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Jemen: Das Jahr der unvollendeten Revolution

Dieser Bericht erschien bei uns vor genau drei Jahren am 12. Februar 2012.

Viele rechneten mit Blutvergießen als die Revolution im Jemen begann, denn das Land steht an zweiter Stelle der am schwersten bewaffneten Nationen der Welt. Überraschenderweise jedoch war der Protest der friedlichste während des gesamten sogenannten Arabischen Frühlings. Trotz der Gewaltakte des Regimes, benutzten die Demonstranten ihre Waffen nicht, sondern marschierten friedlich für ihre Rechte. Sie stellten sich der exzessiven Gewalt der Sicherheitsbeamten mit bloßen Händen.

Ein Jahr ist seit dem Beginn der Revolution vergangen, aber die Jemeniten sind sich über das genaue Datum uneinig, wie Noon Arabia auf ihrem Blog berichtet:

Yemen's revolution is undoubtedly the longest in the Arab Spring, yet Yemenis disagree on which day it started. Some say it started on February 3rd, when a group of activists protested in front of Sanaa University, some say February 11th, when the first sit-in tents were erected in Taiz, and others say February 20th when the first martyrs were killed in Aden and Taiz. Yet, Yemen's revolution has been mostly associated with February 11th, the downfall of Egypt's Mubarak.

Die Revolution im Jemen ist ohne Zweifel die längste des Arabischen Frühlings, aber die Jemeniten sind sich uneinig darüber an welchem Tag sie begann. Einige sagen, sie begann am 3. Februar, als eine Gruppe Aktivisten vor der Universität in Sanaa protestierten. Andere sagen, es war der 11. Februar mit dem Aufbau der ersten Sitzstreik-Zelte in Taiz. Andere wiederum nennen als Datum den 20. Februar, als die ersten Märtyrer in Aden und Taiz getötet wurden. Bisher wurde die Revolution im Jemen jedoch meistens mit dem 11. Februar in Verbindung gebracht und dem Untergang von Ägyptens Mubarak.

In diesem Video von SupportYemen auf YouTube erzählt eine Gruppe von Aktivisten über ihre Hoffnungen und beleuchtet die Forderungen der Revolution:

Hunderte wurden getötet und Tausende verwundet und dennoch wurde den Verantwortlichen durch das Abkommen zur Machtübergabe Immunität gewährt. Dieses wurde nach der Flucht Salehs durch den Golf-Kooperationsrat ausgehandelt und vollstens von den USA und den Vereinten Nationen unterstützt.

Am Abend des 10. Februar 2012 entzündeten Demonstranten in Taiz die Flamme am Platz der Befreiung um den Beginn der Feierlichkeiten mit Gesängen und Feuerwerk zu markieren. Die Feierlichkeiten wurden von der Taizpress gefilmt:

Die jemenitische Revolution hinterließ auf der ganzen Welt großen Eindruck durch seine groß angelegten Märsche. Iona Craig ist eine freiberufliche Journalistin, die sich seit dem Beginn der Revolution die meiste Zeit im Jemen aufhielt. Sie twitterte einen Link, in dem sie eine Reihe von ihr im Laufe des Jahres aufgenommene eindrückliche Bilder zusammengestellt hatte, darunter auch die Demonstrationen.

@ionacraig:Today marks one year since daily protests began in #Yemen. A selection of pictures I took from Feb. 2011 to Feb. 2012: bit.ly/wk1TTT

@ionacraig: Heute ist ein Jahr vergangen seit der täglichen Proteste im #Jemen. Hier ist eine Auswahl an Bilder, die ich von Februar 2011 bis Februar 2012 aufgenommen habe

Dieses Video vom 21. Mai, gepostet von KareemoS, zeigt die Massen, die sich gegen Saleh und sein Regime versammelt haben. Sie rufen: “Die Menschen wollen das Regime stürzen”, eine Forderung die erst verwirklicht werden muss.

Zum Anlass des ersten Jahrestages der Revolution im Jemen fanden am 11. Februar gewaltige Feierlichkeiten in Taiz statt. Taizpress veröffentlicht ein Video auf YouTube, das einen Teil der Feierlichkeiten zeigt:

Der jemenitische Aktivist Baraa Shiban fasst in seinem Bericht auf Comment MiddleEast die Ereignisse des letzten Jahres im Jemen zusammen. Er beendet seinen Bericht mit folgenden Worten:

The last days of December witnessed a parallel revolution that paralysed many governmental sectors and led to the resignation of some senior officials. It’s worth mentioning that the employee’s strikes are still continuing as the country forges its own mini revolutions, attempting to purge the remnants of Saleh's regime, and foremost, the last scraps of tyranny in Yemen.

In den letzten Tagen des Dezember kam es zu einer parallelen Revolution, die viele Regierungssektoren zum Stillstand brachte und einige ältere Beamte zum Rücktritt zwang. Ich finde es wichtig zu erwähnen, dass die Arbeiterstreiks noch immer anhalten und überall im Land Mini-Revolutionen gestartet werden mit dem Ziel, die Überbleibsel von Salehs Regime zu beseitigen, vor allem die letzten Reste von Tyrannei im Jemen.

Tausende Jemeniten protestieren schon seit einem Jahr

Tausende Jemeniten protestieren schon seit einem Jahr. Foto mit freundlicher Genehmigung von Iona Craig über Flickr.

Währenddessen warten auf den Jemen viele Herausforderungen. Ein Jahr voller Revolten kostete viele Leben, löste eine wirtschaftliche und humanitäre Krise aus, die Menschen Leiden an Knappheit von Wasser, Elektrizität und Nachschub. Rückblickend wurde bisher die Gründung einer Koalitionsregierung zwischen der Mehrheitspartei GPC (General People's Congress) und der Partei der “Opposition” JMP (Joint Meeting Party) erreicht. Saleh und seinen Regimeanhängern, gegen jene sich die Bevölkerung monatelang auflehnte, wurde durch die Internationale Gemeinschaft Immunität gewährt.

Saleh reiste in die USA und wird nach Jemen zurückkehren um seine Stimme für seinen Vizepräsidenten, mit dem er seit 18 Jahren zusammen regiert, abgegeben. Saleh hat ihn zu seinem Nachfolger ernannt und dieser wurde auch vom Golf-Kooperationsrat als einstimmig abgesegneter Kanditat der “Ein-Mann-Wahl” am 21. Februar bestätigt.

Dieses Poster (rechts) wird für die Wahlkampagne benutzt, befindet sich an verschiedenen Orten in Sanaa und spricht für sich selbst. Geteilt wurde es von einer der beliebtesten arabischsprachigen Gruppen auf Facebook “We are all Taiz“. Die Bildunterschrift lädt die Leser zum kommentieren ein.
Nach 34 Jahren im Amt, tritt Saleh nun endlich am Wahltag, dem 21. Februar, zurück, doch seine Söhne, Neffen und Brüder kontrollieren immer noch den Militärapparat und sein Regime funktioniert nach wie vor. Die seit über einem Jahr demonstrierende unabhängige Jugend ist wieder ganz am Anfang, immer noch auf den Plätzen, schwach und zerstreut, aber auch immer noch voller Hoffnung für den Aufbau eines neuen Jemen, basierend auf Freiheit, Gerechtigkeit und sozialer Gleichheit.

SupportYemen hat dieses Video mit einer starken Botschaft geteilt:

Some take basic human rights for granted, but for us, Yemenis, they are aspirations. We march for better education, better healthcare, freedom of speech, real democracy, for justice, and for dignity!

Andere nehmen grundlegende Menschenrechte für selbstverständlich, aber für uns Jemeniten sind sie Hoffnungen. Wir marschieren für eine bessere Bildung, bessere Gesundheitsversorgung, Redefreiheit, richtige Demoktraie, Gerechtigkeit und für Würde!

Doch, wie auch Noon Arabia in ihrem Bericht zugeben muss:

Sadly, Yemen has openly become an international protectorate, with regional and international players determining it's future rather than it's own people.Having said that, I hope very much that the power of the people wins over the people in power.

Leider wurde der Jemen zu einem internationalen Protektorat, mit regionalen und internationalen Akteuren, die die Zukunft des Landes bestimmen, und nicht die eigene Bevölkerung. Nachdem das gesagt ist, hoffe ich sehr, dass die Macht der Menschen die Menschen an der Macht für sich gewinnen wird.

Dieser Bericht ist Teil eines englischsprachigen Dossiers zu den Protesten im Jemen 2011.

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