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Trinidad & Tobagos digitale Spaltung erforscht (Teil 2)

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders gekennzeichnet, zu englischsprachigen Webseiten.

Global Voices sprach mit Kenfield Griffith, Co-Gründer und Geschäftsführer von mSurvey, einem Unternehmen, das kürzlich im Auftrag der Telekommunikationsbehörde von Trinidad und Tobago (TATT) eine landesweite Befragung [de] per Mobiltelefon durchgeführt hat, um das Ausmaß der digitalen Spaltung des Landes zu untersuchen. 

Kenfield Griffith, co-founder and CEO of mSurvey; photo used with permission.

Kenfield Griffith, Co-Gründer und Geschäftsführer von mSurvey. Die Veröffentlichung des Fotos erfolgt mit seiner freundlichen Genehmigung.

Kenfield erhielt seinen Ph.D [Doktorgrad] für rechnergestützte Baukonstruktion im Fachbereich Engineering Systems des MIT. Er hat sich aber auch dafür interessiert, wie Informationen, verbunden mit geeigneten Technologien, bei schwer erreichbaren sozialen Gruppierungen den Zugang zu Ressourcen [Bildung, Gesundheit, Teilhabe am gesellschaftlichen Wandel] verbessern. Bei seinen Forschungsarbeiten in Kenia [de] setzte er computergesteuerte und computerunterstützte Programme zur automatisierten Konstruktion im sozialen Wohnungsbau von Schwellenländern ein. Dabei gelang es ihm nicht, aktuelles Datenmaterial zu beschaffen. Häufig musste er auf herkömmliche Mittel wie Papier und Bleistift zurückgreifen, um Befragungen durchzuführen. Er wusste, dass er für seine Forschungsarbeit riesige Datenmengen brauchen würde. Deshalb entwickelte Kenfield eine einfache, technisch “primitive” Technologie, die auf Mobiltelefonen basiert und die es Angehörigen bestimmter Bevölkerungsgruppen möglich macht, ein direktes Feedback zu geben. Mit einem Bruchteil von Zeit und Kosten hat er es geschafft, seine Umfrage abzuschließen und die gesammelten Daten in Echtzeit aufzuzeichnen, damit sie für Analysezwecke unmittelbar weiterverwendet werden konnten. Diese Grundidee war der Anstoß für mSurvey. 

Global Voices (GV): Wie kam es zu der Entscheidung, mit mSurvey in die Karibik zu gehen? Welche Art von regionalem Geschäftspotenzial wurde dabei erwartet? 

Kenfield Griffith (KG): 2011 hatte mSurvey zum ersten Mal seine Fühler in die Karibik ausgestreckt, mit einem Projekt namens mFisheries. Dabei arbeitete mSurvey mit dem Fachbereich Computerwissenschaften und Informatik der Universität der West Indies [Westindische Inselgruppe, Karibik] zusammen. Es ging um die Entwicklung eines Pakets mobiler Anwendungen für Menschen, die irgendwie mit der Fischereiindustrie zu tun haben (vom Fischer bis zum Konsumenten). Die Region gilt traditionell als eine der weniger entwickelten in der Welt. Da ich enge familiäre Bindungen in die Region habe (ursprünglich stamme ich aus Montserrat [de], mein Vater aus Barbados [de]) war es für mich eine Herzensangelegenheit, dort – gleichsam als Botschafter des Wandels und der Entwicklung – die nötigen technologischen Mittel bereitzustellen.

(GV): Die Umfrage zur digitalen Spaltung hatte vier Hauptziele:

  • Herauszufinden, welche Bevölkerungsgruppen unterversorgt sind.
  • Festzustellen,  wo  T&T  [Trinidad & Tobago] im Vergleich zu anderen Ländern in der Informations- und Kommunikationstechnologie steht.
  • Für Menschen mit Behinderung zu bestimmen, welche Bedürfnisse sie bei der Telekommunikation haben.
  • Zu ermitteln, wie hoch der Anteil von Menschen mit Behinderung ist, die sich elektronische Hilfsmittel finanziell leisten können.

Wir möchten gerne jeden dieser Punkte ansprechen. Vor allem, welche Landesteile haben keinen Internetzugang und wie ist dort die Situation von Menschen mit Behinderung? Was plant TATT, um deren Lage zu verbessern?

KG: Was den Zugang zur digitalen Welt angeht, liegt Tobago [die kleinere der beiden Inseln, welche die Zwei-Insel-Republik bilden] innerhalb der regionalen Indizes hinter Trinidad. Insbesondere die Gemeinden St. Mary, St. John und St. Paul gelten hinsichtlich ihres Zugangs als rückständig. Die Gründe liegen in einer schwachen Infrastruktur. Pro 100 Einwohner gibt es nur eine relativ niedrige Anzahl von Festnetzanschlüssen.

Drei Regionen (Penal/Debe, St. John und St. Mary) [im Süden von Trinidad und in Tobago] haben im Unterschied zu allen anderen Regionen beim Teilindex für die Nutzung [des Zugangs] einen Wert von unter 0,9. Für die Nutzung gibt es nur einen einzigen Indikator, die Anzahl der Internetnutzer pro 100 Einwohner. Ein niedriger Wert für diesen Teilindex bedeutet, dass die Anzahl der Internetnutzer in diesen Regionen verhältnismäßig niedrig ist. Als Maßstab dient der Idealwert in Höhe von 85 Prozent. 

Südkorea [de], das nach eigenen Angaben führende Land bei der Überbrückung der digitalen Kluft, hat mithilfe seiner Fördergesellschaft für digitale Chancen (KADO) verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um den Internetzugang sowie dessen Nutzung zu fördern. Bei den Anstrengungen, auch die Menschen in den abgelegenen Regionen zu erreichen, arbeitet KADO mit den Regionalregierungen sowie mit Bürgerinitiativen zusammen. Ergänzend bietet KADO vor Ort in den Privathaushalten Unterweisungen zur Computer- und Internetnutzung an. Zusammen mit Verbesserungen der Internetinfrastruktur sollte dieser Ansatz geprüft und in Trinidad und Tobago angewendet werden, damit die Nutzung der Zugänge steigt und die digitale Spaltung endgültig überwunden werden kann.

Regionen wie St. Paul and St. John haben eine schwache Infrastruktur und hinken mit ihren digitalen Möglichkeiten dem Rest des Landes hinterher. Der genannte Index [DOI] hat nicht-konstante Indikatoren, wie die Anzahl der Internetnutzer pro 100 Einwohnern, Anteil der Haushalte mit einem Festnetzanschluss sowie dem Anteil der Haushalte mit einem Computer. In vielen Regionen außerhalb von St. John und St. Paul ist die Infrastruktur [der Möglichkeiten] besser als im Landesdurchschnitt (2007: 0,39). Dieser Index zeigt ein ziemlich hohes Ungleichgewicht zwischen den schwachen und den leistungsstarken Regionen. Die [Haupt-] Stadt Port of Spain [de] hat einen DOI [Index der digitalen Möglilchkeiten] von 0,7748. Dieser Wert ist teilweise auf eine gute Infrastruktur zurückzuführen, die einen Indexwert von 0,6816 aufweist. Um allgemein über eine Infrastruktur zu verfügen, die mit der von Port of Spain vergleichbar ist, sind aber noch einige staatlich Eingriffe nötig.  

GV: Wie ist der Technologiestatus von T&T, wenn man ihn mit anderen karibischen Ländern sowie mit Industrienationen vergleicht? Welche Faktoren fließen in die Betrachtung der weltweit anerkannten Benchmarks mit ein und warum?

KG: mSurvey zieht verschiedene Faktoren heran, um die digitale Spaltung zu messen. Dazu gehören die Standards der ITU [de] [Internationale Fernmeldeunion], Sekundärdaten von anderen Inseln der Region und von Ländern, die bezüglich ihres digitalen Zugangs als Schwellenländer gelten. Wie bereits gesagt, hat Trinidad und Tobago, verglichen mit anderen Gebieten der Karibik, zwar eine sehr hohe Durchdringung mit Mobiltelefonen. Aber das Land hat in der Fläche eher eine niedrigere Abdeckung mit mobilen Internetzugängen (Wi-Fi) als man es in anderen Regionen feststellt. Zur Vergleichsgruppe gehörten Estland, Kenia, Ghana, Barbados und die USA [jeweils de], die allesamt Einblick gewährt haben in ihre erfolgreichen Bemühungen um ein Schrumpfen der digitalen Kluft.

GV: Es ermutigt, dass die TATT sich auf die technologischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung fokussieren will. Weiß man, warum sie ihr Hauptaugenmerk darauf richtet und wie die Pläne der Behörde aussehen, um elektronische Hilfsmittel und unterstützende Dienstleistungen zu verbessern? Ist dies ein entscheidender Schritt, der die Art und Weise verändern wird, wie wir in unserer Gesellschaft mit Menschen umgehen, die eine Behinderung haben? 

KG: Auch wir finden es sehr lobenswert, dass die TATT sich entschieden hat, Fragen in die Untersuchung einzubeziehen, die (Haushalte mit) Menschen mit Behinderung betreffen. Die TATT will Anhaltspunkte dafür gewinnen, wie hoch das Bedarfsniveau für Dienstleistungen im Bereich ICT [Informations- und Kommunikationstechnologien] für diese Bevölkerungsgruppe ist. Eine der Herausforderungen beim Sammeln von Daten über die Anzahl von Menschen mit Behinderung besteht darin, eindeutig zu definieren beziehungsweise in gewisser Weise zu identifizieren, was eine Behinderung ist. Ein Beispiel: Eine ältere Person mit verminderter Sehfähigkeit wird von der eigenen Familie nicht als behindert betrachtet, obwohl sie möglicherweise so gut wie blind ist. Wir haben uns an das Konsortium der Behindertenorganisationen (CODO) gewendet, um Anhaltspunkte für Definitionen zu bekommen. Außerdem erfuhren wir dort, welche Informationen zur Bestimmung des Bedarfs von Menschen mit Behinderung auf dem Gebiet der ICT in Trinidad und Tobago zweckdienlich wären. Die Umfrage unter Menschen mit Behinderung umfasste acht behutsame Fragen zur Natur der Behinderung der befragten Person, über ihre Zugehörigkeit zu örtlichen Behindertenorganisationen, ob die befragte Person für ihren Zugang zu ICT gegenwärtig spezielle technische Ausrüstungen nutzt/braucht und aus welchen Quellen sie finanzielle Unterstützung erhält. 

Wir haben 1197 Haushalte, in denen Personen mit Behinderung leben, erfasst und insgesamt 1329 Menschen mit Behinderung befragt. Die Region San Juan [de] gab die höchste Anzahl von Personen mit Behinderung an. Das überrascht nicht, weil diese Region auch eine hohe Dichte an Organisationen hat, die behinderte Menschen mit Lebensmitteln versorgt.

GV: Welche Bedeutung haben der Index Digitale Möglichkeiten (DOI), der Index Digitaler Zugang (DAI) und der ICT Entwicklungsindex (IDI) und warum sind diese Indizes für eine derartige Befragung wichtig?

KG: DAI, DOI, und IDI sind grundlegende Indizes für die DDS [Umfrage zur digitalen Spaltung]. Der DOI misst als Verbundindex “digitale Möglichkeiten” oder die Möglichkeiten der Bürger eines bestimmten Landes, von einem Zugang zu Informationen zu profitieren. Dieser Zugang ist idealerweise universell, überall verfügbar, für alle gleich und finanziell erschwinglich. Der DOI berücksichtigt neue und innovative Technologien, wie mobiles Internet [de] und Breitband [de]. Er kann [deshalb] dafür verwendet werden, das Wachstum und die Akzeptanz neuer ICT zu beurteilen [und] und wird auch in der vor uns liegenden Zeit seine Relevanz behalten. Dies ganz im Unterschied zu herkömmlichen Indikatoren (beispielsweise Anzahl der Festnetzanschlüsse), die künftig weniger wichtig sein werden für Entwicklungsländer, in denen mobile Telefonnetze ausgebaut werden für ein fortgeschrittenes drahtloses Kommunizieren sowie für eigene technologische “Bocksprünge”.

Der DOI misst auch die Verbreitung der ICT in Privathaushalten sowie unter Einzelpersonen, jeweils im Verhältnis zu einer Besitzquote in Höhe von 100 Prozent. Er beschreibt im Zeitablauf das Wachstum der ICT-Entwicklung des Landes. [Dieser Index] basiert auf elf Indikatoren, die in drei Cluster gruppiert sind:

Möglichkeit — misst den Mindestzugang und die finanzielle Erschwinglichkeit zur Teilhabe an der Informationsgesellschaft. Indikatoren sind die mobile Netzabdeckung, die Preise für Internetzugänge und die Preise für Mobilfunkverbindungen.
Infrastruktur — enthält Maßzahlen unterschiedlicher Netze (Festnetz, Mobilfunkteilnehmer und Haushalte mit Internetanschluss) sowie für die Hardware (Haushalte mit einem Computer und mit mobilem Internet).
Nutzung — evaluiert die ICT-Nutzung unter Internetanschlussinhabern und Inhabern von Breitbandanschlüssen (Festnetz und mobil).

Der Index Digitaler Zugang reflektiert die Fähigkeit der Bevölkerung eines Landes, an den Vorteilen der Internetkommunikation zu partizipieren. Dieser Index folgt der gleichen Methodik wie der DOI: Acht Indikatoren [gruppiert] in fünf Kategorien – Infrastruktur, Erschwinglichkeit, Kenntnisse, Qualität und Nutzung.

Der IDI Entwicklungsindex ist ein Werkzeug zum Benchmarking [de] [vergleichende Analyse mit festgelegtem Bezugswert] und zum Nachverfolgen des Fortschritts, den verschiedene Regionen eines Landes auf dem Weg in die Informationsgesellschaft machen. Er wird an die Besonderheiten des jeweiligen Landes angepasst und mit anderen Ländern vergleichbar gemacht, die einen entsprechenden Entwicklungsstand und so weiter haben. Der IDI ist ein Verbundindex, bestehend aus elf Indikatoren, die den Zugang zu ICT, Nutzung und Fertigkeiten im Umgang abdecken.

Infographic from the 2013 report about the  Digital Divide in Trinidad and Tobago; courtesy mSurvey, used with permission.

Infografik aus dem Bericht 2013 über die digitale Spaltung in Trinidad und Tobago. Mit freundlicher Genehmigung von mSurvey veröffentlicht.

GV: Was waren die größten Herausforderungen bei der Umfrage?

KG: Na ja, mit der Befragung zur digitalen Spaltung, die erste landesweite Umfrage per Mobiltelefon in Trinidad und Tobago, mussten wir unsere Plattform mit den regional aktiven Telekomunternehmen verbinden – bmobile and Digicel – und in jedem neuen Markt, den wir erschließen, zählt das zu den größten Herausforderungen.
Wenn das geschafft ist, kommt die nächste Hürde, wir müssen das Vertrauen der Teilnehmer gewinnen. Bei mobilen Befragungen… das ist in diesem [lokalen] Markt etwas völlig Neues, gibt es selbstverständlich so etwas wie Skepsis bis hin zur Paranoia: Wer stellt mir solche Fragen und vor allem: Warum? Werden die Teilnehmer der Umfrage wirklich nicht mit Gebühren belastet, wenn sie ihre Antworten per SMS versenden? Bekommen die Teilnehmer tatsächlich zehn Dollar Gesprächsguthaben, sobald sie alle Fragen beantwortet haben? 

GV: In aller Kürze, was hat die Umfrage zu Tage gefördert?  Welche Maßnahmen kann die Behörde zur Überwindung der digitalen Kluft in T&T ergreifen? Und welche Faktoren fördern aus Sicht der Öffentlichkeit eine Angleichung? Mit anderen Worten: Alle Werkzeuge bringen nichts, wenn man nicht mit ihnen umzugehen weiß. Hat man in der Bevölkerung genug technisch versierte Menschen gefunden, die ausreichend gebildet sind und weitgehend dazu in der Lage wären, die Technologien zu nutzen, wenn sie verfügbar gemacht werden?

KG: Viele (fünf der sieben) Regionen in Tobago (nämlich St. Paul, St. Mary, St. John, St. George, and St. Andrew) liegen bei allen Indizes unter dem Landesdurchschnitt und zwei Regionen in Trinidad ebenso (Mayaro/Rio Claro und Sangre Grande [de]).

Trinidad und Tobago haben durchaus beeindruckende Werte für die Indizes, deren Metriken von der internationalen Fernmeldeunion bereitgestellt werden. Der Blick wurde besonders auf die Definition von “Zugang” gerichtet, [dies ist] einigermaßen gut… mit Zugehörigkeiten und Handlungen als Bestimmungsgründe für ein Schrumpfen der digitalen Kluft beschrieben. Die Weiterentwicklung der Analyse des Zugangs verdient große Aufmerksamkeit. Dabei geht es weniger um den physischen Zugang zur Technologie, sondern vielmehr um den Zugang zu Dienstleistungen, die zu einer verbesserten Nutzung, Effizienz und Wertschöpfung führen. Außerdem verdienen Metriken Beachtung, deren Definition von Zugang auch Nutzungskriterien einschließt. Unsere Empfehlungen gehen dahin, Folgefragen zu entwickeln, die darauf abzielen, wie Menschen mit einem Zugang die neue Technologie nutzen. Es soll abgeschätzt werden können, welche Arten von Dienstleistungen sie brauchen, um die bereitgestellten Technologien häufiger zu nutzen und im Umgang mit ihnen vertrauter zu werden. 

Betrachten wir eine vergleichende Analyse zwischen Trinidad und Tobago und anderen Ländern. Die Länder [der Vergleichsgruppe] haben einen Wandel vollzogen, indem sie technologische Zugänge als Hebel zur Einführung ergänzender Dienstleistungen betrachten und nicht nur als physische Geräte. Diese zusätzlichen Serviceleistungen sind zwar nicht die einzige Verpflichtung der Regierung oder der Regulierungsbehörden. Aber sie können als technologischer Ansporn betrachtet werden für junge, eifrige Unternehmer, die zum Nutzen der Bevölkerung von Trinidad und Tobago neue Lösungen entwerfen. 

Bildungskompetenz ist nicht gleichbedeutend mit der Fähigkeit zur Nutzung einer bestimmten Technologie. Deshalb sollte man überdenken, ob sie als Indikator für technologische Fähigkeiten geeignet ist. Wie die Indizes gezeigt haben, ist die Bereitstellung einer Technologie kein hinreichender Grund für ihre Nutzung durch jeden Einzelnen. Die weite Verbreitung von Mobiltelefonen ist ebenso in Betracht zu ziehen. Andere Indikatoren bieten bessere Anhaltspunkte und können für Folgefragen herangezogen werden, um die Technologiekompetenz Einzelner zu bestimmen, beispielsweise

  • der Besitz eines Email-Kontos,
  • die Häufigkeit der Email-Nutzung,
  • der Zugang zu Suchmaschinen wie Google,
  • die Möglichkeit, elektronischen Nachrichten Medien anzufügen (Bilder, Videos, Musik),
  • die Nutzung von VoIP [Internet-Telefonie] wie Skype.

Durch systematische Beschreibung der in der Feldforschung mithilfe von Volkszählern gewonnenen Erkenntnisse sowie durch die Auswertung von Antworten einiger Nutzer, die an der Befragung zur digitalen Spaltung in Trinidad und Tobago teilnahmen, haben wir geschlossen, dass nicht wenige Menschen Schwierigkeiten mit der einen oder anderen technologischen Anwendung hatten. Dies deutet auf eine noch ungenügende Vertrautheit mit den technischen Möglichkeiten von Mobiltelefonen hin, soweit sie über das reine Telefonieren hinausgehen. Wir folgern, dass neue Wege der mobilen Kommunikation für mehr Vertrautheit sorgen würden. Außerdem könnten sie eine stärkere Nutzung der Technologie für andere Anwendungen als das Telefonieren bewirken. Jedenfalls wird dies alles dazu beitragen, die digitale Spaltung zu mildern. Mobiltelefone können mehr als nur Stimmen zu übertragen. Deshalb sollten sie dafür eingesetzt werden, aus “Gesprächsteilnehmern” “Nutzer” zu machen. 

Wir sind davon überzeugt, dass Trinidad und Tobago eine gute Ausgangsposition hat, um die globale Technologielandschaft als Vorreiter zu prägen. Die hohe Rate der Durchdringung mit Mobiltelefonen von 140 Prozent betrachten wir als einen wichtigen Hebel, um zusätzliche Dienstleistungen anzubieten, die zu höherer Effizienz, Wertschöpfung und Nutzung im Markt führen. Trinidad und Tobago kann dank der weit verbreiteten Mobiltelefone flächendeckend Internetlösungen anbieten. Ohne konstruktive und kreative Vorschläge zur Überwindung der engen Grenzen herkömmlicher Kommunikationsprozesse, können technologische Lösungen für den Zugang und die Nutzung aber zu einer echten Herausforderung werden. Unternehmer haben Konzepte für Geschäftsmodelle, die einige der Probleme hinsichtlich Konnektivität und Zugang in Trinidad und Tobago lösen würden, sofern man eine entsprechende Unternehmenskultur unterstützen und Anreize für Technologiebegeisterung schaffen würde. Einige der in Aussicht gestellten Dienstleistungen würden es möglich machen, Personalausweise online zu verlängern, sich für neue Serviceangebote per Mobiltelefon anzumelden und sogar die eigenen Aktivitäten im Karneval mit dem Mobiltelefon zu koordinieren. Im Hinblick auf unsere lokalen Ressourcen können wir also durchaus mithalten. In Trinidad und Tobago gibt es viele Ansatzpunkte, um die Nutzung neuer Technologien zu verbessern und zu einem kontinuierlichen Schrumpfen der digitalen Kluft beizutragen.

Es gibt Chancen auf Lösungen, die problemlos Teil eines neuen Lebensstils [des Landes] werden können, [zum Beispiel:] Triniberry gibt Trinidadern Informationen zu Kinovorstellungen, mFisheries gewährt Fischern mithilfe des Mobiltelefons die Möglichkeit des Kaufens und Verkaufens von Fisch. [Daneben gibt es] andere wertvolle Anwendungen, wie beispielsweise das Erfassen von Verbrechen und Rettungsdienste. Diese Serviceleistungen erfordern keine physische Verbindung (mit unerschwinglichen Kosten für die Dienstanbieter) mit dem Internet, sondern eine Lösung, die den Nutzer motiviert, mit seinem Mobiltelefon ins Internet zu gehen. Die Universität der West Indies hat Forschungen über drahtlose Technologien durchgeführt, die eine nützliche Ausgangsbasis zur Schaffung weiterer drahtloser Zugänge und Anwendungen in ganz Trinidad und Tobago sein können. Ein Beispiel ist der Long Term Evolution-Mobilfunkstandard [de] für besonders schnelle Datenübertragungen durch Mobiltelefone.

Die [durch die Befragung gesammelten] Daten [versetzen] die TATT dazu in die Lage, Bevölkerungsgruppen und Regionen zu erkennen, die in besonderem Maße von technologischen Verbesserungen profitieren würden. Sobald diese Maßnahmen in einem kleinen und gut zu handhabenden Rahmen entwickelt und für die allgemeine Nutzung getestet worden sind, wird die TATT [besser dazu fähig sein] schnell und sicher mithilfe der in diesem Bericht definierten Methodik Auswahlprozesse zu durchlaufen. Dadurch wird erkennbar was funktioniert und was nicht, bevor es in allen Regionen eingeführt wird. 

GV: Welchen Einfluss wird diese Befragung darauf haben, dass die digitale Kluft tatsächlich schrumpft? Wo wird T&T in fünf Jahren stehen?

KG: Die Ergebnisse dieser Untersuchung sollen eine Richtschnur für die Politik und eine Grundlage für Investitionsentscheidungen der TATT sein, um ICT-Dienstleistungen und digitale Zugänge überall [im Land] zu verbessern. Entscheidend ist jedoch, sich nicht nur auf die Erkenntnisse einer einzigen Umfrage zu verlassen, sondern diese oder ähnliche Befragungen regelmäßig durchzuführen, damit die Fortschritte und die Wirkungen der staatlichen Eingriffe zur Schließung der digitalen Kluft sichtbar werden.

GV: Welche Rolle wird mSurvey beim digitalen Wandel in der gesamten Region spielen? Welche Vision hat das Unternehmen?

KG: In der Region steht der digitale Wandel noch ganz am Anfang. Es gibt zwar viele Unternehmerpersönlichkeiten und brillante Köpfe, die Innovationen zur Verbesserung der Lebensgrundlagen liefern können. Aber diese Entwickler haben es nicht leicht. Sie müssen stets im Auge behalten, ihre Innovationen marktfähig zu machen und für Akzeptanz bei den Endkunden zu werben. mSurvey sieht sich in der Rolle desjenigen, der Marktforschung, Kundenfeedback, Evaluierung und Monitoring im Laufe der Zeit erleichtert. All dies sind unverzichtbare Aktivitäten auf unserer gemeinsamen Reise von einer bloßen Idee bis zur Schaffung einer neuen Technologie, die sich erfolgreich verbreitet und vom Markt angenommen wird. Zu diesem Zweck ist mSurvey im Geschäft und hilft auf die Sprünge, um auf entscheidende Fragen wichtige Antworten zu bekommen.

Im Teil 1 dieses Beitrags spricht Global Voices mit Kristal Peters, Direktorin für Unternehmensentwicklung und Strategie bei mSurvey über die Umfrage und wie es zu bewerkstelligen ist, möglichst vielen Menschen im Land den Weg in die virtuelle Welt zu ebnen.

Die Veröffentlichung der in diesem Beitrag verwendeten Abbildung erfolgte mit freundlicher Genehmigung von mSurvey.

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