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AfricanHadithi: Ein Nachrichtenportal, das Afrikas Geschichten erzählt

AfricanHadithi logo.

Logo von AfricanHadithi.

Über Afrika wird in den Massenmedien oft zu wenig berichtet oder es wird völlig falsch dargestellt. AfricanHadithi kämpft dagegen an. Diese neue Online-Plattform hat es sich zur Aufgabe gemacht, authentische afrikanische Geschichten zu beleuchten und Nachrichten in ihren Kontext zu setzen.

Der Chefredakteur von AfricanHadithi und Global Voices-Autor Nwachukwu Egbunike spricht mit Global Voices Online über das Projekt. 

Global Voices Online (GV): Kannst du uns erzählen, was AfricanHadithi (AH) ist und wie die Idee dazu entstand?

Nwachukwu Egbunike (NE): AfricanHadithi (@AfricanHadithi) [en] ist ein Online-Nachrichtenportal, das am 14. Februar 2014 an den Start gibg und Geschichten über Afrika erzählen will. Auf Swahili bedeutet “Hadithi” Geschichte. Wir möchten in die Geschichten hinter den Nachrichten hineinzoomen, die üblicherweise in den Massenmedien nicht berichtet werden. AfricanHadithi versucht so, die Frage nach dem “Na und?” zu beantworten. Dafür muss der Kontext hinter den Schlagzeilen (die in gut, schlecht oder hässlich unterteilt sind) über den Kontinent geschaffen werden.

AfricanHadithi ist das Geistesprodukt von Kola Mudele [en], dem sich bei seinen ausgiebigen Dienstreisen rund um den Kontinent eine tiefe Kluft offenbarte: Die eines Mangels an differenziertem Verständnis der afrikanischen Nachrichten auf dem Kontinent selbst und darüber hinaus. Kola sah, dass es zwar zahlreiche Portale gibt, die Nachrichten über den Kontinent auftischen, diese aber in den meisten Fällen auf den Einsatz von Individuen zurückgehen und schlecht integriert sind. Die Nachrichten des englischsprachigen Afrikas tauchen beispielsweise selten im französischsprachigen Afrika auf und umgekehrt. Dasselbe gilt für andere Sprachgruppen auf dem Kontinent.

Außerdem liegt oftmals die Betonung auf den Nachrichten an sich und nicht auf dem Kontext der Nachrichten. AfricanHadithi ist weniger daran interessiert, Nachrichten über Afrika nachzuerzählen, denn es gibt bereits zahlreiche Online- oder Offline-Medien, die das tun. Sondern unser Schwerpunkt liegt auf der Frage “Na und?”. Es gab einen Terrorakt, verübt durch die Boko Haram in Nigeria, na und? Wie wirkt sich das auf den normalen Nigerianer in Bauchi aus? Wie können wir unsere Stimme den stimmlosen Opfern des brutalen Überfalls dieser Terroristen leihen?

Nwachukwu Egbunike, editor-in-chief of AfricanHadithi and Global Voices Author. Photo used with his permission.

Nwachukwu Egbunike, Chefredakteur von AfricanHadithi und Global Voices-Autor. Bildnutzung mit seiner Genehmigung.

GV: Wie kam es dazu, dass du dich an dem Projekt beteiligt hast?

NE: Kola hat mich mit seiner Begeisterung angesteckt, so wie er es mit vielen der Mitwirkenden und den Mitarbeitenden des Kernteams von AfricanHadithi getan hat, Afrikanern sowohl auf dem Kontinent als auch in der Diaspora.

Ich muss sagen, es war keine schwere Aufgabe, da ich ja bereits die Leidenschaft mitbrachte, die tatsächlichen Geschichten aus Nigeria und vom Kontinent zu erzählen. Das war auch der Schwerpunkt meiner ersten Publikation “Gefärbte Gedanken: Eine Unterhaltung in und aus meinem Land” [en], eine Erzählung anzustoßen und dabei auf meine eigene Meinung und meine eigenen Schilderungen zurückzugreifen, sowohl online als auch offline. Nachdem klar war, dass das Projekt eine Online-Plattform nutzen wird, war für mich eine Zusage mitzuwirken noch leichter. Das ist ja das, was wir auch bei der Global Voices-Plattform machen, allerdings mit einem unterschiedlichen Fokus und einer anderen Leserschaft.

GV: Es gibt mehrere andere Webseiten, die Geschichten aus Afrika berichten. Was ist anders an African Hadithi?

NE: […] auf meinem Blog habe ich folgendes geschrieben [en] um das Projekt der Öffentlichkeit bekannt zu machen: “Der afrikanische Kontinent ist weit und groß. Die Geschichten, die er nährt, sollten ebenfalls vielfältig sein und den Atem verschlagen. Das sollte normal sein für einen Kontinent voller lebhafter Menschen mit nicht enden wollender Geschichten, eine Kombination von all dem, was menschlich ist, sei es gut, schlecht oder nicht so hübsch.”

Neben der Vision von AH, den Kontext zu schaffen, ist es einfach so, dass Afrika ein Kontinent ist, der von unendlichen Geschichten nur so brodelt. Es kann also niemals zu viele Plattformen geben, um diese Geschichten zu erzählen. Unabhängig von der bloßen Anzahl dieser Plattformen, kann diese Geschichte aber von den derzeitigen Plattformen nicht angemessen erzählt oder erschöpfend behandelt werden.

GV: Wie waren bislang die Reaktionen?

NE: Sie waren eindrucksvoll, und das nach knapp einem Monat in Betrieb. Bislang wurde unsere Seite 46.000 Mal aufgerufen und die Tendenz ist steigend. Wir haben zur Zeit 50 Mitwirkende, die sich gerade einarbeiten und viele andere, die ebenfalls etwas dazusteuern möchten. Ich würde sagen, es ist gerade spannend, aber wir haben unsere Augen auf größere Ziele gerichtet.

GV: Kannst du uns an einigen der interessanten Geschichten teilhaben lassen, die auf African Hadithi erschienen sind?

NE: Einer der Mitwirkenden, David W. Wagacha, glaubt [en], dass AH eine Prophezeiung erfüllen wird, die der kongolesische Wortführer der Unabhängigkeitsbewegung und erster demokratisch gewählter Ministerpräsident der Demokratischen Republik Kongo Patrice Lumumba gemacht hatte. Diese Vorhersage geht davon aus, dass Afrikaner die afrikanische Geschichte selbst schreiben werden:

“Lumumba prophezeite, dass es eine Zeit geben werde, in der Afrika seine eigene Geschichte schreiben werde. Eine Geschichte, die von Würde und Ruhm zusammengehalten wird, eine Geschichte, die die gesamte Weite des Mutterlands widerhallen lässt, eine Geschichte, die nicht von weit entfernten Ländern diktiert wird, von Paris, Brüssel, Washington oder den Vereinten Nationen, sondern eine Geschichte, die in sich afrikanisch ist. Eine Geschichte, die von Afrika erzählt wird.”

Heute, da wir African Hadithi gegründet haben, erfüllen wir diese Prophezeiung, die vor 53 Jahren gemacht wurde. Dies wird das Medium sein, durch das Afrika seine Geschichte und seine Geschichten erzählen soll.

[…]

In einer anderen Geschichte hinterfragt [en] Sifa Asani Gowon das Doppelleben, das nigerianische Nutzer sozialer Medien führen:

“Soziale Medien haben eine widerwärtige Schattenseite, mit speziell hinterhältigen Tendenzen, die viele von uns entweder in seliger Unwissenheit nicht wahrnehmen oder beschlossen haben, zu ignorieren.
Seiten sozialer Medien können die aufrichtigsten und verlogensten Plätze überhaupt sein. Menschen können sich frei Alter Egos schaffen und Avatars ihrer selbst, die die Welt zu sehen bekommt. Es gibt ein Gespür für eine alternative Realität, bei der die Grenzen verwischen zwischen dem, was jemand von sich selbst glaubt zu sein und wie man sich sieht und dem, wie man sich darstellt. Kanten werden geschliffen und perfekt platzierte Masken angelegt, um sich der virtuellen Welt zu zeigen. Und so erstaunlich wie Einbildung sein kann, kann es ebenfalls gefährlich werden, wenn die Menschen den Bezug zur Realität verlieren.”

Chris Akor diskutiert Hilfe in “Afrika und Hilfe aus dem Westen” [en]:

“So wichtig Hilfe ist für das Überleben eines Staats in Afrika, so ist es zugleich das verheerendste, was dem Kontinent widerfahren kann. Es hat nicht nur Industrien und den Handel zerstört, sondern außerdem Korruption genährt, die Verantwortungslosigkeit der Regierungen begünstigt und alle Bemühungen untergraben, ein solides Steuersystem zu entwickeln, ohne das kein Staat von sich behaupten kann, entwickelt oder selbstversorgend zu sein. Mehr noch, es hat Demokratie geschwächt, da afrikanische Regierungen nun den Geberländern und den jeweiligen Entwicklungsdiensten gegenüber Rechenschaft ablegen, anstatt ihrem eigenen Volk. Ganz abgesehen davon, dass offensichtlich Geber generell ihre eigenen Ideen von Entwicklung den Empfängergesellschaften aufzwingen und diese oft auf eigenen Prioritäten und Visionen beruhen.”

[…]

GV: Wie finanziert sich das Projekt?

NE: Wir arbeiten daran, Risikokapitalgeber zu gewinnen. Zur Zeit sind wir noch auf Werbung angewiesen.

GV: Möchtest du noch etwas hinzufügen?

NE: Afrika ist eine Geschichte, die aufs Gröbste unerzählt bleibt und falsch dargestellt wird. AfricanHadithi hofft, eine Messlatte zu legen für das Erzählen der eigentlichen afrikanischen Geschichte. Auch wenn AH zur Zeit nur das engischsprachige Afrika abdeckt, planen wir für die Zukunft, uns auf andere Sprachgruppen des Kontinents auszuweiten.

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