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Russlands Kampf um die Oscar-Nacht

Sad DiCaprio selfie. Anonymous image found online.

Trauriges Selfie von DiCaprio. Online gefunden, Quelle unbekannt.

“Russland hat zwei Verbündete, seine Armee und seine Flotte”, schreibt [ru] Twitter Humorist @alcohistory und zitiert damit den berühmten Leitspruch des Zaren Alexander III. “Die Ukraine hat auch zwei Verbündete”, fügt er hinzu, “Jared Leto und die liberalen Intellektuellen Russlands.” Er spielt damit auf Letos Dankesrede als Best Supporting Actor bei den Oscars an, in der er die schwierige Situation auf der Halbinsel Krim erwähnte. Als die Oscars am nächsten Tag im russischen Fernsehen übertragen wurden, war dieser Teil der Rede herausgeschnitten (aber auf Twitter trotzdem schnell verbreitet).

Die Dankesreden konnten nur deshalb überhaupt beschnitten werden, weil die Veranstaltung nicht wie ursprünglich geplant live übertragen wurde. Russische Blogger fragten sich schon länger, ob die Krimkrise und die Angst vor “westlicher Subversion” eine Rolle dabei spielen könnten. Einige Stunden vor dem geplanten Start der Show verlinkte der russische Internetguru Anton Nosik die Facebookseite [ru] des russischen Filmkritikers Yyri Gladilschikov, der die Zeremonie kommentieren sollte. Channel One hatte Gladilschikov mitgeteilt, dass die Liveübertragung und damit sein Kommentar abgesagt wurden. Gladilschikov schrieb, das habe ihn bei der angespannten Situation in der Ukraine nicht überrascht:

Вообще-то я и сам сегодня думал: как это мы будем сидеть в студии все в розовеньком и обсуждать, кому достанется статуэтка, когда вокруг все катится в тартарары?

Erst heute habe ich gedacht: Wie sollen wir herausgeputzt im Studio sitzen und über mögliche Gewinner diskutieren, wenn alles um uns herum zum Teufel geht?

Nosik glaubt nicht an das plötzliche Feingefühl des großen russischen Fernsehsenders. Er listet in seinem Blog [ru] drei mögliche Erklärungen: Die Möglichkeit eine “politisch gefährliche” Zeremonie zu zensieren (nicht zuletzt weil sie von der offen lesbischen Ellen DeGeneres moderiert wurde), die zeitgleiche Berichterstattung über eine geplante Aktion auf der Krim oder technische Probleme, durch die eine Liveübertragung nicht möglich war. Nosik ließ seine Leser darüber abstimmen, was sie für wahrscheinlich hielten:

Nosiks Umfrage

Screenshot von Nosiks Umfrage: “Warum wurde die Liveübertragung abgesagt? 1. Politisch gefährliche Unterhaltung unter aktuellen Umständen 2. Krieg gegen Ukraine zeitgleich mit der Übertragung geplant 3. Technische Schwierigkeiten”

Nosiks Leser haben hier politischen Durchblick bewiesen – nachdem Letos Rede beschnitten wurde spricht eigentlich alles für den ersten Grund. Leto hatte während der Zeremonie als einziger die Ukraine erwähnt, und seine Rede wurde als einzige beschnitten. Nosik schreibt [ru] später, dass die Redakteure von Channel One wahrscheinlich einfach irgendetwas schneiden mussten.

Währenddessen beschäftigt sich das RuNet hauptsächlich mit der Krim. Hier ist ein Vergleich der englischen und russischen Tweets über “Oscars” und “Krim”:

Oscars, Krim und Ukraine. Russische Ergebnisse oben. Screenshot der Analyse von Topsy.

Oscars, Krim und Ukraine. Russische Ergebnisse oben. Screenshot der Analyse von Topsy.

Im RuNet blieb die Krimkrise also durchgehend das große Thema, auch wenn es in der Veranstaltungsnacht eine Spitze der Oscars gab – im Vergleich zu den englischen Ergebnissen war sie verschwindend klein. Natürlich waren auch die Russen nicht immun gegen das Oscar-Drama. Wie auf der ganzen Welt wurde auch hier mit Spannung beobachtet, ob Leonardo DiCaprio endlich eine Trophäe bekommen würde. Er ging leer aus, wozu ein Blogger schrieb:

Члены Академии, должно быть, заядлые интернет-тролли, ибо решили не лишать нас вечных шуток про Ди Каприо и Оскар, и дали награду другому

— ОЛЕНЬ (@climbingstar) March 3, 2014

Es muss einige Internet-Trolle in der Academy geben, die den Award anderweitig vergeben und uns damit unzählige DiCaprio und Oscar Witze ermöglicht haben.

Bei der angespannten Situation auf der Krim kann es jedenfalls nicht schaden, einen Sinn für Humor zu bewahren:

Eine Anspielung auf die Olympischen Spiele in Sochi. Mit einer zusätzlichen Anspielung auf die Ukraine wäre es gleich ein dreifacher Gewinn für die Nachrichtenwelt gewesen. Online gefunden, Quelle unbekannt.

Eine Anspielung auf die Olympischen Spiele in Sochi. Mit einer zusätzlichen Anspielung auf die Ukraine wäre es gleich ein dreifacher Gewinn für die Nachrichtenwelt gewesen. Online gefunden, Quelle unbekannt.

Und, wie ist die Zeremonie gelaufen?

“Und, wie ist die Zeremonie gelaufen?” Online gefunden, Quelle unbekannt.”

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