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Mach's gut, Herr Durow, und danke für den Fisch!

Pavel Durov, ousted from Vkontakte, for good. Images mixed by author.

Pawel Durow, aus VKontakte herausgedrängt, auf immer. Fotomontage des Autors.

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders gekennzeichnet, zu russischsprachigen Webseiten.

Nach mehr als einem Jahr voller Gerüchte haben die Gesellschafter von Russlands größtem sozialen Netzwerk, VKontakte [VK], den Gründer und Geschäftsführer Pawel Durow endgültig gefeuert. Es passte zu der langen Reihe von Merkwürdigkeiten in der internen Geschäftspolitik von VK, als das Unternehmen heute das Dienstverhältnis mit seinem Urheber auf eher technokratische Weise beendete. Die Begründung lautete nämlich, Durow habe sein Rücktrittschreiben vom 21. März 2014 [das nach Ablauf eines Monats wirksam werden sollte] nicht zurückgenommen. Zumindest gegenüber der Öffentlichkeit nahm Durow seine Entscheidung, VK zu verlassen, zurück, als er sagte, dass es zum einen ein Aprilscherz und zum anderen ein taktisches Manöver war, um zu sehen, wie seine Widersacher reagierten. 

VKontakte vertritt jetzt den Standpunkt, Durow habe seinen Rücktritt zu keinem Zeitpunkt formell zurückgenommen. Der kommissarische Leiter Dmitri Sergeew (ein Mann, der Durow noch im März gegen die Anschuldigung verteidigte, er würde finanzielle Mittel des Unternehmens zweckentfremden) teilte der Presse heute mit, dass ein Monat vergangen ist, seitdem Durow den Aufsichtsrat von VK über seine Absicht, zurückzutreten, informierte. Damit sei sein Rücktritt wirksam geworden.

Während des letzten Jahres hat es mehrere Anlässe gegeben, bei denen Durows Sturz beschlossene Sache zu sein schien. Jedesmal war es dem jetzt 29-jährigen technikverliebten Einzelgänger irgendwie gelungen, seinen Job zu behalten. Mit der gebotenen Vorsicht können wir bekannt geben: Es scheint so zu sein, dass Durow nunmehr endgültig am Ende seines Lateins angekommen ist. In der letzten Woche, möglicherweise im Vorgriff auf die heutigen Neuigkeiten, enthüllte er, dass die russische Regierung auf VKontakte Druck ausgeübt hat, um persönliche Daten von prowestlichen ukrainischen Aktivisten zu erhalten, die bei VK als Community organisiert sind. Außerdem sei von VK verlangt worden, Alexej Nawalnys Antikorruptions-Gruppe zu schließen. Bei beiden Gelegenheiten, so Durow, teilte er den obersten Behörden mit, dass ihre Bemühungen umsonst seien. Heute hat Russlands Establishment jedoch auf seine eigene Art geantwortet.

In einer heute auf seiner VKontakte-Seite veröffentlichten Stellungnahme missbilligte Durow die Entscheidung “seinen Rücktritt zu akzeptieren”. Er sagte, das Unternehmen sei jetzt unter der Kontrolle von Alisher Usmanow, dem Eigentümer der Mail.ru-Gruppe (VKs Mehrheitsgesellschafter), und Igor Sechin, der Gerüchten zufolge mit der UCP verbunden ist (VKs Minderheitsgesellschafter). Seltsamerweise vermeidet es Durow, Ilja Sherbowich, Präsident von UCP, auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Er überspringt dessen Namen und kommt direkt auf den Machtmenschen Sechin zu sprechen, der den alten Seilschaften [de] [aus Armee und Geheimdiensten] zugerechnet wird und angeblich so etwas wie ein Pate des Unternehmens sei.

Es folgt eine vollständige Übersetzung der Stellungnahme, die Durow am 21. April 2014 abgegeben hat:

Судя по новостям, в результате моего публичного отказа на прошлой неделе, сегодня меня уволили с должности генерального директора ВКонтакте. Интересно, что у акционеров не хватило смелости сделать это прямо, и о своем загадочном увольнении я узнаю из прессы.

Как сообщается, совет директоров ВКонтакте сегодня *внезапно* обнаружил, что отзыв моего заявления об уходе с поста генерального директора 3 апреля (который они до этого публично приняли), оказался оформлен “не по всем правилам”, поэтому я автоматически освобождаюсь от должности. Насколько я понимаю, эта непрозрачная позиция является общей для всех акционеров.

Таким образом, сегодня ВКонтакте переходит под полный контроль Игоря Сечина и Алишера Усманова. Наверное, в российских условиях нечто подобное было неизбежно, но я рад, что мы продержались 7 с половиной лет. Мы многое успели. И часть того, что было сделано, уже не обратить вспять.

Der Presse nach zu urteilen hat man mich heute als Generaldirektor von VKontakte gefeuert, weil ich mich in der vergangenen Woche weigerte [mit dem Kreml zusammenzuarbeiten]. Bezeichnenderweise hatten die Gesellschafter nicht die nötige Zivilcourage, mir das ins Gesicht zu sagen. Von meiner Abberufung habe ich aus der Zeitung erfahren. 

Es ist berichtet worden, dass der Aufsichtsrat von VK *urplötzlich* festlegte, dass die Rücknahme meines Rücktrittschreibens (an dem sie bislang öffentlich nichts auszusetzen hatten) in einer Form erfolgt sei, die “nicht in vollem Umfang den Regeln entsprach”. Allein deshalb sei ich automatisch meines Amtes enthoben worden. Soweit ich das beurteilen kann, wird diese undurchsichtige Haltung von allen Gesellschaftern geteilt.

Im Endeffekt wird VKontakte ab heute vollständig von Igor Sechin und Alisher Usmanow kontrolliert. Angesichts all der Begleiterscheinungen in Russland war das Ganze höchstwahrscheinlich von vornherein nicht zu vermeiden. Trotz allem bin ich froh, dass wir siebeneinhalb Jahre durchhielten. Wir haben viel erreicht. Einiges davon ist unumkehrbar. 

[Der Titel dieses Berichts ist eine Anspielung auf die Romanserie “Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams. Im ersten dieser Romane hinterlassen die Delphine die von den Menschen fehlinterpretierte Nachricht „Macht's gut und danke für den Fisch“, als sie von der Erde fortziehen, kurz bevor sie von den Vogonen zerstört wird, um einer Hyperraum-Umgehungsstraße Platz zu machen. Seitdem wird die Redewendung von Science-Fiction-Fans als humorvolle Variante verwendet, um sich zu verabschieden.]

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