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Russen zu Sherlocks Rückkehr

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Still from the BBC's trailer for Sherlock's series three premiere. YouTube screenshot.

Noch aus dem BBC-Trailer der Prämiere der dritten Staffel von Sherlock. YouTube-Screenshot.

Russland hat eine lange Geschichte der Anglophilie, die bis in das Viktorianische Zeitalter zurückreicht. Während Großbritannien und Russland in den vergangenen Jahren unter einem angespanntes Verhältnis litten, hatte das kaum eine Wirkung auf die Meinung der gewöhnlichen Leute. Russen sind fleißige Anhänger der englischen Premier League, wobei Roman Abramowitsch so weit ging, den FC Chelsea zu erwerben. Reiche Russen haben so viel von Londons West End aufgekauft, dass die Londoner ihre Stadt mit Sarkasmus “Londongrad” oder “Moskau an der Themse” nennen. Während Großbritannien auf Margaret Thatchers Tod mit tiefer Zerrissenheit reagierte, empfingen Russen die Nachricht vom Ableben der “Zheleznaya Ledi” oder “Eisernen Lady” mit beinahe einstimmiger Anteilnahme. 

Englische Literatur ist nie aus der Mode gekommen. Doyles genialer Detektiv, ein unbestechlicher Rationalist durch und durch, der sich alles eigenständig aneignet, wurde für die sowietischen und russischen Bildschirme mehrmals adaptiert, das letzte Mal 2013, als eine hochbudgetierte Fernsehserie mit viel Fanfare (und ziemlich unansehnlichen Rezensionen) ausgestrahlt wurde. 

Es überrascht somit wenig, dass viele Russen die Neujahrsprämiere der dritten Staffel von Sherlock, der weit verbreiteten BBC-Adaption, die die Abenteuer von Sherlock Holmes und seinem Assistenten Dr. John Watson in das 21. Jahrhundert übertragt, angespannt erwarteten. Der Name der Serie, in Kyrillisch “Шерлок”, verbreitete sich auf Twitter als mehr und mehr Russen einschalteten, um sie auf Russlands erstem Programm zu sehen. Die Prämiere konzentrierte sich auf die Rückkehr des Titelhelden nach London, die auf eine zweijährige Abwesenheit folgte, während der er seinen eigenen Tod vorgetäuscht hatte, um das kriminelle Imperium seines Erzfeindes Jim Moriarty auseinanderzunehmen.  

British Dreams, ein russischer Twitter-Account, der sich an die russischen Fans des britischen Fernsehens richtet, machte sich über die Aufregung im Netz sanft lustig [ru].

Wir schreiben das Jahr 2023. – “Mama, warum heiße ich Sherlock?” – “Es war einfach eine verwirrende Zeit für mich, meine Tochter.”

Die lang erwartete Episode, welche viel Spekulation unter der vor Aktivität rasenden Online-Fanbasis der Serie erzeugt hatte, spaltete die Zuschauer zutiefst. Einige freuten sich [ru] über die Rückkehr der Show.

Sherlock ist die beste Detektiv-Show der Welt. Staffel 3 ist top. Ist gut geworden.

Andere waren weniger beeindruckt. Ein Blogger mit dem Pseudonym “have gods love” hat einen langen Katalog von Gründen [ru] aufgeführt, weshalb ihre Freunde von der Prämiere der dritten Staffel wenig begeistert waren, der eine wahrgenommene Überbetonung homosexueller Themen einschloss. (Einer der ständigen Witze in der Show ist, dass Watson und Holmes, zwei erwachsene Männer, die zusammen in Westlondon leben, oft für ein homosexuelles Paar gehalten werden).

Стон катится по френдленте: новый Шерлок не так хорош.
Слишком много кривляний, слишком много стеба, слишком много внимания фанатам, слишком много отношений, слишком много гомосексуальной темы, слишком мало сюжета… Андерсон не тот, Мэри никакая…
И главное – “Что-то не так. Вроде как те же и там же, но не так”.

Mein Newsfeed stöhnt: Der neue Sherlock ist nicht sonderlich gut. Zu viel übertriebene Schauspielerei, zu viel Scherze, zu viel Fanservice, zu viele Beziehungen, zu viel homosexuelle Thematik, zu wenig Plot… Irgendetwas stimmt mit Anderson [einer von Sherlocks nebensächlicheren Rivalen] nicht, woher kommt diese Mary [Watsons neue Verlobte]…
Aber hauptsächlich – “Irgendetwas passt nicht. Es sieht irgendwie genauso aus, aber etwas stimmt nicht.”

Mehrere russische User verkündeten ihre Absicht, die Serie nicht länger anzuschauen, da ihnen die Prämiere nicht gefiel. Trotzdem zeigt das Interesse, das die Prämiere erzeugt hat, die andauernde Beliebtheit der britischen Kulturexporte in Russland. Die Geschwindigkeit, mit der Kanal 1 eine russischsprachige Version zur Ausstrahlung parat hatte (und eine, die laut einem der Show gewidmeten Blogs eine starke Verbesserung [ru] zu den letzten zwei Staffeln darstelle) zeigt auch, dass Russlands Nachfrage an britischer Unterhaltung trotz Moskaus Vorliebe für Seitenhiebe auf Großbritannien ungebrochen bleibt. Was auch immer Kreml-Amtspersonen auf zukünftigen internationalen Konferenzen äußern mögen, es kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, dass gewöhnliche Russen bereit sein werden, an Benedict Cumberbatchs Lippen zu hängen.

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