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Basar-Besitzer prügelt 17-jährigen Waisenjungen zu Tode und löst damit öffentliche Empörung aus

The Nazari Nek bazaar was the scene of an alleged murder of two orphans that turned to thievery. Screenshot from YouTube video uploaded January 20.

Der Nazari Nek Basar ist der Schauplatz des mutmaßlichen Mordes an einem Waisenjungen, der gestohlen hatte. Screenshot aus dem am 20. Januar hochgeladenen YouTube-Video.

Tadschikische Facebook-Nutzer sind entsetzt über das das Verhalten eines Basar-Leiters im Norden Tadschikistans. Dieser hat gestanden, einen 17-jährigen Waisenjungen zu Tode geprügelt und einen weiteren schwer verletzt zu haben. Der Basar-Leiter hatte die beiden Jungen zuvor erwischt, wie sie Geld im Wert von etwa 70$ und Lebensmittel von einem Stand auf dem Gelände des Nazari Nek Basars in der Region Bobojon Ghafurov stahlen.

Zeugen berichteten gegenüber den Medien, dass die beiden Teenager — deren Zuhause ein Waisenhaus mit angeschlossener Schule in der Region ist — als sie von Rustam Jurayev, dem Besitzer des Nazari Nek Basars, und seinen Wachen am 17. Januar ergriffen wurden, riefen “Wir hatten Hunger”. Die Jungen wurden danach in einen geschlossenen Raum geführt, in dem einer der beiden Jungen starb. Der zweite Junge liegt noch im Krankenhaus. Der Basar-Leiter und die Wachen bekannten sich gegenüber der Polizei in einer Videoaufnahme, die am 20. Januar von einem lokalen Fernsehsender ausgestrahlt wurde, schuldig.

In Tadschikisch verurteilt der Sprecher des am 20. Januar veröffentlichten Fernsehbeitrags den 39-jährigen Basar-Leiter für seine Beteiligung an den Schlägen. Der Mann besaß zudem mehrere luxuriöse Häuser und einen Fuhrpark mit Luxusautos und hatte eine Pilgerfahrt nach Mekka absolviert, etwas was der Mehrheit der Bevölkerung in dem muslimischen Land ihr Leben lang verwehrt bleibt. Nach Angaben der Organisation Save the Children, leben in Tadschikistan rund 8.000 Kinder in staatlichen Waisenhäusern für die kaum finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. 

In Tadschikistan ‘ist Geld wichtiger als ein Menschenleben’

In der beliebten öffentlichen Facebookgruppe Ya Dushanbinets-2 (Ich bin Einwohner von Duschanbe) beschimpften die meisten Nutzer den Leiter des Basars. Die Forderungen vieler Nutzer, Jurayev  zu lynchen, wurden in diesem Bericht nicht wiedergegeben.  

So formulierte es Sasha Beorn:

Хотелось бы чтобы в тюрьме ему было не весело.

Ich hoffe, er wird eine furchtbare Zeit im Gefängnis erleben.

Samijan Nasirjanov rief andere in der Gruppe auf, erst dann ein Urteil zu fällen, wenn alle Fakten bekannt seien:

Не судите,от тюрмы и сумы не зарекаются. Он же не хотел убивать. Он избивал вора, у него не было информации, что вор сирота и кушать хочет, но так вышло, что убил его. Никому не желаю попасть в такую ситуацию.

Urteilt nicht. Jeder kann mal Pech haben. Er wollte nicht töten. Er hat einen Dieb geschlagen und wusste nicht, dass der Junge eine Waise war und Hunger hatte. Aber die Dinge nahmen ihren Lauf und er tötete den Jungen. Ich wünsche niemandem, jemals in so eine Situation zu kommen.

Olim Abidov entgegnete darauf:

Самиджан, я смотрел сегодня видео, где он и его охраник сказали что ребята говорили им что они сироты с интерната и после того как запинали до смерти мальчишку директор базара хотел с имитировать все так как буто у мальчишки был нож, а директор в целях самообороны переборщил. 

Samijan, ich habe das Video gesehen in dem er und seine Wache sagen, die Jungen hätten gesagt, sie seien Waisenkinder aus dem Waisenhaus. Nachdem er den Jungen zu Tode geprügelt hatte, wollte der Leiter es so aussehen lassen, als ob der Junge ihn mit einem Messer angegriffen und er sich nur verteidigt hätte. 

Aj Sharipov argumentierte, dass ein religiöser Mensch niemals so gehandelt hätte wie der Basar-Leiter: 

Во первых, если этот урод Ходжи, то он был обязан объяснить человеческим языком, что воровать это плохо! И пристроил бы их в какую нибудь точку на своем Харом бозоре, а не руки распускать и заниматься самосудом!  Я надеюсь он будет гнить кусая локти.

Zuerst einmal, wenn dieser Abschaum wirklich ein Hoji ist [eine Person, die die Pilgerfahrt nach Mekka gemacht hat], hätte er den Jungen erklären sollen, dass man nicht stehlen darf! Er hätte ihnen in seinem Basar Arbeit geben können, anstatt sie zu schlagen und zu lynchen. Ich hoffe, dass er bereut bis er verrottet.

Die Nutzer der beliebten Facebookgruppe zeigten sich im Allgemeinen geschockt darüber, wie ein Bagatelldiebstahl zu so extremer Gewalt führen konnte:

Мир поменялся… Можно соглашаться с этим или нет, но сегодня, действительно, деньги стоят куда дороже человеческой жизни. И, как видно из этой истории, даже небольшие деньги…

Die Welt hat sich verändert. Egal ob man das selbst so sieht oder nicht, aber Geld ist heutzutage wirklich wichtiger als ein Menschenleben. Diese Geschichte zeigt, dass dies selbst bei einer kleinen Summe [gilt].

Scheinbar unter dem Eindruck der öffentlichen Empörung sprach sich Emomali Rahmon, der Präsident Tadschikistans, am 23. Januar für den Einsatz eines Beauftragten für Kinderrechte im Land aus.

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