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8 Arten, wie sich der Klimawandel bereits auf Afrika auswirkt

Oxfam International's 'Let Them Eat Carbon' stunt at the UN climate summit in Durban, South Africa, in 2011. Credit: Ainhoa Goma/Oxfam. CC BY-NC-ND 2.0

Die Aktion “Let Them Eat Carbon” (“Lasst sie Kohle esen”) der Gruppe Oxfam International beim UNO Klimagipfel in Durban (Südafrika) 2011. Foto von Ainhoa Goma/Oxfam. CC BY-NC-ND 2.0

Dieser Bericht entstammt einem Artikel von Bhavna Deonarain für 350.org, eine Organisation, die sich dem Aufbau einer globalen Klimainitiative verschrieben hat, und wird hier auf Global Voices als Teil einer Content-Sharing-Vereinbarung veröffentlicht.

Bereits heute bekommen die Menschen in Afrika die Folgen des Klimawandels zu spüren. Die Temperaturveränderungen haben nachweislich einen negativen Einfluss auf die Gesundheit, Existenz, Nahrungsproduktivität, Wasservorkommen und die allgemeine Sicherheit der afrikanischen Bevölkerung.

Laut des Climate Change Vulnerability Index 2015 (Index über die Anfälligkeit des Klimawandels) befinden sich sieben der insgesamt zehn am meisten durch den Klimawandel bedrohten Länder in Afrika.

In großen Teilen der Sahelzone und Südafrikas regnet es immer weniger, dafür stiegen die Regenfälle in Zentralafrika. Im Laufe der letzten 25 Jahre hat sich die Anzahl wetterbedingter Katastrophen, wie Hochwasser und Dürre, verdoppelt, was dazu führte, dass in Afrika (bei Dürren) die Sterblichkeitsrate höher ist als in jeder anderen Region.

1. Einfluss auf Wettermodelle

A deserted drought-stricken village in Mauritania. 01/01/1984. Mauritania. UN Photo/John Isaac. CC BY-NC-ND 2.0

Ein von der Dürre heimgesuchtes und verlassenes Dorf in Mauritanien (01.01.1984). Foto der UNO/John Isaac. CC BY-NC-ND 2.0

Hochwasser

Hochwasser gehört zu den gängigsten Katastrophen im Norden Afrikas, am zweithäufigsten tritt es im Osten, Süden und in Zentralafrika auf, am wenigsten in Westafrika (AWDR 2006).

Das katastrophale Hochwasser 2001 im Norden Algeriens hinterließ 800 Tote und einen wirtschaftlichen Verlust von etwa 400 Millionen Dollar. Durch das Hochwasser im Jahr 2000 in Mosambik (durch zwei Wirbelstürme noch verschlimmert) starben 800 Menschen, betroffen waren aber insgesamt 2 Millionen Menschen, von denen 1 Million Nahrung benötigte und 329.000 obdachlos waren. Dazu wurde noch Land für die Agrarbewirtschaftung völlig zerstört (AWDR 2006).

Dürre

Zwischen Juli 2011 und Mitte 2012 wurde die gesamte Region Ostafrikas von einer schweren Dürre getroffen, von der gesagt wird, dass es die “schlimmste Dürre seit 60 Jahren” war.

2. Auswirkungen auf Wasserversorgung und -qualität

The estimated extent of the glacier on Mount Kilimanjaro in 1912, and the extent of the glaciers there in 2002. Credit:  Delphine Digout, UNEP/GRID-Arendal.

Die ungefähre Ausdehung des Gletschers auf dem Kilimanjaro im Jahr 1912 im Vergleich zu 2002. Foto von Delphine Digout (UNEP/GRID-Arendal).

Beobachtbare Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasservorkommen in Afrika sind: Hochwasser, Dürre, Veränderungen in der Regenverteilung, Austrocknung von Flüssen, Gletscherschmelze und der Rückgang von Wasseransammlungen. 

Westafrika

Ganze Wirtschaftszweige leiden, wenn der Wasserpegel der großen Flüsse Afrikas sinkt. In Ghana zum Beispiel ist man vollkommen abhängig von der hydroelektrischen Wasserverorgung durch den Akosombo-Staudamm am Fluss Volta. Mali verlässt sich auf den Niger, wenn es um Nahrung, Wasser und Transport geht. Große Abschnitte des Flusses sind jedoch aufgrund von Umweltverschmutzung bereits verwüstet. In Nigeria hat die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Die Gletscher des Kilimanjaro

Das schleichende, jedoch erschreckende, Verschwinden der Gletscher am Berg Kilimanjaro ist das Ergebnis des Klimawandels (IPCC 2001). Die Gletscher funktionieren wie Wassertürme und mehrere Flüsse trocknen bereits aus. Es wird geschätzt, dass bereits 82% von dem Eis, das den Berg bei einer ersten Aufnhame 1912 bedeckt hatte, verschwunden ist. (IPCC 2001)

3. Effekt auf Landwirtschaft und Nahrung

Die Landschaft verändert sich im ganzen Land. Dürre, Hitze und Hochwasser haben zu einem Rückgang der Ernte und in der Produktivität bei Viehzucht geführt.

In Ostafrika herrscht die schlimmste Nahrungsmittelkrise des 21. Jahrhunderts. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Oxfam brauchen 12 Millionen Menschen in Äthiopien, Kenia und Somalien dringend Nahrung. Der Niederschlag liegt weit unter dem Durchschnitt, was 2010 und 2011 zum trockensten Jahr seit 1950 und 1951 machte – ein ernstzunehmendes Problem für einen Kontinent, dessen Landwirtschaft ausschließlich auf Regen angewiesen ist.

4. Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit 

Malaria medication. Nigeria. Photo: Arne Hoel / World Bank. CC BY-NC-ND 2.0

Malariamedikamente (Nigeria). Foto von Arne Hoel / World Bank. CC BY-NC-ND 2.0

Klimasensitive Krankheiten und Auswirkungen auf die Gesundheit können in armen Ländern mit minimalen Ressourcen für die Behandlung und Prävention von Krankheiten einen großen Effekt haben. Beispiele für mit dem Klimawandel im Zusammenhang stehende Gesundheitsprobleme sind: 

  • Häufige und schwerwiegende Hitzeeinwirkungen aufgrund des anhaltenden Temparaturastiegs
  • Der Rückgang der Luftqualität, der oft mit einer Hitzewelle einhergeht, kann zu Atemproblemen führen und Atemwegserkrankungen verschlächtern.
  • Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und andere Nahrungssektoren verstärkt Mangelernährung und trägt zu Armut bei. “Mit einem von vier Menschen immer noch unterernährt in den Ländern Afrikas südlich der Sahara, macht es der Klimawandel den Regierungen dieser Region noch schwerer, die Nahrungsmittelversorgung zu garantieren und Spannungen Einhalt zu gebieten,” ist im Atlas des Klimawandels und der Umweltgefahren der globalen Risikoanalysefirma Maplecroft für das Jahr 2015 zu lesen.
  • Malaria könnte sich in den Regionen, in denen mit mehr Niederschlag und Hochwasser gerechnet wird, vermehrt ausbreiten. Mehr Niederschlag und höhrere Temparaturen können zu einer weiteren Verbreitung des Denguefiebers führten. 

5. Auswirkungen auf Unterkünfte

Schwere Hochwasser und die ebenso starken Dürren haben viele Häuser, Unterkünfte und Dörfer im ganzen Land zerstört. Konflikte über Ressourcen verstärken diese Auswirkungen noch und tragen widerrum zu der anhaltenden Migration innerhalb und zwischen den Ländern Afrikas bei.

Extreme Vorfälle führen dazu, dass eine große Zahl von Menschen obdachlos wird, besonders jene, die nicht geeignet auf solche Katastrophen reagieren und auch nicht wiederaufbauen können, da es ihnen an den nötigen Ressourcen fehlt.

“Südsudanesische Flüchtlinge aus einem Lager der UNO leben knietief in abwasserversäuchtem Flutwasser, was einige Familien dazu zwingt, im Stehen zu Schlafen, sodass sie ihre Kinder über dem Wasser halten können,” berichtet Al Jazeera im August 2014.

6. Auswirkungen auf benachteiligte Teile der Bevölkerung

An Ethiopian woman carries a water barrel. Photo credit: 2006 Badadha Kule/IFPRI. CC BY-NC-ND 2.0

Eine Äthiopierin trägt ein Wasserfass. Foto: 2006 Badadha Kule/IFPRI. CC BY-NC-ND 2.0

In Afrika sind Frauen, Kinder und alte Menschen anfälliger für die Auswirkungen des Klimawandels. Arbeiterinnen fallen oft zusätzliche Aufgaben (zum Beispiel als Pflegerinnen) zu, sie spüren auch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Wetterkatastrophen (wie etwa männliche Migration).

Die Wasserknappheit ist eine zustätzliche Bürde für die Frauen Afrikas, die dafür oft Stunden und sogar Tage unterwegs sind. (IPCC 2014)

Die Kinder und älteren Menschen sind besonders anfällig für Infektionskrankheiten, wie Malaria, für eingeschränkte Bewegungsfreiheit und die reduzierte Nahrungsaufnahme. Die ältere Bevölkerungsschicht ist zudem körperlichen Gefahren und sogar Tod durch Dürren, Hitzewellen und Buschfeuer ausgesetzt. Kinder sterben oft durch Hunger, Mangelernährung, Verdauungskrankheiten und Hochwasser. (IPCC 2014)

7. Auswirkungen auf die nationale Sicherheit

Die Auswirkungen des Klimawandels haben das Potenzial, Probleme der nationalen Sicherheit zu verstärken und die Anzahl internationaler Konftlikte zu erhöhen. Meist brechen Konflikte über die Verwendung von bereits limitierten, natürlichen Ressourcen, fruchtbarem Land und Wasser aus. Der Zugang zu beständigen und verlässlichen Wasservorkommen wird in vielen afrikanischen Regionen hoch geschätzt. Die Veränderungen im Aufkommen und der Menge des Niederschlags gefährden jedoch die Wasservorkommen, was zu Streitigkeiten führt. (IPCC 2014).

Laut eines Berichtes der Vereinten Nationen wird in den nächsten 25 Jahren das Problem des Zugangs zu Wasser der größte Grund für Konflikt und Krieg in Afrika sein.
Die Niederschlags- und Temperaturveränderungen beeinflussen bereits jetzt die Getreideernte im subsaharischen Afrika. Dies führt zu Nahrungsmittelknappheit, was widerrum zu grenzüberschreitender Migration und zu intraregionale Konflikte führt – als Beispiel kann man hier die politische Instabilität in Nigeria anführen.

8. Auswirkung auf das Ökosystem

Baby sea turtle in Zanzibar. Photo by Flickr user missy. CC BY 2.0

Babyseeschildkröte auf Sansibar. Photo: Flickr-User ‘missy’. CC BY 2.0

Bereits jetzt beeinflusst der Klimawandel Veränderungen im Frischwasser- und Meeresökosystem Ost- und Südafrikas, sowie das ländliche Ökosystem im südlichen und westlichen Afrika. Die extremen Wettervorkommnisse haben bereits die Anfälligkeit der Ökosysteme Südafrikas aufgezeigt. Die Migrationsmodelle, geografische Reichweite und saisonale Aktivitäten vieler Land- und Meerestiere haben sich aufgrund des Klimawandels geändert. Auch der Reichtum und die Interaktion unter den verschiedenen Arten hat sich verändert (IPCC 2014).

Trotz der Tatsache, dass der afrikanische Kontinent am wenigsten zu den menschlichen Faktoren des Kilmawandels beigetragen hat, ist der am schlimmsten davon betroffen.

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