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Israel, Gaza, Krieg & Daten – Die Kunst, Propaganda zu personalisieren

Instagram co-tag graph, highlighting three distinct topical communities: 1) pro-Israeli (Orange), 2) pro-Palestinian (Yellow), and 3) Religious (Muslim)

Grafik von Instagram Co-Tags, drei Themenbereiche sind hervorgehoben: 1) Pro-israelisch (orange), 2) pro-palästinensisch (gelb) und 3) muslimisch (pink). Visualisierung von Gephi.

Alle Links in diesem Artikel führen zu englischsprachigen Webseiten.

Wenn man mit Israel mitfiebert, dann hat man sich wahrscheinlich die Videos angesehen, wie die Hamas Raketen unmittelbar neben dem Shifa-Krankenhaus abgefeuert hat. Wenn man dagegen pro-palästinensisch ist, hat man sicherlich den Bericht eines vorgeblichen Scharfschützen des israelischen Militärs gelesen, der sich auf Instragram dazu bekannte, dreizehn Kinder aus Gaza getötet zu haben.

Während der Krieg in Gaza und im Himmel über Israel tobt, entfaltet sich in Räumen sozialer Netzwerke ein totaler Informationskrieg.

Israelis und ihre Anhänger sehen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Videos der israelischen Verteidigungskräfte an, in denen ausführlich Waffen und Tunnel beschrieben werden, die in Moscheen gefunden worden seien und auf die sie in sozialen Medien aufmerksam gemacht werden. Palästinensischen Gruppen werden dagegen höchtwahrscheinlich Bilder der völligen Zerstörung angezeigt, die das israelische Militär in den Moscheen von Gaza anrichtet. Eine Seite betrachtet Videos von Raketen, die im Himmel über Tel Aviv abgefangen werden und die andere sieht sich die todbringende Folge des Granatenbeschusses in Gaza an.

Je besser die Nutzerpräferenzen abgebildet werden können, desto akurater können wir automatische Empfehlungen erstellen, die die Aufmerksamkeit der Nutzer am stärksten weckt. Gewissermaßen schaffen wir dadurch Maschinen personalisierter Propaganda, die den Nutzer mit Content füttert, der ihm ein gutes Gefühl vermittelt und ihn vor allen unbequemen Bits bewahrt.
 
Wir haben früher die Medien zur Verantwortung ziehen können, wenn sie die Öffentlichkeit falsch informiert haben. Jetzt müssen wir uns selbst die Schuld zuschreiben.
 

Propaganda personalisieren

Es werden nicht nur viel mehr Medien produziert, sondern sie erreichen uns auch mit deutlich höherer Geschwindigkeit und stammen aus viel mehr Quellen. Da wir unsere Internetprofile auf der Grundlage dessen konstruieren, was wir bereits wissen, wofür wir uns interessieren und was wir weiterempfehlen, sind soziale Netzwerke geradezu geschaffen dafür, unsere bereits bestehende Weltsicht zu verfestigen. Personalisierte Räume, die optimiert sind, um sich zu beteiligen, priorisieren die Inhalte, die voraussichtlich zu einem höheren Datenverkehr führen werden: Je mehr wir klicken, teilen und liken, desto mehr Beteiligung verzeichnet der Dienst.

Inhalte, mit denen wir uns nicht wohl fühlen, werden rausgefiltert.

Der Gründer von Avaaz.org und Geschäftsführer von Upworthy, Eli Pariser, warnt in diesem TED Talk vor der Filterblase:

In a broadcast society, there were gatekeepers, the editors, and they controlled the flows of information. Along came the Internet and it swept them out of the way, and it allowed all of us to connect together, and it was awesome. But that’s not actually what’s happening right now. 

In der Gesellschaft, in der klassische Medien dominierten, gab es Gatekeeper [Pförtner], die Redakteure, die den Informationsfluss kontrollierten. Dann kam das Internet und es spülte sie weg. Es erlaubte es uns, dass wir uns alle vernetzen und das war großartig. Aber das ist nicht das, was wirklich passiert.

Wir sehen nicht verschiedene Ansichten, sondern eher immer wieder dieselbe.

Eine gesunde Demokratie ist von einem gesunden Ökosystem der Medien abhängig. Als diejenigen, die diese Onlinenetzwerke selber schaffen, wie können wir sicherstellen, dass wir nicht nur Optimierungen für den Datenverkehr und Mitwirkung vornehmen, sondern auch hinsichtlich einer informierten Öffentlichkeit?

Medien konstruieren Realität

Während ich das hier schreibe, werden Details über die Bombardierung einer Schule der Vereinten Nationen in Rafah durch die israelische Luftwaffe bekannt. In dem Angriff wurden zehn Menschen getötet, viele mehr wurden verletzt. Das israelische Militär behauptet, es habe auf drei Mitglieder der Organisation Islamischer Dschihad gezielt, die in der Nähe der Schule auf einem Motorrad gefahren seien und nicht auf die Schule selbst.

Innerhalb einer Stunde wurden Berichte darüber in den englischsprachigen Nachrichtenportalen zu Topschlagzeilen (dazu hier eine Bildergalerie):

  • The New York Times: “Luftangriffe in der Nähe einer Schule der Vereinten Nationen töten 10″
  • Google News: “USA ‘erschrocken’ über ‘beschämenden’ Beschuss einer Schule der Vereinten Nationen”
  • CNN: “Vereinte Nationen bezeichnen Angriff in der Nähe eines Schutzraums in Gaza als ‘moralischen Skandal’”
  • Huffington Post: “Außenministerium: Israels Beschuss ‘beschämend'”

Wenn man sich einige der führenden Portale israelischer digitaler Medien anschaut, findet der Vorfall kaum Erwähnung (Schlagzeilen im Original auf Hebräisch):

  • Ynet: “Israelische Verteidigungskräfte verlagern Truppen, Hamas schoss heute 95 Raketen ab”. Ganz unten im Text findet der Vorfall eine kurze Erwähnung.
  • Mako (Channel 2 News): “General der israelischen Verteidigungskräfte: ‘Wir werden da reingehen und jeden Tunnel zerstören, den wir entdecken’”. Keine einzige Erwähnung des Vorfalls mit der Schule der Vereinten Nationen.
  • Nana: Keine Erwähnung des Vorfalls.
  • Ha’aretz: Hat einen Artikel zum Angriff der Schule der Vereinten Nationen als Aufmacher.

Der Vorfall findet also in den beliebtesten israelischen Medienportalen kaum Erwähnung.

Ha’aretz berichtet zwar über die Sache, aber Ha’aretz hat auch weniger als zehn Prozent der Leser, da dem Portal nachgesagt wird, extrem liberale Ansichten zu vertreten. Als Folge dieses Krieges verliert die Zeitung zudem gerade Abonnenten, die sich über Artikel ärgern, in denen das israelische Militär kritisiert wird.

Israelis sind davon überzeugt, dass Medien aus aller Welt einseitig berichten, anti-israelisch eingestellt sind und für die palästinensische Sache Partei ergreifen.

Dennoch sprechen sich nur wenige gegen ihre eigenen voreingenommenen, deutlich auf einen Punkt ausgerichteten und privaten Medien aus (siehe dazu auch Beiträge zur Mozesfamilie und Sheldon Adelson).

This illustration originally created by Carlos Latuff, a cartoonist, artist and activist based in Rio de Janeiro, Brazil, was heavily shared amongst Israeli users on Facebook over the past month.

Diese Zeichnung stammt von Carlos Latuff, einem Karikaturisten, Künstler und Aktivisten aus Rio de Janeiro. Sie wurde im letzten Monat viel unter israelischen Facebooknutzern geteilt.

Die folgende Illustration, die 2012 als Reaktion darauf erstellt wurde, dass die CNN die Diktatur von Bahrain beschönigte, wurde in den vergangenen Wochen viel auf israelischen Facebookseiten geteilt. Sie beschreibt das, was Israelis von westlichen Medien behaupten, sie seien irrational und realitätsfremd.

Diese sehr bewusste Auswahl der Medienkanäle wirkt sich auf unsere Realität aus und darauf, wie gut wir als Öffentlichkeit informiert sind.

Sollten Israelis bezüglich des Angriffs auf die Schule der Vereinten Nationen mehr Sympathie zeigen? Und wenn, wer ist dann dafür verantwortlich?

Auf Seiten sozialer Netzwerke

… ist die Lage differenzierter und in höchstem Maße personalisiert. Wir konstruieren eine Darstellung unserer Interessen und Präferenzen, dadurch, dass wir bestimmten Seiten folgen oder sie liken.

Je mehr wir uns mit bestimmten Arten von Inhalten befassen, desto ähnlicher werden sich die Inhalte, die uns angezeigt werden.

Empfehlung- und Bewertungsfunktionen lernen von unseren sozialen Verbindungen und unseren Onlineaktivitäten und schaffen ein Model, das sich unserem Engagement optimal anpasst: Je mehr Engagement, desto mehr Datenverkehr, Klicks, Likes, desto mehr Teilen und so weiter, desto höher der zu vermutende Wert eines Unternehmens. Unsere kapitalistisch organisierten Märkte schätzen wachsenden Wert sehr.

Facebook

Facebook spielt im Großen und Ganzen eine Schlüsselrolle für die Verbreitung von Informationen in der Bevölkerung. Während einige Israelis Nachrichtenartikel auf ihrer Pinnwand teilen, greifen viele auf Content zurück, der von einer Reihe äußerst populärer Facebookseiten stammt. Das sind öffentliche Seiten, die typischerweise lustige Meme verbreiten oder im Stil von Buzzfeed Bilder, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, also Inhalte, die sich perfekt dafür eignen, über Facebook geteilt zu werden.

Die internationale gemeinnützige Organisation StandWithUs (mit 413.000 Likes), die “die Öffentlichkeit über Israel und dem Kampf gegen Extremismus und Antisemitismus informieren” möchte, erwähnt den Vorfall mit den Vereinten Nationen überhaupt nicht. Das Gleiche gilt für Kikar Hashabat (117.000 Likes) und Tweeting Statuses (605.000 Likes), einer Seite für Spaß und Medien.

1-6Q5J5LKssMrpLxdJlv-1JQStattdessen, wird diese Karte des Gazastreifens mit dem Rasternetz des Spiels Minesweeper gepostet. Der Kommentar dazu lautet: “Verbreitet sich gerade über WhatsApp”.

Der Moderator der Gruppe hat offensichtlich das Bild über eine WhatsApp-Gruppe erhalten und es auf der öffentlichen Facebookseite hochgeladen, wo es bislang mehr als 11.000 Likes erhalten hat, hunderte Male geteilt wurde und 133 Mal kommentiert, wobei Kommentare von Kritik bis Rechtfertigung reichen, insgesamt eine ziemliche polarisierte Flut von Kommentaren.

Noch einmal, in den israelischen Quellen gab es keine einzige Erwähnung des Vorfalls mit den Vereinten Nationen. Es wurde weder in israelischen Medien berichtet, noch tauchte es an der Oberfläche beliebter Facebookseite auf.

Twitter

Die Grafik unten zeigt Twitteraccounts, die zwischen dem 25. und 30. Juli auf einen anderen Vorfall einer Schule des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) in Beit Hanoun reagieren. Es ist derzeit noch nicht sicher, wer für den Beschuss der Schule verantwortlich ist, aber klar ist, dass einige die Tricks von Google SEO gelernt haben. (Hier ist zu sehen, wer ganz oben in einer Suche über Google erscheint.)

Die Knoten sind Twitternamen und ihre Verbindungen zeigen die Follower an. Je größer ein Knoten, desto stärker die Ausprägung seiner Zentralität und desto mehr folgen innerhalb der Gruppe diesem Account. Je näher sich zwei Knoten sind, desto stärker stehen die Verbindungen im Austausch. Verschiedene Farben stehen für Communities, also quasi Regionen, die ein signifikantes Niveau an Konnektivität aufweisen. Knoten derselben Farbe sind deutlich mehr miteinander verbunden als der Rest der Knoten der Grafik.

This network graph details the landscape of Twitter handles responding to the UNWRA school bombing.

Diese Darstellung eines Netzwerks gibt eine Übersicht über die Twitteraccounts, die auf die Bombardierung der Schule der UNRWA reagiert haben. Visualisierung von Gephi.

Netzwerkdarstellungen sind ein mathematisches Werkzeug, mit dem Beziehungen zwischen Objekten nachgestellt werden und sind unglaublich hilfreich, wenn man mit sozialen Daten arbeitet. Ihre Struktur zu analysieren verschafft uns einen Einblick in unsere Kultur und Gesellschaft. In diesem Fall ist eine scharfe Trennung beider Seiten zu erkennen. Auf der rechten Seite gibt es eine deutliche “pro-palästinensische” Gruppe von Aktivisten (grün) sowie eine Reihe von Medienkanälen und Journalisten (grau). Das graue Cluster von Bloggern, Journalisten und internationalen Medien ist eng mit der der Gruppe pro-palästinensischer Aktivisten verbunden, was bedeutet, dass zwischen diesen beiden Gruppen voraussichtlich eher Informationen fließen werden. Diese strukturellen Charakteristika der Grafik belegen das, was Israelis an Parteilichkeit internationaler Medien empfinden.

The “pro-Palestinian” side.

Die “pro-palästinensische” Seite. Visualisierung von Gephi.

Zwei der beliebtesten Posts von dieser Seite der Grafik sind:

Ich war gerade bei der Schule der UNRWA, die letzte Nacht bombardiert wurde, 13 Tote. 4 Granaten sind in die Schule eingeschlagen. Gezielt oder ungezielt, dieses Gebiet ist zivil.

Unser Korrespondent Paul Mason hält Granatsplitter, die bei der Schule der UNRWA in Gaza eingesammelt wurden.

Auf der anderen Seite zeigen sich die “pro-israelischen” Gruppen, zu denen Medienkanäle gehören, Personen der israelischen Öffentlichkeit, einige US-amerikanische Zionisten (hellblau) und amerikanische Konservative sowie Mitglieder der Tea Party (dunkelblau).

Pro-Israeli side.

Pro-israelische Seite. Visualisierung von Gephi.

Zu den beliebten Posts dieser Gruppe gehören:

Wie oft kann die UNRWA behaupten, sie sei “schockiert” von den Raketen in ihren Schulen, bevor die Leute aufhören, ihnen das abzukaufen? Das dritte Mal:

Was ist die UNRWA? Eine Milliarde US-Dollar an Jahresbudget, um die Kinder von Gaza darin zu unterrichten: Hass, Krieg, Nakba-Tag.

Es gibt einen deutlichen Unterschied der Formulierung und des Kontextes, wenn man beide Seiten der Grafik miteinander vergleicht. Keine der Informationen ist per se falsch. Aber Nutzer treffen bewusste Entscheidungen darüber, wozu sie weitere Einzelheiten haben möchten. Dadurch drücken sich ihre Werte und Überzeugungen aus und die ihrer Verbindungen.

Die Nachrichten, die auf einer Seite der Grafik kursieren, werden niemals auf die andere Seite gelangen.

Wenn es um den Versuch der Überbrückung der beiden Seiten geht, sind einige Knoten strategischer als andere. Ha'aretz verfügt über die meisten Verbindungen zwischen der pro-palästinensischen und pro-israelischen Seite der Grafik und weist damit die höchste Dazwischen-Zentralität auf, der Knoten ist also Bestandteil besonders vieler “kürzester Wege”.

Im Vergleich mit allen anderen Knoten der Grafik, wird Ha'aretz am ehesten einen Großteil des Netzwerks erreichen. Es ist am ehesten dazu in der Lage, Verzerrungen auszugleichen und politische Divergenzen zu überbrücken.

Instagram

Auf Instagram sind ähnliche Entwicklung zu erkennen. Die Sprache, in der pro-israelischer Content beschrieben wird, umfasst Tags wie: Israel unter Beschuss, Steht hinter Israel, Betet für Israel und Frieden (#IsraelUnderFire #IStandWithIsrael #PrayForIsrael #Peace). Auf der anderen Seite des Konflikts sehen wir Freiheit für Gaza, Betet für Gaza, Genozid und Boykottiert Israel (#FreeGaza #PrayForGaza #Genocide #BoycottIsrael).

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Content und Unterhaltungen zerfallen in verschiedene Lager, wo wir ebenfalls wieder nur mit denen sprechen, die uns ähnlich sind.

Man kann es Homophilie nennen oder Filterblase, es ist immer wieder dasselbe Phänomen, wo wir uns auch bewegen.

Kapitalismus versus Demokratie

Personalisierte Räume online sind so entworfen, dass wir wiederkommen werden, um mehr zu bekommen. Inhalte, die voraussichtlich mehr Klicks oder Datenverkehr generieren werden, werden uns eher angezeigt und das, womit wir uns unwohl fühlen, löst sich im Äther auf.

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Wenn man sich dafür entscheidet, die Politikerin Miri Regev zu liken, wird umgehend eine Liste ähnlicher Politiker produziert.

Wir konstruieren unsere sozialen Räume: Wir entscheiden uns einem Nutzer zu folgen, eine Seite zu liken oder die Updates zu einem bestimmten Thema zu abonnieren.

Wenn wir eine Facebookseite liken, werden uns ähnliche Seiten empfohlen (siehe Beitrag zu kollaborativem Filtern), basierend auf vorangegangen Aktionen anderer Nutzer der Seite. Wenn man sich entscheidet, Miri Regev (siehe Bild links) zu folgen, einer konservativen, rechten israelischen Politikerin, empfiehlt das System andere rechte israelische Politiker, von denen viele ihre politische Agenda teilen.

Die Algorithmen, die dieser Empfehlung zugrunde liegen, verfestigen unsere Ansichten und backen immer mehr derselben Stimmen in unseren Informationsfluss ein.

Experiment

Die Facebookseiten zu Trendthemen stellen den Content zusammen, der auf der Plattform viel geteilt wird (“Trend ist”). Wenn man bei Facebook eingeloggt ist, erhält man eine personalisierte Ansicht des Trends, bei der Freunde und ihre Ansichten zum Trend hervorgehoben sind. Probier es selbst einmal aus.

Jetzt öffne ein weiteres Browserfenster inkognito (bei Chrome: Datei – Neues privates Fenster) und navigiere durch dieselbe Seite. Da der Browser nicht weiß, wer sich hier die Seite anschaut, erhält man einen unbearbeiteten und nicht personalisierten Feed.

Auf der Suche nach dem Verstand

Ich war überrascht, auf eine recht vernünftige Diskussion zu stoßen, die in sozialen Netzwerken geführt wird – über Secret.ly, einer App, durch die man anonyme Nachrichten mit seinen Freunden teilen kann. Der Dienst hat eine Seite veröffentlicht, auf der Posts zu dem Konflikt aufgelistet sind. Einen fand ich dabei besonders interessant, nicht aufgrund des Themas, sondern aufgrund der Debatte, die sich daraus entwickelte.

Die Kombination von Anonymität und einer Nähe zur sozialen Verbundenheit schien den typischerweise polarisierten und extremen Ton der Konversation zu dämpfen.

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“In Kriegszeiten werden Israelis zu den am meisten rassistischen Menschen der westlichen Welt und ich vergesse sofort all die schönen Dinge, die ich hier liebe.”

Es ist außerdem hilfreich, dass der Dienst recht klein ist, im Vergleich mit anderen.

Zum Ende

Wir müssen uns mehr Gedanken machen, wie wir Informationsspeicher im Internet miteinander verknüpfen und diese Verknüpfungen erhalten können. Im Twitterbeispiel ist Ha'aretz eindeutig gut im Netzwerk positioniert, um einen bedeutenden Einfluss auf beide Seiten zu haben. Allerdings führt das auch dazu, dass Ha'aretz ein Problem damit hat, eine Kernleserschaft auszumachen und so ausreichend Budget zu erwirtschaften, um handlungsfähig zu bleiben und wachsen zu können. Wenn Du bis zu diesem Punkt im Text gelesen hast, beschäftigt Dich dieses Thema zweifellos. Es gibt zwei Möglichkeiten, zu helfen:

  • Trage dazu bei, dass Ha’aretz finanziell stabil ist durch ein Online-Abonnement (für weniger als 10 US-Dollar im Monat).
  • Spende der Seite 972mag.com (und dem hebräischsprachigen Gegenstück  Mekomit.co.il), beide versorgen uns mit frischen, originellen und Berichten von vor Ort zu dem, was in Israel und Palästina geschieht und haben sich den Menschenrechten und der Informationsfreiheit verschrieben.

Weitere Ideen oder Kommentare? Ich bin auf Twitter unter @gilgul zu finden.

Der in New York lebende Gilad Lotan ist wissenschaftlicher Leiter im Bereich Daten bei Beta Works. Er ist Experte für Visualisierungen und schreibt über Daten und Politik des Nahen Ostens.

Weitere Informationen und deutschsprachige Berichterstattung gibt es in unserem Dossier “Angriffe auf Gaza 2014“.

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