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Es ist an der Zeit, die weibliche Genitalverstümmelung in Kolumbien abzuschaffen

Agencia Prensa Rural Follow Embera Katío  Recorrido por la vereda Igueronal del corregimiento de Crucito, en Tierralta Córdoba. Es una zona que ha sido habitada cientos de años atrás por los Embera Katíos,

Mitglieder des indigenen Volkes der Embera in der Stadt Crucito in Tierralta Córdoba, Kolumbien. Foto mit freundlicher Genehmigung des Flickr-Accounts der Agencia Prensa Rural unter der Creative Commons Lizenz.

In Kolumbien gibt es indigene Volksgruppen, in denen noch immer die weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, FGM), auch bekannt als weibliche Genitalbeschneidung, praktiziert wird. Damit ist Kolumbien laut einiger Organisationen das einzige lateinamerikanische Land, in dem dieser Brauchtum noch durchgeführt wird.

Selbst im 21. Jahrhundert werden 140 Millionen Frauen in 26 Ländern der Welt an ihren Genitalien beschnitten, so auch in Kolumbien. NEIN ZUR WEIBLICHEN GENITALVERSTÜMMELUNG!!

2007 starb eine Gruppe minderjähriger Mädchen aus der indigenen Gemeinde der Emberá an den Folgen dieses blutigen Rituals. Fünf Jahre später wurde die weibliche Genitalverstümmelung durch indigene Autoritäten offiziell abgeschafft. Dennoch konnte dieser Brauchtum nicht vollkommen ausgelöscht werden: So starben im vergangenen Jahr erneut vier Mädchen aus dem Stamm der Emberá an der Prozedur.

Und wo findet die weibliche Genitalverstümmelung statt, die unter den Emberá Frauen praktiziert wird? Ja, genau hier in Kolumbien…

Alberto Wuazorna, Stammesführer der Emberá Chamí (in den Zentral- und Westanden Kolumbiens), kämpfte drei Jahre lang dafür, seine Gemeinde zur Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung zu bewegen. Doch das war keine leichte Aufgabe, da die Praktik unter die Intimsphäre und Sexualität der Frau fällt. Basierend auf seiner Erfahrung erklärte der Stammesälteste: „Wir sprechen hier von einer über zweihundert Jahre alten Tradition, die wir nicht innerhalb von drei Jahren eliminieren können.”

Laut dem pensionierten Historiker Víctor Zuluaga von der Technologischen Universität von Pereira, der seit den siebziger Jahren eng mit den Gemeinden des Emberá Chamí Stammes in Risaralda zusammenarbeitet, ranken sich viele Mythen und Geschichten darum, wie die weibliche Beschneidung nach Amerika kam:

[…] en el siglo XVII, cuando los colonos ya habían tomado el control de la mayoría de pueblos indígenas, los chamí se mantuvieron indomables. Eran un pueblo casi nómada que vivía más de la caza y de la pesca que de la agricultura o la minería. La salida que encontraron para ellos fue, pues, el camino: los usaron para trasladar carga entre la costa y las montañas. Su trayecto pasaba por Tadó, un pueblecito riquísimo en oro actualmente en el departamento del Chocó, donde trabajaban cientos de esclavos africanos. Cuando coincidían los domingos, a veces también en sábado, los indígenas y los esclavos tenían “un pequeño espacio de libertad” donde compartir costumbres y rituales.

[…] als im 17. Jahrhundert die weißen Siedler bereits die meisten indigenen Gemeinden in ihrer Gewalt hatten, blieben die Chamí unbezwingbar. Sie waren ein Nomadenvolk, das mehr von der Jagd und vom Fischfang als von der Landwirtschaft und dem Bergbau lebte. Ihre Überlebensstrategie war das Wandern und der Weg das Ziel: Auf ihren Wanderwegen transportierten die Männer Ladungen von der Küste in die Berge und umgekehrt. Ihre Route verlief durch die kleine Stadt Tadó im heutigen Distrikt Chocó, in der es sehr viel Gold gab und wo früher Hunderte von  afrikanischen Sklaven arbeiteten. Somit trafen die Chamí immer sonntags, manchmal auch samstags, auf die Sklaven, mit denen sie sich über ihre Traditionen und Rituale austauschten.

Die Sklaven, von denen Zuluaga spricht, stammten aus Mali und wurden zum Goldabbau nach Tadó geschickt. Die Ehefrauen der Sklaven waren es daher gewohnt, dass ihre Männer längere Zeit nicht nach Hause kamen. Ebenso blieben die Emberá-Männer auf ihren Jagdzügen durch den Dschungel nicht selten zwei bis drei Wochen von Zuhause weg. So kam es, dass die malischen Sklaven die Chamí ihren “Fluch” lehrten, mit dem sie die weibliche Sexualität, sprich die ihrer Frauen, kontrollierten.

Die Emberá Chamí zählen zu den 30 indigenen Gemeinden Kolumbiens, die vom Aussterben bedroht sind. Historisch gesehen ist dies auf die extreme Armut zurückzuführen, unter der viele Gemeindemitglieder litten. Im besten Fall wurden die Chamí ausgegrenzt und diskriminiert, im schlimmsten Fall wurden sie Opfer von Gewalt oder von ihren Ländereien vertrieben. Ebenso kam es vor, dass sich die Chamí inmitten des Kreuzfeuers bewaffneter Gruppen befanden, die in dem Gebiet agierten.

Menschen- und Frauenrechtsorganisationen zufolge leben schätzungsweise zwischen 100 und 130 Millionen Frauen auf der Welt, deren Genitalien verstümmelt wurden. Was Kolumbien betrifft, so sind Experten der Meinung, dass im Volk der Emberá Chamí jährlich zwischen drei und vier Mädchen aufgrund der gesundheitlichen Komplikationen dieses “Fluches” sterben.

“Soy mujer, soy emberá y no practico la ablación”. El mensaje que transmiten ahora Norfilia Caizales, consejera de mujer del Consejo Regional Indígena de Risaralda (CRIR), y otras mujeres de ambos resguardos no puede ser más claro y contundente. “Llevamos desde el año 2007 buscando nuevos procesos para el fortalecimiento de nuestras niñas, y ya es hora de decir, ‘no más a la práctica de la curación’”, añadió Norfilia.

„Ich bin eine Frau, ich bin eine Emberá und ich bin gegen das Praktizieren der weiblichen Genitalverstümmelung.” Diese Botschaft der Frauenberaterin Norfilia Caizales vom Indigenous Regional Council of Risaralda (dt.: Indigener Regierungsrat von Risaralda) und anderen Frauen aus der Einrichtung kann nicht klarer und eindringlicher sein. „Seit 2007 suchen wir stets nach neuen Wegen, unsere Mädchen zu stärken und es ist höchste Zeit, das Praktizieren dieses Fluches zu beenden.“

Laut Angaben von UNICEF wird die weibliche Genitalverstümmelung in 29 Ländern in Afrika and dem Nahost praktiziert.

Gabriela García Calderón contributed to this post.

1 Kommentar

  • Bernd Kammermeier

    Diese Geschichte zeigt, warum Menschen seit alters her an den Genitalien ihrer Kinder herummanipulieren. Es geht um maskuline Kontrolle der Sexualität. Männer wollen nicht, dass ihre Frauen in Zeiten ihrer Abwesenheit Sex haben. Da war der mittelalterliche Keuschheitsgürtel fast noch die menschlichere Variante.

    Aber auch die männliche Beschneidung zählt zu dieser Gruppe, weil “mann” es offenbar besser erträgt in einer Gemeinschaft mit sexuell weniger aktiven Männern (weil es weniger lustvoll ist, siehe Moses Maimonides) zu leben, als ständig in der Angst, seine Frau könnte fremdgehen.

    Es ist diese “Männerangst”, die sowohl Frauen als auch sie selbst in archaischen Gesellschaften derart gefährliche, menschenverachtende und dauerhaft schädigende Riten praktizieren lässt. Dass hier Religionen verstärkend und konstituierend wirken, macht die Sachlage nicht einfacher.

    Es wird Zeit, dass diese Männer auf die Couch eines Psychologen gelegt werden, um Vertrauen zu sich selbst und zu ihren Frauen zurückzugewinnen. Und dann muss radikal aufgeklärt werden, dass niemand das Recht hat, die Genitalien irgendeines Menschen zu dessen Nachteil zu manipulieren – nicht die von Kindern, aber auch nicht die von Erwachsenen, ob weiblich oder männlich!

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