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Foto: Riesiges Kunstobjekt in Pakistan nimmt amerikanische Drohnenpiloten ins Visier

From the campaign's website. Photo meant for press use.

Luftaufnahme des Posters. Von der Webseite der Kampagne #NotABugSplat. Foto frei für die Presse.

Gemeinsam mit Ortsansässigen hat das Künstlerkollektiv einer Anti-Drohnen-Kampagne in den Feldern der Provinz Khyber Pakhtunkhwa das riesige Poster [en] einer Überlebenden eines Drohnenangriffs angebracht. Diese Region im Nordwesten Pakistans ist Heimat verschiedener Stämme und hier treiben sich seit 2004 US-amerikanische Drohnen vom Typ “Predator” in der Luft rum.

Ziel der Installation ist es, den zivilen Opfern der Drohnenangriffe durch die USA ein menschliches Gesicht zu geben. Laut der britischen Journalisten-Initiative Bureau of Investigative Journalism [en] haben seit 2004 mehr als 380 Drohnen [en] Pakistan angegriffen und dabei mindestens 3.500 Menschen getötet, unter ihnen 200 Kinder.

Die Drohnenkampagne der USA bezweckt, Stützpunkte der Taliban in Pakistan zu vernichten. Die frühere Regierung Pakistans hat die Drohnenangriffe der USA in der Öffentlichkeit zwar verurteilt, aber WikiLeaks enthüllte, dass sie vertraulicherweise die Anschläge bewilligte [en]. Im Mai 2013 entschied ein pakistanisches Gericht, die Drohnenangriffe der CIA auf Pakistan seien illegal [en].

Das oben gezeigte Bild wurde auf Twitter mit dem Hashtag #NotABugSplat [Kein Fliegenklatsch] geteilt, was der Name der Kampagne ist. Auf ihrer Webseite [en] heißt es dazu erklärend:

Im Militärjargon bezeichnen Drohnenpiloten die von ihnen zu tötenden Ziele oft als “Fliegenklatsch”. Denn die Menschen sehen auf dem grobpixeligen Video aus wie Insekten, die es totzuklatschen gilt.
Um diese Abgestumpftheit herauszufordern und um die Aufmerksamkeit auf die zivilen Opfer zu lenken, hat ein Künstlerkollektiv ein großflächiges Portrait angebracht, das in den Himmel über die schwer bombardierte Region Khyber Pukhtoonkhwa in Pakistan schaut, in der Drohnenangriffe regelmäßig stattfinden. Durch seine Kamera sieht jetzt ein Drohnenpilot keinen anonymen Punkt in der Landschaft, sondern blickt in das Gesicht eines unschuldigen Kindes, das bereits Opfer geworden ist.

Setting up the poster.

Beim Anbringen des Posters. Von der Webseite der Kampagne #NotABugSplat. Foto für die Presse frei.

Die Webseite sagt, dass Kind auf dem Poster sei namenlos. Die gemeinnützige pakistanische Organisation Foundation for Fundamental Rights [en], die an der Kampagne beteiligt ist, weiß zu berichten, das Mädchen habe ihre Eltern und zwei jüngere Geschwister bei einem Drohnenangriff verloren.

Ein Twitternutzer scheint das Gesicht des Mädchens auf einem Bild von Drohnenopfern aus dem Jahr 2009 ausgemacht zu haben:

Ich denke, das ist das Original des Bildes, das sie bei der pakistanischen #NotABugSplat-Kampagne gegen Drohnen verwenden.

Zahra Ahmer kommentiert dazu auf der Webseite der Kampagne [en]:

Das ist ein schöner Beitrag und das Mädchen auf dem Bild ist so unschuldig, so rein und wie diese Drohnen ihr geschadet haben… Ich finde es beängstigend, Kommentare zu lesen, in denen Mitgefühl für die Kinder ausgedrückt wird, gleichzeitig aber behauptet wird, diese Maschinen seien notwendig. Ich meine, das sitzt so tief in euren Köpfen, das sei das EINZIGE Mittel, die Taliban zu bekämpfen. Denkt ihr wirklich so? Glaubt ihr wirklich, dass mit all unserer Technologie und Kreativität das alles ist, was wir zu bieten haben? Vielleicht ist es ja das einfachste. Aber mal ehrlich, das einzige? Ok, dann frage ich euch mal: Würdet ihr wollen, dass eine Regierung auf diese Art Kriminelle zur Strecke bringt, mitten unter euch? Vor allem, eine fremde Regierung?

Jede Jagd auf Terroristen, die die Leben unschuldiger Menschen in Gefahr bringt, sollte nicht betrieben werden. Stattdessen sollte man über eine bessere Methode nachdenken und diese dann auch umsetzen. Vielleicht ist es leichter für euch, dass Schicksal dieses Mädchens zu akzeptieren, während ihr bequem zu Hause sitzt. Aber versucht doch nur einmal für einen Moment lang, euch ihre Realität vorzustellen, ihre Erinnerungen und die Umgebung, in der sie aufwächst. Und denkt bitte wirklich darüber nach und dann sagt doch noch einmal, Drohnen seien notwendig.

 

Villagers with the poster. From the #NotABugSplat campaign website. Photo meant for press use.

Dorfbewohner mit dem Poster. Von der Webseite der Kampagne #NotABugPlat. Foto für die Presse frei.

John Uebersax schreibt [en]:

Das ist eine großartige Idee. Denn militärischer Aggression mit Wut und Hass entgegenzutreten, wird nur zu weiterer Aggression führen. Es ist besser, das Gewissen anzusprechen, so dass der Aggressor aufwacht und versteht “Was wir tun ist falsch”.

Befürworter der Drohnentechnik argumentieren, die Präzision der Anschläge führe zu weniger zivilen Opfern. Es gibt aber eine Diskussion über die Anzahl der zivilen und der militanten Opfer dieser Angriffe.  Da die USA alle Männer ab einem bestimmten Alter als “feindliche Kämpfer” definiert, weichen die Angaben der Opferzahl in hohem Maße von den Angaben unabhängiger Organisationen [en] ab. Laut Amnesty International seien zahlreiche Drohnenopfer unbewaffnet gewesen und einige der Angriffe könnten unter Kriegsverbrechen [en] gezählt werden. Ein Bericht der International Crisis Group kommt zu dem Schluss, Drohnenangriffe seien “ineffektiv” [en], wenn es darum gehe, militante Aufständische in Pakistan zu bekämpfen.

Die letzten 100 Tage gab es keinen Drohnenangriff auf Pakistan. Das ist die längste Pause seit 2011. Die Zeitung The Washington Post berichtete, dass die USA weniger Drohnenangriffe [en] fliegen würden, nachdem die pakistanische Regierung darum gebeten hatte, sich zurückzuhalten, solange sie Friedensgespräche mit den pakistanischen Taliban führe.

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