschkent gegangen sind.
Dann machten wir ein Foto von uns am Denkmal des [ukrainischen Wortkünstlers] Taras Shevchenko in Taschkent. Mein Mann hat die Petition unterschrieben, ist aber nicht mit zur Botschaft gekommen. Ich wurde von meinem Sohn begleitet.

Aber sie haben entschieden, dass mein Mann ebenfalls bestraft werden sollte und haben ihm alles genommen… Wir können unser Werk hier nicht zeigen — was ist Schlimmer als das? Sie kontrollieren uns… Obwohl sie nicht tagtäglich unter unseren Fenstern sitzen…

GV: Denkst du, dass du in deinem Land beliebt bist?

Я в своей стране была известна прежде всего как первая женщина фото-кино документалист, первая женщина кто получил профессиональное
образование в Москве(ВГИК) . До того как открыли на меня уголовное
дело , много раз выступала по узбекскому телевидению. Получали призы
даже в Узбекистане-) . Сейчас известна на Родине как художник-диссидент-) Большинсто людей кто был в хороших отношениях со мной боятся общаться-) Особенно после узбекского “майдана”.

UA: Ich bin in erster Linie als erste weibliche Fotografin in meinem Land bekannt. Die erste Frau [Fotografin und Filmemacherin], die eine professionelle Ausbildung in Moskau erhalten hat.

Bevor sie ein Strafverfahren gegen mich eröffnet haben, bin ich viele Male im usbekischen Fernsehen erschienen. Ich habe sogar Preise in Usbekistan erhalten. Jetzt bin ich in meinem Land als die dissidente Künstlerin bekannt.

Die meisten Menschen, die zuvor ein gutes Verhältnis zu mir hatten, haben jetzt Angst, mit mir zu kommunizieren. Vor allem nach dem Vorfall des “usbekischen Maidan”.

Photo by Umida Ahmedova. Used with permission.

Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

GV: Dir wurde vorgeworfen, Usbekistan als mittelalterlichen Staat zu bezeichnen. Was würdest du auf solche Anschuldigungen antworten?

Коротко- это у людей , которые возбудили уголовное дело против моего творчества-мозги средневековые!

UA: Kurz gesagt – die Leute, die den Strafprozess gegen much angefangen haben, haben einen mittelalterlichen Verstand!

GV: Wie groß ist die Gemeinschaft Kreativschaffender, wie du eine bist, in Usbekistan? Wie schaffen sie es, ihre Ansichten auszudrücken?

В реальном Узбекистане я уже не вхожу ни в какую общность после того как Президент Академии Художеств Узбекистана приказал убрать часть работ моих учеников, потом узбекский “майдан” и большинство моего фотоклуба “отвернулись” от меня , я окончательно поняла, что паутина
страха сильно окутала людей и работать или общаться с такими людьми нет =смысла. Мне с коллегами здесь неинтересно и не вижу никакого развития. Есть очень
маленькое количество людей с кем общаюсь, но они “погоду” не делают.

Слава Богу! Есть интернет, социальные сети, группы, Мы с мужем сотрудничаем с художниками из Кыргызстана и Казахстана. Участвуем на разных фестивалях вне Узбекистана.

UA: Ich bin in Usbekistan nicht mehr länger in einer Gemeinschaft, nachdem der Vorsitzende der Kunstakademie Usbekistans angeordnet hat, die Werke meiner Studenten zu entfernen.

Dann, nach dem “Usbekischen Maidan”, haben sich viele Teilnehmer meines Fotoclubs gegen mich gewandt, und ich habe letztlich festgestellt, dass die Menschen so fest in einem Netz aus Angst verstrickt waren, dass kein Sinn mehr für mich darin besteht, mit diesen Leuten zu arbeiten und zu kommunizieren.

Es ist nicht interessant für mich, mit Kollegen hier zu arbeiten und ich kann mir auch keine andere Entwicklung vorstellen. Es gibt eine kleine Gruppe von Leuten, mit denen ich kommuniziere, aber sie üben keinen Einfluss auf das Zeitgeschehen aus.

Und zum Glück gibt es das Internet, soziale Netzwerke, Gruppen. Mein Mann und ich arbeiten mit Künstlern aus Kirgisistan und Kasachstan zusammen. Wir nehmen an verschiedenen Festivals ausserhalb Usbekistans teil.

GV: Hast du daran gedacht, auszuwandern und, falls ja, warum bleibst du?

Об эмиграции никогда не думала. и не думаю, но не Дай Бог, будет очень опасно жить здесь(угроза жизни моих родных) конечно нужноэмигрировать. Но я оптимист, очень надеюсь, ч то в моей стране будет Мир!

UA: Ich habe nie daran gedacht, auszuwandern, und ich plane es nicht, aber falls es sehr gefährlich werden sollte, hier zu leben (wenn das Leben meiner Familie gefährdet ist), natürlich müsste ich dann auswandern. Aber ich bin optimistisch, und ich hoffe sehr, dass es in meinem Land Frieden geben wird!

Photo by Umida Ahmedova. Used with permission.

Foto von Umida Ahmedova. Mit Genehmigung verwendet.

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