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Bahrain: Schiiten beunruhigt, da Politiker und Prediger mit IS ein Bündnis eingehen wollen

Turky Albinali, ein Gelehrter aus Bahrain, der dem Islamischen Staat beigetreten ist. Profilfoto seines Twitteraccounts.

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders ersichtlich, zu englischsprachigen Webseiten.

Für die mehrheitlich schiitische Bevölkerung von Bahrain haben sich in ihrem kleinen Inselstaat, der von den Monarchen der sunnitischen al-Khalifa Familie regiert wird, in letzter Zeit fünf Vorfälle ereignet, die sie beunruhigen.

In diese Vorfälle sind einflussreiche sunnitische Muslime verwickelt, die in aller Öffentlichkeit gefährliche Bemerkungen machten, die konfessionelle Konflikte hervorrufen können. Sie sagten der anti-schiitischen Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS), die im Irak ein Kalifat ausgerufen hatte, ein Bündnis zu. Diese offen geäußerten Bemerkungen blieben ungeahndet.

2011 hatte die Bevölkerung von Bahrain, die Mehrheit von ihnen sind schiitische Muslime, über politische und wirtschaftliche Ausgrenzung in dem Land geklagt, in dem 1,3 Millionen Menschen leben. Die jüngsten Ereignisse lassen aber vermuten, dass es zu einer vollständigen Ausgrenzung kommen könnte.

Das Militär war zur Niederschlagung schiitisch geführter Proteste gegen die Regierung sunnitischer Muslime 2011 eingesetzt worden. Von da an wurde Bahrain der Menschenrechtsverletzungen gegenüber schiitischer Muslime beschuldigt. Kleinere Proteste sieden weiter vor sich hin. Laut Mark Lynch in der Zeitschrift Foreign Policy im Jahr 2011, habe “das Regime von Bahrain nicht nur mit brutaler Gewalt reagiert, sondern auch damit, widerwärtigen Konfessionalismus zu stärken, um die Massenbewegung zu spalten und inländische und regionale Unterstützung für eine Niederschlagung zu schaffen”.

Unter den Instrumenten, den Samen des Konfessionalismus zu pflanzen, was zu den fünf jüngsten Vorfällen geführt hat, ist eines der populärsten Mittel, Prediger zu fördern, die sich in Kreisen von Salafisten bewegen. Abgesehen davon, dass sie den schiitischen Islam ablehnen, orientieren sich Salafisten an der Frühzeit der Religion und der Salafismus dient militanten und extremistischen Organisationen wie der al-Qaeda oder der ISIS (Islamischer Staat im Irak und der Levante, heute kurz Islamischer Staat) als Inspiration.

1. Prediger aus Bahrain sagt dem Islamischen Staat Bündnis zu

Anfang Juli 2014 sagte der sunnitische Prediger Turky Albinali aus Bahrain der anti-schiitischen IS seine Unterstützung zu. Human Rights Watch wirft der IS vor, Angehörige von Minderheiten, unter anderem schiitische Muslime, zu entführen, zu töten und zu vertreiben. Albinali trat in einem arabischsprachigen Youtube-Video auf, in dem er seine Loyalität gegenüber dem Kalifen des Islamischen Staats, Abubaker Albaghdadi, kundtut:

 2. Der höchste Geistliche der Schiiten von Bahrain wird zum Ungläubigen erklärt

Bei einer Pressekonferenz vergangener Woche machte der einflussreiche und ehemalige Militär Adel Fulaifel, dem vorgeworfen wird, gefoltert zu haben, bekannt, der höchste schiitische Geistliche von Bahrain, Isa Qassim, sei ein Ungläubiger. Er fügte hinzu, er werde “wie eine Ratte gejagt werden“, wie auf der arabischsprachigen Aufzeichnung nachzuhören ist. Das war seine Antwort darauf, dass Isa Qassim angeregt hatte, einen gemeinsamen schiitisch-sunnitischen Geistlichenrat zu gründen.

Zu Beginn des Jahres hatte Bahrain den schiitischen Geistlichenrat geschlossen, was zu einer Reihe von Protesten im ganzen Land geführt hatte.

BahrainMomo twitterte ihren 21.000 Followern:

استقبال مشايخ تكفيرية و فليفل يكفر ويهدد بقتل علماء الشيعة واليوم اغلاق المجلس العلمائي الشيعي من قبل النظام ! سياسة دولة سلفية داعشية

— أم أحمد البحرينية (@bahrainmomo) July 15, 2014

Herzlich willkommen, ihr Geistlichen und Fulaifel, die ihr andere für Ungläubige erklärt und Fulaifel, der damit droht, schiitische Gelehrte zu töten. Heute wurde der Rat der schiitischen Gelehrten vom Regime geschlossen! Eine Politik eines salafistischen Staats der ISIS.

3. Diplomat der USA des Landes verwiesen, radikaler Prediger aus Saudi-Arabien willkommen geheißen

Zwei Tage bevor Fulaifel diese Drohung aussprach, war ein US-amerikanischer Diplomat ausgewiesen worden [Global Voices-Bericht auf Deutsch]. Das kleine, ölreiche Königreich Bahrain dient der Marine der USA schon seit Jahren als Militärstützpunkt. Ein Tag später wurde der umstrittene und radikale Prediger Mohamed Alarefe aus Saudi-Arabien willkommen geheißen, der zu konfessionellen Konflikten aufstachelt. Alarefe soll vor jungen Bahrainern eine Reihe von Predigten abhalten, dem Aufschrei von Netzbürgern zum Trotz. In Großbritannien wird der saudi-arabische Prediger als eine Gefahr eingestuft.

4. Politiker unterstützt in aller Öffentlichkeit IS

Das ehemalige Parlamentsmitglied Nasser Alfadhala, der in der nächsten Wahl für die Al-Menbar Partei antreten wird (der in Großbritannien Verbindungen zum Terrorismus vorgeworfen wird), hat in einem Youtube-Video letzten Monat die IS öffentlich unterstützt:

«نحن نقف مع هذه الثورة التي صبرت طويلاً وطال انتظارها، لطرد هذا الظلم وهذا الخبث، الذي تدعمه بلاد الفرس، من أجل إذلال بلاد الرشيد، بلاد العزة والكرامة»

Wir stehen Seite an Seite mit der Revolution [des Islamischen Staats], auf die wir lange und geduldig gewartet haben, um diese Unterdrückung und dieses Bösartige zu vernichten, das von den Ländern Persiens unterstützt wird, um das Land von ar-Raschid [abbasidischer Kalif] zu erniedrigen, das Land des Ruhms und der Würde.

Der Twitternutzer iProtester antwortet darauf mit einem Foto, dass Alfadhala vor Flaggen der ISIS in der Nähe der amerikanischen Botschaft zeigt:

Gesetzlich genehmigte Kundgebung der ISIS von Bahrain (mit Flaggen einer nicht-terroristischen Organisation) [sarkastisch] unter Leitung von Nasser Alfadhala vor der amerikanischen Botschaft.

Der Journalist und Satiriker Faisal Hayyat twittert:

تمت جرجرة خليل المرزوق بين النيابة والمحاكم بسبب رفع علم الإئتلاف،يا ترى هل سيتم جرجرة ناصر الفضالة بسبب رفع أعلام داعش؟ #مي_مقبولة #البحرين

— رياضيونا رهائن (@FaisalHayyat) July 18, 2014

Khalil Almarzooq kam vor Gericht für das Hissen der Flagge der [Jugend-] Koalition. Ist abzusehen, dass mit Nasser Alfadhala dasselbe geschieht, da er Flaggen der ISIS gehisst hat?

Almarzooq ist ein führendes Mitglied der größten Oppositionsgruppe Alwefaq. Er wurde inhaftiert und verklagt, da er eine Fahne der bahrainischen Jugendkoalition 14. Februar geschwenkt hatte. Die Koalition war 2011 wesentlich an den Protesten beteiligt gewesen.

5. Bahrainischer Soldat desertiert

Der sunnitische Militär Mohamed Albinali (oder Abu Isa Alsalmi, wie er von den anderen Soldaten genannt wurde) twitterte:

أنا محمد بن عيسى البنعلي، ملازم في الداخلية البحرينية أعلن عن #انشقاقي عن هذا النظام منذ اكثر من أربعة أشهر #البحرين

— أبو عيسى السلمي (@bu3utbah) July 15, 2014

Ich, Mohamed Isa Albinali, ein Leutnant des Innenministeriums von Bahrain, erkläre hiermit, dass ich seit über vier Monaten aus diesem Regime desertiert bin.

Das Innenministerium von Bahrain war für sein Vorgehen, nach Konfession zu selektieren und die Anwendung systematischer Folter kritisiert worden.

Der Internationale Währungsfonds, zu dessen Aufgaben die Überwachung der Geldpolitik gehört, hatte Bahrain davor gewarnt, das Land könne möglicherweise bis 2017 seine Beschäftigten nicht mehr entlohnen, so berichtete die arabischsprachige Zeitung Alayam. Und dennoch verbot das auf Tourismus angewiesene Land den Drei-Sterne-Hotels den Verkauf von Alkohol und das Spielen von Live-Musik. Nach Bahrain kommen jedes Jahr circa zwei Millionen Touristen.

Als 2011 der bekannte Kolumnist der New York Times, Nicholas Kristof, Bahrain besuchte, beschrieb er das Land als Quasi-Apartheid. Aber damit, dass Unterstützer der IS und Hassprediger und Militante wie Fulaifel, Alfadhala und Alarefe frei agieren können, scheint es zunehmend wie eine totale Apartheid, die die schiitische Mehrheit des Landes wirtschaftlich, politisch und sozial völlig ausgrenzt.

2 Kommentare

  • Die brutale Repression der Schiiten im Nahen Osten muss ein Ende finden. Jeder noch so kleine Schritt in Richtung Frieden wäre im Moment wichtig, um die Gewaltspirale zwischen Schiiten und Sunniten in der Gesamtregion zu stoppen.

  • […] […]

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