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Neu gegründete Universität soll Geflüchteten Hochschulbildung ermöglichen

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“Wer die Tür zu einer Schule öffnet, schließt ein Gefängnis.” Banner der Wings University

Die im Dezember 2014 von dem Berliner Studenten Markus Kreßler und seinem Team gegründete gemeinnützige Organisation Wings University soll wie eine alternative Fernuniversität funktionieren und es Flüchtlingen ermöglichen, ihre Hochschulbildung fortzusetzen oder aufzunehmen:

World-class higher education. Internationally accredited degrees. For everyone, everywhere. Regardless of gender, nationality, ethnicity, religion, age, financial or social status. But tailor-made for the needs and requirements of refugees worldwide.

Erstklassige Hochschulbildung. International anerkannte Abschlüsse. Für jeden, an jedem Ort. Ungeachtet des Geschlechts, der Nationalität, der Ethnie, der Religion, des Alters und des finanziellen oder sozialen Status. Sondern maßgeschneidert für die Bedürfnisse und Ansprüche von Flüchtlingen weltweit.

Interessierte können sich ohne den Nachweis über die Identität oder von Abschlusszeugnissen in einen Studiengang immatrikulieren, für den keine Studiengebühren erhoben werden sollen. Erst für die Anerkennung des Abschlusses eines Studiengangs muss die Universität die Identität der Studierenden prüfen. Solange die Organisation noch nicht den offiziellen Status einer Universität hat, werden Abschlüsse durch die Partnerhochschulen vergeben.

Alle E-Learning-Kurse finden auf Englisch statt und können daher weltweit einer englischsprachigen Studierendenschaft angeboten werden. Die Studiengänge werden von mitwirkenden Professorinnen und Professoren sowie in Zusammenarbeit mit Partneruniversitäten gestaltet und speisen sich unter anderem aus Onlinenkursen amerikanischer Eliteuniversitäten.

Für den Beginn im Herbst 2015 sind bislang die Studiengänge Ingenieurswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Informatik geplant. Dieses Angebot geht aus einer Bedarfsabfrage der Initiative hervor, bei der 617 Personen – 80 Prozent der Befragten gaben an, Geflüchtete zu sein – nach den bisherigen Abschlüssen, Studienfächern und dem gewünschten Studienangebot gefragt wurden.

Trotz des weltweiten Fokus liegt der Ausgangspunkt der Initiative jedoch in Deutschland. Die Wings University geht auf die Beobachtung zurück, dass Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, oft daran scheitern, an der Hochschulbildung, die sie in ihrem Heimatland begonnen oder absolviert haben, anzuknüpfen:

Go out on the streets, talk to people living in refuge, their goals, their former studies and visions. You will be surprised how many of them started studying programs like engineering, almost finished their degrees but do not have the opportunity to continue at universities today.

Geht raus auf die Straße, sprecht mit den Menschen, die in Flüchtlingsunterkünften leben, sprecht mit ihnen über ihre Ziele, ihr bisheriges Studium und ihre Visionen. Ihr werdet überrascht sein, wie viele von Ihnen Studiengänge wie Ingenieurswissenschaft studiert haben, kurz davor waren, ihr Studium abzuschließen, heute aber keine Möglichkeit mehr haben, das Studium an einer Hochschule fortzusetzen.

Laut den Hochschulgesetzen der Bundesländer und der meisten Hochschulordnungen können sich Flüchtlinge grundsätzlich für ein Studium immatrikulieren. Allerdings muss die zuständige Ausländerbehörde zustimmen und so kann das Studium unter Verweis auf ausländerrechtliche Beschränkungen scheitern. Flüchtlinge müssen sich zudem Nachweise über einen Schulabschluss durch die jeweiligen Hochschulen für die Immatrikulation anerkennen lassen.

Zu Beginn muss der Aufenthaltsstatus von Flüchtlingen geklärt werden und es stehen oft eine Reihe von Umzügen innerhalb von Deutschland an, so dass eine dauerhafte Anbindung an eine Hochschule erschwert ist. Die Unterbringung erfolgt vielfach zudem an Orten, von denen aus Hochschulen schwer erreichbar sind. Zu alldem kommt in vielen Fällen die Unsicherheit über die Dauer des Aufenthalts in Deutschland und hohe Barrieren für den Nachweis von Sprachkenntnissen an deutschen Hochschulen.

Anders als Geflüchtete, deren Asylverfahren abgeschlossen und der Schutzstatus anerkannt ist, haben Menschen mit Aufenthaltsgestattung bislang keine Möglichkeit, Förderungen wie beispielsweise BAföG zu beantragen, es sei denn sie leben bereits vier Jahre lang in Deutschland mit einer Duldung. Die Umfrage der Wings University ergab entsprechend, dass es bei fast der Hälfte aller Befragten an finanziellen Ressourcen scheitere.

Damit Flüchtlinge an dem Angebot der Wings University teilnehmen können, benötigen sie einen Zugang zu Internet und Laptops sowie Räumlichkeiten zum Lernen. Es bleibt außerdem abzuwarten, ob es für Menschen, die eine Flucht in ein anderes Land getrieben hat, tatsächlich praktikabel ist, ein volles Studium über die Plattform einer Fernuniversität zu absolvieren.

Und trotz der vielen engagierten Angebote wie dem der Wings University oder auch der Hochschulen, die sich dafür einsetzen, dass Geflüchtete einen Gasthörerstatus erhalten, darf nicht vergessen werden, dass eine Anerkennung der Hochschulleistungen im Heimatland der erste Schritt sein muss und es weiter an regulären Studienplätzen fehlt, die eine Perspektive auf einen Abschluss und eine Integration von Flüchtlingen in die Studierendenschaften der Hochschulen vor Ort schaffen.

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