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Die walisische Kolonie “Y Wladfa”: Ein seltenes Beispiel für die friedliche Besiedlung Südamerikas

Primera casa de Gaiman, Chubut, Argentina. Imagen en Flickr del usuario Pablo Flores (CC BY-NC-ND 2.0).

Das erste Haus in Gaiman (Chubut/Argentinien). Foto von Pablo Flores (CC BY-NC-ND 2.0).

Am 28. Juli 1865 startete eine der kuriosesten Migrationen der Weltgeschichte. In Spanisch bekannt als La Colonia (Die Kolonie), oder auch Y Wladfa auf Walisisch, reisten 150 Personen von Wales in die Provinz Chubut im argentinischen Patagonien. Sie suchten dort nicht nach Reichtum, sondern wollten dort den in ihrer Heimatstadt bedrohten Lebensstil retten.

In einem Artikel mit dem Titel “Die Geschichte Patagoniens” erklärt Ben Johnston:

In the early 1800’s, industry within the Welsh heart lands developed and rural communities began to disappear. This industry was helping to fuel the growth of the Industrial Revolution, with the supply of coal, slate, iron and steel. Many believed that Wales was now gradually being absorbed into England, and perhaps disillusioned with this prospect, or excited by the thought of a new start in a new world, many Welshmen and women decided to seek their fortune in other countries.

Im frühen 19. Jahrhundert entwickelte sich die Industrie im Zentrum des walisischen Kernlandes und ländliche Gemeinden begannen zu verschwinden. Diese Industrie beschleunigte durch die Versorgung mit Kohle, Eisen und Stahl das Wachstum der industriellen Revolution. Viele glaubten, dass Wales nun nach und nach von England vereinnahmt würde und wahrscheinlich durch diesen Ausblick ernüchtert, oder angeregt von dem Gedanken an einen neuen Start in einer neuen Welt, entschieden sich viele walisische Männer und Frauen ihr Glück in anderen Ländern zu suchen.

Normalerweise verhieß die Ankunft von Europäern auf dem amerikanischen Kontinent nichts Gutes, aber dieses mal verlief es etwas anders.

Die Vereinigung ‘Wales-Argentina Association’ fasst die Geschichte dieser Siedlung zusammen:

Durante el medio siglo que siguió a la migración de los galeses, se fundaron las bases de las que hoy son las ciudades de Puerto Madryn en la Bahía Nueva, Rawson, Gaiman, Trelew a Dolavon en el Valle del Chubut y Trevelin en el Valle Hermoso (Cwm Hyfryd) en los Andes. Muchos de los descendientes galeses también viven en Esquel, al pie de los Andes; en Comodoro Rivadavia, la ciudad más grande de la provincia; en Colonia Sarmiento y también a lo largo y ancho de la República.
Los galeses crearon una sociedad próspera, donde el idioma galés tenía un lugar de privilegio.

In dem halben Jahrhundert nach der walisischen Migration wurden die Grundsteine für Siedlungen gelegt, die heute als die Städte Puerto Madryn (Bahía Nueva), Rawson, Gaiman, Trelew und Dolavon im Tal des Chubut Flusses, sowie Trevelin (Valle Hermoso/Cwm Hyfryd) in den Anden bekannt sind. In Esquel, am Fuße der Anden, leben ebenfalls viele walisische Nachfahren, genauso wie in Comodoro Rivadavia, der größten Stadt in der Provinz, und Colonia Sarmiento, sowie überall in der ganzen Republik verteilt.
Die Waliser erschufen eine florierende Gesellschaft, in der die walisische Sprache einen Sonderstatus erhielt.

Wales ist berühmt für seine Täler. Das Gebiet in Patagonien war, wie Crónicas del sur del mundo anmerkt, ähnlich veranlagt und wurde zu einem neuen Zuhause für die Siedler:

Gaiman es la primera ciudad fundada por aquel centenar y medio de galeses que desembarcó en las afueras de la actual Puerto Madryn y extendió su cultura por el valle del río Chubut hasta la Cordillera, en una colonización de convivencia pacífica con las poblaciones indígenas.

Die 150 walisischen Siedler legten am Rand des heutigen Puerto Madryn an und gründeten als erstes Gaiman, von wo aus sie ihre Kultur durch das ganze Tal des Chubut Flusses bis nach Cordillera verbreiteten. Die Kolonisation basierte auf dem friedlichen Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung.

Die alten Siedler werden in ihrer Adoptivheimat in guter Erinnerung gehalten:

Fueron especiales las motivaciones que guiaron a estos colonos. No eran aventureros en busca de una hipotética Ciudad de los Césares. Ni errantes buscadores de oro, guiados por el brillo de una riqueza fácil. Tampoco eran científicos con ansias de conocimientos y fama. Era un grupo de personas que deseaba salvar un estilo de vida amenazado en su tierra natal y que buscó, conscientemente, un lugar en el mundo donde poder fundar una nueva nación galesa. Pedían tierra y que respetaran su lengua, su religión y sus costumbres. A cambio, izarían la bandera argentina y se someterían a las leyes del nuevo país.

Die Motivation, welche diese Siedler antrieb, war eine Spezielle. Sie waren keine Abenteurer, die nach der sagenhaften Kaiserstadt (Anm.: Ciudad de los Cesares) suchten. Noch waren sie wandernde Goldgräber, getrieben von der Faszination des einfachen Reichtums. Sie waren auch keine Wissenschaftler, die nach Wissen und Ruhm strebten. Die Siedler waren eine Gruppe von Menschen, die sich den Erhalt des in ihrer Heimat bedrohten Lebensstils wünschten und die gut überlegt nach einem Ort suchten, an dem sie eine neue walisische Nation gründen konnten. Sie fragten nach Ländereien und Respekt für ihre Sprache, Religion und Traditionen. Im Gegenzug hissten sie die argentinische Flagge und hielten sich an die Gesetze ihres neuen Heimatlandes.

Bethel chapel, Gaiman, Chubut. PHOTO: Pablo Flores  (CC BY-NC-ND 2.0).

Die Bethel-Kapelle in Gaiman (Chubut). Foto von Pablo Flores (CC BY-NC-ND 2.0).

Ein Charakteristikum der walisischen Bevölkerung Patagoniens ist ihre Frömmigkeit, auch unter Beweis gestellt durch die walisischen Kapellen, die von Touristen auf beiden Seiten des Chubut Flusses besucht werden können:

Ellos mismos lo dicen: “Cuando un inglés llega a un lugar lo primero que construye es un negocio. Cuando un americano llega a un lugar, seguramente establece una escuela. Pero cuando un galés llega a un lugar, lo primero que hará será levantar una capilla“.
[…] Las capillas galesas, con sus fachadas sobrias de ladrillos cocidos y sus techos de chapa a dos aguas son el distintivo de todas las ciudades chubutenses que ellos fundaron. […] Eran no sólo centros religiosos sino también civiles, educativos y hasta judiciales.

Sie sagen von sich selbst: “Wenn ein Engländer irgendwo ankommt ist das erste, was er aufbaut die Wirtschaft. Wenn ein Amerikaner irgendwo ankommt, dann wird er sicherlich eine Schule errichten. Wenn aber ein Waliser irgendwo ankommt, wird die erste Handlung der Bau einer Kapelle sein.”
[…] Die walisischen Kapellen, mit ihren einfachen Ziegelfassaden und ihren gegiebelten Zinndächern, sind ein ausgeprägtes Wahrzeichen ihrer Gründerstädte um den Chubut.[…] Die Städte waren nicht nur religiöse, sondern auch gesellschaftliche, schulische und juristische Zentren.

Zur Feier des 150-jährigen Jubiläums der Ankunft der ersten walisischen Siedler in Argentinien, wurde die Landung der Mimosa, des Schiffes, welches die erste Gruppe Siedler überführte, nachgestellt. Betreut wurden diese und andere Veranstaltungen, neben anderen Gästen, durch den Gouverneur von Chubut – Martín Buzzi – und den walisischen Premierminister – Carwyn Jones.

Auf Twitter teilten Nutzer Fotos und Videos von den Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum der “Colonia” im argentinischen Patagonien:

Die Kulturgemeinde in Chubut feierte das 150-jährige Jubiläum der Ankunft der walisischen Siedler auch mit einer großartigen Show…

Gestern sind wir 700 km gefahren. Von Puerto Madryn nach Esquel.

Waliser in Chubut, 150 Jahre sind seit ihrer Ankunft in Argentinien vergangen. Meinen Artikel und mehr Fotos findet ihr auf Crónicas…

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