Wir übersetzen die Beiträge von Global Voices in viele Sprachen, damit die Bürgermedien aus aller Welt für alle zugänglich werden.

Erfahre mehr zu Lingua-Übersetzungen  »

13 Foto­graf­ien einer iranischen Foto­journa­listin im Exil zei­gen Men­schen im Kon­flikt des Nah­en Ost­en

Inside the Iranian Communist party of the Komala’s camp in the Sulaymaniyah province, a group of men and women peshmerga who have recently finished their military training are testing their guns in late 2012. All photos provided by Maryam, and used with permission.

Im Camp der Komala, dem kurdischen Arm der Kommunistischen Partei des Irans, in der Proviz Solimania: Frauen und Männer der Peshmerga, die vor kurzem ihre Militärtrainingsprüfung abgeschlossen haben, testen ihre Gewehre, Ende 2012. Alle Fotos wurden von Maryam Ashrafi aufgenommen und werden mit freundlicher Genehmigung verwendet.

Maryam Ashrafi ist Iranerin, die in Paris im Exil lebt. Ihr Land, voller ethnischer Konflikte und Menschenrechtsverletzungen, ließ sie hinter sich, um verschiedene Teile des Planeten zu bereisen und dort Geschichten von Menschen zu fotografieren, die inmitten einer Krise leben.

Ashrafis Portfolio umfasst den Iran, Irak, die Türkei sowie die Proteste von Paris. Ihr letztes Projekt führte sie in das irakische Kurdistan, um die Geschichten der kurdischen Frauen der Peshmerga (Streitkräfte der Autonomen Region Kurdistan) in ihren Trainingscamps zu dokumentieren. Im nachfolgenden Interview sprach Global Voices mit Ashrafi über ihren Fotojournalismus. Dabei hat sie 13 Fotografien ausgewählt, um uns ihre Arbeit näher zu bringen.

Global Voices (GV): Kannst du noch immer in den Iran zurückreisen? Falls nicht, erklär uns bitte, in welcher Situation sich ein politischer Fotograf, wie du, befindet.

Maryam Ashrafi (MA): Following my recent projects, I have found it quite unsafe to travel back to Iran. As hard as it was for me, a while ago I made the decision to fully dedicate myself to stories I believe are worth telling and events that are needed to be captured. These projects never factored in the effect on my chances of travelling back to Iran, and these stories sometimes involve people fighting or demonstrating for human rights and issues that are not acceptable by the Iranian authorities. My last trip to Iran was during the last year of Mr. [Mohammad] Khatami's presidency [in 2005]. At that time I began to follow the stories of Afghan refugees and their lives in Iran. This was a project which was nipped in the bud when I was arrested visiting some Afghan families, which is why I have no photos to show from that project. When they realised I am a photojournalist living outside Iran, they automatically charged me with espionage and it took me a month of back and forth to the courts to prove my intention. That is when I decided to work with an NGO (named Persepolis) which helps drug addicts overcome their addictions.

Maryam Ashrafi (MA): Seit meinen letzten Projekten ist es für mich ziemlich unsicher, zurück in den Iran zu reisen. So hart es für mich auch war, so entschied ich mich doch vor einer Weile dazu, mich ganz den Geschichten zu widmen, die es meiner Meinung nach verdient haben, erzählt zu werden, und Ereignissen, die fotografisch festgehalten werden müssen. Es spielte bei diesen Projekten keine Rolle, ob sie eine Auswirkung auf meine Rückkehr in den Iran haben werden würden und diese Geschichten involvieren manchmal Menschen, die für Menschenrechte kämpfen oder demonstrieren und für solche Themen, die bei der iranischen Regierung keine Akzeptanz finden.
Mein letzte Reise in den Iran machte ich im letzten Regierungsjahr des Präsidenten [Mohammad] Khatami im Jahre 2005. Damals verfolgte ich die Geschichte von afgahnischen Flüchtlingen und ihren Leben im Iran. Ein Projekt, das im Keim erstickt wurde, als ich bei einem Besuch von afghanischen Familien verhaftet wurde, weshalb ich keine Fotos von diesem Projekt habe. Als sie erfuhren, dass ich eine Fotojournalistin bin und nicht im Iran lebe, wurde ich automatisch der Spionage beschuldigt und zog einen Monat lang von Gericht zu Gericht, um meine Absichten zu beweisen. Daraufhin beschloss ich, für eine NGO (namens Persepolis) zu arbeiten, die Drogensüchtigen aus ihrer Abhängigkeit hilft.

Maryam captures a recovering addicts portrait in Tehran’s Perspolis drop-in centre in 2005. Of the photo, Maryam explains, “ She was forced to use drugs which she believed was her husband's intention to keep her dependent on him. It took her years to realise the road she was drawn into. Determined to stop, she ran away from her husband and asked for help. Persepolis was amongst the few NGOs in Iran that helped drug addicts overcome their addiction through a step-by-step recovery using methadone.”

Myriams Porträtaufnahme zeigt eine ehemalige Drogensüchtige in der Persepolis Beratungsstelle in Teheran im Jahr 2005. Myriam sagt über das Foto: “Sie wurde dazu gezwungen Drogen zu nehmen und vermutete, ihr Mann wollte sie so von ihm abhängig machen. Erst nach Jahren wurde ihr klar, in welche Sackgasse sie da gedrängt wurde. Sie fasste den Entschluss aufzuhören, rannte von ihrem Mann weg und suchte Hilfe. Persepolis war eine der wenigen NGOs im Iran, die Drogenabhängigen halfen, ihre Sucht mit einem Methadonprogramm Schritt für Schritt zu überwinden.”

Also my other projects in Paris (especially those dealing with Iran’s Green Movement) and Kurdistan have made it harder for me to go back. There are many photojournalists living in Iran who are bravely capturing social and political issues still, but that is of course possible only to some extent, and with serious limitations. The best example of this can be the great amount of images and footage captured during the Green Movement in Iran by both professionals and amateurs, namely citizen journalists. This placed many lives in danger, leading some to flee Iran while others were arrested. This shows the incredible power of photography, and the threat those in power feel by it.

Auch meine anderen Projekte in Paris (besonders jene, die von der Grünen Bewegung des Irans handelten) und in Kurdistan haben es für mich schwieriger gemacht zurückzukehren. Es gibt viele Fotojournalisten, die im Iran leben und noch immer mutig Fotos über soziale und politsche Themen machen, doch das ist natürlich nur bis zu einem bestimmten Punkt und mit erheblichen Einschränkungen möglich. Das beste Beispiel hierfür liefern uns vielleicht die vielen Fotos und Videos, die während der Grünen Bewegung im Iran aufgenommen wurden; sowohl von Profis als auch von Amateuren, also Bürgerjournalisten. Dies brachte viele Leben in Gefahr, einige mussten deswegen aus dem Iran fliehen, während andere verhaftet wurden. Ein Beweis für die unglaubliche Macht der Fotografie und die Bedrohung, die die Machtinhaber in ihr wahrnehmen.

The Iranian ambassador in France Mehdi Mir Abu Talebi and his entourage as they are restrained by the French police at Neauphle-le-Chateau, on the outskirts of Paris, where the Ayatollah used to reside. The ambassador tried to confront the protesters on the day to commemorate the founder of the Islamic Revolution Ayatollah Khomeini’s return to France on January 31, 1979.

Der iranische Botschafter, Mehdi Mir Abu Talebi, mit seinen Begleitern in Frankreich, als sie gerade von der französischen Polizei in Neauphle-le-Chateau, einem Vorort von Paris in dem Ayatollah lebte, zurückgehalten werden. Der Botschafter suchte die Konfrontation mit den Demonstranten am Gedenktag des Gründers der Islamischen Revolution, Ayatollah Khomeini, und seine Rückkehr aus Frankreich am 31. Januar 1979.

 

French police stand by as Iranians protests against the executions of 5 Iranian and Kurdish prisoners in Evin prison by the Islamic Republic of Iran in front of the Iranian embassy, in Paris on May 9, 2010.

Die französische Polizei in Bereitschaft vor Iranern, die am 9. Mai 2010 in Paris gegen die Hinrichtung von fünf iranischen und kurdischen Gefangenen im Evin-Gefängnis der Islamischen Rebublik des Irans protestieren.

GV: Wie in dem Zeitungbericht bei France 24 auf Englisch zu lesen ist, hast du im Jahr 2010 auch an Demonstrationen gegen die iranische Botschaft und ihre Diplomaten in Paris teilgenommen. Denkst du, dass die Iraner im Exil etwas tun können, um die Situation der Menschenrechte ihres Landes zu verbessern?

​MA: I was partaking in the protests in Paris as more of a photographer. And yes, I do believe the role of those living outside Iran is really important. At some level, we in the diaspora are a great support to those inside Iran, but more than that, we can send a message to the world and show them what is befalling Iranians, and what people are struggling with and fighting for. Sometimes issues related to human rights cannot freely be spoken about inside Iran. This becomes the responsibility of those who are living outside Iran.​ This is perhaps the best way the world can understand the Iranian government and people are two different things. The system in Iran doesn’t represent the nation as a whole.

MA: Ich nahm an den Protesten mehr als Fotografin teil. Und ja, ich glaube die Rolle derer, die außerhalb des Irans leben, ist wirklich wichtig. In gewisser Weise, sind wir, die in der Diaspora leben, eine große Unterstützung für die Menschen im Iran und darüber hinaus können wir der Welt eine Nachricht zukommen lassen, zeigen, was den Iranern passiert, gegen wen sie kämpfen und wofür. Manchmal können Themen, die die Menschenrechte betreffen, im Iran nicht frei ausgesprochen werden. Das wird dann zur Aufgabe derer, die außerhalb des Irans leben. Womöglich ist das der beste Weg, damit die Welt verstehen kann, dass die iranische Regierung und das iranische Volk verschiedene Dinge sind. Das iranische System repräsentiert nicht die ganze Nation.

Iranians gather in Paris on June 12, 2010 to mark the first anniversary of the Green Movement, on the day the government was accused of rigging the 2009 Presidential elections.

Iraner versammeln sich am 12. Juni 2010, zum 1. Jahrestag der Grünen Bewegung, in Paris. An diesem Tag wurde der Regierung Wahlbetrug während der Präsidentschaftswahlen in 2009 vorgeworfen.

GV: Wie bist du auf das Thema der kurdischen Peshmerga gekommen?

​MA: The stories of Kurdish people is not new. Throughout history they've endured calamities and injustice, and that goes beyond the Kurds of Iran, but in Syria, Turkey and Iraq too. ​What drew me to this subject was the role of women within Kurdish parties, where they fight shoulder to shoulder with men.

MA: Die Geschichte des kurdischen Volkes ist nicht neu. Im Laufe der Geschichte erlitten sie Katastrophen und Ungerechtigkeiten und das betrifft nicht nur die Kurden im Iran, sondern auch in Syrien, der Türkei und im Irak. Was mich zu diesem Thema gebracht hat, war die Rolle der Frau innerhalb kurdischer Parteien, wo sie Schulter an Schulter mit Männern kämpfen.

Maryam captured Kurdish peshmergas learning to use their guns inside the military training camp of the Komala party of Iranian Kurdistan in late 2012. Sulaymaniyah, Kurdistan.

Ashrafi fotografierte Männer und Frauen der Peshmerga im militärischen Trainingscamp der Partei Komala des iranischen Kurdistan, als sie den Umgang mit Gewehren erlernten. Das Bild entstand Ende 2012 in Solimania, Kurdistan.

Their battle, I believe, is even harder compared to their male counterparts,​ as they are not only fighting for their basic rights as Kurds, but also as women in rather male-dominated societies. My interest in their story came in two layers. First to know their role and part in political parties like the Komala [an Iranian communist political party] or PJAK [Party of Free Life of Kurdistan], and on the other hand to learn more about societies which push them out and make them join such groups. I wanted to learn more about their intentions, the problems they face, not only politically but also culturally, problems such as early age marriage, domestic violence, female circumcision, right to education and so forth.

Meiner Meinung nach gestaltet sich ihr Kampf schwieriger als der ihrer männlichen Kollegen, denn sie kämpfen nicht nur für ihre Grundrechte als Kurden, sondern auch als Frauen in von Männern dominierten Gesellschaften. Mein Interesse an ihren Geschichten hat zwei Gründe: Erstens ihre Rolle und Beteiligung in den politischen Parteien, wie der Komala [eine kommunistische Partei des Irans] oder der PJAK [Partei für ein Freies Leben in Kurdistan] und zweitens möchte ich mehr über jene Gesellschaften lernen, die diese Frauen ausstoßen und dazu bringen, solchen Gruppen beitzutreten. Ich wollte mehr über ihre Beweggründe lernen, über ihre Probleme, nicht nur die politischen sondern auch die kulturellen. Probleme, wie dem der Jungehen, der häuslichen Gewalt, der weiblichen Beschneidung [Genitalverstümmelung bei Frauen], dem Recht auf Bildung, und so weiter.

Kurdish peshmergas during their politic theory training course inside the military training camp of Komala party of Iranian Kurdistan. This was during Maryam’s 2012 stay in Sulaymaniyah, Kurdistan.

Kurdische Peshmergas während ihres Unterrichts über politische Theorie im militärischen Trainingscamp der Partei Komala des iranischen Kurdistans. Die Fotografie wurde 2012 von Ashrafi während ihres Aufenthalts in Solimania, Kurdistan, aufgenommen.

GV: Du hast sehr persönliche Aufnahmen von diesen Frauen gemacht. Wie hast du es geschafft, ihr Vertrauen zu gewinnen und die Erlaubnis zu bekommen, sie zu fotografieren? Und wie viel Zeit hast du mit ihnen verbracht?

MA: I've made 4 trips to Iraqi Kurdistan between late 2012 and 2014, spending about two weeks each time with these women. During my last trip in June 2014 I met the Kurdish female Peshmergas of the 2nd Battalion who are the only female official branch of the Kurdish National Army.

As a female journalist, I was able to join them in their private moments, and gain their trust to share their stories. As they told me several times, we all fight for women and human rights. While their weapon was their guns, mine was my camera, so they said.

MA: Zwischen Ende 2012 und 2014 war ich vier Mal im irakischen Kurdistan und verbrachte jedesmal zwei Wochen mit diesen Frauen. Bei meiner letzten Reise im Juni 2014 traf ich die kurdischen Peshmergafrauen der 2. Battalion, die einzige weibliche Abteilung der kurdischen Nationalarmee.

Als weiblicher Journalist konnte ich sie in ihren privaten Momenten begleiten und ihr Vertrauen gewinnen, damit sie mich an ihren Geschichten teilhaben lassen. Wie sie mir mehrmals sagten, kämpfen wir alle für Frauen- und Menschenrechte. Doch, so meinten sie, während ihre Waffe ihre Gewehre wären, sei meine die Kamera.

Portrait of Tina, a Kurdish woman Peshmerga inside the camp of Kurdistan Democratic Party of Iran. Like many other girls her age, following the social pressure in Kurdistan she fled Iran to join the group. While fighting for Kurdish rights Tina explained to Maryam about learning about her rights as a woman. Taken in Kurdistan, near Erbil in 2013.

Porträt von Tina, einer kurdischen Peshmergafrau im Camp der Kurdischen Demokratischen Partei des Irans. Wie viele andere in ihrem Alter floh sie aufgrund des sozialen Drucks in Kurdistan in den Iran um der Gruppe beizutreten. Tina erzählte Maryam, dass sie beim Kampf für die kurdischen Rechte auch mehr über ihre Rechte als Frau gelernt hat. Aufgenommen in Kurdistan, bei Erbil im Jahr 2013.

We connected with each other on that level. It was important for me to share only what they were comfortable to share given their conditions, duties and commitments. I believe their role and problems have largely been missing from news headlines and sometimes lost in everyday news. Having said that, I dedicated myself to a long term and in depth reportage of their lives.

Auf dieser Ebene haben wir einen Zugang zueinander gefunden. Es war wichtig für mich, nur das zu teilen, was ihnen auch angenehm war, und ganz im Rahmen ihrer Bedingungen, Pflichten und Verpflichtungen. Ich glaube, dass ihre Rolle und ihre Probleme in den Schlagzeilen wenig Platz gefunden haben und in den täglichen Nachrichten manchmal ganz verloren gingen. Deshalb widmete ich ihrem Leben eine langfriste und detaillierte Reportage. 

Zilan, a female PJAK guerrilla binds her hair before starting her daily routines inside the camp located in Qandil, Kurdistan in 2012.

Zilan, eine Guerrillerakämpferin der PJAK-Guerrilla, bindet ihr Haar zusammen, bevor ihr Alltag im Militärlager in Qandil, Kurdistan, beginnt. Das Foto stammt aus dem Jahr 2012.

GV: Welches Bild vermittelten dir diese Frauen über die Gefahren auf dem Schlachtfeld?

MA: These women saw their role in the Peshmerga as a way to assert their equality with men in society in general. For them fighting is not only with a gun. Part of their responsibilities lie in informing their societies about the rights of women. They work with the media through their television and radio programs to inform women about their rights as women. During the time I spent with them, these women were preparing to defend their lands from the Iranian regime and fight for Kurdish people's rights in Iran. On the other level, the Kurdish female Peshmergas of the 2nd Battalion were also ready to defend Kurdistan against ISIS, side by side with men who are fighting on the front lines these days.

MA: Diese Frauen sahen ihre Rolle in der Peshmerga als einen Weg, sich gleichgestellt in der Männerwelt zu behaupten. Für sie braucht es zum Kämpfen nicht nur eine Waffe. Ein Teil ihrer Aufgaben liegt darin, Informationen über die Rechte von Frauen in ihrer Gesellschaft zu verbreiten. Hierfür nützen sie die Medien und klären mithilfe ihrer Fernseh- und Radioprogramme Frauen über ihre Rechte als Frauen auf. Während der Zeit, die ich mit ihnen verbrachte, bereiteten sich die Frauen darauf vor, ihren Grund und Boden vor dem iranischen Regime zu verteidigen und für die Rechte des kurdischen Volkes im Iran zu kämpfen. Desweiteren waren die kurdischen Peshmergafrauen der 2. Battalion auch dazu bereit, Kurdistan gegen ISIS zu verteidigen; Seite an Seite mit Männern, die damals an der Front kämpften. 

Kurdish female Peshmergas of the 2nd Battalion during their daily military training.  The 2nd Battalion comprises exclusively of 550 female Peshmergas and is the only official female branch of the Kurdish National Army. This battalion is responsible for defending Kurdistan against ISIS, side by side with men who are fighting on the frontlines these days. Maryam captured this image in Sulaymaniyah, Kurdistan in July 2014.

Kurdische Peshmergafrauen der 2. Battalion bei ihrem täglichen Militärtraining. Die 2. Battalion besteht ausschließlich aus 550 Peshmergafrauen und ist die einzig offiziele Frauenabteilung der Kurdischen Nationalarmee. Die Battalion ist dafür verwantwortlich, Kurdistan gegen ISIS zu verteidigen, Seite an Seite mit Männern, die damals an der Front kämpften. Ashrafi nahm dieses Foto in Solimania, Kurdistan, im Juli 2014 auf.

GV: Beschäftigt dich auch das Thema, mit dem Fotografen, die Aufnahmen von Personen in Krisengebieten machen, oft konfrontiert werden: Dass die Personen zum Gegenstand werden, aus denen man auf herablassende Weise Nutzen zieht oder sie zu Opfern macht?

MA: I believe that is the case for many photographers, and I should admit there have been instances where I questioned whether or not photographing certain moments are appropriate. These moments are when I have to remind myself why I’m there in the first place, and why it’s important for those lives and situations to be captured​. Of course if I know my physical help and reaction is more appropriate or needed, that's when I put down my camera to help.

MA: Ich glaube, das geht vielen Fotografen so und ich gebe zu, dass es schon Momente gab, in denen ich mich fragte, ob es angemessen ist, bestimmte Aufnahmen zu machen oder nicht. Immer dann muss ich mich selbst daran erinnern, warum ich hier bin und warum es wichtig ist, diese Leben und Situationen abzulichten. Sobald ich natürlich merke, dass es eher angebracht sei, zu reagieren und meine Hilfe benötigt wird, dann lege ich meine Kamera weg, um zu helfen.

Maryam captures Syrian children at a UN refugee camp in the Iraqi Kurdistan Arbat camp, July 2014.

Ashrafi fotografierte syrische Mädchen im UNO-Flüchtlingslanger Arbat, im irakischen Kurdistan, Juli 2014.

The moment that comes to mind is when I started watching two Syrian girls from a distance. The older girl was trying to make a shelter for her little sister. At some point she gave up and when I approached them she was curious, presuming as a grown-up I could help her. My intention was to show their condition in the Arbat refugee camp, but then I thought to myself what is more important to them at this very moment? Me staring at them with my camera or joining them during their game? I joined them.

Ich erinnere mich daran, als ich zwei syrische Mädchen von weitem beobachtete. Das ältere Mädchen versuchte gerade einen Unterschlupf für ihre kleine Schwester zu bauen. Irgendwann gab sie auf und als ich mich ihnen näherte, war sie neugierig und nahm an, dass ich ihr als Erwachsene vielleicht helfen könnte. Ich war hier, um ihre Bedingungen im Arbat-Flüchtlingslager aufzuzeigen, aber dann dachte ich mir, was ist jetzt gerade das Wichtigste für sie? Wie ich sie mit meiner Kamera anstarre oder bei ihrem Spiel mitzumachen? Ich spielte mit ihnen. 

GV: Welche Auswirkungen erhoffst du dir von deiner Arbeit über diese Themen? Gibt es ein bestimmtes Projekt, an dem du gearbeitet hast, und das dich am meisten berührt hat?

MA: I believe that photographs are capable of creating awareness for events and situations afar, and help towards social change as the problems of each society are illustrated. For example we can no longer stay ignorant and pretend we don't know what effect the Syrian conflict has on it's people. The photos I took of Syrian refugees in Turkey and Kurdistan were meant to demonstrate this.

MA: Ich denke, Fotografen besitzen die Fähigkeit, ein Bewusstsein für Ereignisse und Situationen zu schaffen, die weit weg von uns passieren und so zu einem sozialen Wandel beitragen, da die Probleme jeder Gesellschaft illustriert werden. Zum Beispiel können wir nicht länger ignorieren oder so tun als ob wir nicht wüssten, welche Auswirkung der Konflikt in Syrien auf seine Bevölkerung hat. Mit den Fotos, die ich von den syrischen Flüchtlingen in der Türkei und Kurdistan gemacht habe, wollte ich dies demonstrieren.

Portrait of a young Syrian refugee in Istanbul, February 2014.

Porträt eines syrischen Flüchtlingsmädchen, Februar 2014.

Out of the 600,000 Syrians who have fled the unrest in their country and have taken refuge in Turkey, 100,000 went to İstanbul and are living in places with poor, unsanitary or dangerous conditions. Although some of the Syrian refugees have been sent to the camps in different parts of Turkey, many still prefer to live in big cities, in the hope of finding work and better conditions for their families. The future of their children is uncertain and fragile. Similar conditions intensified for Iraqis with the invasions of ISIS.

By being a witness and sharing my photos from these situations I hope to make people think deeper and take action, while questioning what’s missing within mainstream media.

Von den 600.000 Syrern, die vor den Unruhen in ihrem Land geflohen und in die Türkei geflüchtet sind, gingen 100.000 nach Istanbul und leben dort an Orten unter armen, unsanitären und gefährliche Bedingungen. Obwohl einige der syrischen Flüchtlinge in Camps in verschiedenen Teilen der Türkei geschickt worden sind, bevorzugen viele das Leben in großen Städten, ganz in der Hoffnung, Arbeit und bessere Bedingungen für ihre Familien zu finden. Die Zukunft ihrer Kinder ist ungewiss und zerbrechlich. In ähnlichen Umständen befinden sich immer mehr Iraker seit der ISIS-Invasion.

Dadurch, dass ich Zeugin geworden bin und indem ich meine Fotos von diesen Situationen teile, erhoffe ich mir, die Leute noch intensiver zum Nachdenken sowie zum Handeln zu bewegen; während es zu hinterfragen gilt, was in den Mainstream-Medien fehlt.

Maryam captured Zahra, an Iraqi girl who fled Mosul with her family a few days after ISIS took over the city. They are among as many as a million internally displaced people throughout Iraq. Captured on June 23, 2014 in the Khazer refugee camp for Iraqis, in Kurdistan.

Ashrafi fotografierte Zahra, ein irakisches Mädchen, die zusammen mit ihrer Familie aus Mosul flüchtete. Einige Tage später besetzte ISIS die Stadt. Sie sind ein Teil der Million Menschen, die aus ihrem eigenen Land verdrängt werden: Dem Irak. Aufgenommen am 23. Juni 2014 im Flüchtlingslager für Iraker aus Khazer, in Kurdistan. 

Unterhaltung beginnen

Für Autoren: Anmelden »

Richtlinien

  • Alle Kommentare werden moderiert. Sende nicht mehrmals den gleichen Kommentar, damit er nicht als Spam gelöscht wird.
  • Bitte geh respektvoll mit anderen um. Hass-Kommentare, Obszönes und persönliche Beleidigungen werden nicht freigeschaltet..