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Copyright in der arabischen Welt

Der Welttag des geistigen Eigentums findet jedes Jahr am 26. April statt, um den Wert von Innovation und Kreativität zu würdigen. Die Rechte, die durch Gesetze zum Schutz des geistigen Eigentums gewährt werden, wie beispielsweise das Urheberrecht, sollen auf der einen Seite die Rechte von Urheberinnen und Urhebern, die von ihrem schöpferischen Gewerbe leben und auf der anderen Seite den Rechten der Mitglieder der Gesellschaft ausbalancieren, denen ein faire Zugang zu kulturellen Werken gewährt werden soll. Um dieses Gleichgewicht herzustellen, gelten Urheberrechte für eine befristete Zeitspanne und nicht für alle Ewigkeit.

Wenn die Schutzdauer des Urheberrechts abläuft, wird das Werk Gemeingut. Lizenzfreie Arbeiten können von jeder Person kostenlos und ohne eine Genehmigung einholen zu müssen vervielfältigt, verbreitet und übersetzt werden. Für uns ist es wichtig, Zugang zu lizenzfreien Werken zu haben. Denn sie dienen uns als Grundlage, die wir nutzen, um auf ihr neue kulturelle und wissenschaftliche Arbeiten zu schaffen.

Herauszufinden, wann die Schutzdauer endet, kann schwierig sein, da sie von Land zu Land unterschiedlich ist und vom jeweiligen Werk abhängt. Beispielsweise sind Bücher und andere literarische Erzeugnisse in der arabischen Welt von dem Zeitpunkt an geschützt, zu dem sie geschaffen werden. Das Urheberrecht dauert für die gesamte Lebenszeit der Autorin oder des Autors an zuzüglich 25, 50 oder 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers oder der Urheberin.

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Dauer des Urheberrechtsschutz für Bücher, berechnet ab dem Zeitpunkt des Todes des Autors oder der Autorin. Grafik von Infographic on Copyright Term in the Arab World.

Die Mehrheit der arabischen Länder schützt Bücher für die Lebenszeit des Autors oder der Autorin zuzüglich 50 Jahre nach seinem oder ihrem Ableben. Das geht zurück auf die jeweiligen internationalen Vereinbarungen dieser Länder wie dem TRIPS-Abkommen und der Berner Übereinkunft zum Schutze von Werken der Literatur und Kunst. Bahrain, Marokko und der Oman haben eine längere Schutzfrist für das Urheberrecht als andere arabische Staaten, da sie ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnet haben, das der jüngst viel diskutierten Transpazifische Partnerschaft ähnelt.

Die Schutzfrist ist für unterschiedliche Arten von literarischen Werken aber durchaus noch komplizierter. Beispielsweise schützen die meisten arabischen Staaten Fotografien für dieselbe Zeitdauer wie Bücher. Dennoch gibt es in vielen Ländern eine kürzere Schutzfrist für Fotografien, die ebenfalls von dem Moment an berechnet wird, in dem die Fotos aufgenommen oder veröffentlicht werden.

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Dauer des Urheberrechtschutzes für Fotografien. Grafik von Infographic on Copyright Term in the Arab World. Übersetzung von Anne Hemeda

Die Grafik zeigt, dass es schwierig ist, die Schutzfrist des Urheberrechts zu berechnen. Die Fotografie “Afghanisches Mädchen” hat Steve McCurry 1984 aufgenommen und sie wurde 1985 auf der Titelseite der Zeitschrift National Geographic veröffentlicht. In Libyen ist das Foto seit 1991 Gemeingut und lizenzfrei, in Saudi-Arabien seit 2010 und im Jemen seit 2011. Es ist weiterhin urheberrechtlich geschützt in allen Ländern, in denen die Schutzfrist an die Lebenzeit des Urhebers gebunden ist, denn Steve McCurry lebt.

Sollten Länder, deren Schutzfrist kurz ist, die Dinge erleichtern und ihre Schutzdauer ausweiten, um sich den Staaten anzugleichen, in denen die längste Schutzdauer für das Urheberrecht gilt? Diejenigen, die sich für ein lang dauerndes Urheberrecht einsetzen, argumentieren, dass der Urheber oder die Urheberin eines Werks Zeit und Aufwand investiert hat, um das Werk zu schaffen. Ihr oder ihm stehe es somit zu, dass das Werk so geschützt werde, dass ein gerechter Profit daraus geschlagen werden könne und damit ein Anreiz geschaffen werde, weitere Arbeiten zu gestalten.

Gegen eine lange Schutzdauer des Urheberrechts wird argumentiert, es gäbe keinen Beweis dafür, dass Urheberinnen und Urhebern ein Anreiz geschaffen werde, neue Werke zu erzeugen, wenn ihre Arbeiten für eine Dauer von 70 anstatt von 50 Jahren nach ihrem Tod durch ein Urheberrecht geschützt seien. Dagegen seien Nutzerinnen und Nutzer in Ländern wie Bahrain, Marokko und dem Oman benachteiligt, da sie im Vergleich mit ihren arabischen Nachbarn 20 Jahre länger warten müssen, bis Universitäten, Studierende und andere Personen oder Institutionen legal ältere Werke vervielfältigen, übersetzen und nutzen können. Dieser Unterschied von 20 Jahren könne Bereiche, die auf das Urheberrecht angewiesen sind, so wie das Bildungswesen oder die Unterhaltungsindustrie, im Vergleich mit den Nachbarn verteuern.

Damit sei nicht gesagt, dass in den Ländern, in denen der Schutz für die Lebenszeit der Urheberinnen und Urheber zuzüglich nur 50 Jahre gelte, alles perfekt ist. Denn bereits diese Zeitdauer ist zu lang und bedeutet in der Praxis, dass Werke, die zu unserer Lebzeiten von anderen geschaffen werden, erst dann öffentlich zugänglich sind, wenn wir selbst bereits tot sind. Für Gesetze zum Urheberrecht in der arabischen Welt gibt es Ausnahmeregelungen, die es unter bestimmten Umständen erlauben, dass Werke ohne die Genehmigung eines Urhebers oder einer Urheberin vervielfältigt und gebraucht werden. Kein Rechtssystem eines arabischen Landes sieht aber Ausnahmen der angemessenen Verwendung vor (das Zugeständnis bestimmter, nicht autorisierter Nutzungen von geschütztem Material, im Englischen “Fair Use”) und bestehende Ausnahmeregelungen sind beschränkt und können die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer schöpferischer Arbeiten nicht zufrieden stellen.

Arabische Staaten sollten die Schutzdauer des Urheberrechts nicht ausweiten, ohne die Konsequenzen zu bedenken, die das für die Gesellschaft und ihren Zugang zu Wissen und Kultur haben wird. Zusätzlicher Schutz bedeutet nicht zwangsweise einen größeren Anreiz für das schöpferische Arbeiten von Urheberinnen und Urheber und schafft sicherlich nicht ein besseres Urheberrechtssystem.

Dieser Beitrag wurde gemeinsam von Riyadh Al Balushi und Sadeek Hasna verfasst. Die Abbildungen stammen von Infographic on Copyright Term in the Arab World.

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