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Pakistanische Aktivistin Sabeen Mahmud nach einer Veranstaltung zu Belutschistan erschossen

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Foto von Sabeen Mahmud, das Abro Khuda Bux am 9. Februar auf Facebook postete. Öffentlich weiterverbreitet.

Am Abend des 24. Aprils wurde die bekannte Aktivistin Sabeen Mahmud erschossen, nachdem sie eine Veranstaltung verlassen hatte, die ihre Organisation The Second Floor unter dem Titel “Belutschistan entschweigen” ausgerichtet hatte. Ihre Mutter wurde bei dem Schuss im Vorbeifahren ebenfalls schwer verletzt.

In der Veranstaltung traten zwei der am meisten verunglimpften Menschenrechtsaktivisten Pakistans auf: Mama Qadeer und Farzana Majeed, die sich dafür engagieren, Aufmerksamkeit auf die “Vermissten” in der südwestlichen Provinz Belutschistan zu richten. Qadeer und Majeed werden regelmäßig von Schmutzkampagnen über soziale Medien ins Visier genommen, in denen sie als “Verräter und Terroristen” bezeichnet werden. Beiden wurde vor Kurzem verboten zu einer Menschenrechtskonferenz in den USA zu reisen.

Sabeen veröffentlichte in der Nacht vor der Veranstaltung diesen Screenshot auf Facebook:Screen shot 2015-04-24 at 7.41.54 PM

Osman Nasir: Ich boykottiere diese dumme Veranstaltung und T2F… hoffe, dass der Nachrichtendienst des Militärs diese Terroristen und Staatsverbrecher bei eurer Veranstaltung schnappt.

Sabeen Mahmud: Gute, positive Schwingungen. Haha.

Sabeen hatte die Veranstaltung geplant, nachdem ein Forum zu demselben Thema, zu dem Qadeer und Majeed als Diskussionsteilnehmer vorgesehen waren, an der führenden Privatuniversität LUMS abgesagt worden war. Die Fakultät sagte, sie habe die Diskussionsrunde absagen müssen, da sie vom militärischen Nachrichtendienst der Streitkräfte Pakistans, ISI, Drohungen erhalten habe.

Photo instagrammed by Sabeen of the Balochistan event. She was killed less than an hour after this was posted.

Foto der Veranstaltung zu Belutschistan, gepostet auf Instagram von Sabeen. Sie wurde weniger als eine Stunde, nachdem sie das Bild hochgeladen hatte, ermordet.

Auf Twitter sehen pakistanische Aktivisten eine Verbindung zwischen der Veranstaltung und ihrer Ermordung:

Wenn wir darum gebeten werden, diesem Staat zu vertrauen; das ist es, weswegen wir es verdammt noch mal nicht können.

Der in Karatschi lebende Journalist Shaheryar Mirza twitterte:

Heute vor der Diskussion zu Belutschistan sagte Sabeen lächelnd: “Zum Glück wurde uns von niemanden gesagt, wir sollten diese Diskussion nicht halten.”

Das ist traumatisierend, jenseits von allem Glauben. Wir haben immer Angst um sie gehabt, haben aber nie gedacht, dass wir das einmal wirklich sehen müssten.

Belutschistan, Pakistans größte, am wenigsten bevölkerte und ärmste Provinz erlebt seine fünfte separatistische Bewegung seit 1947. Öffentliche Diskussionen zum Krieg in Belutschistan sind selten und die Berichterstattung aus Belutschistan ist mager.

Laut der Menschenrechtskommission Pakistans sind seit 2010 hunderte Leichen der “Vermissten” von Belutschistan aufgetaucht und sie zeigen Spuren von Folter. Allein im Jahr 2013 wurden in der Provinz 116 Leichen gefunden. Davon wurden 87 von ihren Familien identifiziert, die die pakistanischen Sicherheitsbehörden beschuldigen, ihre Angehörigen entführt zu haben.

Die oppositionelle Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Alizeh Haider twitterte:

Du sprichst, du stirbst. Die Botschaft der ISI ist laut und deutlich für alle, die im Fall Belutschistan das Wort ergreifen.

Ein Follower antwortet ihr und sagt, sie könne von der Balochistan Liberation Army (BLA) zum Schweigen gebracht worden sein, einer bewaffneten Fraktion, die für die Unabhängigkeit der Provinz von Pakistan kämpft. Die BLA ist in Pakistan verboten.

An Omar Quraishi: Das scharfe Vorgehen beim ursprünglichen Seminar an der LUMS geht dann auch auf die BLA zurück?

Unsere wunderbare Freundin, Heldin und gefallene Kriegerin Sabeen. Ruhe in Frieden, aber wir werden es nicht, bis deine Mörder gefunden und verurteilt werden.

Karatschis leuchtende soziale Aktivistin

Sabeens Organisation The Second Floor, bekannt als T2F, hat einem offenen Dialog in der Gesellschaft Raum gegeben und wollte einen gesellschaftlichen Wandel in Pakistans größter Stadt Karatschi bewirken.

Laut ihrer Webseite und seit ihrer Gründung im Jahr 2007 heißt es: “T2F hat hunderte Veranstaltungen ausgerichtet, von Dichterlesungen und Filmvorführungen zu lebhaften Debatten über kritische Themen. Mit der Unterstützung und der aktiven Teilnahme von Musikern, Künstlern, Schriftstellern, Filmemachern, Wissenschaftlern, Komikern, Vordenkern und engagierten Zuhörerschaften, hat T2F dazu beigetragen, die kulturelle Landschaft Karatschis wiederzubeleben und bietet einen alternativen, unabhängigen und sicheren Raum für Diskurs.”

Ruhe in Frieden. Aktivistin Sabeen, die hinter Pakistans erstem Hackathon steckte, wurde Berichten nach heute in Karatschi erschossen.

Sabeen war wie Titan. So kräftig. So würdevoll. In jeder Hinsicht. Eine starke Unterstützerin aller Menschen ohne Stimme. Eine Stimme. Oh Gott.

Wajahat Ali, ein pakistanisch-amerikanischer Journalist und Aktivist veröffentlichte auf Facebook:

The privileged among us suffer name-calling, petty insults, hurt feelings for principled positions and critical dissent. The truly brave, like Karachi's Sabeen Mahmud, pay for it with their lives. She was shot and killed tonight leaving her cafe T2F (The Second Floor).

Her alleged crimes are numerous, scandalous and note-worthy: With T2F, she created and sustained a remarkable safe space and community that housed, nourished and celebrated diverse, critical Pakistani intellectuals, artists, entrepreneurs, tech geeks and colorful personalities. As Sabahat Ashraf eloquently writes, she was a “‘qutub’, a pole–in networking parlance, a hub, a connector. very critical to civil society in Pakistan. To say she was an institution in herself is putting it mildly.” 

Die Privilegierten unter uns erleiden Beschimpfungen, triviale Beleidigungen und ihre Gefühle werden verletzt, da sie prinzipientreu sind und kritisch widersprechen. Die wirklich Tapferen, so wie Sabeen Mahmud aus Karatschi, bezahlen dafür mit ihrem Leben. Sie wurde erschossen und heute Nacht ermordet, als sie ihr Cafe T2F (The Second Floor) verließ.
Die Verbrechen, die sie angeblich begangen hat, sind zahlreich, skandalös und beachtenswert: Mit T2F hat sie einen bemerkenswert sicheren Raum und eine Gemeinschaft geschaffen und erhalten, in der verschiedene kritische, pakistanische Intellektuelle, Künstler, Unternehmer, Technikfreaks und farbenfrohe Persönlichkeiten aufgenommen, genährt und gefeiert wurden. So wie Sabahat Ashraf wortgewandt schreibt, sie war ein “qutub” – in der Ausdrucksweise des Networkings – ein Pol, ein Hub, ein Verbindungselement.

Saad Hamid, ein Mobilmacher der Community und Technikfreak aus Islamabad twitterte:

Hier, in Erinnerung an Sabeen – der Schönen, der Verückten, dem Genie, die das Konzept des offenen Dialogs transformierte.

Die preisgekrönte britisch-pakistanische Schriftstellerin Kamila Shamsie twitterte:

Zwei Sommer zuvor in London habe ich Sabeen gesagt, sie solle vorsichtig sein und sie sagte: “Eine muss ja kämpfen.” Lebwohl, meine Freundin. Du warst die Beste von uns.

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