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Wladimir Putin und die profitable Heimatliebe seiner staatsnahen Motorradbruderschaft

The Night Wolves ride their growing renown all the way to the bank. Image edited by Kevin Rothrock.

Die Nachtwölfe bringen ihren wachsenden Einfluss direkt zur Bank. Fotobearbeitung: Kevin Rothrock.

Mit einem Namen wie diesem erwartet man von den “Nachtwölfen” große Dinge. Der russische Motorradclub erlangte internationale Berühmtheit. Zum einen durch seine eigenwilligen patriotischen Shows und zum anderen wegen der ewiggestrigen Unterstützung für Putin und Russlands Abenteuerei in der Ukraine.

Putins Bruderliebe zu den Bikern ist allerdings nicht besonders neu. Mit einem Riesentamtam begleitete er die Gruppe im August 2011 bei einer Ausfahrt. Seit dieser Zeit hat Putin sich nicht selten mit den Nachtwölfen getroffen, manchmal ist er dadurch sogar verspätet zu seinen Treffen mit ausländischen Staatsoberhäuptern erschienen.

Als Russland die Krim für sich beanspruchte und damit begann, die Separatisten in der Ostukraine zu unterstützen, sind die Nachtwölfe unverhohlen zu einer politischen Gruppierung geworden. Ihr Anführer, Alexander Saldostanow (allgemein als “der Chirurg” bekannt) meinte, dass seine Clique zu einem “staatlich anerkannten Mittel öffentlicher Diplomatie” geworden sei.

Im März dieses Jahres gaben die Nachtwölfe ihre Pläne bekannt, eine Fahrt von Moskau nach Berlin zu unternehmen, um an den 70. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion im 2. Weltkrieg zu erinnern. Der Motorradkonvoi sollte Moskau planmäßig am 25. April verlassen und dann der Marschroute der sowjetischen Armee durch Weißrussland, Polen, die Slowakei, die Tschechische Republik und Österreich folgen, sodass man am 9. Mai in Berlin ankommen würde.

Polens Premierminister sprach von einer Provokation und verurteilte diesen Coup, indem er die Unterstützung der Nachtwölfe für Russlands Aktivitäten in der Ukraine zitierte. Am 27. April stoppten die polnischen Behörden pflichtgemäß ein Dutzend Nachtwölfe an der weißrussischen Grenze. Drei Tage später gab Saldostanow allerdings bekannt, dass es einigen seiner Clubmitglieder trotzdem gelungen sei, Polen zu erreichen und der Konvoi jetzt seinen Weg nach Deutschland fortsetzen werde.

Am 6. Mai entschieden deutsche Behörden nach einigem Hin und Her, dass es keine juristische Grundlage dafür gibt, den Nachtwölfen das Recht zu verweigern, nach Berlin zu fahren; was die Motorradgruppe dann auch am 9. Mai tat, als Russland den Tag des Sieges feierte.

Die Nachtwölfe haben in den sozialen Medien sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Internetnutzer sind in die den Bikern gewidmeten Communities bei VKontakte geströmt, um ihren Idolen eine gute Reise zu wünschen und dem Konvoi nach Berlin Beifall zu spenden. Andere entrüsteten sich über das Auftreten der Motorradfahrer im Ausland und betrachten das Ganze als einen Affront gegen das Gedenken an die russischen Kriegstoten.

Saldostanow sagt, er plane mit seiner Gruppe in die Westukraine zu fahren, wo er sein Versprechen einlösen will, die Denkmäler des 2. Weltkriegs zu restaurieren, die vermutlich von ukrainischen Nationalisten zerstört worden seien.

Im Internet begegnet den Nachtwölfen jedoch nicht nur Zuneigung. Am 5. Mai, also einen Tag bevor die Biker grünes Licht für ihre Fahrt nach Berlin bekamen, veröffentlichte der Antikorruptions-Aktivist Alexej Nawalny Beweise, wonach die Nachtwölfe seit 2014 öffentliche Gelder in Höhe von 56 Millionen Rubel (1,1 Millionen US-Dollar) erhielten. Mehr als ein Drittel dieser staatlichen Zuschüsse war mit freundlicher Genehmigung des russischen Kultusministeriums für eine Motorrad-Show in Sewastopol im Juli 2014 bestimmt.

Am 13. Mai standen die Nachtwölfe morgens in Sewastopol mit weiteren guten Nachrichten auf. Die lokalen Behörden überlassen den Bikern 227 Hektar (ungefähr 560 Morgen) Grundbesitz, wo sie sportliche Aktivitäten fördern und “militärisch-patriotische Bildung” vermitteln sollen. Der Motorradclub least den Grund und Boden für wenig Geld, sie bezahlen nicht mehr als 0,1 Prozent des Immobilienwertes, der mit 1,2 Milliarden Rubel (24,4 Millionen US-Dollar) geschätzt wird.

Wie profitabel Patriotismus doch sein kann! Auf der Krim haben die “Nachtwölfe” 227 Hektar Land bekommen.

Kevin Rothrock hat an diesem Text mitgewirkt.

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