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#SaudiCables: Was wir bislang über den Libanon erfahren konnten

Screen Shot of one of the leaks

Screenshot eines der durchgesickerten Dokumente

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hat die sogenannten Saudi Cables veröffentlicht, die “mehr als eine halbe Millionen Nachrichten und andere Dokumente aus dem saudi-arabischen Außenministerium” enthalten, in denen “geheime Kommunikation unter saudi-arabischen Botschaften auf der ganzen Welt” dokumentiert ist. Mit Blick auf den Libanon hat die Lokalzeitung Al Akhbar aus Beirut, die mit Wikileaks seit der Veröffentlichung von Depeschen US-amerikanischer Botschaften im Jahr 2010 zusammenarbeitet, einige der lokalen Skandale aufgearbeitet und darüber berichtet:

Heute bleibt die Arabische Welt die ganze Nacht lang wach: “WikiLeaks gibt bekannt, dass es über 500.000 saudi-arabische Dokumente veröffentlichen wird.”

Unter den vielen Enthüllungen der durchgesickerten Dokumente ist auch ersichtlich, was das Geld Saudi-Arabiens sowohl in der libanesischen Politik als auch dem Journalismus bewirkt hat. Laut dem Dokument “doc36598” hat Samir Geagea, der Vorsitzende der Forces Libanaises (Libanesische Kräfte, abgekürzt FL) – einer christlichen politischen Partei und Teil der Allianz 14. März – einen Vertreter geschickt, finanzielle Unterstützung durch die saudi-arabische Regierung anzufragen. Geagea wird zitiert mit “Ich bin pleite. Ich bin bereit zu tun, was das Königreich von mir verlangt.” Die Anfrage wurde durch einen Vertreter der Forces Libanaises überbracht, durch Elie Abou Assi, der entsprechend von “der schwierigen finanziellen Lage der Partei” berichtete und “dass bereits ein gewisses Ausmaß erreicht sei, dass die Auszahlung der Gehälter an die Beschäftigten in der Partei nicht mehr garantiert werden könne.”

Der libanesische Blogger Ramez Dagher des Blogs Moulahazat fasst es folgendermaßen zusammen:

This cable is the diplomatic proof that Saudi Arabia helped the Lebanese Forces in their finances. In it, the Saudi foreign minister Saoud Al Faisal tells us that Samir Geagea’s man Elie Abou Assi met the Saudi ambassador and told him that the LF are struggling financially especially that they are countering two pro-Syrian foes (the Maronite patriarch and Aoun) and that Geagea is ready to travel to the KSA in order to solve the financial issues. The ambassador also said that the LF were ready to do as the Kingdom says. The wise Foreign minister also suggested that Sunni politicians be invited too (probably so that it doesn’t look fishy).

Dieses Dokument ist der Beweis aus der Diplomatie, dass Saudi-Arabien die Forces Libanaises mit ihren Finanzen unterstützt hat. In dem Dokument berichtet uns der saudi-arabische Außenminister Saoud Al Faisal, das Samir Geageas Vertreter Elie Abou Assi den saudi-arabischen Botschafter getroffen habe und ihm erzählte, dass die FL finanzielle Schwierigkeiten hätten, insbesondere da sie gegen zwei pro-syrische Widersacher (dem maronitischen Patriarchen und Aoun) arbeiteten und dass Geagea bereit sei, in das Königreich Saudi-Arabien zu reisen, um die finanziellen Angelegenheiten zu klären. Der Botschafter sagte außerdem, die FL seien bereit zu tun, was das Königreich verlange. Der weise Außenminister schlug zudem vor, dass auch sunnitische Politiker eingeladen werden sollten (möglicherweise damit es nicht so verdächtig wirke).

Ein weiteres durchgesickertes Dokument bezeichnet die Strategie Saudi-Arabiens als ein “Erkaufen des Schweigens“. In dem Bericht wird detailliert dargelegt, “einer der Wege zur Sicherstellung von ‘Neutralisierung’ und ‘Eindämmung’ ist der Erwerb hunderter oder tausender Abonnements in den Publikationen, die zur Zielgruppe gehören. Von diesen Publikationen wird dann erwartet, dass sie sich für diesen Gefallen revanchieren, indem sie zu einer “guten Anlage” im Rahmen der Propagandastrategie des Königreichs werden. Ein Dokument listet die Abos auf, die am 1. Januar 2010 erneuert werden sollten und gibt genaue Informationen zu einer Reihe von ergänzenden Beträgen, die zwei Dutzend Publikationen in Damaskus, Abu Dhabi, Beirut, Kuwait, Amman und Nouakchott zukommen sollten. Diese Beträge bewegen sich zwischen Summen von 500 US-Dollar bis zu 9.750 kuwaitischer Dinar (33.000 US-Dollar). Das Königreich erwirbt damit faktisch umgekehrte “Anteile” an diesen Ausgaben der Medien, wobei die “Gewinnausschüttengen” in Form von Barzahlungen den umgekehrten Weg gehen, vom Anteilseigner zur Medienstelle. Im Gegenzug dafür erhält Saudi-Arabien politische “Dividenden” – eine gefällige Presse.”

In diesem Zusammenhang haben wir entdeckt (doc83763), dass die saudi-arabische Regierung MTV bezahlt, einen der wichtigsten Fernsehsender im Libanon. MTV bat um 20 Millionen US-Dollar, erhielt allerdings nur 5 Millionen US-Dollar.

Wir haben außerdem herausgefunden, dass ein weiterer Parlamentsabgeordneter, Boutros Harb, Saudi-Arabien um Geld gebeten hatte, um eine politische Partei zu gründen (doc32628).

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