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Herausforderungen bei der Forschungsfinanzierung in Frankreich und Afrika

Wissenschaftliche Forschung nützt der volkswirtschaftlichen Entwicklung überall auf der Welt. Das ist so gut wie unstreitig. Aber sie führt nur mittelbar zu messbaren Ergebnissen. Einen direkten ökonomischen Nutzen gibt es erst auf lange Sicht, sobald wissenschaftliche Entdeckungen kommerziell genutzt werden. Kurz- und mittelfristig betrachtet ist die Wirtschaftlichkeit der Forschung in vielen Ländern ein Problem. 

Forschungsfinanzierung unterliegt ganz unterschiedlichen Regeln. Je nachdem, ob das Geld aus staatlichen Mitteln stammt oder ob eingeworbene Drittmittel verwendet werden. Die französische Forschungsagentur ANR erklärt anhand einiger Zahlen, wie in Frankreich Forschung finanziert [fr] wird:

Les laboratoires de recherche publics sont en partie financés par les crédits budgétaires des universités, des organismes de recherche publics et des agences de financement, dont l'Agence nationale de la recherche (A.N.R.). Ils bénéficient d'autres dotations provenant des régions françaises, des associations caritatives, de l'industrie et de l'Europe. […] 7 000 projets financés rassemblant plus de 22 000 équipes de recherche publiques et privées entre 2005-2009 et le montant cumulé des financements 2005-2009 est de 3 milliards d'euros.

Öffentliche Forschungseinrichtungen erhalten ihre Mittel zum Teil aus den Etats der Universitäten, aber ebenso von staatlichen Trägereinrichtungen und durch eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Wirtschaft, wie sie die französische Forschungsagentur ANR vermittelt. Sie profitieren auch von Zuschüssen französischer Regionalverwaltungen, privater Fördervereine sowie von Mitteln aus der Industrie und der Europäischen Union […] Zwischen 2005 und 2009 wurden 7.000 Projekte finanziert, in denen mehr als 22.000 Forschungsteams staatlicher und privater Institutionen kooperierten. In diesem Zeitraum wurde ein Gesamtbetrag in Höhe von drei Milliarden Euro aufgebracht.

Public research funding in France - Public domain

Öffentliche Forschungsfinanzierung in Frankreich. Bild frei von Urheberrechten.
In Frankreich wird Forschung durch Universitäten und Trägereinrichtungen finanziert, aber auch durch die Forschungsagentur ANR. Weitere Mittel kommen aus der Pharmaindustrie und von der Europäischen Kommission.

Trotz erfolgreicher Bemühungen der Regierung zur Revitalisierung dieses Bereichs [fr] geht es der französischen Forschung schlecht. Im Vergleich zum angelsächsischen Nachbarn gibt es erste Anzeichen, wonach ihr so langsam die Luft ausgeht. David Larousserie vertritt die These, dass in Frankreich die Forschung zwar konkurrenzfähig ist, aber nur wenig Rückflüsse generiert. Sein Aufsatz [fr] trägt den Titel “Die begrenzte Wirksamkeit der öffentlichen Forschungsfinanzierung”:

Les experts soulignent aussi “les bonnes performances en recherche de la France” mais les jugent “moyennes en termes d'innovation et de retombées économiques”. La France publie beaucoup (6e rang mondial) et dépose bon nombre de brevets (4e rang sur les dépôts en Europe), mais des indicateurs “d'innovation” la placent au 24e rang.

Experten heben durchaus “die guten Leistungen der Forschung in Frankreich” hervor. Aber gemessen an Innovationskraft und ökonomischen Fortschritten wird sie zum Durchschnitt gezählt. In Frankreich wird eine Menge publiziert (weltweit an 6. Stelle) und es werden zahlreiche Patente erlangt (Platz 4 aller europäischen Eintragungen). Aber bei den Indikatoren für “Innovation” liegt das Land nur auf dem 24. Rang.

Ergänzend sagt er:

Pour expliquer la réduction des marges de manœuvre en dépit d'une enveloppe globale en croissance, les magistrats rappellent que la cause essentielle est l'augmentation des frais de personnel dans les organismes de recherche. Au CNRS, avec des effectifs de fonctionnaires stables, la subvention publique a augmenté de 293 millions d'euros entre 2006 et 2011

Um den trotz eines steigenden Gesamtbudgets verringerten Handlungsspielraum zu erklären, führen hochrangige Beamte Argumente an, wonach die Ursachen in den steigenden Personalkosten der Forschungseinrichtungen liegen. Das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) benötigte zwischen 2006 und 2011 – bei einer gleichbleibenden Anzahl seiner Beschäftigten – eine Aufstockung der Subventionen um 293 Milliarden Euro. 

Andere meinen, dass es mehrere Einflussfaktoren gibt. Zu ihnen gehört Patrick Fauconnier. Er vertritt die Auffassung, dass beispielsweise die Abstimmungsprozesse [fr] zwischen den diversen Forschungsorganisationen sehr zu wünschen übrig lassen:

Quand on veut monter une Unité mixte de recherche (UMR), la structure qui permet de partager des contrats de recherche, par exemple entre une université et le CNRS, beaucoup de temps et d’argent sont gâchés en gestion de problèmes administratifs complexes.

Wenn wir eine Forschungseinheit schaffen wollen (UMR), also eine Struktur, die das Teilen von Forschungsverträgen ermöglicht (beispielsweise zwischen einer Universität und dem CNRS), wird jede Menge Zeit und Geld für komplexe bürokratische Abläufe verschwendet. 

NASA researchers on Project Stardust - Public domain

Wissenschaftler der NASA des Projekts Stardust. Bild frei von Urheberrechten.

Forschung in Afrika

Während in Frankreich die Forschung finanzielle Schwierigkeiten durchlebt, steht sie in den meisten Ländern Afrikas noch auf einer Vorstufe. Bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) erscheint allein Südafrika unter den Top 30. Unter den Top 70 [en] der in F&E investierenden Länder befindet sich leider kein einziges französischsprachiges Land. 

Und nun erklärt noch Juian Siddle, warum der afrikanische Kontinent alles Nötige hat, um zum nächsten weltweit bedeutenden Netzwerk der Wissenschaften [en] zu werden:

The groundwork is there – knowledge, ingenuity, willingness to learn and adapt, coupled with the rapid expansion of digital technology. All of this is really allowing Africa to play a major part in global scientific collaborations.

Die Grundlage ist da – Wissen, Einfallsreichtum, die Bereitschaft zu lernen und sich anzupassen, verbunden mit dem raschen Ausbau der digitalen Infrastruktur. Dies alles ermöglicht Afrika, in der weltweiten Forschungszusammenarbeit eine wichtige Rolle zu spielen. 

Calestous Juma, Professor am Zentrum für Internationale Entwicklung (CID) der Universität Harvard, fügt an [en], dass dieses Thema auf dem afrikanischen Kontinent einen völlig anderen Kontext hat:

The strategic focus for Africa should therefore be on generating research that has immediate local use. It is through such strategies that Africa will be able to make its own unique contributions to the global scientific enterprise

Darum sollte in Afrika der strategische Fokus auf Forschungsarbeiten liegen, die in den jeweiligen Regionen sofort einen hohen praktischen Nutzen entfalten. So wird es Afrika möglich sein, seinen eigenen Beitrag zum weltweiten Forschungsbetrieb zu leisten.

Chemistry lesson in Kenya from un.org, with their permission

Chemieunterricht in Kenia. Bild mit Genehmigung von un.org.

Wird der Forschung wirklich geholfen?

Trotz der Hilfszusagen vieler Regierungen fehlt der wissenschaftlichen Forschung möglicherweise eine wirksame Unterstützung durch die öffentliche Meinung. Ein Rückhalt, der es erlauben würde, auf Politiker Druck auszuüben, damit sie der Forschung zu einer nachhaltigen Entwicklung verhelfen. Dieses Argument vertritt John Skylar in seinem Artikel über die Webseite “I Fucking Love Science” [en]. Deren Inhalte wurden im Internet zwar geradezu epidemisch geteilt und verbreitet. Aber in Wirklichkeit sind nur wenige Länder bereit, in eine anspruchsvolle Forschung zu investieren: 

The pattern you’re seeing is a steady drop in funding of science by the government over the last 10 or 20 years. […] You know what budget doesn’t match this trend? U.S. defense spending. […] If you loved science, you’d vote based on candidates who want to increase funding for it. You’d make it an issue that actually generates media debate, that sees equal time with the wars we fight

In den vergangenen 10 oder 20 Jahren war ein Verhaltensmuster zu erkennen, wonach die Regierungen Jahr für Jahr weniger Geld in die Forschung investieren. […] Für welches Budget gilt dies nicht? Für den U.S. Verteidigungshaushalt. […] Würde man die Wissenschaft wirklich lieben, gäbe es mehr Wahlstimmen für Kandidaten, die sich für eine spürbare Aufstockung von Forschungsmitteln einsetzen. Man würde es zu einem Thema machen, das Debatten in den Medien hervorruft, die genauso viel Zeit in Anspruch nehmen wie die Kriege, die wir führen.

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