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Fünf verkannte Energieschätze Afrikas

Wieder einmal sind Stromversorgungsprobleme Thema in den Nachrichten einiger afrikanischer Länder. Von wiederholten Stromausfällen in Benin, Kamerun, der Elfenbeinküste und Madagaskar, um nur einige der erst kürzlich betroffenen Gebiete zu nennen, wird berichtet. In Benin hält beispielsweise eine private nigerianische Firma [en] den Großteil des Stroms für das Land bereit. Ein Bericht im Kongossa-Blog [fr] beschreibt die jetzige Situation in Kamerun:

Das Problem ist noch lange nicht gelöst, obwohl in den letzten Jahren Investitionen von der amerikanisch-kamerunischen Firma AES-SONEL gemacht wurden. Sie ist verantwortlich für die Produktion, den Transport, die Verteilung und den Verkauf des Stroms. […] Stromausfälle in Douala und Yaoundé dauern im Durchschnitt vier bis sechs Stunden an, wobei übereinstimmenden Augenzeugenberichten zufolge in anderen Gegenden des Landes, vorrangig auf dem Land, Stromausfälle drei Tage lang anhalten können.

Da an der Elfenbeinküste Stromausfälle so häufig sind, werden sie auf der Facebookseite [en] eines frei erfundenen Bösewichts namens Delestron [ein Wortspiel mit dem französischen Begriff für Stromausfall] gelistet. Die Seite wurde von ivorischen Internetnutzern erstellt.

Und auch auf Madagaskar sind viele Gemeinden wütend auf den nationalen Stromversorger Jirama, dem häufiges Versagen in der Bedarfsdeckung vorgeworfen wird. Zum Beispiel in der Gemeinde Ambohibao Iavoloha [fr]:

Zum Beispiel der totale Stromausfall, der ohne Vorwarnung vom 6. bis 11. November eintrat. Vom 11. bis zum 15. November mussten Einwohner mit kontrollierten Ausfällen zurechtkommen und der Strom kam erst um zwei Uhr morgens am darauf folgenden Tag wieder zurück. So ist die Situation in Bezug auf Elektrizität, aber auch der schwache Wasserdruck lässt die Einwohner Jiramas mürrisch werden.

Die Landbevölkerung von Subsahara-Afrika ist am schlimmsten betroffen, da nur 8,4 % Zugang zu Strom [en] haben. Angesichts des Wachstums, das [für Afrika] prognostiziert wurde, wird der Bedarf des Kontinents allerdings sicherlich steigen. Im Jahr 2007 war der Jahresenergieverbrauch an Primärenergieträgern pro Person nur 15,4 British Thermal Units (Btu). Zum Vergleich, der Weltenergieverbrauch pro Person und Jahr lag bei 70,8 Btu, während der Verbrauch der Amerikaner bei 337,1 Btu lag und damit fast 22 mal mehr als der Durchschnitt Afrikas.

Allerdings mangelt es dem afrikanischen Kontinent nicht an natürlichen Ressourcen, die die Energiebedürfnisse decken könnten. Durch die globale Beschleunigung des Wettlaufs auf Energieunabhängigkeit werden alle Probleme noch verschlimmert. Viele Länder greifen auf die natürlichen Ressourcen des afrikanischen Kontinents zurück, um ihre eigene Energieversorgung zu decken.

PIDA Africa Electricity Transportation Map

Programme für die Stromproduktion und Stromverteilung in Afrika bis zum Jahr 2040. Karte von PIDA, mit autorisierter Nutzung.

Fünf der weniger bekannten Energiequellen des afrikanischen Kontinents sind hier aufgeführt:

Schweröl von Madagaskar

Obwohl das Öl von Madagaskar international immer noch ziemlich unbekannt ist, gibt es doch Anlass zu reichlich Spekulationen [en]. Trotz politischer Krisen hat das Interesse an Öl aus Madagaskar nie nachgelassen. Japan, wie die Journalistin der Madagaskar News Antsa erklärte [fr], zeige auch Interesse:

Eine japanische Delegation hat sich mit Vertretern des Ministeriums für Kohlenwasserstoffe getroffen, um Informationen zu erhalten über die aktuelle Situation im Ölressourcen-Sektor und auch über die Gesetzeslage und Regeln, die in Kraft sind. “Trotz der politischen Krise sind die Investoren geblieben und andere kommen weiter dazu, um sich über das Ölvorkommen zu erkunden. Auch wenn sie sich erst in der Erkundungsphase befinden, hat es sich schon vorteilhaft ausgewirkt. Zum Beispiel wurden Schulen und Krankenhäuser gebaut oder vergrößert. Was noch hinzu kommt ist, dass die Regierung nichts bezahlt trotz der geteilten Produktion”, bestätigte der Kohlenwasserstoffmanager. Derzeit sind die drei japanischen Firmen ICEP, Jog Meg und Mitsibushi an Madagaskar interessiert.

Allerdings könnte das wachsende Interesse dieser Ölfirmen auch Risiken mit sich bringen. Holly Rakotondralambo, madegassische Ansprechpartnerin der Organisation “Friends of the Earth”, erklärte [fr]:

Obwohl die Öl- und Metallpreise nun höher sind wegen der wachsenden weltweiten Nachfrage, eilen Investoren und große Firmen nach Madagaskar. Dieses Phänomen droht in einem extrem fragilen politischen Umfeld die bestehenden Konflikte mit den Einwohnern noch zu verschlimmern. Ebenso wird das artenreiche Ökosystem noch mehr ausgebeutet, dessen Zeit sowieso schon bald abgelaufen ist.

natural ressources of Madagascar and the corporations vying for them. Graph posted by  Front Patriotique Malagasy on Facebook, with his permission

 Die natürlichen Ressourcen Madagaskars im Vergleich mit den Firmen, die darum wettstreiten, sie abzubauen.  Übersichtskarte veröffentlicht auf Facebook von der Agentur OMNIS, mit Nutzungserlaubnis.

 Die Teersande der Republik Kongo

Teersandvorkommen sind eine wichtige Quelle für synthetisches Rohöl. Jedoch sind sie schwierig zu erschließen und sie sind umstritten wegen ihrer Auswirkungen auf die Umwelt. Die italienische Ölfirma ENI ist die erste, die afrikanischen Teersand abbaut. Im Kongo baut ENI Teersand 70 Kilometer entfernt von Pointe-Noire ab, ebenso in Congo-Brazzaville und in den Regionen von Tchikatanga und Tchikatanga-Makola. Der Abbau dieser bitumenreichen Sande kann riskant sein, wie hier im Blog Vivement la désintox [fr] [Ich kann den Giftentzug kaum erwarten] erklärt wird:

Der Abbau von Teersand ist bei weitem die schmutzigste, teuerste und energieintensivste Weise, Öl zu produzieren. Man verbraucht fünf Barrel Wasser um ein Barrel Teeröl zu extrahieren. Dabei werden fünf mal mehr Treibhausgase freigesetzt als bei der normalen Ölförderung. Extraktion von Teersanden ist auch mit Abholzung und Wasserverschmutzung gleichzusetzen. Um das Öl vom Sand zu trennen, spritzen die Firmen Lösungsmittel ein, die Flüsse und Erdreich massiv verschmutzen.

Die Windräder von Cap Verde

Die kapverdischen Inseln sind der Standort des größten Windparks in Afrika. Die Stromproduktionsanlagen auf vier dieser Inseln könnten zum weltgrößten Stromversorger von Windenergie werden (im Verhältnis zur Größe des Landes), wie im folgenden Video [auf Englisch] erklärt:

Juan Cole erklärte das Windenergie-Wagnis [en] des Landes:

Der Mangel an Strom und die überhöhten Preise waren ernsthafte Hindernisse für die Wirtschaftsentwicklung und Arbeitsplatzbeschaffung. Somit waren das die Hauptgründe für die Massenauswanderung der Bevölkerung. Während die europäische Windenergie oftmals von beträchtlichen Subventionen abhängt, basiert das Vorhaben auf Cap Verde nur auf starken Winden. Die aus Windenergie gewonnene Elektrizität ist wesentlich günstiger als von den Energiequellen, die bis dato auf den Inseln benutzt wurden.

Das Potential der Solarenergie in Benin

Die Hauptgründe für die momentane Notwendigkeit kontrollierter Stromausfälle in Benin sind unter anderem der rapid ansteigende Stromverbrauch (und der staatliche Energieversorger schätzt einen Anstieg um 11 % in den kommenden Jahren) und der Mangel an Investitionen auf diesem Sektor, verbunden mit Verlusten (geschätzte 18 bis 30 %) während des Stromtransports und der Stromverteilung. Leomick Sinsin, ein Blogger aus Benin, beschreibt die potentiellen Vorteile, in Solarenergie [fr] aus seinem Land zu investieren:

Der Hauptvorteil der Solaranlagen Afrikas ist, dass sie genug Energie liefern, um den täglichen Bedarf zu decken. Abhängig von der geografischen Lage haben sie eine Strahlenenergie variierend zwischen drei bis sechs Kilowattstunden pro Quadratmeter. Ein weiterer Vorteil der Solarenergie ist die Dezentralisierung der Energieproduktion. Wenn man über die veraltete Infrastruktur Bescheid weiß, ist wohl keiner dagegen, ein System zu implementieren, dass die Produktionsstelle gleich neben der Verbrauchstelle hat. Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Haus in einer abgelegenen Gegend mit Solarpanelen auf dem Dach. […] Und zu guter letzt die Aufgaben hinsichtlich der Energieeffizienz, die eine Solaranlage mit sich bringt. Solarenergie produziert unregelmäßig Strom. Das hängt von verschiedenen Parametern ab, nämlich vom Wetter, der Qualität der Anlage und so weiter. Als Konsequenz hierzu fordert der Gebrauch von Solarenergie ein Umdenken hinsichtlich energiesparender Anlagen. Hierdurch kann der Energieverbrauch reduziert werden, wobei der Nutzungsgrad beibehalten werden kann.

Geothermische Energie vom Rift Valley

Kürzlich haben einige Energiefirmen auf die Wichtigkeit der geothermischen Energie hingewiesen, einerseits als Lösung für die Energiebedürfnisse der Länder innerhalb des Horns von Afrika [Dschibuti, Eritrea, Äthiopien und Somalia] und denen des Rift Valleys, andererseits auch als ein wesentlicher Teil des Programms für “ökologisches Wachstum”. SciDev.Net berichtete, dass Dschibuti eine Schlüsselfigur [fr] als Lieferant für geothermischer Energie werden könnte.

Untersucht wurde das Potential geothermischer Energie der im Rift Valley gelegenen Assalsee-Region. Für einen Preis von 240 Millionen US-Dollar könnte 2018 mit der Energiegewinnung rund um den Assalsee begonnen werden. 40 bis 60 Megawatt könnten erzeugt werden. Da die Kosten so hoch sind, hat die Afrikanische Entwicklungsbank vorgeschlagen, dass das Volk und Gesellschaften des Privatsektors diese Energieprojekte entwickeln sollten.

Wie G. Pourtier noch hinzufügt, hat Äthiopien nun auch mit Erkundungen zur Thermalenergie [fr] begonnen:

Ab 2015 wird die neue Energieanlage, 200 Kilometer südlich von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba gelegen, mit der Produktion von erst einmal 20 Megawatt beginnen, dann 500 Megawatt in 2018 und schließlich einige Jahre später ein Gigawatt […]. Die Fläche, die vom Unternehmen Reykjavik Geothermal erworben wurde, umfasst 6.500 Quadratkilometer, wobei bereits ermittelt wurde, dass auf einer Fläche von 200 Quadratkilometern Temperaturen von bis zu 350 Grad Celsius herrschen.

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