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Datenjournalismus in Westafrika: Probleme und Perspektiven

Alle Links in diesem Artikel führen, soweit nicht anders gekennzeichnet, zu englischsprachigen Quellen.

Der Start der neuen Webseite FiveThirtyEight, die das Konzept des Datenjournalismus populär machen will, hat in den amerikanischen Medien Begeisterung hervorgerufen und Interesse geweckt. Der Schöpfer der Seite ist Nate Silver [de], ein US-amerikanischer Statistiker, der 2008 dank seiner präzisen Prognosen der Präsidentschaftswahlen in 49 von 50 Staaten und der korrekten Vorhersage aller 35 Wahlen zum Senat Berühmtheit erlangte.

Silver erklärt, dass Datenjournalismus wesentlich mehr ist als bloße Wahlprognosen und schreibt auf der Webseite:

In der Regel erfordert der Prozess des Datenjournalismus vorbereitende Maßnahmen: Datenerhebung, Datenorganisation, Datenexploration, um bedeutsame Beziehungen zu entdecken und so weiter. Datenjournalisten sind in der Lage, bei jedem dieser Schritte einen Mehrwert zu schaffen, so wie andere Journalisten Mehrwert schaffen können, indem sie Beweise zusammentragen und Geschichten schreiben.

In Europa wurden bereits viele Initiativen dieser Art gestartet, wie der Blog OWNI in Frankreich und der Data Blog des Guardian in Großbritannien. Datenjournalismus ist nicht länger die Neuheit, wie sie es vor einigen Jahren für den Großteil der Medien rund um den Globus war.

Der Wert des Datenjournalismus wird weithin anerkannt, auch in den Schwellenländern. Aber eine systematische Vorgehensweise muss für Datenjournalismus noch etabliert werden. Bertrand Pecquerie, CEO des Global Editors Networks glaubt, dass in den meisten Schwellenländern rechtliche Beschränkungen immer noch eine zentrale Rolle für den Zugang zu freien Daten [Open Data] spielen:

Sicherlich, Datenjournalismus befindet sich in Schwellenländern im Frühstadium. Das tatsächliche Hemmnis ist der Zugang zu Open Data. Gesetze in beispielsweise Schweden und Norwegen sind immer noch wohlwollender als in Nigeria oder Pakistan.”

Auf dem afrikanischen Kontinent erlebt Datenjournalismus einen steilen Anstieg, aber sieht sich Themen gegenüber wie dem Zugang zu und der Reliabilität von vorhandenen Daten. Cheikh Fall, der Gründer der Webseite Sunu2012 [fr] im Senegal und Nicolas Kayser-Bril, der Mitgestalter des Netzwerks Journalism++ [de] und Leiter eines Workshops zu Datenjournalismus in Dakar, diskutierten den Bedarf an belastbaren Daten [fr]:

L’accès aux données est largement insuffisant. Nous avons 100 personnes qui relaient l’information sur le terrain et une communauté de quelques 1 000 personnes qui suivent le site. Pour nous, l’enjeu principal est de démocratiser le mode de traitement de l’information et que celui qui habite à 500 kilomètres de Dakar puisse avoir accès à l’information [..] Ils vont chercher les données à la base et ne se contentent pas de vérifier un chiffre sorti de la bouche d’un politique. L’intérêt du fact-checking est de pouvoir vérifier et contester les données officielles. On sait qu ’il y a un problème de données, donc l’enjeu est d’en chercher de nouvelles. »

Es fehlt an Zugang zu Daten. Wir haben hundert Leute, die aus dem Feld Informationen weitergeben und eine Gemeinschaft von einigen Tausend Menschen, die der Webseite folgen. Für uns ist das eine Frage der Demokratisierung des Zugangs zu Daten, so dass jemand, der 500 Kilometer von Dakar entfernt wohnt, auf Informationen zugreifen kann. […] Sie sollten in der Lage sein, nach grundlegenden Daten suchen zu können und sich nicht damit begnügen müssen, die Statistiken zu prüfen, die aus dem Mund eines Politikers kommen. Bei einem Faktencheck geht es um das Verifzieren und das kritische Hinterfragen offizieller Daten. Wir wissen, dass es ein Datenproblem gibt, daher geht es vor allem darum, neue Datenquellen zu aufzuspüren.

Infographie sur la taille du continent africain - domaine public

Infografiken zur Größe des afrikanischen Kontinents – öffentlich

Nicolas Kayser-Bril erörtert seine Vision von Datenjournalismus in dem folgenden französischsprachigen Video. Er erklärt, das Ziel der datenjournalistischen Projekte in Afrika sei es, innovative Plattformen zu entwickeln, die einen konkreten Bedarf an Entwicklung decken:

Internet Sans Frontières [Internet Ohne Grenzen] wurde ebenfalls in die Organisation desselben Workshops in Dakar mit Kayser-Bril einbezogen. Die Gruppenleiter Julie Owono und Archippe Yepmou sprechen im folgenden Video über den Workshop und verdeutlichen, dass es sich mehr um einen Austausch an Fachwissen, als um Trainingseinheiten nach einem Top-Down-Ansatz [von oben herab] handele:

In Kamerun macht Dorothée Danedjo Fouba darauf aufmerksam, dass das Land für Afrika ein Referenzmodel hinsichtlich des Online-Journalismus darstelle. Aber sie betont, dass es immer noch an Regulierung fehle [fr]:

Au Cameroun, la classification des journaux en ligne devient plus complexe du fait d’une absence de nomenclature dans le domaine du webjournalisme. Des propositions de nomenclature non encore validées par le législateur présente la presse en ligne sous le nom presse cybernétique constituée de « cyberjournal » ou « journal multimédia ».

In Kamerun wird es zunehmend komplexer, verschiedene Online-Nachrichtenplattformen zu klassifizieren, da es im Bereich des Webjournalismus kein Begriffsverzeichnis gibt. Vorschläge für ein solches Verzeichnis, die von den Gesetzgebern noch bestätigt werden müssen, bedeuten unter anderem, dass die Online-Presse weiterhin als “Cyber-Journalismus” oder “Multimedia-Journalismus” bezeichnet wird.

Aber wichtige Initiativen werden in Kamerun gestartet. Der in Douala lebende Ingenieur Gaétan Izane hebt ein neues Projekt auf Twitter hervor:

Mini-Datenjournalismus während der letzten Senatswahlen in Kamerun.

Die oben angezeigte Präsentation wurde bei einem Workshop zu Medienjournalismus [fr] mit Unterstützung des Goethe Instituts Kamerun [de] gehalten. Das Diagramm veranschaulicht die Prognose der Senatswahlen in der Region für die unterschiedlichen politischen Parteien.

Eine weitere Initiative, Feowl, stellt vorhandene Daten zusammen, um das Problem der Stromausfälle in Douala, der größten Stadt Kameruns, zu erfassen. Infografiken wurden auf der Basis erhobener Daten erstellt, um auf diese Thematik aufmerksam zu machen:

Délestage à Douala, Cameroun via Bantu Politics

Stromausfälle in Douala, Kamerun von Bantu Politics

Das Feowl-Projekt konnte aufgrund fehlender Geldmittel nicht fortgesetzt werden, was einmal mehr die Schwierigkeiten unterstreicht, die damit verbunden sind, Datenjournalismusprojekte in Westafrika zu realisieren.

Die Bloggerin Yoroba aus der Elfenbeinküste geht davon aus, dass in diesem Bereich die Zukunft des Journalismus [fr] liegt:

« Est-ce un métier pour l’avenir ?» me demandait un journaliste au sortir d’un atelier que je donnais sur le même thème. « Non, lui ai-je répondu, c’est un métier pour aujourd’hui ». […] Le web journaliste doit tenir compte de l’environnement web dans lequel évolue désormais la profession. Un environnement de pluralité de sources. Le journaliste se retrouve parfois avec des versions différentes sur un sujet. Des informations complémentaires ou même contradictoires. Aux journalistes de faire le tri, de recouper et de vérifier ses sources.»

“Wird das in der Zukunft ein Beruf sein?”, fragte mich ein Journalist im Anschluss eines Workshops, bei dem ich zu diesem Thema gesprochen hatte. “Nein” antwortete ich: “Es ist bereits heute ein Beruf.” […] Online-Journalisten sollten sich der Online-Umwelt bewusst sein, in der sich dieser Beruf zur Zeit entwickelt. Eine Umwelt, die von einer Pluralität der Quellen geprägt ist. Von Zeit zu Zeit stoßen Journalisten auf unterschiedliche Versionen zu einem Gegenstand, die sowohl komplementär als auch widersprüchlich sind. Diese heranwachsende Generation von Journalisten muss ihre Quellen wiederaufbereiten, gegenprüfen und verifizieren.”

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