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re:publica 2014: Netzwerke sind der Schlüssel für Entwicklung und Menschenrechtsarbeit

Die re:publica berichtet aus dem Netz über das Netz und dient selbst der Vernetzung. Inwieweit Netze und Netzwerke eine Rolle für Entwicklung und Menschenrechtsarbeit spielen können, wird an vielen Veranstaltungen des ersten Tags der re:publica diskutiert.

Bereits in der Begrüßung zur re:publica 2014 erinnert [en] das Gründerteam Tanja Haeusler, Johnny Haeusler [en], Markus Beckedahl und Andreas Gebhard an diejenigen, die sich im  Netz nicht frei bewegen und ausdrücken können. Sie rufen dazu auf, eine Petition [en] zur Freilassung der Vietnamesin Tạ Phong Tần zu unterzeichnen. Sie erinnern auch an an die Aktivisten des Bloggerkollektivs Zone 9 aus Äthiopien, Bassel Khartabil aus Syrien und Edward Snowden.

Einbezug der Zivilgesellschaft für Entwicklung

Friedrich Kitschelt, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), stellt in einem Grußwort das “Global Innovation Gathering“ (GIG) vor, das auf der re:publica stattfinden wird. Es sei wichtig, alte Vorstellungen aufzubrechen und neue Ideen zu entwickeln. Kitschelt nennt in diesem Zusammenhang mit Good Governance einen klassischen Bereich der Entwicklungszusammenarbeit, zu dem Maßnahmen der guten Regierungsführung, Rechtsicherheit, Antikorruption und Demokratieförderung gehören. Dabei müsse die Zivilgesellschaft einbezogen und möglichst breit gefördert werden.

Im Laufe der Veranstaltungen des ersten Tages der re:publica werden hierzu konkrete Ansätze erarbeitet, die diese recht allgemein formulierte Vision mit Leben füllen können. Eine wesentliche Rolle kommt dabei den Netzwerken und der Vernetzung zu.

Netzwerk der Netzwerke

Auf dem Podium zum Thema “Menschenrechte weltweit verteidigen” diskutieren [Video auf Englisch] Sanjay Goel, Bianca Jagger und Felipe Altenfelder [alle en] anhand von Beispielprojekten über erfolgreiche Ansätze, Menschenrechtsarbeit zu leisten.

Sanjay Goel, Mitgründer von Oximity, stellt fest, dass sich Aktivisten und Organisationen zunehmend vernetzen und ein Netzwerk der Netzwerke entstehe, durch das Einzelpersonen zum erfolgreichen Aktivismus befähigt werden würden. Bianca Jagger, Trägerin des alternativen Nobelpreises, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Individuen die Welt verändern können, wenn sie zusammenarbeiten und sich Gehör verschaffen: “Wir brauchen einen jeden von euch, um einen Unterschied zu machen.”

Vernetzung zur Befähigung

Anja Wollenberg [en], die das Medienentwicklungsunternehmens MICT [en] mitgegründet hat, Kai Schächtele und Majid Albunni [en], Moderator des Radiosenders Baladna FM [ar], beschreiben anhand eines deutsch-syrischen Radioprojekts, wie Radiostationen ausgewählt und zu einem Netzwerk zusammengebracht werden. Dabei erleichtert die technische Innovation transportabler Mini-Übertragungsstationen der Designerin Katina Sostmann [en] den Menschen vor Ort, mit einem geringeren Risiko Radiostationen betreiben zu können. Innerhalb des Netzwerks mussten im MICT-Projekt zunächst Spannungen unter den syrischen Radiomachern abgebaut werden, bevor mithilfe der Vernetzung die Rundfunkmacher aus Syrien befähigt werden konnten, professionell als Radiojournalisten zu arbeiten.

MICT

Majid Albunni stellt seine Arbeit als Moderator bei Baladna FM vor. Foto von Anne Hemeda am 7. Mai 2014.

Risiko vernetzter Daten

In ihrem Workshop “Daten in internationaler Entwicklung” beschäftigen sich Zara Rahman [en] und Becky Kazansky [en] damit, dass auch die besten Intentionen den Weg für Überwachung ebnen können. Vernetzung im Sinne eines unkontrollierten Zusammenbringens möglichst vieler Daten stelle ein großes Risiko dar. Gerade im Zusammenhang mit internationaler Zusammenarbeit sei die Erhebung biometrischer Daten und anderer sensibler Informationen problematisch. Vernetzung von Daten und Informationen, wie es zum Beispiel beim Crowdmapping [kollektiv von Nutzern sozialer Medien erhobene Daten, die in einer Karte verortet werden] üblich ist, seien dann riskant, wenn Rückschlüsse auf Individuen möglich seien.

Zara Rahman und Becky Kazansky raten daher zu einem durchdachten Umgang mit Technologie in Entwicklungsprojekten und einer Ausbildung der Mitarbeiter humanitärer Organisationen zu digitaler Sicherheit und professioneller und respektvoller Datenerhebung.

Einschränkungen des Onlinejournalismus

In der Podiumsdiskussion zur Lage der Medienfreiheit, an der Solana Larsen, Erol Önderoglu, Andrei Soldatov und Sally Broughton Micova [alle en] teilnahmen, werden die Grenzen aufgezeigt, die jedem Aktivismus, jedem Individuum, jeder Organisation und jeder Vernetzung durch die Gesetzgebung einer Regierung gezogen werden können oder durch Akteure an wesentlichen Schnittstellen, wie beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, von denen im Zweifelsfall der Zugang zu digitalen Medien abhängen kann.

Vernetzung für Kampagnenarbeit

Mit der #FreeBassel-Kampagne wird nicht nur eine praktische Umsetzung eines Netzwerks für Kampagnenarbeit aufgezeigt. Niki Korth und Stephen LaPorte heben hervor, dass Bassel Khartabil ein Vertreter einer offenen Gesellschaft ist und damit Verfechter einer liberalen Philosophie, die vielen Menschenrechtsaktivisten und Entwicklungsprojekten, die auf soziale Medien zurückgreifen, zugrunde liegt.

Damit schließt sich auf zweierlei Weise am Nachmittag des ersten Tages der re:publica der Kreis: Die Geschichte Bassel Khartabils dient als Beispiel, wie Menschenrechtsarbeit und Entwicklungsprojekte über soziale Medien Einschränkungen und Risiken unterliegen und wie Netzwerke zum einen die Arbeit Bassel Khartabils ausmachen und zum anderen jetzt wesentlicher Bestandteil der Kampagne zu seiner Freilassung sind.

Die Vortragenden gehen aber noch weiter und bitten das Publikum, von sich und ihren Netzwerken zu berichten und die Anwesenden kommen in Kontakt. Und so wird das Netzwerk der Netzwerke, von dem Sanjay Goel zu Beginn des Tages erzählt hatte, vor Ort auf der re:publica geknüpft.

Zum Nachlesen des ersten Tages der re:publica gibt es einen Reader.

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