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Das Thema Sprache wird in Afghanistan zum Politikum

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Die Namen der afghanischen Provinzen auf Paschtu. Tadschiken und andere ethnische Minderheiten befürchten, dass Paschtu durch die politische Macht der Paschtunen ihre eigenen Sprachen in den Hintergrund drängen wird. Wikipedia Bild.

Salahuddin Rabbani, der neue Außenminister Afghanistans und Sohn des ehemaligen ermordeten Präsidenten Burhanuddin Rabbani, steht nach seiner in Paschtu gehaltenen Rede vor dem afghanischen Parlament im Kreuzfeuer der Kritik. Die schärfsten Kritiker gehören wie Rabbani selbst zur dari-sprechenden ethnischen Bevölkerungsgruppe, die sich verraten fühlt, weil Rabbani seine Rede in einer Sprache gehalten hatte, die nicht seine Muttersprache ist.

Paschtu and Dari sind laut der afghanischen Verfassung die beiden offiziellen Sprachen des Landes. In den letzten zweihundert Jahren gehörten alle afghanischen Machthaber — mit Ausnahme von Habibullah Kalakani und Burhanuddin Rabbani — zur ethnischen Gruppe der Paschtunen. Dari, eine regionale Bezeichnung für Farsi, wird jedoch schriftlich wesentlich häufiger verwendet als Paschtu. Dari ist außerdem die bevorzugte Sprache vieler Angehöriger anderer nicht-paschtunischer ethnischer Gruppen — so auch der großen tadschikischen Minderheit zu der auch Rabbani gehört.*

Kurz nach der Rede vom 27. Januar kritisierte Abdullatif Pedram, der Anführer der Nationalen Kongresspartei Afghanistans und Angehöriger der ethnischen Gruppe der Tadschiken, in einem vielbeachteten Facebook Post die neue Koalitionsregierung Afghanistans und bezeichnete sie als “illegal” und “verfassungswidrig”. Salahuddin Rabbani habe “[seine] Muttersprache und die persische Kultur verraten”, fügte Pedram noch hinzu.

Abdullatif Pedram. Photo from his Facebook page

Abdullatif Pedram. Photo from his Facebook page

وقتی آقای صلاح الدین نیمه ی اول سخنرانی اش را به زبان پشتو متبرک می سازد،معنایش این است که زبان پشتو زبان اول این سرزمین است. نمایندگان کشورهای خارجی هم بر همین اساس به یقین می رسند. نام این کار خیانت به زبان مادری وفرهنگ غنامند فارسی است در روایات است که امام ابو حنیفه (رح)گفته بود میشود به این زبان نماز خواند.(دکترسروش) نامش تسلیم طلبی و بی همتی است. من به همه ی زبان های وطنم احترام می گذارم و آنهارا دوست میدارم منجمله زبان پشتورا. اما بحث عدالت خواهی چیزدیگری است زبان فارسی اکثریت زبانی است.

Wenn Salahuddin seine Rede auf Paschtu beginnt, dann zeigt dies, dass Paschtu die wichtigste Sprache in diesem Land ist. Demzufolge werden auch die Vertreter anderer Länder zu diesem Schluss kommen. Damit ist er [seiner] Muttersprache und dem reichen Erbe der persischen Kultur untreu geworden… Ich respektiere und liebe alle Sprachen in meinem Land, auch Paschtu. Aber hierbei geht es um Gerechtigkeit. Farsi ist die Sprache der Mehrheit (in Afghanistan).

Viele Facebook-Nutzer erklärten ihre Zustimmung zu Pedrams Post:

ﺟﻨﺎﺏ ﺩاﻛﺘﺮ ﺻﺎﺣﺐ ﺩﻗﻴﻖ ﻓﺮﻣﻮﺩﻳﺪ ﺑﭽﻪ ﻫﺎﻱ ﻛﻪ ﻫﻮﻳﺖ ﺧﻮﺩ ﺭا ﻣﻮﺭﺩ ﻣﻌﺎﻣﻠﻪ ﻗﺮاﺭ ﺩﻫﺪ ﭼﻪ ﺗﻮﻗﻊ اﺯ اﻥ ﺩاﺷﺖ.

Sehr geehrter Herr, Sie haben Recht. Was kann man schon von jemandem erwarten, für den seine Identität eine Ware ist?

Andere warfen Pedram Nationalismus vor. Ahmad Wali Hakimi schalt:

جناب پدرام حیف تحصیل وعمرگران بهایتان که به این پوچ وبیهوده میگذرانی تو خاین ملی هستی تو شخص مریض هستی خداکند مریضی شما ساری نباشد

Herr Pedram, es ist eine Schande, dass Sie Ihre Bildung und wertvolle Zeit damit verschwenden, nutzlose Dinge (zu diskutieren). Sie haben die Nation verraten, Sie sind krank…

Ein anderer Nutzer, Fazl Azizi, wies  auf die doppelte Staatsangehörigkeit des neuen Außenministers hin, ein Faktor, der seine Ernennung verzögert hatte:

باید به زبان انگلیسی صحبت میکرد .تابعیت انگلیس داشت.

Angesichts seiner britischen Staatsangehörigkeit hätte er lieber englisch sprechen sollen.

In der Tat hatten afghanische Medien berichtet, dass das afghanische Unterhaus Rabbani genehmigt hatte, die britische Staatsangehörigkeit am 26. Januar abzugeben. Damit war der Weg frei für seine Wahl zum Außenminister am 27. Januar. Das afghanische Parlament muss sich noch auf mehr als die Hälfte der Ministerkandidaten von Präsident Ashraf Ghani einigen. Viele von ihnen haben ebenfalls zwei Staatsbürgerschaften. 

Sowohl Ghani, der zur ethnischen Gruppe der Paschtunen gehört, als auch seine ehemaligen Rivalen um die Präsidentschaft haben im Wahlkampf Anfang des Jahres viel unternommen, um ethnisch vielfältige Koalitionen zu bilden. So berief Ghani zum Beispiel Ahmad Zia Massoud, einen Tadschiken und Bruder des legendären Kommandanten der Nordallianz Ahmad Shah Massoud in sein Wahlkampfteam. Viele Angehörige der ethnischen Gruppe der Tadschiken kritisierten Ahmad Zia Massoud dafür, dass er sich Ghani statt dessen Gegenkandidaten Abdullah Abdullah anschloss, einem Halbpaschtunen und Halbtadschiken und enger Freund des 2001 ermordeten Ahmad Shah Massoud. 

Rabbani, der 2011 afghanischer Botschafter in der Türkei war, wurde im Ausland ausgebildet und gilt trotz seiner engen Verbindungen zu den tadschikischen Stämmen seitens seines verstorbenen Vaters als Technokrat. Als er seine Rede in Paschtu begann, wollte er damit vielleicht nur eine Brücke zwischen der ethnischen und sprachlichen Kluft im Land schlagen. Stattdessen scheint die Kluft damit aber nur noch größer geworden zu sein.

* Klicken Sie hier für eine Sprachenkarte Afghanistans. Die Karte enthält nur ungefähre Angaben und ist somit strittig.

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