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Trotz Maßnahmen werden Frauen nach wie vor in der Metro Delhis belästigt

" I pledge to take the general train compartment, not the 'ladies only'. I would like for the entire city to be made safe instead. #SafeCityPledge. Image courtesy Blank Noise Bog. CC BY-NC-SA 2.5

„Ich verspreche, das allgemeine Zugabteil zu nutzen, nicht das, was nur für Frauen ausgewiesen ist. Ich möchte lieber, dass die ganze Stadt sicher gemacht wird.“ #SafeCityPledge. Foto mit freundlicher Genehmigung von Blank Noise Blog. CC BY-NC-SA 2.5

Alle Links in diesem Artikel führen zu englischsprachigen Webseiten.

Sexuelle Belästigung von Frauen in der Öffentlichkeit, „eve-teasing“ genannt, passiert häufig in Indien. Neu-Delhi hat die größte Zahl der Meldungen von Vergewaltigungen unter den indischen Städten. 

Als die Metro in Delhi 2008 vier Sitzplätze nur für Frauen in jedem Zugabteil mit Aufklebern „For Ladies Only” [nur für Frauen] neben den Sitzplätzen für Behinderte und Senioren auswies, wurde die Maßnahme von vielen gelobt. 25 Prozent der 2,2 Millionen Pendlern sind Frauen und dazu ist die Ausweisung besonderer Sitzplätze für Frauen auf dem indischen Subkontinent verbreitet. U-Bahn-Züge haben auch separate Frauenabteile mit Sicherheitspersonal, um Männern den Eintritt zu verwehren. Es gibt in Delhi auch spezielle öffentliche Busse nur für Frauen.

Aber haben diese Maßnahmen die Lage verbessert? Darüber lässt sich diskutieren.

Während der ersten zwei Jahre, seit der Einführung der Frauenwaggons in 2010, haben mehr als 12.000 Männer trotzdem die Abteile genutzt und wurden mit einer Geldstrafe von insgesamt 3,2 Millionen Rupien [circa 39.600 Euro] belegt. Und es gibt immer noch unzählige Beiträge über Belästigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln, die auf Internetseiten wie unter anderem Delhi Hollaback gepostet werden.  

Diese Bloggerin erzählt die Geschichte einer Freundin, die belästigt wurde, weil sie nicht in dem Frauenwaggon saß.

Atima Dhall von RespectWomen.co.in beleuchtet das Leben einer Frau in der Metro Delhis:

Haggard and fatigued, I entered the women’s coach of Delhi metro. That was my first day in college and I was going back home. “Get back you men! You’ll be penalized for standing in women’s coach, came a voice from outside. The security in charge was trying to push men out of the women’s coach through her words. Typical Delhities! They unheard the security in charge, it seemed so to me at least. The doors closed and men shifted more into the women’s coach rather than moving away from it. They were staring, smiling, passing comments as if they saw the feminine crowd for the first time. “Filthy men!”, shouted a woman standing at the end of the coach.

Erschöpft und müde stieg ich in den Frauenwaggon der Metro in Delhi. Es war mein erster Tag an der Universität und ich war auf dem Heimweg. „Männer, zurück! In dem Frauenwaggon zu stehen ist verboten“, rief eine Stimme von draußen. Die Sicherheitsbeauftragte forderte die Männer auf, den Frauenwaggon zu verlassen. Typisch Delhi! Sie haben das Sicherheitspersonal ignoriert, zumindest hatte ich den Eindruck, dass es so war. Die Türen schlossen und immer mehr Männer gingen in den Frauenwaggon statt davon weg. Sie haben die Frauen angestarrt, gelacht und Kommentare gemacht, als hätten sie sie zum ersten Mal gesehen. „Dreckskerle!“, schrie eine Frau von hinten im Waggon. 

Die Bloggerin fordert, es sollte nicht nur „nur für Frauen“ heißen, sondern auch in der Tat „nur für Frauen“ sein. „Keine Begründungen, keine Ausreden.“

Twitter-Nutzer Amith P. klagt:

Wenn ich sehe, wie manche Männer Frauen anstarren und wie schlecht sie sich benehmen, glaube ich nicht, dass Vergewaltigungen und Belästigungen in diesem Land jemals zurückgehen werden.

Inzwischen wurde ein Foto auf Twitter gepostet, das zeigt, wie Männer Frauenplätze besetzen, auch wenn eine Frau, die ein Kind in den Armen hält, daneben steht. Dieses Foto hat sich rasant im Internet verbreitet und schockierte viele Einwohner Delhis.

Diese zwei Herren haben sich mit der Frau mit Kind über den Sitzplatz, der mit „nur für Frauen“ markiert ist, gestritten.

Manche haben die Notwendigkeit der Frauenplätze hinterfragt. Prateeksha Pandey hat folgende Denkanstöße auf Facebook gepostet:

1. Why does a woman who is not pregnant/old/injured need a seat? just because she is a woman?
2. If the situation was such that the seat should and must have gone to the woman, why is the photographer clicking pictures?
3. Clicking a picture in Delhi metro is an offense.

1. Warum braucht eine Frau, die nicht schwanger/alt/verletzt ist, einen Sitzplatz? Nur weil sie eine Frau ist?
2. Wenn es tatsächlich so ist, dass die Frau den Sitzplatz hätte bekommen sollen/müssen, warum fotografiert man es, statt einzugreifen?
3. Ein Foto in der Metro Delhis zu machen ist verboten.

Einige wie Manal Bijoor haben den Beitrag so kommentiert:

It is a nice gesture, if a man gives up his seat to a lady/old person/ kid/handicapped or a woman giving her seat to old person/kids/handicapped. Its nothing to do with equality. Whenever i open the door or give away my seat, i always think about being selfless and sacrificing my own comfort so that someone else will get benefited from it.

Es ist eine nette Geste, wenn ein Mann seinen Sitzplatz einer Frau/älteren Person/einem Kind/Behinderten anbietet oder wenn eine Frau ihren Sitzplatz einer älteren Person/einem Kind/Behinderten anbietet. Es hat nichts mit Gleichberechtigung zu tun. Wenn ich eine Tür aufhalte oder meinen Sitzplatz aufgebe, denke ich immer daran, dass es eine selbstlose Geste ist, und dass andere, wenn ich meinen eigenen Komfort opfere, davon profitieren werden. 

In dem Blog „The Life and Times of an Indian Homemaker“ wird argumentiert, dass Frauenplätze und -waggons kein besonderer Luxus für Frauen sind, sondern das Warnzeichen für ein ernsthaftes, soziales Problem:

* Women’s use of public spaces is seen as a privilege, or even as an encroachment into men’s spaces.
* Until general/public spaces become safe enough for women, society and police to stop treating them as men’s spaces, women must have means to travel.

*Die Nutzung öffentlicher Räume durch Frauen wird als Privileg wahrgenommen oder sogar als ein Eingriff in Männerbereiche betrachtet.
*Bis es soweit ist, dass die Nutzung öffentlicher Räume für Frauen sicher ist, müssen die Gesellschaft und die Polizei aufhören, sich so zu verhalten, als wären sie ausschließlich für  Männer gedacht. Frauen brauchen die Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Cluelesschick kommentierte den oberen Beitrag:

I think more effort should be put into changing the mindset. Reservation is only a temporary fix. The more we reserve, the more we are feeding the idea that it is not OK for women to be in general spaces and they should be seen only in spaces ‘reserved’ for women.

Ich glaube, es sollen mehr Bemühungen gemacht werden, um die Denkweise zu verändern. Reservierte Frauenplätze sind nur eine kurzfristige Lösung. Je mehr Frauenplätze wir einrichten, desto mehr geben wir der Idee Aufwind, dass Frauen in öffentliche Räume nicht hingehören und sich nur an Orten aufhalten sollen, die speziell für sie gedacht sind.

Aktivistengruppen wie Please Mend The Gap beschäftigen sich mit der Forderung nach der Gleichstellung der Geschlechter in Delhis öffentlichen Räumen. Sie haben Flashmobs auf den Bahnsteigen der Metro organisiert. Teilnehmer haben dabei gelbe T-Shirts mit Sprüchen wie „Teilen, nicht anstarren“, „Echte Männer respektieren Frauen“ und „Frauen zu respektieren ist männlich“ getragen.

Diese Übersetzung wurde von Danielle Maybee im Rahmen ihres Studiums am FTSK Germersheim für das Projekt „Global Voices“ angefertigt.

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