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Botschaft an eine äthiopische Bloggerin: Mahlet Fantahun, du bist nicht alleine

Mahlet Fantahun and Edom Kassaye, the female members of the group.

Mahlet Fantahun (zweite von rechts) neben Edom Kassaye, einer inhaftierten Journalistin.

Vor ihrer Inhaftierung arbeitete die äthiopische Bloggerin Mahlet Fantahun als Datenexpertin im Gesundheitsministerium Äthiopiens. Mahlet gehört zu einem Bloggerkollektiv, das als Zone9 bekannt geworden ist. Die Gruppe gab sich den Namen des Kality-Gefängnisses in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Es ist in acht verschiedene Zonen eingeteilt. Die Blogger benannten ihr Projekt Zone9, also nach dem sprichwörtlichen Gefängnis, in dem alle Äthiopier leben.

Ich schreibe diesen Blogbeitrag aus Solidarität mit Mahlet Fantahun und ihrer Gruppe, der Zone9.

A  quick drawing of Mahlet Fantahun by Melody Sundberg

Mahlet Fantahun, gezeichnet von Melody Sundberg

Ich war noch nie in Äthiopien. Allerdings habe ich Jahre in Ostafrika verbracht und deshalb bin ich mir bewusst, dass Mahlets Alltag mit all den Risiken, die sie eingegangen ist, eine völlig andere Welt ist als die, in der ich lebe. Menschen wie Mahlet, die sich entschlossen haben, trotz der möglichen Konsequenzen solche Gefahren auf sich zu nehmen, haben meinen allergrößten Respekt.

Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, so lange in einem äthiopischen Gefängnis zu sein. Ich stelle mir vor, dass es Tage gibt, die schlechter sind als andere. Ich stelle mir vor, dass es zum Schlimmsten zählt, nicht zu wissen, wie viele Tage du dort noch bleiben musst. Ich stelle mir vor, dass es dir weh tut, an deine Familie und an Freunde zu denken, die sich um deine Gesundheit sorgen und um deine Zukunft. Ich stelle mir deine Enttäuschung über die äthiopische Rechtsordnung vor. Diesen ganzen Frust, nämlich für etwas im Gefängnis zu sitzen, das eigentlich so etwas wie das Kapital der menschlichen Gesellschaft sein sollte: Soziales Engagement und ein Gefühl der Verantwortung für die Zukunft deines Landes.

Ende April nahm ich in Kopenhagen an einer Konferenz über Global Media Freedom teil, mit mehr als 100 Journalisten und Medienschaffenden aus aller Welt. Es gab eine Frage, die immer wieder zu hören war:

Diese Frage ist nicht beantwortet worden, zumindest nicht bis ins letzte Detail. Aber während der Konferenz in Kopenhagen hatte ein Vertreter von Global Voices erwähnt, wie sie selbst es bewerkstelligt haben, den Vorgängen in Äthiopien die nötige Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auf welche Art und Weise solidarisch gehandelt wird. Es gibt immer irgend etwas, das du tun kannst.

Ein einziger Blogbeitrag wird nicht dazu führen, Mahlet und die anderen inhaftierten Blogger aus dem Gefängnis zu bekommen. Vielmehr geht es darum, das Geschehene lebendig zu halten, anstatt zu schweigen.

Die Arbeit der Zone9 dreht sich um Haltung und um Verantwortung. Es geht darum, etwas zu tun, nicht zum persönlichen Vorteil, sondern für Äthiopien. Es geht um einen konstruktiven sozialen Wandel.

Genau in diesem Moment wünsche ich mir, dass Mahlet und die Gruppe der Zone9 wissen, dass sie nicht alleine sind.

Wir haben ein eigenes Dossier, in dem weitere Informationen und Berichte zu den Zone9-Bloggern zu finden sind.

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