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Russlands Rosenkrieg

Russlands Rosenkrieg. (Parodie des Films von 1989 mit Michael Douglas und Kathleen Turner.) Bildcollage des Autors.

Russlands Rosenkrieg. (Parodie des Films von 1989 mit Michael Douglas und Kathleen Turner.) Bildcollage des Autors.

In unmittelbarer Nähe des Kremls befindet sich der Alexandergarten, ein öffentlicher Park mit unzähligen Monumenten, die an den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland erinnern. Eines der Denkmäler ist eine Mauer mit Steinplatten, die den zwölf “Heldenstädten” des Krieges gewidmet sind. Vor der Besetzung der Krim durch Russland konnte die Ukraine drei Heldenstädte vorweisen. Heute, nach dem Verlust von Sewastopol, gibt es in der Ukraine nur noch zwei dieser Städte: Odessa und Kiew. Nach dem tödlichen Feuer in Odessa in der letzten Woche und monatelangen Spannungen zwischen Moskau und Kiew ist es keine Überraschung, dass das Denkmal der Heldenstädte zu einem wichtigen Austragungsort russischer Politik geworden ist. In den letzten Tagen haben zwei Gruppen im Alexandergarten ihre sehr unterschiedlichen Meinungen zum Ausdruck gebracht.

Und nebenbei bemerkt, dies ist Odessa!

Am 5. Mai 2014 versammelten sich [ru] mehr als siebentausend Menschen vor dem Kreml, um ihre Unterstützung für Odessa, Kramatorsk und Slowjansk zu zeigen und eine Gedenkminute für die Opfer einzulegen – angeblich Opfer der versagenden ukrainischen Regierung. Ein Duma-Abgeordneter der stärksten Partei des Landes, Einiges Russland, nahm an der Demonstration teil und dankte allen, die gekommen waren, um Russlands Streben nach dem Wohl der Ukrainer zu verdeutlichen. Die Menschen stellten Kerzen auf und überschütteten Odessas Steinplatte mit Rosen.

Die einzige Heldenstadt, deren Steinplatte im Alexandergarten nicht mit Blumen bedeckt wurde, ist Kiew.

Scheinbar brachte jedoch niemand Blumen für Kiew. Am Tag der Demonstration für Odessa twitterte der Fotograf Evgeny Feldman ein Bild der einzig blumenlosen Steinplatte im Alexandergarten. Die Revolutionsstätte Kiew, die erst vor kurzem eine moskaufreundliche Regierung abgesägt hat, wird offenbar nicht mehr als heldenhaft angesehen. Der Kreml wirft Kiew im Zusammenhang mit den unzähligen Toten beim Feuer von Odessa “kriminelle Verantwortungslosigkeit” [ru] vor, der Stadt ihre Rosen zu verweigern war da eine kraftvolle Anklage.

Eine Moskauerin legt Blumen an Kiews Heldenstadtdenkmal ab. 7. Mai 2014. Facebook.

Eine Moskauerin legt Blumen an Kiews Heldenstadtdenkmal ab. 7. Mai 2014, Facebook.

Nicht alle Moskauer wollten sich dieser Meinung anschließen. In den folgenden zwei Tagen wurde auch Kiews Heldenstadtdenkmal mit Blumen bedeckt. Dutzende Menschen brachten der vernachlässigten Stadt Rosen, als persönliche Geste und Antwort auf die vorangegangene Demonstration. Sie twitterten Bilder und erinnerten Internetnutzer daran, dass viele Russen nicht einfach die Geschichte umschreiben und alle Schuld auf der ukrainischen Regierung abladen wollen.

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