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Tadschikische Behörden nehmen Global Voices-Autor fest

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf Eurasianet.org und wird hier mit Genehmigung veröffentlicht.

Die ungeklärte Festnahme eines Forschers, der sich zu Recherchezwecken in der krisengeschüttelten autonomen Provinz Berg-Badachschan in Tadschikistan aufhielt, hat zentralasiatische Wissenschaftler und Journalisten alarmiert. Erste Berichte über Alexander Sodiqovs Festnahme erreichten die Öffentlichkeit am Nachmittag des 16. Juni. Zu diesem Zeitpunkt traf sich Sodiqov, der in Tadschikistan geboren ist und an der Universität Toronto promoviert sowie ehemaliger Zentralasien-Editor bei Global Voices ist, laut eines Berichtes [ru] des tadschikischen Services von Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) mit dem regionalen Vertrer der Sozialdemokratischen Partei Tadschikistans, Alim Sherzamonov.

Der tadschikische Staatssicherheitsdienst GKNB veröffentlichte daraufhin am 17. Juni über die nationale Nachrichtenagentur Tadschikistans Chovra [de] eine Erklärung [ru], in der die Festnahme Sodiqovs bestätigt wurde und er der “Staatsgefährdung und Spionage” im Auftrag eines fremden Landes beschuldigt wurde. Diese Anschuldigung wurde vom GKNB auf Grund einer E-Mail vom 10. Juni, die von Sodiqovs offiziellem E-Mail-Konto gesendet wurde, erhoben (die Beamten teilten nicht mit, wie sie Zugang zu dem Konto erhalten hatten und ob dies vor oder nach Sodiqovs Festnahme geschah). GKNB-Agenten dachten vermutlich, dass es sich bei dem “fremden Land” um das Vereinigte Köngreich handelte, nachdem die Forschungstätigkeit Sodiqovs vom British Economic and Social Research Council (Britischer Wirtschafts- und Sozialforschungsrat) finanziert wurde. In einer Erklärung [ru] der britischen Botschaft äußern sich die Verantwortlichen besorgt über die Behandlung Sodiqovs.  

View of Khorog, Tajikistan, by Zack Knowles. Used under Creative Commons BA-SY 3.0 license.

Blick auf Chorugh, Tadschikistan, von Zack Knowles. Verwendet unter der Creative Commons BA-SY 3.0 Lizenz.

Sodiqovs Projektbetreuer, John Heathershaw, veröffentlichte am Abend des 16. Juni in sozialen Medien folgende Stellungnahme:

“It is now almost 20 hours since we have heard from Alexander Sodiqov who was apparently arrested while conducting research in Tajikistan. We do not know if he has been released or remains detained.
 
Alexander Sodiqov, a researcher contracted by the University of Exeter, has been detained by security services whilst conducting an interview with a civil society representative in Khorog, in the eastern region of Badakhshan.
 
Sodiqov was conducting research for a British Economic and Social Research Council project called Rising Powers and Conflict Management in Central Asia which also involves the University of Newcastle and the NGO Saferworld. He is a citizen of Tajikistan who is a PhD student at the University of Toronto and ordinarily resident in Canada. His colleague John Heathershaw is an academic at the University of Exeter and his supervisor of the research project. The project looks at how international actors, states and civil society work to resolve conflict.
 
Alexander has not been heard from since his detention at 2.30pm (9.30am GMT) on Tuesday 16 June. His family and friends are very concerned for his whereabouts.”

Es ist jetzt fast zwanzig Stunden her, dass wir zuletzt von Alexander, der anscheinend während Forschungsarbeiten in Tadschikistan festgenommen wurde, gehört haben. Wir wissen nicht, ob er bereits wieder freigelassen wurde oder noch immer festgehalten wird.

Alexander Sodiqov, ein Forscher mit einem Vertrag an der Universität Exeter, wurde von Sicherheitskräften festgenommen, als er ein Interview mit einem Vertreter der Zivilgesellschaft in Chorugh, in der östlichen Provinz Badachschan führte.

Sodiqov recherchierte für das Projekt Rising Powers and Conflict Management in Central Asia (Aufstrebende Mächte und Konfliktmanagement in Zentralasien) des Britischen Wirtschafts- und Sozialforschungsrat, an dem unter anderem auch die Universität Newcastle sowie die Nichtregierungsorganisation Safeworld beteiligt sind. Sodoqov ist tadschikischer Staatsbürger und Doktorand an der Universität Toronto mit ordentlichem Wohnsitz in Kanada. Sein Kollege John Heathershaw ist Wissenschaftler der Universität Exeter und Betreuer dieses Forschungsprojektes. Ziel des Projektes ist es, herauszufinden wie internationale Akteure, Staaten und die Zivilgesellschaft Konflikte lösen.

Von Alexander gibt es seit seiner Festnahme um 14:30 Uhr (9:30 Uhr GMT) am 16. Juni keine Neuigkeiten. Seine Familie und Freunde sind sehr um sein Wohlergehen besorgt.

Heathershaw gab anschließend der unabhängigen Lokalzeitung Asia Plus ein Interview unter dem Titel “Alexander ist ein Forscher, kein Spion”. Heathershaw äußerte gegenüber EurasiaNet.org zudem, dass die Wohnung von Sodiqovs Mutter in Duschnabe während einer polizeilichen Durchsuchung verwüstet wurde. Berichten zufolge konfiszierten Sicherheitsbeamte Flash-Laufwerke und Computer.
 
Es ist unwahrscheinlich, dass die tadschikischen Behörden, zumindest in Duschnabe, Sodiqov vor seiner Festnahme nicht kannten. Sodiqov ist ein bekannter Analyst in Zentralasien und hat regelmäßig für Medien wie beispielsweise Jamestown und auch Global Voices über Tadschikistan und die umliegende Region geschrieben. Zudem führte er für EurasiaNet.org mehr als einmal Interviews und war Hauptautor des Blogs Tajikistan Monitor. Vor Beginn seiner Promotion an der Universität Toronto bekleidete Sodiqov verschiedenen Positionen im Büro der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Duschnabe und lehrte an der Russisch-Tadschikischen Universität.
 
RFE/RL berichtete, dass Sodiqov am 18. Juni freigelassen wurde, seine Ehefrau Musharraf Sodiqova hatte bisher allerdings noch keinen Kontakt mit dem Analysten. Unabhängig vom Ausgang dieses Vorfalles wird die Festnahme Sodiqovs wahrscheinlich von vielen als Warnung der tadschikischen Behörden wahrgenommen werden, dass es besser ist in Chorugh, dem Epizentrum tödlicher Ausschreitungen zwischen der Regierung und Oppositionellen im Juli 2012 sowie kleinerer Unruhen im Mai dieses Jahres, weder Frage zu stellen noch nach Antworten zu suchen.

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